Die große Kaschrutliste

Die Lebensmittel der großen Marken in Europa stammen häufig aus der gleiche Produktion und sind nahezu überall verfügbar. Nicht selten kann es vorkommen, dass man auch mal im Nachbarland einkauft (das hängt natürlich von der geographischen Situation ab). Deshalb ist es folgerichtig, dass es nicht mehr nur nationale Kaschrutlisten gibt, sondern eine große europäische. Die Europäische Rabbinerkonferenz hat das Projekt an den Start gebracht und eine solche Liste ins Netz gestellt (hier).
Europäische Kaschrutliste

Mann kann, nicht ganz intuitiv, die Liste sortieren oder sich Einträge für bestimmte Länder anzeigen lassen. Um das zu tun, muss man allerdings ein gewisses Verständnis für solche Anwendungen mitbringen. Wer etwa Produkte anzeigen lassen möchte, die für Deutschland relevant sind, muss dies eingrenzen: Zeige mir Einträge für Germany.
Kaschrut-Liste

Man erhält dann alle Einträge für Lebensmittel, die auch in Deutschland verfügbar sind. Das Problem an den Daten ist, dass sie offenbar aus den nationalen Listen stammen. So schleichen sich deutsche Negativeinträge in die Liste. Das Lebensmittel taucht in der Liste auf, ist aber nicht koscher. Einfach, weil der Ersteller der deutschen Liste dies eingetragen hat:

Nicht koscher

Man kann sich fragen, welchen Wert diese Information für jemanden ist, der mit dem Wort Nicht nichts anzufangen weiß. Glücklich derjenige nichtdeutsche Nutzer, der das abstrahieren kann. Es gibt da also noch reichlich Verbesserungspotential. Dass ein Datenpool existiert, ist ein riesiger Fortschritt. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, diese Daten unter eine freie Lizenz zu stellen, so dass man sich mit anderen Tools aus diesen Daten bedienen und Apps oder Onlineanwendungen bauen kann.

Die deutsche Liste der Orthodoxen Rabbinerkonferenz findet man übrigens hier.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Boolescher Wert ging ja nicht, also hat man sich wohl gedacht, schreiben wirs direkt in den Text. Crazy.. Was bei beiden fehlt ist ganz klar die Barcode-Nummer, dann könnte man per Barcode-Leser eine Suche starten und müsste auch nicht den Namen eintippen.

    Eine Api für so etwas zu bauen sollte in < 2 Mann-Tagen möglich sein. Gut investiertes Geld, würde ich sagen.

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    • Ja, absolut. Eine Api fehlt, um die Daten nutzbar zu machen. Vielleicht sollte man das einfach mal so an die Europäische Rabbinerkonferenz herantragen… dann müsste aber vielleicht auch die Datenerfassung verbessert/vereinheitlicht werden…

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      • Mach du das doch einfach. Die ORD-Liste sieht ja schon vernünftig in der Erfassung aus.

        Man braucht ja eigentlich sechs Stati:

        0 – Nicht Bewertet
        1 – Parve
        2 – Koscher, Milchig
        3 – Koscher, Fleischig
        4 – Verboten, wegen Fleisch
        5 – Verboten, wegen Milch/Fleisch-kombination

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        • Koscher – cholov Yisroel
          verboten – weil ohne Bedikas Tolaim

          “Fleisch-Milch Kombination” kann doch eigentlich nur in Produkten vorkommen, die ungeschächtetes Fleisch enthalten sind, und daher ohnehin verboten sind.

          Andere Stichworte: Yoshon, Sheviis.

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