Stolpern über das Judentum

In Gelsenkirchen werden wieder Stolpersteine verlegt (hier die Ankündigung). Es steht außer Frage, dass dies eine gute Sache ist. Dass sich überhaupt etwas bewegt, was nicht von der Stadt selber organisiert wird, ist bemerkenswert. Zumal, wenn es um Erinnerungsarbeit geht.
Dieses Mal ist allerdings ist etwas anders. Dieses Mal geht es nicht nur um die Opfer, denen hier gedacht werden soll. Dieses Mal geht es auch um die lebenden Juden und den Umgang mit dem Judentums insgesamt. Vielleicht ist es aber auch nur ein Beispiel von vielen für den Umgang mit dem Judentum im öffentlichen Raum. Die Stolpersteinverlegung findet am 8. Oktober 2012 statt und das ist Schemini Atzeret, also ein jüdischs Fest. Bedeutet übersetzt: Man gedenkt zwar der toten Juden aber legt möglicherweise nicht besonders viel wert auf die Anwesenheit der lebenden Juden, denn die können theoretisch nicht teilnehmen. Theoretisch weil natürlich nicht alle Juden observant leben und vielleicht die Feiertage gar nicht beachten. Aber wer auf Nummer sicher gehen will,orientiert sich vielleicht nicht gerade am kleinsten gemeinsamen Nenner.
Möglicherweise kommen Verwandte von Menschen, für die Steine verlegt werden. Da besteht natürlich die Gefahr, dass sie man sie dazu verwenden könnte, um zu sagen Seht her, das sind Juden und kommen auch – seid doch nicht so – was natürlich nicht besonders fair wäre. Nicht gegenüber den Menschen, noch gegenüber den Juden, denen die Feiertage etwas bedeuten.
Und hier sind wir schon beim Umgang mit dem Judentum im öffentlichen Raum: Häufig schiebt sich die Floskel wir meinen es gut vor die Tatsache, dass man bei der Planung nicht besonders gut aufgepasst hat, oder sich keine Gedanken im Vorfeld gemacht hat. In unserem Fall ist es (noch) nicht so. Die Kritik wird einfach nicht zur Kenntnis genommen.
Im Idealfall treffen wir Menschen, die ein Gefühl dafür haben, wie man mit der Vergangenheit umgeht und in der Gegenwart umsichtig handelt. Leider trifft man nicht besonders häufig auf Idealfälle.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

104 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Naja, wenn man die Infos der Jüdischen Allgemeinen zum Maßstab nimmt, findet in Gelsenkirchen der einzige Gottesdienst um 18.30 Uhr statt. Das wäre deutlich nach der letzten Steinverlegung. Selbst wenn man aus Düsseldorf kommen möchte, wo morgens und abends Gottesdienste veranstaltet werden, würden sämtliche Steinverlegungen terminlich nicht kollidieren.

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  2. @Carsten: Unabhaengig vom Zeitpunkt der Gottesdienste in Gelsenkirchen oder anderswo ist der 8. Oktober aber ein Feiertag, an dem observant lebende Juden nicht reisen (dh nicht mit dem Auto, Taxi oder dem OePNV fahren), wobei die Frage, ob eine solche Veranstaltung an einem juedischen Feiertag ueberhaupt passend ist noch nicht mal angesprochen ist. Daher ist auch eine Veranstaltung ausserhalb von Gottesdienstzeiten an diesem Tag unueberlegt.

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  3. Und sollte man denken: Ach, es wird doch eh keiner aus Israel angereist kommen..” so vertut man sich heftig. eine meiner Freundinnen ist im letzten Jahr zugegen gewesen, als fuer ihr Verwandten in Sueddeutschland ein STein verlegt wurde, und war angereist aus Israel. Es gab eine Zeremonie, in der eine SChulklasse anwesend war und daraus etwas “lernen” sollte (vielleicht dann auch etwas ueber jued.Feiertage und Respekt vor diesen?) und sie war sehr bewegt von dieser Stolpersteinverlegung. Man sollte sich einfach ein wenig mehr Gedanken machen, es gibt Kalender und jeder kann inzwischen wissen, dass sowohl Shabbat als auch Feiertage am Abend vorher anfangen. Im Zweifel : Einfach mal die Juden selbst fragen. (das geht! 🙂
    Noa

