Gegen den orthodoxen Einfluss?

Beit Shemesh, Israel, 27.12.2011.

Das ist ein Thema, das ist in der Öffentlichkeit dankbar angenommen wird und auch unter Juden heiß diskutiert wird. Dabei spielt es keine Rolle, wie schlecht Nichtjuden und Juden informiert sind darüber, was und wer da in Bejt Schemesch gegen wen oder was vorgeht.
Einige, die sich zum Orthodoxen Judentum zählen, stellen sich hinter die Charidim, einfach, weil es nicht sein kann, dass die protestierenden Israelis vielleicht Recht haben könnten und liberal orientierte (oder säkulare) Juden sehen offenbar einen Konflikt mit der Orthodoxie insgesamt. Der nichtjüdische Beobachter scheinbar dazu, aus dem Konflikt eine Zerreißprobe zu machen: Der Staat (wahlweise auch die Bürger) gegen die um sich greifende Ultraorthodoxie (eine Sicht, die auch in jüdischen Blogs aufgegriffen wird). Dabei werden gerne alle möglichen Ereignisse zusammen gemischt. Die Ereignisse in Bejt Schemesch etwa, mit denen kürzlich in Aschdod, als sich die Journalistin Tanya Rosenblit in einen Bus setzte, der von Charidim (einer sog. Mehadrin Buslinie) genutzt wird und dokumentierte, was dann (erwartungsgemäß) passierte. Worum geht es also in Bejt Schemesch?

Begonnen hatte offenbar alles mit der Orot Banot Schule (nationalreligiös) für Mädchen in Bejt Schemesch vor Monaten. Sie lag einer Gruppe von Bewohnern einer charejdischen Wohngegend zu nah. Einige Hitzköpfe sind bereits im Vorfeld dagegen vorgegangen und haben offenbar mit der Schulleitung keinen Kompromiss finden können und griffen zu Mitteln, die eigentlich nicht im Einklang mit ihrer religiösen Überzeugung stehen dürften. Bereits im August vandalisierten sie herum, so dass das Gebäude von den Eltern geschützt werden musste (Details hier). Jedenfalls ist auch die jüngste Entwicklung, etwa die übelste Beschimpfung achtjähriger Mädchen und das Werfen von Steinen auf den Schulhof nichts, was man religiösen Menschen zutrauen dürfte. Das dürfte eher das Werk von Fanatikern sein, die ihrer Überzeugung alle anderen Werte unterordnen.

Das sind sie wohl auch, die Übeltäter von Bejt Schemesch, allerdings sind das nur Vertreter einer kleinen Gruppe inmitten vieler anderer, die das auch nicht besonders charmant finden, eher unbeachtet, für einen friedvollen Umgang miteinander werben und sogar an Demonstrationen teilnahmen. Man muss auch sagen, dass es auch Gruppen gibt, die einfach überhaupt nicht reagieren. Nun bemühen einige sich, die Wogen zu glätten und haben sich auch gegenüber Na’ama Margulies (das achtjährige Mädchen) davon distanziert (siehe hier).
Die Charidim scheinen das teilweise jedenfalls (nach Sichtung der charejdischen Informationsquellen) als Kampf zwischen einigen der ihren und den nationalreligiösen zu betrachten und nicht als Konflikt der säkularen Gesellschaft gegen die charejdischen Kräfte im Land.

Diejenigen, die da zur vorschnellen Solidarisierung neigen, machen sich so mit einem Haufen Fanatiker gemein und nicht mit einer religiösen Strömung. Dafür gibt es auch übrigens innerhalb der Strömungen (ganz gleich ob orthodox, liberal etc.) zu viele konkurrierende Meinungen und Ansichten. Schon gar nicht, kann man auf die gesamte Orthodoxie schließen und darin einen säkular-orthodoxen Konflikt sehen.

Diejenigen, die sich mit der anderen Seite solidarisieren, sollten dagegen verstehen, dass es möglicherweise (!) nicht um eine Demokratisierung der Gesellschaft geht, sondern vielleicht eher um politische Mechanismen. Denn den Protest so zu verstehen, dass es gegen die Charidim im Land insgesamt geht, ist durchaus gewollt. Die politischen Parteien der charejdischen Gruppen halten Netanjahu an der Macht. Vielleicht verspricht man sich nun einen Machtwechsel durch ein Vorgehen gegen Netanjahus Koalitionspartner? Das muss nicht zwingend so sein, könnte aber.
Das Thema Gleichheit und Chancengleichheit von Mann und Frau wurde dementsprechend schnell von allen politischen Akteuren Israels als heißes Thema erkannt und nun springen alle auf das Pferd auf.

Wer der Demokratisierung das Wort reden will, muss sich im Klaren darüber sein, dass es hier nicht damit getan ist, irgendeiner Gruppe zu verbieten, dass Frauen und Männer irgendetwas nicht gemeinsam tun dürfen. Das Ding mit der Demokratie ist nämlich, dass man einander nicht alles verbietet, sondern in erster Linie die Rechte der anderen schützt und nicht nur seine eigenen Ansichten und Anliegen. Das würde natürlich bedeuten, dass in charejdischen Wohnvierteln die Bewohner die Regeln unter sich ausmachen können. Ob wir die Regeln gut finden, steht auf einem vollständig anderen Blatt.

