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Purimschlaf

Megillat Esther (1)

In der Synagoge zu schlafen, wäre doch sehr chuzpedik, das kann aber in totalen Ausnahmefällen passieren. An Purim sollte man das auch nicht machen, aber das Thema Schlaf scheint doch keine kleine Rolle zu spielen.
In Jüdisches Berlin nenne ich ein paar Aspekte dieser Rollen. Sicher gibt es noch viel mehr:

Schlafen an Purim ist keine Missachtung des Feiertags, sondern sogar eine Mizwa. Nicht gerade in der Synagoge und während der Megillah-Lesung soll man schlafen, aber die Halacha bestimmt, dass man an Purim etwas trinken und dann direkt ins Bett gehen sollte. So steht es jedenfalls im Schulchan Aruch (Orach Chajim 695,2).
Ganzer Artikel hier: jüdisches berlin

In der gedruckten Ausgabe/im pdf ist der Artikel auch in russischer Sprache verfügbar (steht hier zum Download bereit).

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Jew.de.ru

[Wie ich erfahren habe, wurde das YouTube Video ohne das Einverständnis der Urheberin eingestellt. Aus jüdischer Sicht darf man nicht von gestohlenem Gut profitieren. Deshalb habe ich das Video entfernt.]

Ein filmisches Porträt von drei jungen Juden, die als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und hier ihren Lebensmittelpunkt haben. Sicher gäbe es über jeden einzelne Person die ihren Weg nach Deutschland fand, viele interessante Geschichten und Hintergründe. Hier stehen drei jüngere Juden im Mittelpunkt. Der Vorspann des Films lässt keine Illusionen darüber aufkommen, dass Juden die beliebtesten Bewohner des Landes sind.
Ausgeklammert ist die Frage Ausgerechnet Deutschland? aber das kann nicht im Fokus des Filmes liegen, denn die dargestellten Personen haben sich nicht selber dazu entschlossen, nach Deutschland zu kommen.

Das Video ist gerade auf allen jüdischen Kanälen der sozialen Netzwerke unterwegs. Allen einen großen Dank, die mich darauf aufmerksam gemacht haben

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Einmal

Einmal ist ein Hörbuch für Kinder und Jugendliche. Da ist es vielleicht besser, wenn die Zielgruppe das Hörbuch bespricht:

In der Geschichte Einmal von Morris Gleitzman geht es um den 6-jährigen polnischen Juden Felix. Er lebt in der Zeit der Herrschaft Hitlers.
Er muss ohne seine Eltern in einem Waisenhaus leben. Sie sind Buchhändler und seitdem Hitler herrscht, geht es seinen Eltern schlecht.
Als er eines Tages im Waisenhaus in seiner Speiseschüssel eine Möhre entdeckt, denkt er, dass dies ein Zeichen seiner Eltern ist, dass es jüdischen Buchhändlern wieder besser geht.
Daraufhin zieht er los, um seine Eltern zu suchen und gerät dabei mit anderen jüdischen Kindern, die er während seiner Reise trifft, in die Hände der Nazis.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Felix erzählt. Deswegen wirkt alles kindlich erzählt, was aber für den Zuhörer auch einfacher zu verstehen ist.
Obwohl in der Geschichte auch die Lage der Juden während der Schoah geschildert wird und deswegen traurig macht, verleiht die kindliche Naivität der Erzählung auch etwas, wobei man auch mal schmunzeln kann. Jede neue Handlung wird mit dem Wort einmal begonnen.

Insgesamt: Eine eindrucksvolle Schilderung der Situation während der Schoah und eine gelungene Erzählung. Man kann sich gut in die Lage der Menschen, denen es damals schlecht ging, hinein versetzen.

Hier eine Hörprobe
Das Buch bei amazon.

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Muttersprache?

Jiddisches Straßenschild - USA

Jiddisches Straßenschild - USA

Ein Artikel zum Internationalen Tag der Muttersprache für die Jüdische Allgemeine beschäftigt sich in aller Kürze damit, was wohl DIE jüdische Sprache sein könnte. Hebräisch? die häusliche Muttersprache? Jiddisch? Ladino? Ist Englisch doch die Kommunikationssprache für alle Juden. Den Artikel/die Meinung ist hier online verfügbar.

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Hate your wife?

Keine Problem auch dafür gibts ne App ein Kapitel aus den Tehillim!