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    • Es gibt unterschiedliche jüdische Meinungen zu Stolpersteinen, das geht von der völligen Ablehung über Gleichgültigkeit bis Begeisterung, aber das ist hier nicht die Frage. Die Frage ist , ob diejenigen die die Stolpersteinlegung organisieren und durchführen – die also eine positive Meinung haben – sich überhaupt Gedanken machen, wann die Aktion stattfinden soll. Und da sage ich ganz deutlich, im vorliegenden Fall handelt es sich – milde ausgedrückt – um Gedankenlosigkeit. Aber ich bin nicht immer milde und sage, das ist Ignoranz und Überheblichkeit. Es kommt den Veranstalter überhaupt nicht in den Sinn, die LEBENDEN Juden einzubeziehen. Ich höre schon die übliche Reaktion: Nun seid doch nicht immer so empfindlich! (Carsten löst auch ganz lässig alle jüdische Fragen) Ob “wir” dabei sein sollen, muß jeder selber entscheiden. Es ist allerdings eine gute Gelegenheit vertan worden, liebe Organisatoren.

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      • Berechtigte Kritik, Chajm, schalom & köszönöm. 😉

        Elisabeth BG,
        bin den Stolperstein-Aktionen zwispältig. Alleine schon, daß diese Steine dem Hohn & Spott (näher beschreiben brauche ich wohl nicht) der Judenkritiker ausgesetzt sind. Der Mann, der diese Aktion erfunden hat ist doch kein Jude, richtig? Ein Künstler, der mit dieser Aktion Erfolg hat. Wie ernst jedoch ist ihm seine Erinnerungsarbeit? Ist es also verwunderlich, daß dieser Mann kein Auge hat für jüdische Feiertage (also quasi gelebtes Judentum)?
        Kann man dem nicht zumuten, oder? Genausowenig, wie den Filmveranstaltern in Deutschland, die zum Holocausttag einst den bemerkenswerten Film ‘Tal der Wölfe Filistin’ in die deutschen Kinos brachten?
        Warum nur sind wir so empfindlich?
        Ojweh…, übrigens, die Kälte nimmt wieder zu…
        Ein wenig nur warm, in Ordnung? http://www.youtube.com/watch?v=eVRcGl4PxgQ Ein wenig so, wie die Elben bei Tolkien, die den Rückzug antreten müssen (sollen!), ja, es fällt mir wirklich nicht schwer uns als Juden mit den Elben/Elfen zu vergleichen, und die Orks & Co stürmen an…
        Mir wern lebn un ariberlebn am jissroel chaj! Hob fartrojn chag sameach boker Or!

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        • Ob Herr Gemnig ein Künstler ist, ist gerichtlich geklärt worden. Es ging um eine MWSt- Nachzahlung, auch Monitor 16.11.2011. Bestätigt wird er jedenfalls durch zahlreche Auszeichnungen http://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Demnig. Jedenfalls hat er eine gute Idee gehabt und ist auch gut im Geschäft. Was mich nur wundert, daß diejenigen, die uns “Holokaustindustie” vorwerfen, hier still sind. Ach ja, ich vergaß, es geht um tote Juden. Das sind die wahren Juden. Noch eine kleine Pevesität gefällig? Leider finde ich die genaue Quelle so schnell nicht, aber bei der letzten Stolpersteinsetzung in Erftstadt-Lechenich hat man Klezmer gespielt. Wie es hieß, würdig und angemessen. Sorry…klingt ein wenig nach Mädchenorchester von Auschwitz http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%.

