The Angriest Man in Brooklyn

Filmposter: The Angriest Man in Brooklyn

Filmposter: The Angriest Man in Brooklyn

Der letzte Film mit Robin Williams in der Hauptrolle! Da überdeckt die Emotion über den Verlust des Künstlers schnell den Blick auf den Film.
Dabei oszilliert dieser Film, der eigentlich ein Remake eines israelischen Spielfilms ist, zwischen »ganz gut« und »oj«. Erzählt wird eigentlich die Tragik eines jiddischen Witzes:
»Herr Doktor, sagen sie mir die Wahrheit. Wie steht es um mich? Haben Sie die Ergebnisse?«
Der Doktor nickt. »Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für sie. Zuerst die gute Nachricht: Sie haben noch 24 Stunden zu leben.«
»Was?! Und die schlechte Nachricht?«
»Der Bericht ist von gestern Abend.«

In unserem Film ist es Henry Altmann (Robin Williams also) der äußerst entnervt in einem Krankenhaus in Brooklyn eintrifft, wo ihn, statt seines Arztes, die junge Ärztin Sharon Gill (Mila Kunis) behandlen muss.

Nach Sichtung seines Gehirn-Scans erkennt sie ein Gehirn-Aneurysma mit äußerst schlechter Prognose. Weil Henry Altmann jedoch nicht sehr charmant ist und sie massiv unter Druck setzt mit der Prognose seiner Lebenserwartung, setzt die Ärztin die Lebenserwartung recht willkürlich mit 90 Minuten fest. Tatsächlich ist Henry Altmanns Prognose nicht gut. Er ist das, was man eine tickende Zeitbombe nennen kann. Jeder Anstieg des Blutdrucks könnte lebensgefährlich sein. Zu dumm, dass Henry ein Choleriker ist und es sich deshalb mit seinen Verwandten verscherzt hat. Sein Zorn ist grenzenlos. Im Verlauf des Films erfahren wir übrigens warum. Er ist also dem Titel entsprechend der wütendste Mann in Brooklyn.
Henry beschließt, nachdem er die 90 Minuten erfahren hat, diese weise zu nutzen und sich mit seiner Familie zu versöhnen und Dr. Gill will Henry aber behandeln. Vor allem, nachdem ihr klar wird, dass diese falsche Prognose sie ihre Zulassung kosten könnte.
Sie hetzt nun hinter Altmann her.
Henry wiederum will zuerst seinen Bruder sprechen. Der arbeitet bei Altmann Altmann & Altmann, der Kanzlei der Familie. Sein Bruder Aaron (Peter Dinklage), der im Büro übrigens Kippah trägt, hat gerade eine Sitzung mit älteren Kunden. Er fragt in den Raum, was man tun müsste, wenn einer seiner Klienten nur noch 90 Minuten zu leben hätte. Einer der Klienten erzählt einen Witz und der andere gibt den Rat, dass man zu denjenigen gehen sollte, die man liebt. Henry hetzt also weiter zu seiner Ehefrau, Bette (Melissa Leo). Aber man ahnt es, die Beziehung stand auf der Kippe. Sharon kommt inzwischen bei Aaron an und die Suche geht weiter. Die Situation in Henrys Haus eskaliert, er hetzt weiter zu seinem Sohn und will sich mit ihm aussöhnen. Doch die Fahrt durch den New Yorker Stadtteil läuft nicht reibungslos und Henry ist überzeugt, dass ihm nicht viel Zeit bleibt. Es wird also eine fulminante Reise durch Brooklyn. Die gesamte Handlung wird an dieser Stelle nicht verraten.
Der Stoff birgt eine gewisse Tragik in sich. Ein Mensch der bald sterben wird, will sich mit seiner Familie aussöhnen, doch diese sind nicht sonderlich zugänglich für sein Anliegen. Das hätte man sehr tränenrührig inszenieren können. Darauf hat Regisseur Phil Alden Robinson weitestgehend verzichtet und versucht, eine Komödie zu bauen. Hier und da hat er aber doch Pathos abgeworfen und es vielleicht ein wenig übertrieben. Kurz vor dem Ende gibt es einen dicken Verweis auf das Judentum, auch wenn das während des Films nur eine sehr hintergründige Rolle spielt. Vielleicht werden jüdische Zuschauer das eher erkennen als nichtjüdische. Ach ja und ganz am Ende verstört der Film dann noch einmal. Wenn Henry Altmann Jude war, warum… aber einen Spoiler will ich hier nicht einbauen.

Den Film gibt es nun auf DVD und wird auch von verschiedenen Streaming-Diensten angeboten.
Wer ihn ausleihen kann, sollte das tun. Keine Zeitverschwendung.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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