Folgenschwere Vertrauensbrüche

avv_heller

Im Juni schrieb ich über die möglichen Vertrauensbrüche in Frankfurt: ein Händler (Aviv) soll nicht geschächtetes Fleisch als koscheres verkauft haben. Er soll das Fleisch also geradezu gestreckt haben. Würde sich das bewahrheiten, hätten seine Kunden nichtkoscheres Fleisch verzehrt, müssten ihre Küchen neu kaschern und hätten über längere Zeit nichtkoscher gegessen. Jetzt hat der Betreiber des Geschäfts es zugegeben: Er hat Fleisch umdeklariert. Die Folgen dürften verheerend sein. Viele jüdische Einrichtungen bezogen von dort Fleisch und sind somit ab sofort nicht mehr koscher. Die Jüdische Allgemeine berichtet, die Rede sei von 40.000 Kilogramm umdeklarierten Fleisch.
Die Kosten für das neue kaschern müsste theoretisch der Verursacher tragen. Die Kreise die das zieht, dürften groß sein.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

65 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das System ist zu analysieren. Dabei kommt dem Rabbinat in Frankfurt eine Schlüsselrolle zu. Leider wird das in jedem Kommentar schlicht übersehen. Solange dieses System nicht reformiert wird, ist so ein Schmu jederzeit wieder möglich. Aber niemand wagt es, den ehrwürdigen Rabbiner Klein zu kritisieren. Dabei ist seine Verwicklung in ähnliche Vorgänge in Israel aktenkundig. Man will nichts draus lernen. Im Gegenteil, es wird dann sofort das Totschlag-Argument von Laschon HaRa gezückt. So ist der nächste Fall vorprogrammiert (oder es läuft bereits irgendwo schon) …

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    • Jede Gemeinde den Rabbiner, den sie verdient. Wenn die Gemeinde das folgenlos akzeptiert, dann steht es mir als Nicht-Gemeindemitglied nicht zu, die Entscheidung zu kritisieren. Das zeigt doch nur, wes Geistes die (Mehrheit in der)Gemeinde ist.

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      • genauso! Frankfurt ist das beste Beispiel! Genau das haben wir hier verdient. Und das Beste: es wird sich nichts daran ändern! Noch besser: in Deutschland ist Frankfurt die am besten aufgestellte Gemeinde; gewissermaßen der Beste in der Liga. In Berlin wären wenigstens die Fäuste geflogen, was immerhin zur Unterhaltung des Publikums beigetragen hätte. Armes Judentum!

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      • Ist das
        “Jede Gemeinde [hat] den Rabbiner, den sie verdient.”
        die gleiche “Bina” wie in
        “Ich kann mir nicht, nicht einmal ansatzweise, vorstellen, dass Rav Klein, eine oder die “Schwachstelle” in diesem System ist. Ich sehe Ihn jeden Schabbat beten. Ich denke, man sollte auf den Abschluss der Untersuchungen warten und sich vor Vorverurteilungen – egal in welche Richtung- hüten.” (von hier )

        Wenn ja würde mich ja schon interessieren, worauf der offenkundige Gesinnungswandel zurückzuführen ist.

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    • Der JA-Artikel beschreibt, der Maschgiach sei nach der Verarbeitung des Fleisches erschienen und habe versiegelt, ohne den Prozess beaufsichtigt zu haben. Und wenn die Siegel im Verkaufsraum rumliegen, da erübrigt sich jeder Kommentar.

      Wie sagt das Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und die hat hier offenbar nicht ausreichend stattgefunden.

      Der Maschgiach ist übrigens noch im Amt und Würden, ich habe ihn letzte Woche im koscheren Restaurant in Ffm gesehen. Ihm macht man also offenbar keinen Vorwurf – für mich nicht ganz nachvollziehbar.