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          • Ha, das passiert öfter als man denken möchte! Vielleicht etwas schräger Vergleich, aber als ich einen kleinen netten Video-Clip bei TiN setzte, fragte mich einer, ob ich ihm das Iwrit übersetzen würde, er wolle auch lachen. Meine Kurzübersetzung -gerade dieser Tage sol sajn 😉 – fand er dann sehr witzig, zwei Tage später fällt er über uns her mit übelsten Beschimpfungen, angeblich wird er bei TiN jetzt unter Hassmails geführt, da jedoch fand ich’s nicht.
            Jepp, Du hast so recht: Tanz Jude! Und ich habe langsam wirklich keine Geduld mehr, es häuft sich und ich will nur noch um mich schlagen! Aber, wie das so ist, wir sollten nicht die Übersicht verlieren. Schickt die Kinder zum Kampfsport, ist auch gut für den Charakter!
            Sie mögen uns als Tote, wir aber leben!
            Saj gesunt.

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  4. Carsten hat sich auch auf seiner Seite nun genug geoutet:

    “Es gibt in der jüdischen Kultur klare Tendenzen eine Parallelgesellschaft zu etablieren (bzw. ist etabliert). Das scheint mit den rigiden Traditionen und jüdischen Glaubensvorschriften zusammenzuhängen. Zumindest bei den konservativen und orthodoxen Juden. (Oder älteren Semestern?)

    Je säkularer die Gesellschaft wird, desto mehr werden sie (die orthodoxen Juden) sich absondern müssen oder mit der sogenannten Mehrheitsgesellschaft anecken. Wie man ja derzeit sehr gut beobachten kann.

    Ich für meinen Teil habe mir meine Meinung bilden können und setze meine Hoffnung darauf, dass so tradierte Religionen irgendwann mal so verlacht werden wie mitteralterliche Aberglaube. Sollen Sie doch glauben was sie wollen, solange es nicht an den Grundrechten unserer säkularen Gesellschaft rüttelt. Oder wollen wir wieder in einer Theokratie leben?”

    Was wollen Sie eigentlich noch hier? Bei den vielen bösen Juden, die immer anecken, sich nicht intergrieren wollen, die in einer Parallelgesellschaft leben und als den Rotz den Sie noch so laut plöcken?
    Ich könnt mich nur noch übergeben, wenn ich nur Ihren Namen lese.

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    • Aus gutem Grund ist wohl nicht verlinkt worden, wo dieses Zitat herstammt, nämlich von jemandem, der in meinem Blog als “Chesmond” kommentiert hat: http://2muchin4mation.com/2012/07/22/lesezeichen-517.html#comment-10968

      Ich verberge mich nicht hinter dem Pseudonym “Chesmond” oder “Lydia” (das sollte auch einfach durch Vergleich von Ansichten, Grammatik und Wortwahl erkennbar sein). Die Behauptung, ich habe mich durch das Freischalten des Kommentars als Antesemit geoutet ist dementsprechend so sinnvoll, als würde man behaupten, Yael habe sich durch das Freischalten der Kommentare dieses Nutzers “geoutet”.

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      • Cartsen, wenn ich Ihren Namen als Kommentator lese weiß ich, jetzt kommt wieder einmal eine schräge Ansicht (wohlwollend formuliert), die leicht hingeworfen klingt aber (wohl mit Absicht?) agriffslustig wirkt, weil belehrend, überheblich und von Halbswissen durchsetzt und in Phislosemitismus verpackt. Zusammengefasst: Mit Ihren Eizes http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14057 sind wir bis übernächsten Pessach versorgt.

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          • @Carsten Ich sehe ein generelles Kommunikationshindernis – das ich nicht für unausräumbar halte – und das ist die, sagen wir mal westeuropäische, Sicht auf das Thema Religion, die hier gar nicht zum Tragen kommen kann (ich kratzte das Thema ganz oben schon an): Eine Trennung zwischen einem säkularen Lebensbereich und einem religiösen gibt es für observante Juden (also Juden die sich an Vorschriften des Judentums halten) nicht – platt gesagt: Vormittags Synagoge, abends Schweinebraten. Judentum findet praktisch immer statt und nicht nur in speziellen Bereichen. Sprechen wir im westeuropäischen Kontext von Religion, dann hat sie häufig einen bestimmten Platz inne. Irgendwo. In einem kleinen Ritual. Vielleicht in einer Kirche (ist natürlich auch polemisiert, aber unterstreicht vielleicht, was ich meine). Mit diesem Wissen im Hinterkopf entwickelt man vielleicht ein anderes Verständnis von der Lebenswelt auf die viele Dinge treffen von denen man meint: Ach was, das müssen die wegstecken.

