Artikel

Tanach-Zitate im Talmud – der Index

Torah Or

Torah Or – Zitat plus Stelle

Ein Blatt Talmud enthält im Aufbau der Ausgabe von Wilna in der Regel in der äußersten Glosse die Rubrik Torah Or. In dieser kann man Zitate aus dem Tanach, die im Talmud-Text auftauchen, vollständig lesen und auch sehen, woher sie stammen. Umgekehrt gibt es in den Standardausgaben keinen Hinweis darauf, welche Stellen im Talmud wiederum sich auf welche Stellen aus dem Tanach beziehen, oder sie zitieren – also eine Art Konkordanz der Tanach-Zitate aus dem Talmud. Diese Arbeit hat sich nun Kirchenrat im Ruhestand Dr. Hans Maaß gemacht. Dieses Bibelstellenregister zum Babylonischen Talmud steht sogar online als pdf zur Verfügung (hier). Von Bereschit bis zu den Diwrej haJammim werden (nahezu) alle Zitate des Tanach im Talmud aufgelistet: In deutscher Sprache natürlich. Für Interessierte an der Materie bietet das Material sicherlich eine große Hilfe. Leider, muss man sagen, hat Dr. Maaß mit der Übersetzung und den Kommentaren von Lazarus Goldschmidt gearbeitet. BibelstellenregisterVielleicht wäre eine Arbeit mit der Glosse Torah Or noch sehr viel ergiebiger gewesen, denn die referenziert mehr Stellen, als Goldschmidt zitiert. Ein Beispiel wäre direkt Bereschit 1,5. Dieses Zitat ist im Bibelstellenregister für Ber 26a; Schab 10a; Pes 2a; 88a; Meg 10b; 20b; Chag 12a; Nas 7a (Seite 5) nachgewiesen. Tatsächlich taucht dieses Zitat bereits auch auf Blatt 2a von Berachot auf. Aber es wäre unfair, das hilfreiche Dokument von Dr. Maaß damit herabzuwürdigen. Auch wenn das Vorwort sich an den fachlich interessierten Christen wendet, so bietet sich das Dokument dennoch an, wenn man schauen will, in welchen Zusammenhängen ein kurzer Textabschnitt aus dem Tanach noch verwendet wird. Das kommt zwar nicht so sehr häufig vor, aber es eröffnet interessante Querverbindungen. Ein ähnliches Projekt gibt es als Buch bei Feldheim. Organisiert nach den Abschnitten des Talmuds, bringt Tanach on the Daf alle Zitate aus dem Tanach. Eine Art erweiterte und ausführliche Torah Or-Geschichte. Im ersten Band gibt es ein ähnliches Bibelstellenregister.
Einen thematischen Index bietet übrigens HaMafteach.

Artikel

Aufschrei und Juden

Das war irgendwie vollkommen klar. Wenn es ein populäres Thema gibt, dann dürfen Juden nicht verschont bleiben. So wird in dieser Woche eine Sexismus-Debatte herbeigeschrieben und sorgt bei twitter unter dem Hashtag Aufschrei für zahllose Wortmeldungen dazu. Als Disclaimer füge ich hinzu: Richtige Debatte, aber falscher Anlass.

Jedenfalls bewegt die Leute das und natürlich regen sie sich dementsprechend auf. Folgerichtig wenden sich diejenigen, die es besser wissen, an diejenigen, die unbelehrbar sind. Also an die Juden. Das scheint eine Art Naturgesetz des öffentlichen Diskurses zu sein.
Hier ein Zitat aus einer Mail die gestern eintraf:

wird das gebet mit – Gelobt sei G-tt, weil er mich nicht als Frau erschuf- begonnen,
wenn ja auf welchen planeten lebt ihr

Auch seltsam – aber stets das Ergebnis einer Debatte:

Artikel

Oberrabbiner Jonathan Sacks zum Holocaust-Gedenktag

Der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks gehört ohne Zweifel zu den eloquentesten jüdischen Figuren der Gegenwart. Das muss ich eigentlich gar nicht mehr extra hinzufügen. Zum britischen Holocaust-Gedenktag hielt Oberrabbiner Sacks nun eine Rede vor der London Assembly, einer Art erweiterter Stadtverwaltung. Bemerkenswert ist der Bogen, den er in die Gegenwart schlägt: Bosnien und Ruanda nennt er explizit.

