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Klares Signal

Covenant of Abraham Klarer können Signale nicht sein: Das Landgericht Köln wertet die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung und kriminalisiert somit offenbar die Brit Milah (oder siehe hier). Das meldeten am 26.06. mehrere Zeitungen (siehe etwa hier und hier). Man kann nun lange darüber philosophieren und medizinische Vorteile hinterfragen und feststellen, dass (jüdische) Beschneidungen hierzulande nur von Personen durchgeführt werden, welche die medizinische Befähigung besitzen. Wir könnten auch darüber diskutieren, dass das Verbot der Beschneidung in den letzten Jahrtausenden immer eine Maßnahme war, um gegen das Judentum anzugehen nicht aber für das Wohl der Kinder. Oder wir halten ganz nüchtern fest:
Ein jüdisches Leben ist in der derzeitigen Rechtslage nicht möglich. Wer will, dass Judentum aufgebaut wird, der muss auch jüdische Kinder wollen und männliche jüdische Babys werden nun einmal beschnitten.

Natürlich treffen wir eine wichtige Entscheidung für unser Kind! Weil wir Gründe dafür haben. So wie offenbar jemand davon überzeugt ist, dass die Beschneidung von Kindern nicht richtig ist.
Der Gesetzgeber muss nun aber auch konsequent vorgehen und das Impfen von Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr verbieten, oder das Ohrlochstechen, Auswahl der Schule oder Kindergartens, oder, oder alles Dinge, die wir für unsere Kinder entscheiden.

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Warum Israel?

Arab World Green Darfur ist eine Art Spezialkrise. Eine, die niemanden so richtig interessiert. Vermutlich, weil keine Juden und Israelis involviert waren. Jetzt sind sie es aber doch. 60.000 Flüchtlinge aus der Region sind nach Israel gekommen. Das führt zu Unruhe in Israel, weil die Zahl der Flüchtlinge recht hoch ist und genau das führt nun zu empörten Artikeln in der Presse (etwa hier und hier).
Um das zu verstehen, sollte man sich vielleicht die Dimensionen anschauen: Die Anzahl der Flüchtlinge entspricht etwa einem Prozent der israelischen Gesamtbevölkerung. Auf Deutschland hochgerechnet, wäre es etwa so, als kämen kurzfristig 800.000 Flüchtlinge ins Land. Das rechtfertigt natürlich keine rassistischen Übergriffe. 2011 gab es in Deutschland übrigens 45.741 Asylanträge.
Was Israel nun brauchen könnte, wäre kurzfristige Hilfe.
Nicht wirklich überraschend ist, dass man statt dessen mit dem Finger auf das Land zeigt. Interessant ist aber auch, dass die Flüchtlinge in genau das Land kommen, das von seinen Nachbarn als Heimstatt des Bösen angesehen wird. Einige von ihnen (Ägypten insbesondere) reichen die die Flüchtlinge einfach weiter und sind anscheinend nicht unzufrieden damit. Über das Meer werden die Flüchtlinge ja wohl kaum kommen. Wenn sie doch zu wissen meinen, dass es Nichtjuden in Israel schlecht geht, sollten sie eigentlich ein schlechtes Gewissen haben.
Muss also das kleinste Land der Region, die Probleme der anderen (großen) Staaten lösen?
Den Menschen ist damit übrigens noch immer nicht geholfen.

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Schockeln

Right before Shacharit at home Viele kennen es als Klischee vom betenden Juden: Schockelnde Männer (ich habe auch schon schockelnde Frauen erlebt). Männer also die sich während des Gebets mit dem Oberkörper vor und zurück bewegen. Es gibt die Extrem-Schockler (manchmal schockeln die auch eher für andere, als für sich), die gemäßigten, oder die besonnenen. Und wie so oft: Abhängig davon, wen man fragt, erhält man verschiedene Antworten, warum man das macht. Ein paar habe ich für die Jüdische Allgemeine zusammengesammelt. Den gesamten Artikel kann man hier lesen.

