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Weg mit der Armbanduhr!

By ??????? [Attribution], via Wikimedia Commons

Rabbi Schmarjahu Josef Chajm Kanievsky
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Armbanduhren gehören nicht an die Handgelenke der Männer. Vielleicht oder eventuell jedenfalls.
Rabbiner Kanievsky hat eine gewisse Autorität für halachische Fragestellungen der Charedim. Nun ware es dem Internetportal Kikar Schabbat immerhin eine Melung wert, zu berichten, dass Rabbiner Kanievsky wiederholte Male darauf hinwies, dass Männer keine Armbanduhren tragen sollten. Dies würde gegen das Verbot לא ילבש verstoßen: Eine Frau darf sich nicht anziehen, wie ein Mann und umgekehrt.
Interessanterweise wies man ihn wohl darauf hin, dass es Fotos von anderen Entscheidern (es wird etwa Rabbiner Elasar Menachem Man Schach genannt) gibt, auf denen sie Armbanduhren trügen.

Rabbiner Kanievsky fügte dann hinzu, dies hätten sie nur getan, bis sie gelernt hätten, dass man dies nicht tun sollte. Naja, könnte man antworten, dass ist nicht so schlimm, das iPhone zeigt die Uhrzeit ja auch an, oder kann sie sogar ansagen. Apps dazu gibts ja im Internet. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Rabbiner Kanievsky das für eine gute Idee halten würde…

Der Artikel hat auf Kikar Schabbat jedenfalls zuletzt 93 Kommentare vorweisen können und 342 Facebook (?!) Likes. Verblüffend.

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Jüdische Witze aus Berlin

Vorsicht: In diesem Artikel geht es nicht um die Gemeindepolitik.

Der Tagesspiegel fand, es sei eine gute Idee, Berliner Juden jüdische Witze erzählen zu lassen und ein entsprechendes Video auf die Webpage hochgeladen (welches man nicht auf anderen Websites einbetten kann). Das Video ist hier zu sehen.
Die Idee ist großartig, auf die hätten eigentlich auch ein paar deutschsprachige jüdische Blogger kommen können (und warum setzt das niemand um? Mobiltelefon rausnehmen, Witz mitschneiden, online stellen!). Bei der Umsetzung hapert es aber massiv. Die Tonqualität ist beispielsweise unterirdisch. Die Witze sind recht brav und irgendwie zündet keiner so richtig (mit Ausnahme des Pizza-Witzes). Plus: Es wird schon wieder der Witz von den Gestrandeten erzählt, die auf einer einsamen Insel mehrere Synagogen bauen. Es bleibt nur zu hoffen, dass das eine ironische Metaebene hat

Als Hinweis für den Tagesspiegel: So geht es richtig.

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Berlin macht weiter

Dass es um die Stimmung in der Berliner Gemeinde nicht so sehr großartig bestellt ist, ist im jüdischen Deutschland so normal geworden, dass man gar nicht mehr genau hinhört, wenn Gegner und Apologeten der jeweiligen und aktuellen Gemeindeleitung berichten (in den eigenen Gemeinden gibt es oft ausreichend eigenen Ärger). Nun werden die Stimmen aber so laut, dass man schon einmal hinhört. Jetzt berichten auch die großen Medien in Deutschland über die Vorgänge in Deutschlands größter Gemeinde. Zu einer handfesten Auseinandersetzung ist es gekommen, eine Prügelei, über die offenbar auch im Ausland berichtet wurde.
Hintergrund? Es gibt finanzielle Probleme. Der Senat Berlins hat die Zuschüsse aus dem Staatsvertrag (5,5 Millionen Euro Personal) auf Eis gelegt. Die Gemeinde hat offenbar keinen aktuellen Wirtschaftsplan vorgelegt. Um überhaupt Gehälter auszahlen zu können, wollte der Vorstand ein Grundstück der Gemeinde beleihen. Ein Plan, der zumindest hinterfragt wurde. Auch weil man wohl wissen wollte, welches Grundstück denn genau. Im Verlauf der Abstimmung muss es dann zu den Tumulten gekommen sein und so betraten die Repräsentanten die Bühne der Weltpresse.
Zuletzt musste auch die Allgemeine Rabbinerkonferenz die Gemeinde daran erinnern, dass die Vorgänge keine inneren Angelegenheiten seien, sondern letztendlich auch auf die Gesamtwahrnehmung des Judentums zurückfielen. Der gesamte Brief ist hier dokumentiert. Ein Bericht der Berliner Zeitung hier.
Aber: Es gibt viele (jüdische) Aktive in der Stadt, die all das nicht beeindruckt. Längst nicht alle Juden sind übrigens auch Gemeindemitglieder.