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            • Meine Frage war eigentlich nur, ob sich nicht beides verbinden lasse, etwa so, wie die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen beides verbunden hat: http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/hermann-neudorfs-sohn-reiste-aus-den-usa-an-page2-id7180671.html .

              Andererseits mag es einen religiöskulturellen Einfluss geben, der verallgemeinert, dass man gerade an religiösen Feiertagen derartige Veranstaltungen macht. Im Artikel liest man aber nichts von einer Kritik am Termin.

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              • Also der Knackpunkt ist, das im Vorfeld kein jüdischer Vertreter eingebunden war, was ja sehr merkwürdig ist, wenn man eine jüdische Gemeinde vor Ort hat, und dass auf die Zeitungskritik nicht eingegangen wurde.

              • Ich würde das nicht als Knackpunkt sehen: Rücksichtnahme auf Juden hätte vielleicht schon ausgereicht. Ein Datum kann man schnell nachschauen. Die Verleger sind ja in unserem Fall nicht naiv und machen es nicht das erste Mal.

              • Ich bin davon von einer Unkenntnis des Feiertags seitens der Veranstalter ausgegangen. Dass man auf so diesen Termin gestoßen ist, fände ich entschuldbar. Aber man weicht nach einer öffentlichen und rechtzeitigen Kritik ohne Stellungnahme nicht vom Termin ab?

                Aus der Ecke, aus der ich komme, würde man alles versuchen, solche Affronts zu umgehen. Und negative Leserbriefe sind genau das, was man verhindern will. Daher sucht man im Vorfeld eine terminliche Absprache mit Beteiligten und visiert ggf. eine Terminverschiebung an. Das ist aus meiner Sicht der Ideal- aber auch Normalfall.

              • Unkenntnis würde ich nicht sagen. Es ist ja auch nicht die erste Steinverlegung durch die Organisatoren. Der Idealfall sieht tatsächlich anders aus.
                Eine Stellungnahme/Reaktion ist mir nicht bekannt. Letztendlich liegen die Steine nun.

              • Höre gerade, dass die Bundesregierung die Antisemitismus-Debatte erst auf Jom Kippur gelegt hatte, was erst nach Intervention von Stephan Kramer umgelegt wurde. Da liegt wohl doch mehr im Argen, als ich dachte.

              • Jom Kippur – Ja, so ist es. Immerhin muss man hier sagen, dass es eine Verlegung des Termins gab und die Regierung nicht hat verlautbaren lassen, dass man es ja gut meine und es eigentlich keine Alternativen zu diesem Termin gäbe. Stichwort Alternativlos 😉

              • Der Witz ist ja, das die Studie gesellschaftlich einen Wissensmangel über “Juden und das Judentum” ankreidet. Dann lädt man jüdische Vertreter zur Diskussion über diesen Bericht ein und keiner der 620 Abgeordneten, keiner ihrer Sachbearbeiter schaut wegen des Termins in den jüdischen Kalender. Q.e.d.

              • Sicher doch zu Demonstrationszwecken – damit man sich das besser merkt
                Im Ernst: Es fällt vielen leichter, über Juden zu reden, als mit ihnen und häufiger ist es leichter, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, als mit der Gegenwart.
                Das ist gerade der Fall, wenn es um diesen Themenkomplex geht.

          • Der Richtigkeit halber, Sie schrieben über mich:

            “Was wollen Sie eigentlich noch hier? Bei den vielen bösen Juden, die immer anecken, sich nicht intergrieren wollen, die in einer Parallelgesellschaft leben und als den Rotz den Sie noch so laut plöcken?
            Ich könnt mich nur noch übergeben, wenn ich nur Ihren Namen lese.”

            und bezogen sich auf ein Zitat einer völlig anderen Person. Und nun werfen Sie mir vor, ich würde unbedacht anderen böse Absichten unterstellen?

