Der Talmud von Artscroll

Die Talmud-Ausgabe von ArtScroll dürfte die bekannteste Übersetzung des babylonischen Talmuds sein. Sie trägt den Namen Schottenstein nach der Familie, die durch Spenden ein solches Projekt erst ermöglicht hat. Die englische Übersetzung war der Anfang. Französisch und Hebräisch folgten bald und ermöglichten eine Erfolgsgeschichte in 73 Bänden. Dass es einst eine englische Übersetzung des Talmuds von Steinsaltz gab, gerät dagegen fast in Vergessenheit. Dass Koren demnächst eine neue Auflage einer englischen Übersetzung des Steinsaltz-Talmuds auf den Markt bringen wird, wird die Verhältnisse aber vermutlich ändern.
Doch zurück zur Schottenstein-Ausgabe:
In der Standard-Ausgabe findet man hinter dem prächtigen Einband auf jeder Doppelseite den hebräischen bzw. aramäischen Text der Ausgabe von Wilna. In den jüngeren Auflagen leicht lesbar und mit modernen Glossen versehen. In älteren Ausgaben ist die Qualität etwas weniger gut. Das Wilna-Blatt beinhaltet natürlich auch die klassischen Kommentare, wie etwa den von Raschi. Wie auf jedem Blatt steht der Text der Mischna und der Gemarah in der Mitte. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die entsprechende Übersetzung untergebracht (in fetter Schrift) – allerdings gemeinsam mit dem vokalisierten Originaltext. Jeweils in kurzen Abschnitten und eingefügten Erklärungen und Verdeutlichungen (in normaler Schrift).
Das Bild zeigt eine Seite im Überblick:

Blick in den Artscroll Talmud

Blick in den Artscroll Talmud


Die abschnittsweise Übersetzung bedeutet allerdings auch, dass nicht jede Seite eine Seite des Wilna-Blattes bedeutet. Etwa 8 Seiten der Übersetzung entsprechen einem Blatt. Dennoch ist dieses jeder Doppelseite zugeordnet. An einem kleinen grauen Balken neben dem Originaltext erkennt man, wo man sich gerade im Originaltext befindet.
Die Fußnoten vertiefen die einzelnen Themen und liefern Quellennachweise und Verweise auf die klassischen Kommentare. Ausführlicher geht es kaum und deshalb nimmt der Fußnotenbereich teilweise mehr als die Hälfte der Seite aus.

Textdetail Artscroll

Textdetail Artscroll

Für motivierte Lerner und Lerngruppen ist diese Ausgabe eine riesige Hilfe um in das Meer des Talmuds zu steigen.

Nun geht aber ArtScroll noch einen Schritt weiter und digitalisiert die hervorragende Ausgabe als app für iPad und iPhone. In einem Video (beeindruckend und sehr selbstbewußt) werden die neuen Features gezeigt:

Klar, man kann die Ausgabe am Schabbes nicht verwenden. Aber an den übrigen 6 Tagen der Woche.
Über den Preis ist derzeit noch nichts bekannt.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Das kann zwei Gründe haben
      1) Du nutzt am Schabbes keine elektrischen Geräte und hast ein schlechtes Gewissen den observanten Herstellern gegenüber 😉
      2) ArtScroll verbietet vielleicht durch einen technischen Trick die Nutzung der Software am Schabbes. Versuch mal ein Buch bei denen zu bestellen, wenn in NY noch Schabbat ist. Da wird man nur mit Schabbat Schalom begrüßt

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      • oha — ersteres habe ich befürchtet, zweiteres vermutet! 🙂

        Aber mal abgesehen davon ist Artscroll einfach weltklasse, das fängt schon bei den sagenhaften Kinderbüchern an, stimmts!? Ich habe jedenfalls eine stattliche Artscroll Sammlung zu Hause.

        Shalom

        Miles

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        • ArtScroll hat eine Menge jüdischer Quelltexte einer breiten Masse zugänglich gemacht und dabei noch seine Sicht auf das Judentum transportiert. Bei den Siddurim bin ich (das wurde ja hier auch dokumentiert) auf Koren umgestiegen 😉

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  1. Pingback: Not, Tugend und Talmud? | Chajms Sicht

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