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      • Für mich schon. Kaschrut ist in Frankfurt offenbar ein Thema, das für Gemeinde/Rabbinat nicht wichtig ist. Eine Freundin hat sich bemüht, die Gemeinde zu überzeugen, dass sie sich dafür einsetzt, das wieder ein koscherer Metzger und ein Lebensmittelladen mit koscheren Lebensmitteln nach Frankfurt kommt. Nach ihrer Aussage ist sie in der Gemeindeversammlung nur gegen die Wand gelaufen. Sie war furchtbar enttäuscht.
        Wenn das Thema für die Mehrheit in der Gemeinde kein Thema ist und hinter Maschgiach und Rabbinat stehen- dann musst Du das akzeptieren und eben koschere Lebensmittel außerhalb von Frankfurt beziehen,wenn es dir wichtig ist nicht betrogen und abgezockt zu werden. Du kannst es doch nicht ändern, wenn es den Gemeindegliedern offenbar sch…egal ist….

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        • Wie naiv ist das denn!? Natürlich nicht in der Gemeindeversammlung!

          Der weit überwiegenden Mehrheit der Juden auf der Welt, in Europa, in Deutschland und in Frankfurt gehen ihre Torah-Verpflichtungen bekanntlich am [zensiert] vorbei. Genau deshalb lebe ich ja nicht mehr in der Stadt.
          Und genau deswegen war Aviv ja auch von der Pleite bedroht, und hat sich zu diesem Betrug hinreissen lassen. Dass viele (mich eingeschlossen) auch anderswo (z. B. Strasbourg) gekauft haben, hat wohl nicht zur finanziellen Stabilisierung beigetragen.
          Das ist eine Sache von Angebot und Nachfrage. So lange es nicht genug koschere Konsumenten gibt, wird keiner das finanzielle Risiko eingehen. Es sind schon genug allein in den letzten 10 Jahren gescheitert.

          Sobald die Nachfrage da ist, gibt es auch ein Angebot. Ich habe mehrere koschere Geschäfte und Metzger in Fussreichweite. Ganz ohne Subvention.

          Die Gemeindeversammlung und das Rabbinat haben herzlich wenig miteinander zu tun. Mir ist unklar, weshalb hier vom einen auf das andere geschlossenen wird. Ist es nicht so, dass das Rabbinat in vielen Gemeinden in D nicht viel zu sagen hat?
          Wie sonst erklärt man eine Gemeinde-Laubhütte ohne Laub? Eine Gemeinde-Sukkah unter einem Baum?

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          • Ich rede von einer alleinstehenden alten Dame. Mit einer winzigen Rente, die verzweifelt versucht koscher zu leben… Dass sie naiv ist, das kannst Du ihr nicht vorwerfen. Die ist in einem Alter, sie wird nicht mehr in ein anderes Land oder eine andere Stadt umziehen.
            Ich bin kein Mitglied in der Gemeinde und lebe vegetarisch. Ich habe das Drama nur gefiltert über meine Frankfurter Freundinnen mitbekommen. Als Außenstehender ist mein Eindruck: es interessiert niemand, ob die Lebensmittel koscher sind oder nicht.
            Warum dann nach außen noch so getan wird “als ob”…, das ist was ich nicht verstehe. Dann bitte gleich Rücksicht auf die alten Leutchen mit einer kleinen Rente nehmen, die nicht viel Geld haben, und den (Fleisch-)einkauf bei Aldi und Co endlich freigeben. Damit sie ohne Gewissensbisse und seelische Quälerei Schabbos ein Stück Fleisch auf dem Teller haben können.

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            • Dass koscher teurer ist, ist nichts neues und liegt in der Natur der Sache.
              Um es boshaft zu formulieren: unsere antisemitischen Freunde behaupten immer, alle Juden seien reich. Gegenthese: Wer arm ist, kann es sich nicht leisten, Jude zu sein…

              Aus diesem Grund gibt es übrigens in funktionierenden Gemeinden
              – Gemachim und organisierte Zedakah,
              – Menschen, die regelmässig Maasser-Geld geben

              In wessen Machtbefugnis läge es bitte schön, sich über explizite Psukim in den fünf Büchern hinwegzusetzen und “Aldi-Fleisch freizugeben”??