So ging kürzlich die Initiative Hamakom an den Start (irgenwiejuedisch berichtete direkt), die sich für unterschiedliche Facetten jüdischer Identität und Kultur einsetzen und ein sinnstiftendes jüdisches Leben in Berlin erleben und erlebbar machen will. (Zitat von Website), daneben gibt es auch eine Initiative namens deghetto, die israelischen Netzwerke und natürlich viele kleinere Gruppen für verschiedene religiöse Zwecke. Dazu kommen die größeren Spieler, wie Chabad und Lauder. Ruhig ist es um die Gemeinde Adass Jisroel geworden, die keine öffentliche Förderung erhält. Es ist also überall dort lebendig, wo engagierte Leute sich engagieren dürfen. Berlin macht also weiter, während die Gemeinde augenblicklich noch Schlagzeilen macht.
Zusammen werden die Pfade wohl nicht mehr führen.

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Boykott? Gute Idee!

Hallo zionismuskritische Aktivisten,
Hallo BDS,
Hallo Boykottfreunde,

wie zu lesen war, fruchten Eure Bemühungen so langsam. Selbst die deutsche Regierung erwägt eine Markierung von Artikel die, Eurer Meinung nach, von Israel besetzt gehalten werden. Diese Maßnahme erleichtert natürlich den Boykott dieser Waren ungemein. Immerhin sollen ja die kritischen Verbraucher nicht auf die Idee kommen, Waren aus Israel oder sogar aus den besetzten Gebieten zu kaufen. Denkbar ist übrigens eine App, mit der man EAN-Codes einscannen kann. Die App würde zunächst zwei Stufen vorsehen: Zionistisches Produkt: Ware kommt aus Israel und Apartheidsprodukt – Ware kommt aus dem Westjordanland. Für die nächste Version kommt dann noch die Stufe Jüdisches Produkt – Finger weg. Die Hersteller könnten mit Israel sympathisieren.

Made in Israel

Made in Israel

Stellt Euch einmmal vor, Ihr setzt Euch durch und die Maßnahme greift wirklich?! Was ja durchaus realistisch ist, denn man könnte man sich ja über den Einkaufswagen auch gleich für die Beschneidung revanchieren.
Wenn Euch das gelänge, dann würdet ihr der Intifada einen riesigen Anschub geben. Denn wenn keiner mehr die Produkte kauft, müssen ja die Fabriken und Unternehmen ihre palästinensischen Arbeitnehmer entlassen und die bleiben dann ohne Geld. Sie können ihre Familien nicht mehr ernähren und sind dann endlich vollkommen auf die Infrastruktur militanter Islamisten angewiesen und dann geht es richtig rund. Eine Zivilgesellschaft, die auf vernünftige ökonomische Verhältnisse angewiesen ist, kann man ja unter diesen Umständen nicht aufbauen. Und das wollt Ihr ja vermutlich auch nicht. Eine Demokratisierung der Verhältnisse würde wahrhaftig nur dafür sorgen, dass sich Israel irgendwie mit einem ordnungsgemäßen Verhandlungspartner einigt und einen Kompromiss eingeht.
Wenn Ihr den vollständigen Aufstand wollt (was man der Formulierung die Besetzung und Kolonisation allen arabischen Landes beendet durchaus entnehmen könnte), dann ist das der Weg, den man einschlagen sollte. Klar, wird sich die soziale Situation der meisten Familien rapide verschlechtern. Aber es geht hier doch ums Prinzip, oder? Man muss auch bereit sein, Opfer für höhere Ziele zu bringen.
In diesem Sinne: Ran an die Einkaufswagen!

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Wetter und Juden

Was soll man sagen? Bisher (meines Wissens nach) hat niemand behauptet, Juden seien schuld am Wetter – aber aufgepasst:
Das Frühjahr 2013 ist eher unterdurchschnittlich, was das Wetter betrifft und jetzt kommen die Wissenschaftler Warren Anderson, Noel Johnson und Mark Koyama daher und erkennen einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Verfolgung von Juden. Jedenfalls historisch.

Die Forscher haben 785 Ereignisse aus 1069 Städten ausgewertet, bei denen Juden aus einer europäischen Stadt vertrieben wurden. Betrachtet wurde der Zeitraum zwischen 1100 und 1800. Zeiträume mit kälterem und schlechterem Klima erhöhten, laut Studie, die Wahrscheinlichkeit für Ausschreitungen und Vertreibungen. Die Studie namens »From the Persecuting to the Protective State? Jewish Expulsions and Weather Shocks from 1100 to 1800« ist bereits im Februar erschienen, aber nach dem schlechten Frühjar 2013 kann es nicht schaden, an dieser Stelle darauf zu verweisen:

Viewed through this lens, our results suggest that temperature shocks put pressure on rulers to expel Jews both as a means to make up lost tax revenue as well as to quell popular violence. The model predicts that more developed states with greater fiscal capacity and greater political stability, were less likely to expel Jewish communities as a result of these shocks.
von hier

Die Studie steht als Volltext zur Verfügung. Fans von Daten, Statistiker und Historiker werden das mit Interesse lesen.