Kaddisch

Ein Kaddisch

Fragen und Texte zu Ritus und Minhag sind immer heikel habe ich angenommen. Mit verschiedenen Handlungen sind immer auch Erinnerungen, Emotionen und Haltungen verbunden. Nicht selten kommen hier die Kategorien Falsch und Richtig zum Zug. Als mein Text zum Kerzenzünden erschien, war ich darauf gefasst und wurde angenehm überrascht. Die Rückmeldungen die mich erreicht haben, waren durchaus positiv. Es kann natürlich sein, dass die Redaktion der Jüdischen Allgemeinen mit Beschwerdemails eingedeckt wurde und dass man sich anderswo als bei mir über den Text beschwert hat. Etwa in Yaels Blog

Nun geht es um das Kaddisch-Gebet. Weniger um den Inhalt des Gebets, als vielmehr darum, ob man nun sitzt oder steht. Den gesamten Text findet man hier.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Bedeutung des Kaddisch « Zwischenwelten

    • Ach – kein Thema. Ich schrieb ja: Bei Fragen zu Minhag und Ritus war ich auf wesentlich härtere Kritik gepolt. Mich wunderte einfach ein wenig, dass man das Netz nicht auch nutzt, um mal den direkten Weg zu gehen und zu fragen?

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      • Also, ich finde auch diesen Artikel wieder sehr gut gelungen! Klar, verständlich und interessant geschrieben. Ohne viel BlaBla und – ganz wichtig – so, dass man ihn auch als Otto Normalverbraucher verstehen kann!

        Hast Du eigentlich schon eine “Einführung in die Welt des Judentums” publiziert? Wenn nein, dann solltest Du das ruhig tun! Auch wenn es darüber zahlreiche Werke auf dem Markt gibt, fände eine solche Darstellung sicherlich seinen Platz. Ich würde mir jedenfalls ein Exemplar davon kaufen! 🙂

        Shalom

        Miles

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  2. …dass man sich anderswo als bei mir über den Text beschwert hat. Etwa in Yaels Blog
    &
    Mich wunderte einfach ein wenig, dass man das Netz nicht auch nutzt, um mal den direkten Weg zu gehen und zu fragen?

    Sawlanuuut, bitte. Polako, lento, sutsche, piano, laaangsam bitte… 😯

    Hallo Chajm,

    hatte den Eintrag gestern schon gelesen, es aber nicht mehr geschafft schriftlich darauf einzugehen. Immerhin, ich bekenne, daß ich in diese Kritik mit eingestiegen bin.

    Als Beschwerde jedoch wollte ich es weder von meiner noch von Aristobulus Seite wissen; nehme nicht einmal an, daß Du es damit bitterernst meinst. Höchstens doch bittersüß?

    Also: Verzeihung! Chajm.
    Es war nicht meine Absicht hinter dem Rücken des Artikels meine Meinung zu äußern, und beschweren wollte ich mich schon garnicht, und wenn schon Schwere, dann zur Übung der Kondition. 🙂

    Leider habe ich derzeit nur sehr wenig Gelegenheit zu lesen und zu schreiben, und das ist der einzige Grund, warum ich nicht mit meiner Empfehlung vorher schon in diesen blog kam.

    Auch Aristobulus, den ich sehr schätze, ist niemand, der hinter dem Rücken von Leuten redet und sich noch das Maul zerreißt dabei. Im Gegenteil, er ist eher von der direkten Sorte: ohne Umwege zum Punkt. Er hatte in Yaels blog doch sogar nachgefragt: Das wollt ich immer schon mal einen fragen. Vielleicht liest Chajm Guski mit?

    Dein Artikel gefiel mir übrigens gut, auch das schreibe ich gerne auf.
    Chajm, vielen Dank dafür, wie auch für den aktuellen ‘Kaddisch-Artikel’ (und vieles mehr).
    Dein Wissen um die Materie ist mir (und sicher vielen mehr) ein kostbarer Schatz!