But what puzzles me though [] is that no-one in Eishyshok said a word. There were no protests before it happened, none when it happened, and none after it happened.
And so it was in Bosnia amongst the Serbs and the Croats and the Muslims. And so it was in Rwanda amongst the Hutus and the Tutsis. Families who had been friends for a lifetime almost overnight became enemies and started killing one another. In Rwanda, 800 000 people murdered in the space of 100 days.
[] And let us never think it could not happen again.
Hier lesbar

Hier ist die gesamte Rede als Video:

Artikel

Ahawah Rabbah

Kürzlich berichtete ein Bekannter, dass man in seiner Gemeinde (Ja, in Deutschland) einen Einschub in das Gebet Ahawah Rabba macht. Statt lo nevosch – le’olam wa’ed sagt man in dieser Synagoge lo nevosch ve’lo nikalem ve’lo nikashel le’olam wa’ed. Die Formulierung kommt einem vielleicht bekannt vor, denn sie stammt aus dem s(e)fardischen Ahawat Olam. Also nicht aus Ahawah Rabba. Noch komplizierter: Die sfardische Variante des Ahawat Olam unterscheidet sich wiederum von der sefardischen Variante.

In der angesprochenen Gemeinde gibt es nun eine seltsame (?) Mischung, die zwei Traditionen in Verbindung bringt:
Schon der Talmud erzählt in Berachot 11b von zwei Varianten. Anscheinend ist eines die Tradition Palästinas und eines die Tradition Babylons. Die Aschkenasim haben als Ausgleich (offenbar stets auf der Suche nach einem Kompromiss) Ahawat Olam in kürzer und veränderter Fassung ins Abendgebet übernommen.

Jetzt könnte man meinen, bis auf den Anfang und den Einschub, seien die Gebete gleich. Das dachte ich anfänglich auch, das ist aber nicht so.
Weil der Vergleich von Siddur zu Siddur sehr sehr mühsam ist, habe ich also eine Synopse der Texte erstellt. Vielleicht hat ja noch jemand Interesse daran, deshalb entlasse ich diese Synopse als Creative Commons Dokument in die Öffentlichkeit.
Hinweise sind natürlich herzlich willkommen. Vielleicht kennt ja jemand eine weitere Variante oder kennt eine Herleitung.

Das Dokument kann man hier herunterladen.

Artikel

Der Feind ist der Krieg – Schlaflos in Bosnien

Paradajz Plakat Saudin Bećirević hat den Krieg in Bosnien beschrieben.
Wir erinnern uns: Derjenige, der vor unserer Haustür stattfand und dennoch jeder hier die Chutzpe hatte, weiterhin Nie wieder! zu mahnen.
Er beschrieb den Krieg in Tagebüchern, später in einem Blog und wie Mirella Sidro (Balkanblogger) schreibt, beschreibt er nicht den politischen Feind:

Das Feindbild in seinen Büchern ist nie der Soldat auf der anderen Seite, sondern der Krieg selbst.
von hier

Der erste Teil seiner Aufzeichnungen ist zu einem dokumentarischen Spielfilm verarbeitet worden. Paradajz, was in deutscher Sprache Tomate bedeutet (auf den verlinkten Seiten wird klar, warum), heißt der und kommt mit deutschen Untertiteln daher.

Im letzten Jahr hatte der Film schon Premiere – in Sarajevo. Nun soll der Film auch in Deutschland und Österreich gezeigt werden. Das ist allerdings abhängig von der freundlichen Unterstützung der Öffentlichkeit und deshalb hier mein bescheidener Beitrag zur Weiterreichung des Anliegens:
Die Filmtour soll nun durch Crowdfunding unterstützt werden. Hier ist die entsprechende Seite für das Anliegen. Hoffen wir, dass die eine oder andere Gelegenheit entsteht, den Film einem breiten Publikum zeigen zu können.