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Jüdische Texte Open Source

Sefaria.org

Kürzlich erst berichtete ich von der Idee, wichtige Texte des Judentums so abzulegen, dass sie für alle bereitstehen und auch von allen Nutzern theoretisch erweitert werden könnten. Ein gutes Werkzeug ist google docs und tatsächlich haben viele Nutzer sich die Seiten angeschaut und einige haben pdfs und Word-Dateien heruntergeladen. Den Inhalt verbessert oder verändert hat zunächst niemand.

Während die Dokumente online gingen (buchstäblich zeitgleich), ging jedoch auch sefaria.org testweise an den Start und das bewegt das Vorhaben auf eine neue Ebene. Die Seite ist sehr einfach zu benutzen und macht optisch den Eindruck einer Mischung zwischen Buch und Webanwendung. Für das Offener Talmud Vorhaben wird die Seite sich in Zukunft auch öffnen, denn Deutsch wird als Pflegesprache hinzugefügt werden, das sagte mir der Kopf hinter dem Projekt bereits zu.
Aber nicht nur den Talmud wird es geben, sondern vermutlich auch jeden anderen hebräischen Text. Das Projekt ist eine Benutzeroberfläche für jüdische Texte und hat einige Elemente des klassischen jüdischen Buches übernommen: Randglossen. Allerdings in digitaler Form.

Nun könnte man viel zur Funktionsweise von sefaria.org schreiben, aber die Grundfunktionen habe ich in einem kurzen Video zusammengestellt. Es ist ein kleiner Rundgang:

Was noch fehlt sind Druckfunktionen und Exportformate. Sicher wird das bald folgen. Natürlich fehlen auch weitere Pflegefreiwillige. Das gesamte Projekt kann auch auf einem anderen Server installiert werden. Alle Quellen sind über github verfügbar (programmiert in Python). Hier.

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Salz

Kosher Salt Wenn man Challot hat, dann gehört auch Salz dazu. Beim Kiddusch ist das jedenfalls so. Mit Ausnahme der Hohen Feiertage. Warum das so ist, habe ich für die Jüdische Allgemeine zusammengefasst.

Übrigens ist das ein Text, den Leser sich gewünscht haben, weil sie sich gefragt haben, warum am Schabbat Salz auf die Challot gestreut wird.
Dass man Fragen nun an die Jüdische Allgemeine gestellt werden, fasse ich mal als eine Art Kompliment auf 😉
Der ganze Text kann auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen gelesen werden, hier.

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Was vermutlich im Tauchboot-Artikel steht

Spiegel Titel Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe den Leitartikel des Spiegels nicht gelesen. Ich gehe jedoch davon aus, dass der Spiegel die Politik dafür lobt, dass der Merkel-Satz Israels Sicherheit ist Teil der deutschen Staatsräson hier eine praktische Umsetzung findet. Sicher wird anerkennend darüber berichtet, dass Israel (das vielleicht Atomwaffen besitzt und dieses vielleicht sicher eine Lebensversicherung ist) einer der wenigen Staaten in der Region mit einer funktionierenden Demokratie ist. Dieser Staat hat natürlich die gleiche Option, ein unbewaffnetes U-Boot zu kaufen, wie auch Staaten wie Andorra, Bahrain, Bermuda, Bhutan, Brasilien, Brunei, Chile, Hongkong, Indien, Indonesien, Jordanien, Katar, Republik Korea, Kosovo, Kuwait, Libanon, Malaysia, Mexiko, Montenegro, Oman, Pakistan, Peru, Philippinen Saudi-Arabien, Singapur, Südafrika, Thailand, Trinidad und Tobago und die Vereinigte Arabische Emirate eine Möglichkeit haben, in Deutschland Waffen zu erwerben (Ländernamen aus dem Rüstungsexportbericht). Sicher finden wir Leser unter dem Claim Wie Deutschland die Atommacht Israel aufrüstet einen Infotainment Artikel darüber, was Deutschland dazu beiträgt, dass der Fortbestand des Staates Israel tatsächlich gesichert ist. Alles andere würde ja bedeuten, der Spiegel würde Israel als fragliche politische Kraft sehen und das möchte ich einfach mal nicht unterstellen. Die Autoren eines politischen Magazins verfügen sicher über recht tiefe Kenntnisse der politischen Verhältnisse überall auf der Welt.