              Sich auf die unkoschere Lebensmittel verzehrenden kann man sich nicht stützen, wenn man koscheres Fleisch möchte. Warum benutzt diese Dame nicht z. B. Versand-Service?

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              • Das war nicht meine Aussage. Sie macht, was Sie kann. Besorgt sich ihre Lebensmittel von auswärts… ist für eine alte Dame nicht einfach.
                Darum geht es mir nicht:
                Wo ist bitte der Unterschied, ob ich wissentlich das Fleisch von Aldi zu einem fairen Preis erwerbe, oder Aldi-Fleisch zu Koscherpreisen beim Koschermetzger?Aldi-Fleisch bleibt Aldi-Fleisch. Es ist nicht koscher. Und wenn die Gemeinde nicht in der Lage ist und Willens dem Betrug einen Riegel vor zu schieben, dann doch lieber gleich bei Aldi ehrlich und zu fairen Preisen einkaufen. Ich kann doch die Gemeindemitglieder nicht in trügerischer Sicherheit lassen…. Abzocke, aber alle können ruhig schlafen, weil wir ja nichts gewusst haben….. und wenn’s raus kommt, drücken wir alle Augen zu.

        • Vielleicht wichtig anzufügen, dass die Gemeinden als Körperschaft vermutlich nicht die Aufgabe haben, koschere Nahrungsmittel anzubieten oder dafür zu sorgen, dass sie günstig zu haben sind. Wenn sie dies täten, hätten wir vielleicht ein gutes Angebot aber dennoch keine Nutzer (vielleicht).
          Vielleicht könnten sie die Umgebung schaffen, die den Aufbau eines solchen Unternehmens fördern – vielleicht durch Anbieten günstiger Geschäftsräume etc. Meist ist aber der Gemeinderabbiner mit der Kaschrut-Aufsicht befasst.
          Je mehr Menschen die Einhaltung der Kaschrut wichtig ist, desto wahrscheinlicher ist der Unterhalt eines Betriebs, der auch aus eigenem Antrieb existieren kann. Das scheint einer Knackpunkte zu sein. Zumindest gibt es ja in Frankfurt einen EDEKA-Markt, der koschere Nahrungsmittel anbietet:

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          An ordinary supermarket in Frankfurt am Main – with a smart selection of kosher products #ffm #frankfurt #kosher

          Auf Instagram anzeigen

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  2. Wir hatten so einen Fall in hm, Monsey glaube ich. Damals entschieden Rabbiner sofort, dass die individuellen Küchen koscher waren/blieben. So etwas wäre hier sicher auch zu begrüßen.

    Der Händler konnte die Schidduchim für seine Kinder sicher abschreiben. Er hatte treifes Huhn umgepackt und mit den entsprechenden Stempelchen und erhöhtem Profit verkauft.

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    • Solange das ganze System so bleibt, wie es ist, werden sich solche Fälle häufen (wenn sie es nicht schon bereits sind). Und das System ist ganz einfach: Hauptsache, langer Bart und schwarzer Mantel. Ethik? Fehlanzeige! Ehrlichkeit? Pah! Frömmigkeit? Klar – als Show. Wir erleben die Disneylandisierung des Judentums in Echtzeit. Und sind machtlos – solange wir dieses System dulden. Warum bloß?

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  3. @Bina:
    Es gab ja einen Maschgiach. Der hat nur nach meinem bisherigen Eindruck seinen Job nicht gut gemacht. Ich behaupte, die Schlamperei, die den Betrug erst ermöglicht oder jedenfalls begünstigt hat, geschah nicht auf Anweisung des Rabbinats… (Disclaimer: Ich war auch mal kurzzeitig aushilfsweise als Maschgiach fürs Frankfurter Rabbinat beschäftigt. Ich hoffe, ich war damals sorgfältiger.)

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    • @Yankel
      Der wirtschaftliche, emotionale und spirituelle Schaden, der entstanden ist, den kann man nicht mit “dumm gelaufen” beiseite schieben. Ich frage mich, was passiert, wenn einer der (größeren) Kunden den wirtschaftlichen Schaden geltend macht. Wieweit und wohin eine Durchgriffshaftung in so einem Fall gehen würde. Und ob so ein Sachverhalt schon einmal vor einem Gericht entschieden wurde.

