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Slichot

Seit Beginn des Monats Elul sprechen Sefardim Slichot und später stoßen auch die Aschkenasim dazu, genauer gesagt am Sonntagmorgen/Samstagnacht (09.09.2012).
Oben im Video kann man in einen sefardischen Ritus hineinhören.
Damit steuern wir immer weiter auf die Hohen Feiertage zu. Einen kleinen Erklärungstext zu den Slichot (von mir) gibt es in der Jüdischen Allgemeinen. Den Text kann man hier im Volltext lesen.

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Tiefpunkte

Man kann nur hoffen, dass wir den absoluten Tiefpunkt nun tatsächlich erreicht haben: Auf der einen Seite die Diskussion um die Beschneidung und Strafanzeigen gegen zwei Rabbiner. Auf der anderen Seite wird in Berlin ein Rabbiner von arabischstämmigen Jugendlichen verprügelt, wie es formuliert wird. Geschnappt haben sich die Schläger Rabbiner Alter, weil er eine Kippah trug, nicht wegen seiner Profession. Es reicht also aus, als Jude erkennbar zu sein, um sich Sorgen um seine Gesundheit machen zu müssen. Antisemitische Übergriffe sind keine Einzelfälle mehr.
Und die Leute, die sich gestern noch Sorgen um die Gesundheit der jüdischen Babys gemacht haben, zucken heute mit den Schultern, wenn es um die Eltern dieser Babys geht. Das waren doch die Anderen. Perfide, aber noch perfider ist es, wenn Andere, die damit unmittelbarer zu tun haben, auch die Schultern heben und seltsame Dinge sagen:

Das Deutsch-Arabische Zentrum sieht den Ursprung des Antisemitismus in den arabischen Ländern, aus denen die Mitglieder der arabischen Gemeinde kommen. „Die Eltern verfolgen tagtäglich den Konflikt in ihrer Heimat, auch wenn sie hier in Deutschland leben“, sagte Zentrumschef Ali Maarous. Sie seien wütend über das, was in ihrer Heimat geschehe.
Aus: Die Welt, Der alltägliche Judenhass auf Deutschlands Straßen, via Lila

Das klingt danach, als würde in der gesamten arabischen Welt ein jüdisch-muslimischer Konflikt ausgetragen, der nun hier in Berlin ein Ventil gefunden hätte. Manchmal sind gewalttätige antisemitische Schläger einfach nur gewalttätige antisemitische Schläger. Wie wäre es mit dieser Erklärung? Klar kommt der Antisemitismus aus den Ursprungsländern der (Groß-?)Eltern, aber sicher nicht, weil die Menschen in Ägypten (beispielsweise für ein arabisches Land) unter der Repression durch die jüdische Regierung des Landes leidet. Hier könnte es nicht schaden, wenn man das Phänomen nicht nur empirisch beschreibt, sondern dagegen vorgeht.

Besonders beeindruckt sind die Schläger sicherlich von Ali Kizilkayas (Vorsitzender des Islamrats) entschiedener Reaktion: Der Antisemitismus ist nicht mit dem Islam vereinbar zitiert ihn die Frankfurter Rundschau (hier).
Tiefpunkt ist auch der Ratschlag an Juden, auf der Straße besser keine Kippah mehr zu tragen. Erinnert ein wenig an den Ratschlag an Frauen, keine kurzen Röcke mehr zu tragen, damit Männer nicht auf dumme Ideen kommen.
Noch besser: Unsichtbar werden, dann werden die Mehrheitsgesellschaft und die Minderheitengesellschaft nicht daran erinnert, dass sie ein handfestes Problem haben. Der Antisemitismus der da sichtbar wird, ist kein Problem der Gruppen aus denen die Täter kommen, sondern eines der gesamten Gesellschaft. Am allerwenigsten sollten sich eigentlich Juden damit auseinandersetzen müssen, aus ihren Reihen kommt er ja nicht.