    ~ * ~

    Nu, eigentlich ging es uns doch nur um ein Wort und dessen tiefere Bedeutung: das ‘Verbot’.

    Ich bin mir bewußt, daß das Verständnis desselben verschiedene Assoziationen hervorrufen mag. Einen (meinen) Teil dazu habe ich bereits erklärt (der link: bin, s.o.), letztlich nichts weiter als mein Forschen um Verstehen.

    Es kann also sein, daß das Wort Verbot zu kleinlich von uns bewertet wird, andererseits jedoch assoziiere ich Verbote mit etlichem, jedoch nicht speziell mit Judentum. (…und, so vermute ich, das ist wohl auch des Aristobulus Standpunkt, so verstand ich seinen Kommentar.)

    Nehmen wir den Kern der Tora, für mich die zehn Gebote. Sie zu verletzen ist ‘verboten’; könnte man also umgangssprachlich als auch halachisch (nehme ich an) so formulieren.

    Aber wer -im Fall des Falles- ist der Richter, wer der Vollstrecker und wer -und Zweifel sind bald immer angebracht- der Übertreter?
    Für mich sind die Gebote der Tora, mindestens die Zehn, ein Spiegelbild des menschlichen Gewissens. Und doch ist es an jedem Einzelnen sich für oder gegen das Gewissen zu entscheiden.
    Wir können es nicht für andere tun.

    Menschliche Gerichte gibt es mit gutem Grund, gerade auch im Judentum mit gutem Grund.
    Ein Nebenfeld der Diskussion könnte an dieser Stelle auch das berühmt-berüchtigte Auge um Auge sein. Daher leite ich (zB) meinen guten Grund ab. Die Gerichte sind notwendig, um Rache und Willkür entgegen zu wirken und einem Wuchern von Selbstjustiz. Und in diesem Sinne also wirkt auch die Tora und die Weisung daraus.
    Und die Richter sind hoffentlich dazu in der Lage klug abzuwägen und weises Urteil abzugeben.

    Meine Frage, die ich in dem Kommentar auf Yael’s blog zum Abschluß stelle,
    (wie groß ist die Hingabe zu etwas, zu dem man wider seinem Willen und seinem Anerkennen gezwungen wird?)
    beinhaltet einige Aspekte.

    Zum Beispiel drücke ich damit aus, daß ich Missionierung (psychologisch wie auch durch körperlichen Zwang) als Schädigung an dem Menschen betrachte.
    Unterwerfung erbringt keine Hingabe, sondern nur Not und daraus resultierende Handlung.
    Jedoch gerade solche Leute mit ihrem (zB) wahren Glauben sind fechtende Verfechter von Verboten.

    (Ein Nebengedanke dazu; wie oft wird das Judentum als Religion stellvertretend angeprangert wegen der Mißinterpretation und dem daraus abgeleitetem schädlichen Handeln durch Menschen anderer Religionsauffassungen?)

    Manches mal, ich werde zynisch, heißt es schlicht von anderen: es ist dir verboten zu leben!
    Die Hintergründe der Toulouse-Attentate sind wohl noch nicht vollständig aufgeklärt, aber dort ist der Täter anscheinend jemand, der sich wenigstens im weitesten Sinne der ‘Glaubensrichtung Islam’ verbunden fühlte. Er hat also solche Verbote in die Tat umgesetzt.

    Der Stalinismus hat ein Religionsverbot durchgesetzt, was (u.a.) dem Judentum in der SU beinahe das Rückgrat brach, der Hitlerismus hatte wiederum ganz klar ein Lebensverbot mindestens auch gegen Juden ausgeführt.

    Wir können sagen, daß die Gebote aus der Tora verbunden mit Verbot (zB nicht morden!) sein müssen, denn Menschen neigen zu Fehlverhalten. Die Weisung soll ihnen (uns) helfen sich dem bewußt zu werden.
    Die Gesetze der Tora sind Anweisung zu einem gut geregeltem Leben und Miteinander.
    Jeder Einzelne sollte dabei für sich entscheiden, inwiefern diese Anweisungen direkt von hoschejm stammen, bzw wie sie unter dem Gesichtspunkt zu bewerten sind.
    So sehe ich das. Hingabe kann nicht erzwungen werden.

