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HaGomel

Birkat haGomel zu dieser Brachah gibt es in vielen Siddurim eine kurze Anleitung: Birkat haGomel spricht man dann und dann. Platz ist dafür häufig nach der Torahlesung am Schabbat. Soweit die allgemeine Information. Es war nicht unspannend zu erkunden, woher diese Brachah kommt und unter welchen Umständen man sie tatsächlich spricht. Das Ergbebnis kann man in der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen nachlesen. Hier online als Volltext.

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Klezmerwelten – die Klezmatics

Das Festival Klezmerwelten hat sich als überraschend smartes Programm entpuppt. Als ich noch überlegte, was ein guter Vergleich wäre, praktisch um zu illustrieren, wie man es hätte auch und weniger smart machen können, fiel mir der neueste Katalog von Doronia in die Hände. Natürlich auch Musik. Auch Klezmer irgendwie. Das sind Juden, die werden sich auskennen.

Feidman Klezmer

Lass mal schauen: Was finden wir? Giora Feidman – Tango Klezmer, Giora Feidman – The Singing Clarinet, Giora Feidman – The Magic of the Klezmer, Giora Feidman – Deep Notes, Giora Feidman – The dance of Joy (heißt Joy, nicht Goy), Giora Feidman – Klezmer & Strings, Giora Feidman – Viva El Klezmer, Giora Feidman – Very Klezmer, Giora Feidman- Klezmer Celebration, Giora Feidman – The spirit of Klezmer. Aber dann!! Endlich! Eine Kompilation! Klezmer – Eine Auswahl der schönsten Klezmer-Musik steht da mit Giora Feidman! Dann: Freilach Compilation Ein Album mit 16 Klezmermelodien natürlich mit wem? Giroa Feidman. Von den Gruppen die während der Klezmerwelten auftraten und die mit ihrer Musik nicht unerfolgreich sind, keine Spur.
Nicht einmal die Klezmatics sind vertreten und dabei sind wir beim Thema. Fast möchte ich behaupten, sie sind die dienstälteste zeitgemäße Klezmertruppe. Der Name spricht eigentlich für sich und am Donnerstag traten die New Yorker in Gelsenkirchen auf. Spielten einige jiddische Stücke, einige Improvisationen, einige englischsprachige und legten ansonsten instrumental richtig los.
Hier ist vermutlich nicht anzunehmen, dass sich die falschen Zuhörer in den Saal verlaufen haben, denn was die Klezmatics machen, dürfte (wahrscheinlich) hinlänglich bekannt sein. Wem es nicht bekannt ist, kann einen Blick in eine Dokumentation werfen:

Kurzum: Ein Highlight, weil die Klezmatics hierzulande bekannt sind, aber die anderen Gruppen und Künstler standen ihnen in nichts nach. Eventuell waren ja bereits die neuen Klezmatics bereits dabei? Noch progressiver für eine vollkommen neue Generation und Interpretation der Musik?

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Klezmerwelten – Hulyanke Session – Workshop

Klezmerwelten Workshop teachers

Eine Woche lang lief während der Klezmerwelten ein Musik-Workshop, der sich an Kinder & Jugendliche richtete. Dozenten waren die Musiker der Bands und Gruppen, die während der vergangenen Woche zeigten (Berichte zu den Veranstaltungen hier), wie zeitgemäßer Klezmer interpretiert wird. Diese Freude an der Musik, aber auch an jiddischer Kultur vermittelten sie an die Kinder und Jugendlichen. Kinder bis 10 Jahre beschäftigten sich mit jiddischen Liedern, die älteren Jugendlichen beschäftigten sich mit Instrumentalmusik, Tanz und Gesang. Jeweils in kleinen Gruppen und das täglich acht Stunden. Man aß zusammen, machte zusammen Musik und setzte sich gemeinsam mit neuen Formen der Musik auseinander.
Allein, die Möglichkeit mit Musikern zu arbeiten, die international unterwegs sind und auf die man sonst nur in den USA zugreifen kann, ist in dieser Region Deutschlands eher spärlich gesät. So wundert es an dieser Stelle (erneut), dass die Resonanz aus den (jüdischen) Jugendzentren im Ruhrgebiet nicht spürbar war (mit Ausnahme von Gelsenkirchen natürlich). Diese Chance ließ man vorüberziehen.