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        • Yael,
          das hast Du ja vorher nicht wissen können. Er kam ja zunächst recht charmant an, buhlte um Gleichgesinnte, zog erst später gegen Juden vom Leder – so als wäre vorher nichts gewesen.
          Der hat halt ein Bild gegen Juuuden in den schammigen Ritzen seines Kopfs, ganz egal, was er von echten Juden hört oder liest. Wir haben uns mit ihm abgegeben, zunächst freundlich, später heftiger, völlig sinnloserweise.

          – Ich möchte mal erleben, nur ein Mal!, dass es nicht so sinn- und fruchtlos abläuft, sondern dass mal einer dann nachdenkt und was dazulernt. Hab ich noch NIE erlebt. Nie!

          Ebenso der eher harmlose Carsten hier, nicht? Elisabeths Einwurf war in den Wind geschrieben, denn der weiß ohnehin schon alles und scheint belehrungsresistent zu sein.

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          • Also ich habe keine Lust, charmant und freundlich meine Meinung zu verpacken, diese Zeiten sind vorbei. Diese Zeiten waren meine Kinderjahre als meine Eltern meinten, wir Juden müssten der Welt beweisen, wie freundlich wir doch sind. Und am besten nemals eine Meinung offen aussprechen, das könnte böse Folgen haben. Ich fühle auch keinen “Bildungsauftrag” den “man darf doch mal sagen….Leuten” gegenüber. Und mittlerweile kann ich echtes Interesse von Ignoranz unterscheiden. Deshalb bewundere ich Euer Langmut und Geduld

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            • Danke, Elisabeth.
              Langmut & Geduld hat man wohl irgend geerbt, über früher und über die Eltern – so, wie Du es beim Namen genannt hast.
              Mir reicht’s zwar auch, mir steht es bis hier!, die einstimmige Entscheidung des Bundestags gegen den israelischen Einsatz bezüglich der f*uck-Gaza-Flotte, die Hasskübeleien während der Antibeschneidungswahn-Debatte, die ganzen Übergriffe & Strafanzeigen gegen Juden und der unausgesetzte Judenhass überall haben mir eins beigebracht: Dass Zurückhaltung und Diplomatie sinnlos sind.

              Ich werde aber auch weiter zunächst argumentieren, denn es kann doch sein, dass es EIN MAL was nützt?! Zuschlagen werde ich erst, wenn’s wieder nix nützt. Aber dann volle Kanne.
              Es ist wie Krieg… und warten wir mal ab, was hier und woanders so auf die Schriftliche passieren wird, so bald Israel erst in den nächsten wirklichen, blutigen KRIEG verwickelt wird. Dann wird es in Foren & Blogs schlimmer als anno 2006

              Schojlem und Grüße.

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              • Ich verstehe es nicht, warum diese Menschen (Antisemiten, Nicht-bewussten Antisemiten, Gutmenschen, Ignoranten, Weltverbesserer) uns nicht in Ruhe lassen können. Warscheinlich ist ihre Wut auf uns ( sorry, auf Neudeutsch Engagement für die Welt) so groß, daß das Wort Jude, oder jüdische Fragen, bei ihnen einen Kurzschluß auslösen. Reflexartig kommen immergleiche Worthülsen heraus, verpackt als Interese und als gutgemeinte Ratschläge (gut gemeint ist nicht gut!!!) Sie gehen nicht Juden klatschen sondern mischen die Foren auf. Noch sind wir zurückhaltend, reagieren geduldig und großmütig, andere würden schon Beleidigungen wittern, vielleicht sogar zündeln. Lange Jahre habe ich christilichen Gruppen über das jüdische Leben berichtet. Und mit welchem Erfolg? Könnte hier Beispiele geben, die würden Euch zu Lachanfällen und Wutausbrüchen bringen.