    Wir haben Agnostiker und Atheisten unter den Juden (und unter anderen Völkern), ihnen können wir wenigstens sagen, daß die Gebote/die Gesetze nichts anderes als ‘reine Vernunft’ sind: für ein Miteinander und ein gutes Leben.

    Als Historiker mag man hinzufügen, daß auch die Tora im Verhältnis ihrer Zeit gelesen werden sollte.
    Das Judentum tut das.

    Gegner des Judentums jedoch klagen Juden häufig für mißverstandene Zeilen eben aus jener Tora an. Das ist dann gewissermaßen eine schädliche Mißinterpretation.

    Aber das ist nicht alles, erklärt nicht die Gegnerschaft zum Judentum allein.
    Es ist nur eines von vielen Mitteln um Juden für’s Judentum anzuklagen.
    In aller Regel aber steckt dahinter zum einen das Unverständnis zum Judentum, geschuldet der eigentlichen Interesselosigkeit daran. Solche Menschen sind dann zufrieden mit der sogenannten antisemitischen Karikatur (die nichteinmal in jedem Falle als solche erkannt wird).

    Insgesamt jedoch -zumindest bei Erwachsenen- haben solche Gegner, Hasser, Verachter des Judentums eines gemein: ihre schlechte Absichtshaltung gegen die Menschen.

    Kritiker, Skeptiker und so weiter nehme ich aus solcher Gleichung raus.

    Worte, auch Ratschläge, sind oft einfach gegeben/geschrieben, konsequentes Handeln nach den Maßstäben reiner Vernunft jedoch ist schwer. Nicht nur, weil sie häufig in einer Umwelt stattfinden, die solcher Vernunft kein Verständnis entgegenbringt, sondern auch, weil es jedem Einzelnen mehr oder weniger schwer fallen dürfte.

    Wenn Juden von den Gerechten reden, dann reden sie von wenigen. Und wie können diese wenigen, die eigentlich etwas abgehoben/emporgehoben (also idealisiert) erscheinen, Vorbild sein für so viele, die aus vielerlei Gründen Schwierigkeiten haben eben solche Ideale zu erfüllen; nicht zuletzt aufgrund der eigenen Schwäche?

    Aber, weil das so ist, weil wir schwach sind und zu falschem Verhalten und Fehlern neigen, wie jeder Mensch, daher haben wir die Gebote, die Gesetze. Eine Ordnung, die uns helfen soll, dem Chaos resultierend aus unserem Unverständnis und unseren Schwächen etwas entgegenzusetzen, für ein gemeinschaftliches Auskommen; bei weitem nicht nur für Juden, sondern mindestens von Juden auch gegenüber anderen Menschen; nicht nur wegen der Gastfreundschaft jener die uns Wanderer in ihre Mitte aufnahmen, sondern auch und vor allem aus der alten Heimat der Vorväter heraus, aus erezJisrael, weil es jüdische Tradition ist.
    Dabei helfen uns die Worte und die Weisungen aus Tanach und den übrigen Schriften und eben die Tradition.

    Und deshalb nenne ich es lieber Empfehlung, denn der Mensch ist frei nach seinem Willen in Seinem Angesicht nach Ihm geschaffen, das ist auch Bürde und sicher einigen Prüfung.
    Es war so von Anfang an mit Adam, und es ist so mit Adam.
    So ist das Wesen dieser Welt, wir leben in einer nicht perfekten Welt und ist der Mensch nach Seinem Angesicht, so doch nicht perfekt. So wollen wir versuchen die Welt zu verbessern.
    Schaffen wir das durch Verbote?

    Nu, eigentlich ist diese Frage mindestens auch an mich selbst.
    ZB wurde der Knesset kürzlich der Gesetzesentwurf vorgelegt, daß das Freien von Huren künftig im Staat Israel verboten sein soll. Ich finde, daß ist aus (mindestens) ganz persönlichen Gründen ein guter Vorstoß.
    Wo keine Kunden (Freier), da ist auch kein Angebot. Vielleicht etwas kurz gedacht?