Einen kleinen Ausschnitt und einen kleinen Einblick in ihre Arbeit gaben die Workshopteilnehmer und die Dozenten am Sonntag mit einem Abschlusskonzert. Zunächst die Kinder und Jugendlichen, in der zweiten Hälfte dann die Dozenten.

Hulyanke - Session -Gelsenkirchen

Während die Kinder sich (jiddische) Kinderlieder aneigneten und sangen, setzten die Jugendlichen auf Melodien und Lieder in einer ganz eigenen Instrumentierung. Je nachdem, welche Instrumente die Teilnehmer des Workshops einbrachten. Sicher ungewöhnlich war der Einsatz einer Saz, aber das Ergebnis klang nicht danach, als sei dieses Instrument üblicherweise nicht dabei. Eine Rap-Version von Schnirele Perele gab es auch auf die Ohren.
Im Workshop wäre dabei durchaus noch Platz für den einen oder anderen Teilnehmer gewesen. Vielleicht hat diese Auflage der Klezmerwelten, mit dieser Zusammensetzung der Akteure, dazu beigetragen, dass bestimmte Klezmerinterpretationen ihr Gojim naches Image verlieren (siehe hier) und dass bei einer eventuellen Neuauflage auch mehr jüdische Jugendliche Kontakte mit Künstlern aus den USA und UK knüpfen wollen. Ach ja: Sich irgendwie natürlich auch damit auseindersetzen wollen, was jüdische Kultur nun ausmacht. Ist Klezmer jüdische Kultur? Wenn ja, wann ist er das nicht? Wie geht man zeitgemäß damit um?
Die Präsentation am Sonntagabend, dürfte nicht nur den Musikern, Jugendlichen und Eltern Spaß gemacht haben?

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Klezmerwelten – der Schabbes

Die Synagoge bis unter das Dach gefüllt, ein Kantor aus New York und ein Kiddusch mit viel Gesang und Tanz – das hat es in Gelsenkirchen in dieser Kombination noch nicht gegeben und ist dem Programm der Klezmerwelten geschuldet. Die Programmmacher hatten sich dazu entschlossen, auch die Synagoge und Kabbalat Schabbat in das Programm einzubauen und so kam es, dass auch Nichtjuden mit Voranmeldung an einem recht großen Kabbalat Schabbat teilnehmen konnten, um sich mal anzuschauen, was in der Synagoge so passiert. Da Musiker Jeff Warschauer ohnehin für ein Konzert in der Stadt war und sich auch mit Chazanut auseinandersetzt, hat er freundlicherweise Kabbalat Schabbat vorgebetet und es passte. Die jüdischen Beter waren begeistert und die nichtjüdischen Zuschauer verbanden den kleinen Einblick in die Synagoge und ein Gebet dort mit der Chance, einen der Musiker der Klezmerwelten zu hören. Zum Kiddusch bezog das Ehepaar Strauss-Warschauer alle Anwesenden ein und sang mit ihnen, so dass am Ende auch wieder getanzt wurde (natürlich ohne Instrumentalmusik, war ja Schabbes). Beide Akteure verstehen es, mit Publikum umzugehen und zu interagieren und bringen eine angenehme (amerikanische?) Lockerheit mit, ohne dabei beliebig zu sein.

Viele der Besucher waren recht neugierig und stellten, naturgemäß, ein paar Fragen zum Ablauf und zum üblichen Procedere. Dadurch entspannen sich ein paar interessante Gespräche, aber auch ein paar Schieflagen. Wenn man mich ohne Begrüßung oder Einleitung anspricht und fragt Wo kommen denn Sie und Ihre Familie her? und man auf ein böses Gesicht und vollkommenes Unverständnis stößt, wenn man antwortet im Prinzip finde ich diese Frage, einem vollkommen Unbekannten gestellt, sehr indiskret, dann ist das nicht so sehr angenehm. Vor allem, wenn die Person nicht locker lässt und wissen will, woher aus Osteuropa kommen Sie denn jetzt? Das ist allerdings weniger ein Nachteil der Veranstaltung, als vielmehr der individuellen Unerzogenheit.