            • Ich hatte privat eine sehr gute Unterhaltung mit einem Beschneidungsgegner, der zunächst recht massiv war, aber nachdem wir uns ausgetauscht hatten, konnte er die Brith Mila besser nachvollziehen. Niemand muss es ja gutheißen, aber es gibt Gott sei Dank noch Menschen, mit denen es sich doch noch lohnt. Nu, dass ich nett bin, hat mir noch nie jemand vorgeworfen. 😉
              Spaß beiseite. Was ich damit sagen will, ist, dass man vorher nicht weiß, wie sich Gespräche entwickeln können, manchmal lohnt es, oft sicher nicht.
              Was bei dem Typen, der bei im Blog schrieb dazukam, war, dass er mit unterschiedlichen Nicks schrieb und sich nicht selten, zunächst normal verhielt. Der hatte eben leider verschiedenen Gesichter.
              Mir hat hier leider mein richtiger Riecher gefehlt, den ich meistens schon habe. Aber, ich lerne immer wieder dazu. Das ist doch auch was. 😉

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              • Yael,
                wenn jemand wirklich, wirklich verdreht ist, bin auch ich mit meinem Riecher überfordert.
                Besser so als anders, nicht?

                – Und ja, wo Du’s erwähnst: Ich hatte neulich auch eine Unterhaltung, eine lange, mit einem massiven Beschneidungsgeger (“archaisches, blutges Ritual” usf). Irgendwann begriff er, dass er Juden kein Problem einreden soll, wo nun mal keins besteht.
                Seitdem ist er in meiner Achtung ziemlich gestiegen

          • “Ebenso”? An welcher Stelle habe ich mich denn von anheimelndem Lob zu degradierend gemeintem Antisemitismus verstiegen? Machen sie es sich da gerade nicht zu einfach und scheren zur eigenen Selbstvergewisserung alles und jeden über einen Kamm?

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            • Casten,
              nein, Sie haben sich nicht zu sowas verstiegen – und darum, dass Sie das getan hätten, ging es nicht.

              Manche hat bloß Ihre Empfehlung genervt, dass Juden sich nicht an den Feiertag Schemini Azeret halten müssten.
              Da müssen Sie sich wegen Widerspruchs nicht wundern

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              • Worum diente das “ebenso” in ihrem Beitrag denn, wenn nicht um den Brückenschlag von den antisemitischen Äußerungen eines Kommentatoren zu mir? Es ist schon schwierig, das nicht so zu lesen.

                Ich habe niemandem gesagt, er solle einen Feiertag nicht begehen, ich habe nur gemeint, dass der Besuch einer nichtreligiösen Veranstaltung an diesem Feiertag nicht untersagt ist, was natürlich eine falsche Annahme sein kann.

                Aber es ist doch etwas zimperlich, allein darin schon die unterschwellige Gängelung religiöser Ansichten anderer zu sehen. Die könnte man so gesehen an allem Gesagten festmachen.

              • Nanu, seit wann geht’s hier so dauerhaft um Ihre Empfehlungen, Vorschläge, Empf- und Befindlichkeiten?
                Was für Juden “untersagt” ist und was nicht, haben Sie Juden zu überlassen. Sie können FRAGEN, was von wem wie gehandhabt wird, Falls Sie das interessiert. Aber Feststellungen, was jüdisch sei, kommen Ihnen nicht zu.
                Capisc’?

                P.S.
                Über Ihren denkwürdigen Seufzer “Aber es ist doch etwas zimperlich, allein darin schon die unterschwellige Gängelung religiöser Ansichten anderer zu sehen” lache mich seit Minuten schief. Danke für diese Erheiterung meines Vormittags

              • Es geht nicht um meine Befindlichkeit, ich bin auf ihre Kritik, ich würde angeblich jüdisch Gläubigen empfehlen, sich nicht an Feiertage zu halten, reagiert. Ebenso wenig habe ich festgestellt, was jüdischen Gläubigen untersagt ist und was nicht. Ich habe geschrieben, dass eine bestimmte Meinung Anlass eines Kommetars war, die womöglich falsch ist. Wenn Sie mal von ihrer Polemik ablassen, würden Sie das verstehen können.