    Natürlich, Gegenmeinungen dazu gibt es.
    Und eine Paradeformulierung dürfte dabei stets diese sein: Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt. Ich denke, das ist Blödsinn.

    Nur, wird die Prostitution (gerade die kriminelle; also inkl. Mädchen-/Kinderentführung, Menschenhandel, grausame Sitten zur Versklavung…) dadurch zurückgehen? Wird die Kriminalität rund um’s Gewerbe ansteigen, die Brutalität, die Menschenverachtung? Das sind Fragen, die mir entgegengehalten wurden, als ich meine zustimmende Anerkennung zu dem Gesetzesentwurf äußerte.

    Oder nun wurden Magermodels für den Staat Israel verboten (so las ich es wenigstens in einem deutschen Format). Wird es dadurch besser in dem ‘business’?

    Meine Antwort, unabhängig davon was es wird, wir sollten wenigstens -jeder einzelne- probieren die Welt zu verbessern.
    Und die Freier unter Strafe, das sehe ich eben auch als Versuch einer Besserung. Und in dem Fall ist es eine Gesamtanstrengung des Staates Israel, wenn der Gesetzesentwurf gebilligt wird. Wir können also gemeinsam versuchen, jeder einzelne in bester Absicht, etwas gutes zu tun in dieser Welt.
    Solche Empfehlung geht natürlich auch an potentielle “Freier”.

    Kriminalität, entwürdigendes Handeln gegen Menschen (usw.) wird es solange geben, wie es eben Menschen gibt, die das tun. Wahrscheinlich so lange, bis der Moschiach kommt.
    Es ist sehr schlimm zu erfahren, was Menschen durch Menschen angetan wird, und unser Volk (und viele Völker) hat eine sehr schwere Erfahrung durch die Zeiten gehabt. Wir kennen die Bestie, zumindest unsere Eltern und Großeltern. Und mancher von uns weiß aus persönlicher Erfahrung, zu welchen Grausamkeiten Menschen an Menschen in der Lage sind. Wir sind Menschen.

    Sollen wir sagen: so ist das eben! Und dann nichts tun, nur hoffen, daß es uns nicht trifft?
    Wenn nicht uns, wen dann? Der Gedanke ist nicht erlaubt? Ist es nicht besser gegen das Übel anzugehen, welches uns -als Menschen- so schwer gängelt?

    Noch ein weiterer und kleiner Aspekt, von einem Laien, der ich bin.
    Mit Judentum verbinde ich vielmehr ‘rachmones’ und Milde, als Verbote und also (konsequenterweise) Bestrafung.

    Chajm, bei aller Besprechung rund um dieses Wörtchen geht es nicht darum, daß Aristobulus (ich wage mich an der Stelle für ihn zu sprechen) oder ich Dir in irgendeiner Weise unterstellen wollten, daß Du das Wörtchen Verbot in irgendeiner der schlimmen Assoziationen gebraucht hast, wie ich es nun in meinem Text anschnitt.

    Es geht nur um Aspekte, jedoch daher stehe ich dem Wort Verbot skeptisch gegenüber, wenn auch, wie ich ausführte, nicht in jedem Fall.
    Ich finde, auch Yael, die Aristobulus antwortet, hat recht, wenn sie schreibt: Der Blickwinkel macht es manchmal.
    Ebenfalls Aspekt, oder Blickwinkel. Aristobulus hat eben auch recht.