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    • Ja, dem ist so. Ganz nach dem Sprichwort: “Gelegenheit macht Diebe”. Die “Gelegenheit” haben rabbiner und Maschgi’ach zu verantworten. Also das System. Wenn wir verhindern wollen, dass es wieder zu so einem Schmu kommt, müssen wir – die Kunden – eben für Abhilfe sorgen. Wie wär’s mit einer unabhängigen Aufsicht zum Beispiel? Einer von den Kunden selbst organisierten Aufsicht? Die Rabbiner werden bestimmt dagegen sein. Warum? Eben!

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  4. @Binah:
    > “Wo ist bitte der Unterschied, ob ich wissentlich
    > das Fleisch von Aldi zu einem fairen Preis erwerbe, oder
    > Aldi-Fleisch zu Koscherpreisen beim Koschermetzger?
    > Aldi-Fleisch bleibt Aldi-Fleisch.”

    Es macht einen Riesenunterschied, ob man wissentlich ein Verbot übertritt oder unwissentlich. Meinst Du nicht auch?
    Im Kurzen: Es gibt zwei Buchführungen. Eine für “Gehorsam gegen die Gebote des Schöpfers”, eine weitere für Effekte. In physischer Analogie: auch wer versehentlich Gift konsumiert, erleidet den Schaden.

    Nichts liegt mir ferner, als das beseite schieben zu wollen. Ich glaube nur überhaupt nicht, dass dem Rabbinat das ganze, wie behauptet, gleichgültig ist und es zum jetztigen Zeitpunkt zu rechtfertigen ist, diesem die Schuld zuzuweisen.

    Ja, jetzt dann das Beth Din der ORD mal zeigen, was es drauf hat 😉

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    • Es geht hier um einen Lebensmittelskandal und in bei diesem systematischen Betrug um Wirtschaftskriminalität. Da ist nicht ein Hinkel mal versehentlich umdeklariert worden! Das war systematischer Betrug mit “Wissen und Wollen”. Der wissentlich oder bedingt durch massive Schlamperei nicht verhindert wurde. Das Kontrollsystem hat komplett versagt.

      Bitte nicht die “katholische” Lösung wählen: keine Stellungnahme von Maschgiach und Rabbinat bis die Gemeinde sich abgeregt hat, sich die Wogen geglättet haben und dann beim Beit Din “in Rom” hinter verschlossenen Türen das Problem begraben. Und dann “weiter so Deutschland!”

      Ich halte mich an das Motto der JewishVegetarians “Vegan is the new kosher”. Damit wird den Betrügern und Beutelschneidern das Geschäft kaputt gemacht.

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  5. …. Es macht einen Riesenunterschied, ob man wissentlich ein Verbot übertritt oder unwissentlich. Meinst Du nicht auch? …

    Erstens, ist das absolut korrekt! Aber zweitens: was soll den schon passieren, wenn man eine nicht-koschere Speise zu sich nimmt? Gar nichts, ganz im Gegenteil! Die Auswahl im Regal ist weit grösser, es schmeckt viel besser (einzige Ausnahme: Die koscheren Gummibärchen von Haribo) und es ist zudem deutlich billiger! Nur drei gute Gründe für uns finanziell stets klamme (= “arme”) Juden das alles etwas lockerer zu sehen, oder? Zudem ist das noch ein echter Beitrag zum Umweltschutz, da man überflüssige, weite Fahrstrecken vermeidet. Hashem als Gourmet und Sparfuchs wird mir da ganz sicher zustimmen! 🙂

    Guten Appetit und Shalom!