Hawdalah gab es nicht öffentlich, wohl aber nach Schabbat-Ende ein richtiges Konzert von Deborah Strauss und ihrem Mann Jeff Warschauer.
Jeff Warschauer und Deborah Strauss
Deborah Strauss spielt Geige und singt, ihr Mann singt ebenfalls und spielt Gitarre und Mandoline und beide haben das Geschick, einen Abend zu füllen: Sie erzählen Geschichten zu ihren Songs, mal auf Englisch und Jiddisch, mal auf Jiddisch, mal wird der Text übersetzt. Mal spielen sie instrumental, dann singen sie ohne jegliche musikalische Begleitung, mal begleiten sie einander. Mal ein Lied, mal präsentieren sie ein Niggun (von Chabad).
Immer wieder kehren an diesem Abend einige Elemente der Hawdalah wieder. So stößt man auf Hamawdil, oder ganz simpel auf Schawua Tow oder Deborah Strauss singt den Text von ??? ??? ????? G-t fun Avruhum, welches in einigen Siddurim als Gebet für Frauen am Schabbatausgang abgedruckt ist. Weil beide tatsächlich Jiddisch sprechen, haben weder Lieder, noch die Erzählungen etwas aufgesetztes. An diesem Abend wurde ausnahmsweise mal nichts de-konstruiert, allerdings haben beide ein großartiges Konzert abgeliefert – weil sie ihr Handwerkszeug einsetzen können und das Feld auf dem sie unterwegs sind, sehr genau kennen.

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Klezmerwelten tanzen

Klezmerwelten Tantshoyz

Gelsenkirchen kommt dem Ruhrgebietler im Augenblick wie ein Klezmerhotspot vor. Das Festival Klezmerwelten findet dort statt und die ungewöhnliche Verbindung Gelsenkirchen-Klezmer sorgt dafür, dass auch der kritische Beobachter überrascht ist. So überraschte das zweite Konzert (Bericht hier) mit fulminanten Tönen und einer zeitgemäßen Interpretation dessen, was Klezmer heute auch sein kann. Also auch etwas, womit junge Juden etwas anfangen können.

Tantshoyz - Gelsenkirchen
Am Mittwochabend stand ein weiterer Punkt auf dem Programm. Musiker, die jenseits der Klischees operieren und diese nicht bedienen müssen, um ihre Musik an den Mann (oder die Frau) zu bringen (Stichwort Musikantenschtetl), wie
Michael Winograd, Yoshie Fruchter, Patrick Farrell und Guy Schalom spielten für ein großes Publikum, aus dem unter Anleitung von Deborah Strauss und Andreas Schmitges eine tanzende Menge werden sollte.
Interessant war erneut das Publikum. Einige Jugendliche, einige junge Leute und ein nicht kleiner Anteil von Leuten im Rentenalter. Die Dynamik des Abends und die Art der Präsentation wäre jedoch auch gerade etwas für junge Erwachsene (aus den Gemeinden?) gewesen und hier liegt offenbar eine Art Kernaufgabe.
Die Klezmerwelten präsentieren ein Programm mit vielen progressiven Elementen. Diejenigen die davon profitieren könnten, sind jedoch durch einen Overkill an, sagen wir mal, Gojim naches Klezmer, darauf konditioniert, derartige Projekte und Angebote auszublenden. Das Problem: Die guten Sachen laufen an uns vorbei. In diesem Fall definitiv schade. Bewegung zu guter Musik.
Selbst der Baal haBlog hat sich ein wenig bewegt.

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Neue Klezmerwelten

Doppelkonzert Yiddish Princess und Forshpil in Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen begann am 13. Okotober das Klezmerfestival Klezmerwelten. Im Rahmen dieses Festivals spielten am Sonntag die Gruppen Forshpil und Yiddish Princess. Das Doppelkonzert erzählte einiges über die Wahrnehmung, sagen wir mal, jiddischsprachiger Musik und die entsprechende Erwartungshaltung des Publikums.
Offenbar erwarteten einige Zuschauer, die ins Kleine Haus des Musiktheaters Gelsenkirchen kamen, einen gemütlichen Bus, der sie in den Musikantenstadel (Musikantenschtetl?) bringt und sie bei jiddischen Texten wohlig einlullt. Was tatsächlich vorfuhr, war ein musikalischer Merkavah-Panzer, der erstmal über das hölzerne Wartehäuschen rollte. Weiterlesen