    Es geht also nicht um Probleme (liebe Yael) oder Beschwerde, soweit ich das von mir sagen möchte.
    Ich bin mir ziemlich sicher, daß Aristobulus genauso erfreut und wohlwollend Deine Texte liest, wie ich es tue.
    Wir sind Deutsche, unsere Geschichte beinhaltet in jüngster Zeit einen erheblichen Bruch. Du, Chajm, bist mit Deinem Wissen um das praktische und schriftliche Judentum wie die Sonne an einem Wintermorgen, die dem Frierenden ein langsames Erwärmen ermöglicht, Du und alle, die sich um das Judentum in Deutschland bemühen. Aristobulus zB ist einer derjenigen, der sich (u.a.) um die Lebendigkeit der mameloschn bemüht, wie man auf seiner homepage leicht feststellen kann.
    Wir haben alle unseren bescheidenen Anteil, eine Zeile aus einem ‘lid’ finde ich an dieser Stelle sehr treffend: mir lejbn ejbig!!!
    Das beinhaltet auch den Bund und unsere Verantwortung als Menschen dieser Erde und unter diesem Himmel, aber eben auch das Leiden. Wir messen an unmeßbarem, sozusagen. B*H.

    Scusi, für die Länge und das Ausschweifen meines Schreibens und bedankt für die Geduld. Ich empfehle mich. 😉

    Schabat schalom ale.hem.

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    • Das ist vermutlich einer der längsten Kommentare seit langer Zeit. Dafür danke ich schon einmal 😉 Beschweren natürlich bitte nicht wörtlich im negativen Sinne nehmen. Ist natürlich erfreulich, wenn ein Text besprochen wird, ganz gleich ob das Feedback gut oder schlecht ist. Der Vorteil des Internets ist, dass die Autoren oft schnell greifbar sind. Auf der anderen Seite finden die Diskussionen sehr dezentral statt. Facebook, twitter, in diesem Blog, in jenem Blog

      Inhaltlich kann man den gar nicht in einem Kommentar beantworten. Das würde vielleicht zu viele Missverständnisse nach sich ziehen.

      Mit dem Verständnis des Wortes Verbote tue ich mich ein wenig schwer, weil wir da offenbar in vollkommen unterschiedlichen Diskurswelten agieren. Das ist bei den Zehn Geboten ähnlich. Wir haben noch die sieben noachidischen Gebote für Nichtjuden, die zivilisatorisch vielleicht unterschätzt werden. Ich würde sie auch nicht so gerne als Kern betrachten wollen.

      Soweit eine erste kurze Antwort.

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      • Hej! Also, nur nochmal, daß es nicht verloren geht. Beide Artikel, den zum Kerzenzünden und den zum Stehen und Sitzen bei Kaddisch zum Schabbes in der schul, finde ich sehr gut und vor allem auch wertvoll!
        Die Sache mit dem Verbot aber hat doch viele interessante Aspekte?
        Kritik kann auch eine gute sein, eine befruchtende, von meiner Seite also hoffe ich, daß es so verstanden wird und wirkt.

        Was Du zu den Noachidischen Geboten sagst, finde ich richtig.
        Und ziemlich direkt hat auch Aristobulus dasselbe gesagt, wenn eben auch bezogen auf die Zehn Gebote:
        Die Zehn Gebote gelten als Grundlage von Zivilisation und Freiheit,…

        Und ich meine solches auch, wenn ich (zB) schreibe:
        …für ein gemeinschaftliches Auskommen; bei weitem nicht nur für Juden, sondern mindestens von Juden auch gegenüber anderen Menschen;…

        Mindestens, denn irgendwoher kommt es, irgendwo braucht es einen Anfang, wenn wir auch im Verhältnis zu Ewigkeit uns messen mögen, unsere Menschenleben im einzeln sind nur begrenzt. Geburt und Tod, man mag es als einen Kreis ansehen, doch dem Menschen ist es rational einfach das, eine begrenzte Zeit, ein Anfang und ein Ende.
        Wir haben Seele, aber unsere Menschlichkeit in Erscheinung und Wirkung ist nur ein kleiner Ausdruck. Dem einen mag mehr, dem anderen weniger Beachtung geschenkt werden durch andere. Und doch, rechtlich wie von ethischem Wert sind wir uns gleichrangig, obgleich wir durch unser Handeln entscheiden, wie letztlich das gelebte Leben bei jom ha din gewägt wird. Nur, wer wägt, und wer von uns kann es wirklich wissen, wie’s gewogen wird?

