Poller und Juden

Kugelpfosten 1

»Poller« sind harmlose Dinge. Sie stehen im Weg herum, mehr nicht. Das ist aber auch ihre Aufgabe. Böse Menschen werden sagen: Das haben sie mit Juden gemeinsam. Sie stehen im Weg herum und stören.
Und tatsächlich – bringt man beides zusammen, werden die Poller zu bösen Instrumenten der Geldverschwendung. Sie sind Ausdruck für alle möglichen Dinge, die man auch schon zu vielen anderen Gelegenheiten über das Judentum gesagt hat.

Die Rede ist von Aachen. Hier wünscht sich die Jüdische Gemeinde (laut Zeitungsbericht) seit einigen Jahren stabile terrorsichere Poller für 145 000 Euro. Eine Lokalzeitung berichtet darüber und natürlich bleibt der Artikel nicht unkommentiert. Die Baukosten sind dabei weniger das Problem:
»Alle schwafeln vom „interreligiösen Dialog“, und eine der Glaubensgemeinschaften will sich deutlich sichtbar einpöllern« schreibt ein Kommentator

Der gleiche Kommentator findet, dass die Gemeinden mit ihrem eigenen Geld dafür bezahlen müssten, dass man es auf sie abgesehen hat:
»Warum werden solche Kosten der Allgemeinheit auferlegt? Wenn die jüdische Gemeinde noch mehr Schutz haben will, als eh schon (dazu zählt u.a. eine 24-Stunden-Überwachung von (Zivil)polizisten, Kameras, etc.), dann soll sie auch dafür aufkommen.«
Ein anderer schreibt dazu:
»da hast du vollkommen recht aber leider werden die die genau diese meinung offen sagen direkt als nazi beschimpft und die jüdische gemeinschaft hat meistens nur ein argument „es sind 6mio von uns ausgelöscht worden,wir haben angst“«
Und weiter: »und wenn man es mit nem jüdischen bürger oder oberhaupt macht hetzt direkt der weltjudenrat oder wie er sich schimpft gegen dich. die letzten jahre sprechen für sich.«
Nur ein kleiner Einblick in eine lokale Posse, aber demonstriert doch recht gut, was ich im Juli 2012 zum Judentum in Deutschland schrieb »Das ist Hawaii« – die zivilisatorische Schicht ist so dünn, dass nur ein kleiner Kratzer reicht, um die unappetitliche Lava hervorquellen zu lassen.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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