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Stolpern über das Judentum

In Gelsenkirchen werden wieder Stolpersteine verlegt (hier die Ankündigung). Es steht außer Frage, dass dies eine gute Sache ist. Dass sich überhaupt etwas bewegt, was nicht von der Stadt selber organisiert wird, ist bemerkenswert. Zumal, wenn es um Erinnerungsarbeit geht.
Dieses Mal ist allerdings ist etwas anders. Dieses Mal geht es nicht nur um die Opfer, denen hier gedacht werden soll. Dieses Mal geht es auch um die lebenden Juden und den Umgang mit dem Judentums insgesamt. Vielleicht ist es aber auch nur ein Beispiel von vielen für den Umgang mit dem Judentum im öffentlichen Raum. Die Stolpersteinverlegung findet am 8. Oktober 2012 statt und das ist Schemini Atzeret, also ein jüdischs Fest. Bedeutet übersetzt: Man gedenkt zwar der toten Juden aber legt möglicherweise nicht besonders viel wert auf die Anwesenheit der lebenden Juden, denn die können theoretisch nicht teilnehmen. Theoretisch weil natürlich nicht alle Juden observant leben und vielleicht die Feiertage gar nicht beachten. Aber wer auf Nummer sicher gehen will,orientiert sich vielleicht nicht gerade am kleinsten gemeinsamen Nenner.
Möglicherweise kommen Verwandte von Menschen, für die Steine verlegt werden. Da besteht natürlich die Gefahr, dass sie man sie dazu verwenden könnte, um zu sagen Seht her, das sind Juden und kommen auch – seid doch nicht so – was natürlich nicht besonders fair wäre. Nicht gegenüber den Menschen, noch gegenüber den Juden, denen die Feiertage etwas bedeuten.
Und hier sind wir schon beim Umgang mit dem Judentum im öffentlichen Raum: Häufig schiebt sich die Floskel wir meinen es gut vor die Tatsache, dass man bei der Planung nicht besonders gut aufgepasst hat, oder sich keine Gedanken im Vorfeld gemacht hat. In unserem Fall ist es (noch) nicht so. Die Kritik wird einfach nicht zur Kenntnis genommen.
Im Idealfall treffen wir Menschen, die ein Gefühl dafür haben, wie man mit der Vergangenheit umgeht und in der Gegenwart umsichtig handelt. Leider trifft man nicht besonders häufig auf Idealfälle.

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Not, Tugend und Talmud?

Koren digital edition

ArtScroll hat seine Talmud App für iOS Geräte auf den Markt gebracht. Diese bringt den Talmud von Artscroll auf Mobilgeräte und soll zugleich das Lernen erleichtern. Jeder Talmud-Band der Schottenstein-Ausgabe wurde dafür digitalisiert. 73 Bände gibt es. Jeder Band kostet als App $13,99. Zusammen kostet der gesamte Talmud für die iOS Geräte also schlappe $1021.27 und wenn ich das Betriebssystem wechsele, oder ein anderes Tablet oder Mobilgerät, dann habe ich keinen Zugriff auf meine Tausenddollar-Talmud-Bibliothek. Um zwischendurch mal in das Meer des Talmuds zu tauchen, sicherlich nicht uncharmant. Aber irgendwie scheint die Variante auf Papier im dekorativen Einband etwas mehr Charme zu haben. In das Buch kann ich auch nach einem Umzug hineinschauen. Ärgerlich natürlich, wenn man zuhause wenig Platz hat.
ArtScrolls neuer Konkurrent/Marktbegleiter, der Koren-Verlag hat mit seiner neuen (und großartigen) Talmud-Ausgabe, dem Steinsaltz-Talmud, direkt große Käuferschichten erschlossen, aber auch von Beginn an eine App für das iPad angekündigt. Die ist bisher nicht gekommen. Warum ist nicht ganz klar.
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Sukkot

Uschpisin im Siddur Fast unmittelbar auf Jom Kippur folgt Sukkot. Die Tradition will, dass man eigentlich direkt nach dem Ausgang von Jom Kippur die ersten Handschläge für die Sukkah macht. Also genau dann, wenn man meint, man müsste sich von der anstrengenden Mahlzeit erstmal ausruhen. Wenn man dann pünktlich eine Sukkah aufgebaut hat, oder das Glück hat, eine kommunale Sukkah nutzen zu können, könnte man Gäste in die Sukkah einladen. Im tatsächlichen und übertragenen Sinne. Uschpisin heißen die. Was Uschpisin bedeutet und warum man das macht, versuche ich hier (Jüdische Allgemeine) zu erklären. Für den folgenden Schabbat Chol haMoed habe ich, ebenfalls für die Jüdische Allgemeine überlegt, was der Torahabschnitt für diesen speziellen Schabbat uns heute mitteilen könnte.
Chag Sameach und Moadim leSimchah!