        Kern der Tora -und Dein Einwand ist in Ordnung- das bezeichne ich so, weil es eben diese Worte sind, die knapp und präzise zusammenfassen, worum es geht. Die Zehn Gebote stehen doch als Essenz für jüdisches Gesetz und Ethik, kann man es nicht so sagen?
        Mosche bringt die Gebote vom Berg Sinai, das Volk aber hatte Mosche bald schon am Berg vergessen, hatte Ihn schon bald vergessen.
        Bund, Treue und Versprechen, die Identifikation als Volk mit dem Auftrag zum erez zu ziehen um dort zu leben, um eben jene Gebote (usw) zu halten, deshalb sage ich gerne Kern der Tora dazu.
        Und, da gibt es noch so’n Ausspruch von Hillel, der es eben auch so sagt. Nun gehe und lerne! 😉 als ob er mich damit meinte, denn ich habe wirklich vieles aufzuholen…
        Und, als Essenz der Tora mag man soviel mehr verstehen.
        Alleine die Kabbalistik. Und wie ist es mit der Spiritualität?

        Danke, bis hierhin, für Deine Antwort.

        (Achso, keine Sorge, bin zwar tatsächlich ziemlich empfindlich 🙄 jedoch nicht zu empfindlich, von wegen Mißverständnisse. Solche gibt es. Können wir sie vermeiden, indem wir den Diskurs scheuen?
        Eines also von meiner Seite nochmal, ich bin wirklich kein ‘Gelehrter’ und möchte auch nicht so tun als ob. Doch, ich habe vieles aufzuholen. Mein nick hat zwar auch seine vielschichtigen Bedeutungen, aber das ist vielmehr nur ein Glück, welches ich zugegebenermaßen genieße, wenn möglich… 😀 )

        Antworten

  3. Hi, c’est moi “derjenige” und “jemand”, der was kritisierte. Danke, A.mOr, dass Du mir Bescheid gesagt hast, sonst wär das ja im Ominösen verblieben.

    A.mOr, Du schreibst, “Für mich sind die Gebote der Tora, mindestens die Zehn, ein Spiegelbild des menschlichen Gewissens.”
    Kann es anders herum gewesen sein? Dass vor den Zehen Geboten kein Gewissen dagewesen ist?
    Die Zehn Gebote gelten als Grundlage von Zivilisation und Freiheit, zuvor galten Willkürherrschaft, Sklaverei und Menschenopfer. Silke schrieb mal, dass außerdem noch Mutterliebe und ein angeborener menschlich-emotionaler Zusammenhalt der Gruppe dagewesen sein müssen. Da wird sie Recht haben. Jedoch vor der Formulierung der Zehn Gebote hatte noch niemand je gesagt, dass das Individuum etwas zählt, dass alle Menschen, egal ob Pharao oder Landarbeiterin, ob Jude oder Ägypter, rechtlich und als Einzelmenschen gleich sind (geht so radikaldemokratisch eindeutig aus dem Schabbojsgebot hervor).
    Ich denke, dass zuvor statt des Gewissens mehr Angst, Ausgeliefertsein und Ambivalenz empfunden wurden. Noch Abraham hat mit sich gehadert, ob er nun seinen Sohn opfern solle oder besser nicht. Das Gewissen schlägt jedoch immer eindeutig, nicht? Seit den Zehn Geboten gilt ein Menschenopfer eindeutig als barbarisch und furchtbar, in jedem nur vorstellbaren Fall, so stellt es das Gewissen seither zweifellos fest. Und selbst ein saudisches Prinzchen hat nicht das Anrecht auf einen längeren Schabbojs als sein armer palästinensischer Gastarbeiter. So sagt es das Schabbojsgebot, und so sagt das Gewissen.