Das könnte man fast einen Glückstreffer nennen: Man öffnet ein Buch auf und sieht gleich eine interessante Überschrift:

Aus: Sefer Tehillim Ateret Paz

Aus: Sefer Tehillim Ateret Paz

Ich freue mich, dass wohl keine Veranlassung dazu besteht, zu diesem Kapitel zu greifen

Zu finden ist diese Verschlagwortung im Sefer Tehillim von Ateret Paz in dem noch einige Halachot, Minhagim und Gebete zu finden sind. Druckjahr ist 5767 es ist also gute fünf Jahre alt

Sefer Tehillim Ateret Paz

Sefer Tehillim Ateret Paz

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Protestmode

BelleMode - Foto

BelleMode - Foto

Das israelische Modemagazin BelleMode ????? hat wohl beschlossen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Publicity durch Kontroverse und irgendwie den Protest gegen Mehadrin-Busse und die Geschlechtertrennung in der Welt der Charidim.

Insbesondere sah man ja eine Sexualisierung von Frauen darin, wenn man sie aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die Charidim dagegen halten die nicht-charejdische Welt für sexualisiert. Das Magazin erzeugt nun eine interessante Pattsituation indem es in seinen Fotos alle Beteiligten sexualisiert. Das sind ja keine normalen Buspassagiere, sondern hier sind es recht offenherzige Personen und die Männer dürften einigen weiblichen Betrachterinnen nicht besonders schlecht gefallen. Sie scheinen hier, wie auch in den Protesten, im Mittelpunkt zu stehen.

Gegen die Sexualisierung von Frauen zu sprechen, indem man sie sexualisiert, scheint mir irgendwie dennoch nicht besonders clever zu sein.

Alle tzniutfreien Bilder gibt es übrigens hier.

Ein Film dazu vom Magazin selbst:

Vielen Dank an jewschool für das Entdecken dieser Geschichte aus Israel.

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Rabbiner Gunther Plaut sel. A.

Rabbiner Gunther Plaut sel. A.

Rabbiner Gunther Plaut sel. A.

Rabbiner Gunther Plaut, geboren in Münster (am 1. November 1912), verstarb am 8. Februar 2012 in Toronto (siehe hier).
Rabbiner Gunther Plaut war der Autor des einflussreichsten, liberalen, Kommentars zur Torah, der 1981 erschien, 2005 vollständig überarbeitet wurde und seit einigen Jahren in einer deutschen Übersetzung vorliegt. Lange Zeit war sein Werk der verbreitetste nicht-orthodoxe Torahkommentar. Wenngleich er wohl nicht davon ausging, dass G-tt der Autor der Torah ist/war, so war das sein Lebensthema, auch wenn zunächst nicht viel darauf hindeutete. Studierte er doch zunächst Jura in Berlin, promovierte auch, durfte dann aber nicht als Jurist tätig werden. Übrig blieb ihm das Studium des Judentums und so kam er in die USA, um sich dort zum Rabbiner ausbilden zu lassen.

Als ich ihn 2001 erlebte, sprach er etwa 20 Minuten frei, ohne Manuskript oder Notizen zum Wochenabschnitt. In einem persönlichen Gespräch bedauerte er die schlechte Behandlung von alten Menschen in Nordamerika. Als unproduktive Mitglieder der Gesellschaft sei eine Marginalisierung eingetreten. Er sprach aber auch darüber, wie er als Soldat der US-Army ein Konzentrationslager befreite und wie sich die Eindrücke bei ihm festbrannten und ihn prägten.
Seine Eltern Jonas und Selma Plaut leiteten in Münster zunächst die Marks-Haindorf-Stiftung, später das Auerbachsche Waisenhaus in Berlin und wie es heißt, wuchs Rabbiner Plaut unter den Kindern dort auf. Sein soziales Engagement in Kanada speiste sich offenbar auch aus diesen vielen Eindrücken.
Man kann ohne Übertreibung behaupten, Rabbiner Plaut hatte Einfluss durch seine Publikationen und er hat als einzelner recht viel bewegt.
Schauen wir, ob Münster dies anerkennen wird.