              • Manche hat bloß Ihre Empfehlung genervt, dass Juden sich nicht an den Feiertag Schemini Azeret halten müssten. Da müssen Sie sich wegen Widerspruchs nicht wundern.

                Och, lass ihn doch ruhig Empfehlungen für uns aussprechen! Diese Coolness, locker damit umgehen zu können, sollten wir schon besitzen! Ich selbst halte mich zwar auch nicht an den Feiertag Schemini Azeret; aber nicht wegen Carsten’s Tipp, sondern aus eigener Entscheidung heraus! Also, was immer der besagte Schreiber hier von sich gibt, nervt mich genau so viel, oder besser gesagt, so wenig, wie die mitunter abstrus anmutenden Empfehlungen meines Rabbis! 🙂

                Shalom

                Miles

              • Miles,
                nein… der Rabbiner sagt Dir, was er ebenso wie viele andere Rabbiner festgestellt hat. Er sagt Dir also, wie’s ist: Freilich mit dem Vorzeichen, dass jeder individuell entscheidet, wie er mit den recht schweren Anforderungen der Mizwojss dann umgeht.
                Hingegen Carsten hat keine Ahnung vom Judentum und findet es ‘zimperlich’, wenn a Jid dieses permanente Dreinreden von außen nunmal nicht goutieren mag.
                Chajm schrieb heute, dass die Werte des Judentums das ganze Leben durchdringen. Der Carsten versteht das nicht. Dein Rabbiner schon!

            • Carsten,
              seufz. Dann stimmen Sie nicht mit “Dreinreden” überein, sondern halten es für einen polemischen Ausdruck. Isser aber nicht. Denn es gilt nun mal als Dreinreden, als Einmischung, die einem nicht zusteht, zu äußern, dass Juden dies & jenes so & so machen sollten.
              Noch nicht verstanden?
              Soll ich’s weiter erklären?

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              • Sie brauche es nicht weiter erklären, weil die Darstellung immer noch falsch ist. Es geht nicht ums “Dreinreden”, denn ich rede hier nie – wie Sie gerade wieder unterstellen – davon, wie sich “a Jid” – was in diesem mir unterstellten Zusammenhang schon eine herablassende Wortverwendung ist – verhalten soll. (Es geht auch nicht ums goutiert werden wollen, es geht um’s Verstehen und Verständigen.)

                Leider hat Miles ihre polemische Darstellung übernommen, das ist eben der Effekt von Polemik. Ich verteufel Polemik nicht schlechthin, sie kann sehr unterhaltsam sein, aber auch wahrheitsverdrehend, auch wenn Ihnen der Gesinnungsapplaus sicher ist.

              • Ach Carsten,
                was soll denn nun wieder “Gesinnungsapplaus” sein?
                Sie kennen ja nicht mal den feinen, aber bedeutenden Unterschied zwischen “a Jid” und “ein Jud”.
                “Wahrheitsverdrehend”, “herablassend”, “unterstellt”? Come on, Sie sehen mich ja als verstockten, arroganten Jiddn. Achten Sie mal drauf. Kann helfen.
                Sie schreiben hier seit Tagen nur über sich selber, über Ihre Ansichten usf., wie Juden einen Feiertag begehen sollen oder dürfen.
                Das nervt. Das nervt alle. Aber Sie machen weiter.

                Verstehen’s noch immer nicht?
                Nochmal erklären?

              • Also haben Sie nun Juden empfohlen, wie die einen jüdischen Feiertag zu begehen hätten, oder haben Sie nicht?
                Keine Ausflüchte. Sie haben.

                Ihre Verstocktheit, Ihre Besserwisserei und ihre Chutzpe sind erstaunlich. Wollen Sie, ähmm, jüdisch wirken?

                Dann könnten Sie jetzt schreiben, Slicha, und die Sache hat sich.