    Übrigens, der Hitler, ja grad der, schrieb :”Gewissen, diese jüdische Erfindung…” Der Ärmste muss es ja geahnt haben 😀

    – Es gibt natürlich Verbote im Judentum, 365 von den 613 Mitzwojs (nach Maimonides) sind Verbote. Es wird schnell schwierig und schwieriger, Wenn man sich die Liste so ansieht, denn da steht etwa die Nr. 31: Not to make human forms even for decorative purposes, Ex. 20:21. Heißt das, man darf seinem Kind keine Puppe basteln? Kann ja wohl nicht gemeint sein. Was ist dann gemeint? Ein jüdischer Bildhauer oder Maler darf keine Statuen machen oder Menschen hinmalen?
    Ich denke, das ist nicht akzeptabel, und Maimonides sprach mithin für’s dreizehnte Jahrhundert unter dem moslemischen Joch. Will heißen: Er sprach nicht für Marc Chagall.
    Chaim, was meinst Du dazu?

    Und meine andere Kritik, nein Frage, als ich halt als “derjenige” und als “jemand” frug, bezog sich auf das Kerzenanzünden Freitag Abends. Was, wenn jemand zu dem Zeitpunkt einfach keine Kerzen anzünden KANN, aus Gründen, die er nicht zu ändern vermag? Ich meine keine Arbeitszeit oder dergleichen, sondern wirklich Gründe. Was soll der machen? Daraufhin keine Kerzen anzünden, keine Broche singen?
    Es gibt sicher mildernde Umstände, irgend einen Kniff, nach dem der Schabbojs dann halt im Winter nach 22 Uhr beginnt incl. Kerzen und Broche. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es starr nach Sonnenzeit geregelt ist, denn die Sonne ist doch für den Menschen da, und nicht umgekehrt? Wir habe doch keinen Sonnengott.
    Chaim, wie siehst Du das?

    Schojlem und Grüße

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    • P.S.
      In Schmot 20:21 steht das nicht – da steht, dass man keinen Altar aus Erde machen soll. Davor steht, dass man keine Abbilder anderer Götter machen soll (was ohnhin klar sein dürfte).
      ?
      Hat Maimonides sich geirrt, bin ich zu doof zum Nachlesen, haben die Rabbojnim was Drittes gefunden, oder ist es doch was ganz Anderes, längst Widersprochenes von woanders?

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    • Ahoj Aristobulus,

      von wegen Gewissen. Leider weiß ich nicht mehr, an welcher Stelle es nun stand, aber es ist in der tojre beschrieben, daß der Mensch, auch der nicht jüdische, ein Gewissen hat.
      Einfach so, naturgegegeben, im Plan der Schöpfung also.
      (Hmm, vielleicht kennt Chajm die Stelle?)

      Außerdem, wie gut, daß Du es tust! Du erwähntest Silke. Oj, gute Silke!
      Ja, ich erinnere mich, das von Silke, fand ich auch sehr passend und treffend.
      (Hoffentlich liest sie mit, nu, habe immerhin auf Yaels blog hierher verwiesen…)

      Silke schrieb mal, dass außerdem noch Mutterliebe und ein angeborener menschlich-emotionaler Zusammenhalt der Gruppe dagewesen sein müssen.
      Das zeichnet Silke eben aus, hohe Intelligenz kombiniert mit gelebter Erfahrung und deren Anwendbarkeit von einfach praktisch auf etliche intellektuelle Entwürfe & Konstrukte.
      (Die gute Mischung macht’s eben, die eine reiche und schöne Persönlichkeit hervorbringt!)

      Und, ist es nicht genau so plausibel, daß sie eben damit dies beim Menschen veranlagte Gewissen umschreibt? Denn das sind wir Menschen auf’s einfachste zurückgeworfen, eine Spezies (wie alle Tiere usw), die sich via Paarung zur Nachkommenschaft erhält. Ohne das nichts weiteres.

      Und die Tora ist ein Werk, welches uns Einzelne überlebt. Mögen wir also viele Nachkommen haben, daß die Weisheit ihre angemessene Würdigung erfährt!