    Miles

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  6. Wer garantiert uns denn, dass das Fleisch aus Polen via Manchester und zurück auf den Kontinent eigentlich koscher ist? Wissen wir immer, was in den Fleischfabriken andernorts stattfindet? Das Fleisch kommt aus der Massentierhaltung und so sieht die Verarbeitung dann auch entsprechend aus. Wer sich schon einmal mit einem Shochet oder Mashgiach unterhalten hat, weiss, warum die manchmal wochenlang kein Fleisch mehr sehen können.
    Schmecken tut das Fleisch, das wir hier so glatt koscher interkontinental auf den Teller bekommen, auf jeden Fall nicht besonders. Wir haben schon immer gesagt: wer koscher fleischig essen will muss eben leiden 😉 – und sollte aufgrund der mangelhaften Qualität des Fleisches unbedingt auf nur einmal die Woche beschränken. Mehr könnte – nicht nur wegen Antibiotika im Fleisch durchaus ungesund sein. Sozusagen Fleisch wirklich nur am Schabbes wegen dem Oneg. Wobei das ja auch kein “muss” ist.
    Für mich ist Oneg Schabbes mehr und mehr ein Schabbes ganz ohne Fleisch.

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    • “Wer garantiert uns denn, dass das Fleisch aus Polen via Manchester und zurück auf den Kontinent eigentlich koscher ist?”

      Hoffentlich nicht-korrupte Maschgichim, die ihre Siegel nicht rumliegen lassen und beim Umpacken zugegen sind.

      “Schmecken tut das Fleisch, das wir hier so glatt koscher interkontinental auf den Teller bekommen, auf jeden Fall nicht besonders.”

      Könnte mit dem Ausbluten zusammenhängen.

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      • Hängt eher damit zusammen, dass das Fleisch nicht bio ist, und z.B. bei Hackfleisch und Würsten Knorpelmasse und Abfälle ohne Ende verwendet werden.
        Koscheres Fleisch ist in der Regel vergleichbar mit konventionellem Fleisch im mittleren bis unteren Qualitätssektor.
        Inwieweit man Maschgichim vertrauen kann, sei dahin gestellt. Es bleibt einem ohnehin nichts anderes übrig, als das Beste zu hoffen.

        Ich plädiere auf jeden Fall dafür, wenig Fleisch zu konsumieren.
        Das tut uns und unserer Umwelt gut.

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  7. Es geht hier zwar um Betrug, aber es ist doch nur ein Symptom eines Problems: Das es wenig Juden gibt, die koscher essen. Und die denen es wichtig ist, nehmen weiter Entfernungen in Kauf.
    Als Muslim hätte ich ein Angebot. Nun was haben Muslim was die Juden in Deutschland nicht haben? Viele Läden, Supermärkte usw. ein reichhaltiges Angebot und Möglichkeiten einzukaufen, u.a auch Fleisch.
    Das Problem der Muslime in BRD besteht darin, das sie wegen ihres Halal Schlachtens Probleme bekommen. Sei es in Behörden oder vor Gericht (wobei hier eigentlich alles gut läuft). Die Umsetzung macht Probleme.

    Die Lösung: Hier könnten sich Juden und Muslime entgegenkommen. Warum werden Nahrungsmittel, besonders Fleisch in türkischen, arabischen usw. islamischen Läden nicht einfach nach jüdischen Standarts, also Koscher angeboten?
    Denn das jüdische Schächten ist viel strenger als das der Muslime, folglich nach islamischem Recht erlaubt. Somit könnten Juden in vielen muslimischen Märkten einkaufen, weil es ihnen erlaubt wäre. Der Preis wäre angemessen und man müsste nicht lange Strecken zurücklegen um Koschere Läden aufsuchen.
    Die Muslime wiederrum hätten somit das Problem mit dem Halal-Schächten gelöst, weil sie hier einfach auf dem Ticket “jüdisches Schächten” ihren Bedarf decken könnten.
    Eine Win-Win Situation. Wie das alles im Detail dann gemacht wird, das müssten dann jüdische und islamische Organisationen unter sich ausmachen. Die Haltung der Tiere, Beschaffung von Fleisch, Schächten, Prozeduren usw.

    Das ist eine spontante Idee, die sicherlich ihre Ecken und Kanten hat, aber wenn man es will, geht alles.
    Was sagt ihr dazu?