    • Der Schreiber verwechselt wohl Ursache mit Wirkung: Die “rigiden Traditionen und jüdischen Glaubensvorschriften” haben nicht zuletzt den Zweck, einer Auflösung durch Assimilation des jüdischen Volkes entgegenzuwirken. Man studiere einfach mal die Demographie des nichtorthodoxen Diaspora-Judentums… 🙁

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      • Yankel, dem Mann ist nicht zu helfen. Viele haben es versucht, bevor er sich wirklich als das geoutet hat, was er im Grunde ist, ein Judenhasser. Mit denen wird man nie argumentativ weiter kommen. Deswegen bedaure ich es. dem bei mir eine Bühne gegeben zu haben.

        O Ton dieser multiplen Persönlichkeit:

        Der KZ Überlebende war mir tausendmal sympathischer als Ihr Kostümjuden.
        Ihr beschissenen Wohlstandsjuden die Ihr jammert obwohl es hier nix zu jammern gibt. Stolpersteine aufstellen ..Wofür? Um zu erinnern dass Ihr noch hier seid? Pfff Es gibt noch hundert andere Minderheiten die auch in Deutschland leben und die kriegen keine solche Aufmerksamkeit. Lernt es endlich mal Dieses Elitäre Getue Das hat mich schon im Studium angekotzt.

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  5. “Der KZ Überlebende war mir tausendmal sympathischer als Ihr Kostümjuden”

    Yael,

    Hehe … ein echt interessanter Gefühlsausbruch! Aber wen meint er denn egentlich mit ‘Kostümjuden’? Doch hoffentlich wohl nur die, die Kaftan und Pejes tragen, oder??? 🙂

    Shalom

    Miles

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    • Miles schalom!
      So klar läßt sich das nicht sagen.
      Erinnere mich daran, wie er auf Yaels blog einen Katholiken und einen Evangelischen des ‘Judentums’ bezichtigte (nett, oder?). Die beiden waren sauer wegen einer eigentlich ganz witzigen Anmerkung jenes an mich, haben mich tapfer verteidigt; nur ich fand’s schade, dem Witz wegen.
      Aber die Christen hatten den besseren Riecher!! 😉

      PS/ wahrscheinlich ist dem eben jeder Jude, der ihm nicht gefällt?

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  6. Pingback: Too much information - Aufmacher - In Ruhe ber Beschneidung reden

  7. @ Carsten und Aristobolus: Leider gehts oben in den Kommentaren gerade nicht mehr weiter, darum hier unten. Ich bin mit Carstens Kommentaren auch nicht glücklich, möchte aber zu bedenken geben, dass ins Chajms erstem, erläuternden Kommentar “erschöpft sich nicht” das “nicht” zuerst fehlte und erst später sichtbar wurde. Bis Carsten diese Änderung bemerkte (“Verleser”), war die Diskussion schon zu weit fortgeschritten. Das macht Carstens Kommentare zwar nicht besser, aber vielleicht arbeiten Sie sich beide trotzdem gerade ein wenig an einer Schieflage ab, die so dann doch nicht geplant war. #jm2c

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  8. Übrigens Aristobulus, wenn man bei Deinem Gespräch mit unserem Neujuden runterscrollt, dann sieht das sehr interessant aus, rot, blau, rot, blau, wie ein Strategiespiel, die Blauen gegen die Roten, zB die Elfen erwehren sich der Trolls… 😛 (schade, den gibt’s nicht mit blauer Zunge 🙁 )

    Nu, ich mach dann mal blau! :mrgreen: Ab ins Grüne!

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  9. Ich bräuchte Hilfe. Es geht um einen besonders schlimmenen Fall von Volksverhetzung, der auch Ausrufe zum Mord beinhaltet. Da ich mit der Polizei bzw. mit der Staatsanwaltschaft nicht besonders gute Erfahrung gemacht habe, was das Verfolgen dieser Straftaten betrifft, hätte ich eine Frage, ob jemand einen guten Kontakt zur Polizei oder zu einem Anwalt hat, der sich intensiv damit auseinandersetzt, also nachhackt und die Sache nicht im Sande verlaufen lässt. Am besten jemanden aus Berlin. Wenn also jemand gute Kontakte hat, schreibe mir bitte über mein Kontaktformular auf meiner Seite. Es ist wirklich wichtig.

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