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      • Ahoj lieber A.mOr, also hab ich mich in puncto Gewissen zu kurz ausgedrückt, denn natürlich haben Eskimos und Obersachsen und Rojtwelsche usf. auch eins 😉 .
        Woher jedoch kommt die Überzeugung, dass die Menschenrechte etwas zutiefst Gerechtiges und Notwendiges sind? Oder die Meinung, dass das Recht des Stärkeren etwas Verabscheuungswürdiges ist. Oder die Verachtung von Sklaverei… das ist alles nun ins Weltgewissen integriert, gilt in Bengalen und in Bhutan (definitiv dort) und hoffentlich auch in Nordfriesland, und woher stammt der Entwurf?, der stammt aus den zehn Geboten.
        Sie sind ein bis heute heftig umstrittener Gegenentwurf zu einer Welt, in der Hammurabis Gesetz der Rache, das Recht des Stärkeren, Versklavung von Besiegten usf, galten und zum Teil noch immer gelten.

        Selbst die alten Griechen (Silke, die Inselgriechin, möge es mir verzeihen) fanden nichts Schlechtes daran, den Feind auszurotten, Slaven zu halten und manchmal dem Zeus auf dem Berg Ida ein Menschenopfer darzubringen…

        Judenhasser, auch die weniger schlimmen und sogar die, die sich kaum oder fast gar nicht von den Juden gestört fühlen, sind sich einig, dass das Judentum irgendwie ‘anders’ ist, dass die Juden durch ihre bloße Existenz den Anderen immer so im Nacken sitzen, gar mahnen und fordern. Warum? Die trauern der alten Welt nach, in der alles erlaubt war, in der man ohne Gewissensbisse Orgien aus Lust oder Krieg feiern durfte und danach sieben Stiere schlachtete. Das Judentum steht völlig konträr dazu, trägt den Gegenentwurf, ruft Ja zum Nein. Folglich will Achmadinerjacket das Volk Israel von der Landkarte tilgen.

        – Der Begriff Gewissen, kommt er denn in der Tojre vor?, so weit ich weiß, steht da “Herz”.

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    • Und meine andere Kritik, nein Frage, als ich halt als derjenige und als jemand frug, bezog sich auf das Kerzenanzünden Freitag Abends. Was, wenn jemand zu dem Zeitpunkt einfach keine Kerzen anzünden KANN, aus Gründen, die er nicht zu ändern vermag? Ich meine keine Arbeitszeit oder dergleichen, sondern wirklich Gründe. Was soll der machen? Daraufhin keine Kerzen anzünden, keine Broche singen?
      Es gibt sicher mildernde Umstände, irgend einen Kniff, nach dem der Schabbojs dann halt im Winter nach 22 Uhr beginnt incl. Kerzen und Broche. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es starr nach Sonnenzeit geregelt ist, denn die Sonne ist doch für den Menschen da, und nicht umgekehrt?

      Die Antwort auf diese Frage hängt von der Intention mit der Du den Schabbat halten möchtest. Wenn Du versuchst, Dich langsam anzunähern, ist es vielleicht besser zu betrachten, was Du machen kannst, als zu sehen, was Du nicht machen kannst. Ein netter Kiddusch (allein oder mit Familie, je nach Situation) kann auch eine gute Einstimmung sein und der hängt nicht vom Stand der Sonne ab. Das kann auch einstimmen 😎

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    • Die Antwort auf diese Frage hängt von der Intention mit der Du den Schabbat halten möchtest. Wenn Du versuchst, Dich langsam anzunähern, ist es vielleicht besser zu betrachten, was Du machen kannst, als zu sehen, was Du nicht machen kannst.

      Sehr schöne Antwort, da stimme ich Aristobulus gerne zu.
      (Und noch erfreulicher daran, daß ich bei Aristobulus keinen Zweifel an seiner guten Absicht hege, zugleich dabei erkenne, daß diese Antwort von Chajm wiederum genau solche gute Absicht verrät. Zweifach, also -mindestens- dreifach erfreulich. 😀 )

      Schabat schalom!

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