Ahawah Rabbah

Kürzlich berichtete ein Bekannter, dass man in seiner Gemeinde (Ja, in Deutschland) einen Einschub in das Gebet Ahawah Rabba macht. Statt lo nevosch – le’olam wa’ed sagt man in dieser Synagoge lo nevosch ve’lo nikalem ve’lo nikashel le’olam wa’ed. Die Formulierung kommt einem vielleicht bekannt vor, denn sie stammt aus dem s(e)fardischen Ahawat Olam. Also nicht aus Ahawah Rabba. Noch komplizierter: Die sfardische Variante des Ahawat Olam unterscheidet sich wiederum von der sefardischen Variante.

In der angesprochenen Gemeinde gibt es nun eine seltsame (?) Mischung, die zwei Traditionen in Verbindung bringt:
Schon der Talmud erzählt in Berachot 11b von zwei Varianten. Anscheinend ist eines die Tradition Palästinas und eines die Tradition Babylons. Die Aschkenasim haben als Ausgleich (offenbar stets auf der Suche nach einem Kompromiss) Ahawat Olam in kürzer und veränderter Fassung ins Abendgebet übernommen.

Jetzt könnte man meinen, bis auf den Anfang und den Einschub, seien die Gebete gleich. Das dachte ich anfänglich auch, das ist aber nicht so.
Weil der Vergleich von Siddur zu Siddur sehr sehr mühsam ist, habe ich also eine Synopse der Texte erstellt. Vielleicht hat ja noch jemand Interesse daran, deshalb entlasse ich diese Synopse als Creative Commons Dokument in die Öffentlichkeit.
Hinweise sind natürlich herzlich willkommen. Vielleicht kennt ja jemand eine weitere Variante oder kennt eine Herleitung.

Das Dokument kann man hier herunterladen.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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