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    • Finde ich ja eigentlich eine interessante Idee, weiss nur nicht, ob sie durchsetzbar ist.
      Wir haben ja beide (als Gruppen) die Nase oft ziemlich hoch ;).
      Ob sich da die Kulturen begegnen können und an einem Strang ziehen?
      Man könnte es versuchen.

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    • @Serdar Das ist schon richtig. Die geringe Nachfrage macht das Geschäft nicht gerade ultraprofitabel (um das mal euphemistisch) zu formulieren.
      Die Idee wäre gut: »Support your local shechter.« 😉 Jüdische Schächter dürfen ja betäubungslos schächten.
      Allerdings weiß ich nicht, ob das praktisch so herum durchführbar wäre. Der Verkauf in einem Geschäft, in dem auch andere (nicht koschere) Speisen hergestellt oder verarbeitet werden, dürfte zu Problemen führen.
      Interessanter wäre die Option, direkt von einem Metzger zu kaufen oder die lokalen Verkaufsstellen auch durch Muslime zu »unterstützen«. Dann könnte der Metzger auch andere Preise machen und bei dem könnten ja auch die muslimischen Händler (oder »Endkunden«) kaufen.

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    • Ich erinnere mich nicht mehr an die Details, aber in der Schweiz soll es mal eine Situation gegeben haben, wo die Muslime die koscheren Metzgereien leergekauft haben und die Juden das Nachsehen hatten. 😉

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      • nein, das in der Schweiz das waren keine Moslems, das war ein hausgemachtes Problem, wo einer den bzw. die anderen aus gewissen Gründen ärgern wollte. Hatte mit Moslems rein gar nichts zu tun.

        Man konnte den “Bedarf” nicht einfach “höher einschätzen”, die Kontigente, die pro Quartal für koscher- und halalfleisch zur Verfügung gestellt werden, werden vom Staat festgelegt, für alles was darüber ist zahlt man horrende Zollgebühren.

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  8. Pingback: Muslims goes Koscher | Serdargunes' Blog

  9. Stimmt in solchen Geschäften gäbe es auch nicht koschere Speisen. Außer man würde das räumlich trennen. Aber die Idee direkt vom Metzger zu kaufen oder lokale Verkaufsstellen zu unterstützen ist da schon interessanter. Betäubungslos Schächten wäre hier gewährleistet. Und es würde sich sowohl für die Metzger als auch für lokalen Stellen lohnen.
    Ich bin in keine Verbandsstrukturen eingebunden, aber ich hoffe mal das da jemand mitliest. Ich weiß ja nicht wie es bei euch ist, aber es wäre schön, wenn der organisierte Islam hier mehr auf die Reihe bringt als Personalfragen und Gezänk.

    @ Yankel Moishe
    Wenn diese Idee in der ein oder anderen From realisierbar ist, warum nicht? Das wäre doch eine wirkliche Innovation.

    Also liebe jüdischen und muslimischen Verbands, Gemeinde usw. Mitglieder, Funktionäre usw. tragt diese Idee in eurem Kontext mal vor.

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  10. Etwas off-Topic, aber es passt dann doch wieder zum Thema.
    Ich habe mir die Frankfurter Gemeinde 1 Jahr als Gast angesehen. Ich habe in Frankfurt ganz liebe Freundinnen, an denen ich sehr hänge. Aber BEVOR die “Schweinswürstelaffäre” hochgepoppt ist, habe ich mich heftig bei meinem Rabbi USA ausgeweint und mich entschlossen, NICHT Mitglied in der Frankfurter Gemeinde zu werden. Obwohl ich von Herzen eine Gemeinde gesucht habe. Ich stelle mir eine GEMEINDE dann doch etwas anders vor als das, was in Frankfurt passiert. Mein Gefühl aus Außenstehender: Die “Herren” Rabbiner sind nicht wirklich an den Gemeindegliedern auf der Frauenempore interessiert. Einfachstes Beispiel: Hat mal einer der Herren darüber nachgedacht, dass die Akustik so bescheiden ist, dass FRAU fast keine Chance hat zu verstehen, was unten passiert? Ich kann nur als Außenstehende reden, aber ich hatte das Gefühl, dass das Rabbinat in einer anderen Welt als die Gemeinde lebt. Berührungspunkte zwischen Rabbiner und “Fußvolk” gibt es offenbar nicht wirklich.
    By the way: frau kann einen schönen Gttesdienst aus USA streamen. Das versteht frau sogar, was die Rabbinerin sagt! Über den großen Teich scheitert die Basiskommunikation nicht schon an der Akustik (und fehlendem Interesse an der Gemeinde?) 🙂