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OpenSource Talmud?

Talmud - Blatt Berachot 2a

Beispiel für eine konkrete Anwendung: Talmud - Blatt Berachot 2a

Auf talmud.de gibt es eine Reihe von Auszügen aus dem Talmud. Allerdings ohne Originaltext. Einfach als Möglichkeit, sich ein kleines Bild zu machen, wie die Texte funktionieren.

Für ein anderes Projekt (den Minchah-Schiur) entstand ein kleines Handout mit der Mischnah Awot (auch bekannt als Pirkej Awot), Hebräisch-Deutsch. Allerdings hätte es hier und da noch einiger Anmerkungen bedurft.
Beim Talmud ist es ähnlich: Warum ist dieser und jener Kommentar nicht dabei? Gibt es den übersetzt? Warum ist jenes Wort so übersetzt? Könnte man nicht etwas hinzufügen?
Dann wurde hier in einem Kommentar angemerkt, dass der Talmud (und eigentlich alle jüdischen Texte) doch eigentlich der Allgemeinheit zur Verfügung stehen müsste und so entstand die Idee für ein Experiment:
Man könnte die vorhandenen Texte in eine Form bringen, die es erlaubt, von vielen anderen Nutzern verändert, gelesen und ergänzt zu werden.
Gedacht, getan: Einige Texte stehen nun über Google Docs zur Verfügung und können im ersten Schritt von allen Nutzern betrachtet werden und von zugelassenen Nutzern auch bearbeitet werden.
Der Text kann schnell und einfach als Word, OpenOffice, RTF oder pdf abgespeichert werden und steht so schon ohne Zwischenlösung schnell zur Verfügung, kann aber auch in andere Software übernommen werden. Etwa in DTP-Programme. Etwa, damit er ausschaut wie auf dem Beispielbild.

In der Bearbeitung sieht ein Auszug der Mischnah Awot so aus:

Mischnah Awot
Im Größenwahn habe ich das Projekt zunächst Offener Talmud (Open Source Talmud) genannt. Die genaue Beschreibung und die genauen Nutzungsbedingungen (etwa, dass Text von jeder Person weitergegeben und weiterverwendet werden kann, solange dies unter den gleichen Bedingungen geschieht, oder dass der Textfür kommerzielle Zwecke verwendet werden darf, wenn die Autoren genannt werden und der Text wieder unter dieselbe Lizenz gestellt wird: Attribution-ShareAlike 3.0 Unported) sind jedem Dokument vorangestellt.

Im Augenblick verfügbar ist

Betrachten (herunterladen etc.) kann den aktuellen Stand jeder, bearbeiten jeder, der sich meldet (über den Kommentar oder das Kontaktformular. Wer einmal daran arbeitet, darf auch selber weitere Bearbeiter hinzufügen.

Technisches:
Interessanterweise kann google docs auch vokalisiertes Hebräisch, sogar mit Umschaltung der Textrichtung. Wie das funktioniert, habe ich hier dokumentiert:

Sollte das nicht zur Verfügung stehen, muss auf der Übersichtsseite der Dokumente das Zahnrad angeklickt werden (oben rechts), dann Einstellungen und dann der Reiter Bearbeiten und dann die (derzeit einzig verfügbare) Option Für Sprachen mit linksläufiger Leserichtung können Sie im Editor Steuerelemente zum Umstellen der Textrichtung einblenden. auswählen.