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Schon wieder ein Internetverbot

Charejdischer Internetbann von 2010

Schon wieder ein Internet-Verbot? Wird das nicht langsam langweilig? Dieses Mal kommt es aus dem Umfeld der Schas-Partei. Rabbiner Schlomoh Amar und Rabbiner Ovadiah Josef sprachen sich in der vergangen Woche dafür aus, lieber offline zu gehen. Die Website der Partei geht jedoch nicht mit gutem Beispiel voran.
Den Sinn und Unsinn dieser Verbote beleuchtete ich für die Kommentarspalte der Jüdischen Allgemeinen in der vergangenen Woche. Der Artikel ist nun hier zu finden.
Das Foto zum Artikel (auf der Website der Jüdischen Allgemeinen) ist übrigens in der Printausgabe etwas kleiner und bescheidener. Autogramm-Anfragen können derzeit noch nicht verarbeitet werden 😉

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Was passiert mit der Haggadah von Sarajevo?

Sarajevo Haggadah - Sedertisch

Aus der Sarajevo Haggadah: Sedertisch. Man beachte die Frau unten links. Ist es die Frau von Mosche, von der in der Torah gesagt wird, sie sei schwarz gewesen?

In meinem aktuellen Artikel für die Jüdische Allgemeine beschäftige ich mich mit der Schließung des Nationalmuseums von Bosnien und Herzegowina. Im Nationalmuseum wird die Sarajevo-Haggadah ausgestellt. Für mich ist die Schließung dieses Museums ein Hinweis darauf, dass der Nation-Building Prozess nicht so funktioniert, wie man sich das zunächst vorstellte. Zudem ist die Schließung des Museums, die noch recht unbeachtet hierzulande blieb, auch kein gutes Zeugnis für die europäische Gemeinschaft. Sie hat weder den Krieg verhindert, noch es vermocht, die Bevölkerung zu schützen. Dabei war Sarajevo ein besseres Beispiel für das Zusammenleben von Judentum, Islam und Christentum, als es das vielbeschworene Al Andalus war. Schon nach der Gründung der Stadt lebten Juden in Sarajevo. Ohne Ghettomauern zunächst sefardische, später auch ein paar aschkenasische Juden. 1921 sprachen 10 000 von 70 000 Einwohnern Sarajevos Ladino (siehe hier). Stets waren es Konflikte, die anderswo ausbrachen, die das Zusammenlebten verkomplizierten oder unmöglich machten.
Heute dürfte es noch etwa 1000 Juden in Sarajevo geben. Der Hauptaugenmerk des Artikels liegt jedoch auf der Haggadah und die unausgesprochene Angst, dass man im Ausland meint, man könne besser auf die Haggadah aufpassen, als die Bosnier und vielleicht bei der Gelegenheit auch an das Dokument gelangen.
Den gesamten Artikel gibt es hier online.

Szene aus der Sarajevo Haggadah

Szene aus der Sarajevo Haggadah

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Piratenkommentar zum Thema Antisemitismus

Noch bevor die Sendung mit Günther Jauch lief, die sich auch mit dem Thema Antisemitismus beschäftigte, beschäftigte das Thema auch den Vorsitzenden des Kreisverbandes Heidenheim (der Piratenpartei) Kevin Barth. Das Ergebnis seiner Überlegungen spricht für sich:

Der tweet wurde am 23. Januar 2012 geschrieben. Das sind nun schon 14 Tage. Zeit genug für eine Partei, mal auszuloten, was passiert ist und wie man sich selber dazu stellt. Ist offenbar bisher nicht passiert.
Das ist übrigens auch einige Tage bevor in den Medien darüber berichtet wurde, dass Piratin Marina Weisband antisemitische Hassmails erhalten hat. Folgt dem Rückzug vom Parteiamt nun folgerichtig der Rückzug aus der Partei? Einer Partei die so etwas so lange unbeantwortet lässt? Zeit die Taue zu kappen? (um mal im Vokabular zu bleiben)

Update: Mittlerweile hat der junge Mann seinen Rücktritt erklärt, siehe hier und seine Mutter fordert hier ein Ende der Hexerjagdt (sic!). Der Junge sei halt nur (!) 22 und wüsste eigentlich nicht genau, was er da geredet habe. Wenn er mit 22 noch unreif ist, dann hat er auch nichts in der Politik verloren. Übrigens ist auch die Verunglimpfung des Bundespräsidenten ( 90 StGB) strafbar (ein weiterer Beweis der politischen Kompetenz).