Har Nof

Während der nächsten Tage wird mir das während der Amidah des Morgengebets durch den Kopf gehen. Während die Beter in der Bnei Torah Synagoge in Har Nof gerade die leise Amidah sprechen (Bericht hier) dringen zwei Attentäter ein und wollen die Beter töten. Sie töteten fünf Menschen. Warum?
Die Antwort auf die Frage liegt doch auf der Hand: Weil sie Juden sind.

Oder wir bemühen die Erklärungsversuche die sonst kursieren: Ein palästinensischer Busfahrer wurde erhängt in seinem Bus gefunden. Die Gerichtsmediziner halten es für Selbstmord. Einige wünschen sich, es seien jüdische Extremisten gewesen. Es bleibt ein Gerücht. Ein weiteres Gerücht geht um (in aller Regelmäßigkeit): Die »Juden« wollen den Tempelberg. Auch das ein Gerücht.

Dann blicken wir ein paar Tage zurück: Autos rasen in Haltestellen, töten Menschen – unter anderem ein Baby. Es ist leicht, das in der Weltöffentlichkeit zu übergehen. Nun sehen sehen wir uns um und nehmen wahr, dass es tatsächlich Menschen gibt, die das Attentat auf die Synagoge begrüßen und sich wünschen, dieses Beispiel mache Schule. Was soll man da noch schreiben? Politische Analyse, Bashing der deutschen Medien wegen der unfairen Berichterstattung?

Mehr als die Feststellung, dass der Hass auf Juden so groß ist, dass er keinerlei Grenzen kennt, bleibt nicht. Wenn es einen Masterplan gibt, dann ist es der, das Misstrauen in die arabischen Bürger Israel möglichst schnell wachsen zu lassen. Traumhaft das Szenario, dass die Bevölkerung Israels nervös wird und die Regierung handeln muss. Das hatten wir im Jahr 2014 schon einmal. Mit dem Ergebnis, dass in ganz Europa Antisemiten auf die Straße gegangen sind.

Nur: Der Hass auf alle Juden wird die Situation nicht verbessern. Der Staat Israel wird weiterhin existieren. Menschenleben werden vollkommen sinnlos zerstört. Es geht nicht um die Erreichung politischer Ziele.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Ich erinnere mich noch, wie mir der Name “קהילת בני תורה” der Gemeinde gefiel, als ich daran vor nicht allzu langer Zeit vorbei lief.

    Einer der Ermordeten war Freund und Bekannter einiger Freunde und Bekannter.
    Eine seiner Töchter ist Freundin meiner Frau.

    Der “Lift” des Onkels eines Kollegen, der regelmässig in diesem Minjan betet, hatte an dem Tag Verspätung.
    Der Sohn eines Nachbarn war am dem Morgen in dieser Synagoge, auf dem Weg zum zweiten Minjan. Er hat die Leichen und Blutpfützen noch vor den Rettungskräften gesehen und entkam den Mördern wohl nur knapp.

    Aufwühlend ist noch deutlich untertrieben…

    Dass gewöhnliche Synagogen in Israel nun genauso zu Festungen werden sollen, wie bereits in Deutschland üblich, möchte ich nicht akzeptieren.

    Diese “super-mutigen Kämpfer” griffen eine Synagoge in einem Viertel an, wo bekanntlich kaum jemand dient, Waffen trägt etc. Sehr heldenhaft.

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