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    • Das mit der Akustik, speziell auf der Empore, ist leider ein bekanntes Problem,
      und Heerscharen von Experten sind bereits daran gescheitert.
      Schon bevor das Marmor kam, war sie dank Kuppel schlecht, aber seitdem ist es noch deutlich schlimmer geworden.
      Für einen Chazan in der leeren Synagoge ist es allerdings sagenhaft.

      Hand aufs Herz: Westend ist eine “Social synagogue”. Jeder weiss: wer ernsthaft beten will, geht anderswo hin.

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    • @Andy:
      Das weiss ich natürlich.
      Ich wäre folglich nicht überrascht, wenn sich der Caterer eine neue Haschgachah sucht. Aber das ist zum jetztigen Zeitpunkt eine Sache von Reputation, nicht von echtem Kaschrut Problem.

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  11. @ Yankel Moishe
    Hängt mit meinem Job zusammen. Privat bin ein sehr spiritueller Mensch. Ich habe aber auch in einer BIG 4 WP Gesellschaft gearbeitet und kann es ums verrecken nicht ab, wenn unprofessionell gearbeitet wird und Kontrolle – nachweislich- nicht funktioniert. Das Exkulpieren ist im Business legitim. Habe ich überhaupt kein Problem damit. Wenn ich mich aber auf diese Schiene zurückziehe, dann muss ich mich auch auf der professionellen Schiene verantworten! Wenn ich sage, “Ich bin ein spiritueller Mensch. Ich habe einen Fehler gemacht. Vielleicht zu viel vertraut.. Ich bin Seelsorger und kein Übermensch.” Dann ist das für mich eine saubere Lösung. Je nach Wetterlage die Richtung ändern, ist m.E. nicht in Ordnung.

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  12. … Berührungspunkte zwischen Rabbiner und “Fußvolk” gibt es offenbar nicht wirklich …

    Natürlich nicht! Aber Hand aufs Herz, wozu braucht man/frau schon diese mitunter recht verschrobenen Typen – vielleicht mal abgesehen von einer Bar/Bat Mitzwa?

    Shalom,

    Miles

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  13. Weiss nicht, ob wir heute so paskenen, aber der RaMBaM scheint mir ziemlich klar:
    ח [ט] טבח הנאמן למכור בשר, ונמצא בשר נבילה או בשר טריפה–מחזיר את הדמים לבעלים
    (von hier).
    Auf Deutsch: Ein vermeintlich koscherer Metzger, der Treifos oder wie hier Nevelos verkauft, muss das Geld zurückerstatten.

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  14. Man schaue sich das Manuskript (unten auf der Seite) zu diesem Beitrag des DLF aus dem Jahre 2011 an.
    Es kommt der Angeklagte zu Wort, zu einer Zeit, wo der Betrug laut Anklage bereits seit längerem lief. Das nennt man dann wohl חוצפה!

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    • Akiwa Heller:

      “Also, das meiste aus Belgien und Frankreich und Israel, manchmal auch Amerika und, ja, da, wo es jüdische Hochburgen gibt, wird halt viel produziert. Und ich kann auch nicht überall kaufen. Ich muss egal, welchen Anbieter ich benutzen möchte, welchen Lieferant, ich muss erst mal zu unserem Rabbiner gehen. Und wenn der mir das bestätigt, das akzeptiert, dass es dort koscher genug ist für seinen Maßstab, dann kann ich das hier unseren Kunden auch anbieten.”
      (von hier, Beitrag vom 01.01.2010.)

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