Demokratie würde aber auch bedeuten, dass die Politik dem Mädchen einen Schulbesuch möglich macht und nicht Politiker und Gruppen mit politischer Agenda nun den Fall nutzen, um irgendwie daraus Profit zu schlagen.

Ronny Yitzchak weist in seinem Blog ebenfalls recht aktuell auf das Phänomen hin, dass ein säkular-orthodoxer Konflikt gesehen wird.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

56 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und es gibt noch welche (unter den saekularen, humorvollerweise), die noch einen drauf setzen und sagen: “siehst du, und das ist der Grund, warum ich mich von der Religion entferne, immer mehr…” hier ist die Rede von Leuten, die Schweinefleisch essen, und sich nie vorher der Religion auf irgendeine Art genähert hatten, sich dementsprechend auch nicht entfernen können, von da, wo sie nie standen…..
    alles sehr merkwürdig.. so, als ob Saekulare plötzlich eine “Ausrede” brauchen, warum sie keine Datiim sind…
    Noa

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    • Mich wuerde interessieren, ob Sie selbst nun fuer oder gegen die Ansinnen der Ultraorthodoxen sind. Ich selbst bin offen gestanden strikt dagegen, dass dieser Gruppierung Gehoer geschenkt wird. Man stelle sich einmal vor: in der neuen Strassenbahn von Jerusalem gaebe es getrennt Wagen fuer Damen und Herren, Juden und Nicht-Juden. Und eine Sittenpolizei des Judentums patroulliert durch den Zug, wachend darueber, dass die Teeniegirls keine engen T-Shirts tragen. Was fuer ein schreckliches Szenario! Ein Hoch auf Schimon Peres, dass er hier zur Gegendemo aufruft!

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      • Manchen Anliegen der Orthodoxen kann man durchaus Gehör schenken. Schliesslich ist Israel ein jüdischer Staat, und wenn man die Religion ganz verbannt, was bleibt dann von “jüdisch”?

        Aber das Anliegen, dass Männer und Frauen in Bussen getrennt sitzen (oder verschiedene Gehsteige benützen) gehört sicher nicht dazu…

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      • Das ist aber maximal deprimierend für mich, wenn ich einen recht langen Text schreibe (mit den entsprechenden Signalwörtern), in den meine Haltung (die ich für differenziert halte) eingewebt ist und dann noch einmal nach meiner Meinung/Haltung dazu befragt werde 😉

        Ich halte Peres Aufruf für schädlich. Er hat als Politiker den Auftrag, gesellschaftliche Konflikte zu lösen und nicht, den Konflikt weiter anzufachen.

        Hier lohnt übrigens genaues Hinschauen (wie ich das oben bereits forderte): Der Staat hat das Instrumentarium, den öffentlichen Raum auch öffentlich zu halten und viele Charidim haben kein Interesse, ihren Stempel der gesamten Gesellschaft aufdrücken zu wollen. Wer nicht im Mehadrin-Bus fährt, wird also (höchstwahrscheinlich) auch nicht dementsprechend belästigt werden.

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    • Na ja, der Terminus Technicus für dieses Phänomen (schau dir die Religiösen an, genau darum bin ich nicht relitiös) heisst “Chilul hashem”.

      Alles, was dazu beiträgt, dass die Leute sagen: “so eine Blöde Religion” “so eine Religion möchte ich nicht haben” ist ein Chilul hashem, und das machen Leute, die auf kleine Kinder spucken, weil ihnen nicht passt, dass deren Schule in ihrem Viertel ist…

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  2. Du hast natürlich Recht, wenn Du sagst, dass man den Konflikt nicht hochstilisieren darf zu einem Konflikt zwischen säkulärem und orthodoxem Judentum. Aber man darf auch nicht zulassen, dass einige Hitzköpfe einen solchen Konflikt erst entstehen lassen, Hitzköpfe sicherlich auch hier auf beiden Seiten… Insofern sehe ich schon eine Zerreißprobe für die Gesellschaft. Es ist ja auch nicht mit Beit Schemesch getan. Radikale Siedler sind ja auch ein Problem. Und wieviele Konflikte soll dieses Land, sollen die Menschen dort auffangen können?

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  3. Anhoeren kann man sich die Orthodoxen aus Hoeflichkeit schon, aber nur, um deren Ansinnen gleich anschliessend zu ignorieren! Klar, Israel ist ein juedischer Staat und soll es auch bleiben, aber bitte nur insoweit, als die Religion, wie immer sie auch praktiziert oder eben nicht praktiziert wird, Privatsache der Menschen bleibt. Ich jedenfalls moechte nicht nach orthodoxem Habitus leben und mir schon gar nicht von diesen Leuten vorschreiben lassen, wie ich mich zu kleiden habe, wie ich meine Wochenende verbringen soll oder was ich essen darf.

    Wenn wir ueberhaupt jemals ein Volk gewesen waren, dann bezweifele ich, dass wir es heute noch immer sind. Gerade in Israel leben saekulare und religioese Juden naemlich nicht zusammen und schon gar nicht miteinander, sondern bestenfalls nebeneinander her. Ich finde solch eine offene Gesellschaft aus den besagten Gruenden ganz gut. Moege es so bleiben, verbunden mit einer weiteren Verneigung vor Schimon Peres!

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    • Zunächst einmal solltest du verstehen, dass gegenwärtig kein Kampf zwischen Orthodoxen und Säkularen und auch nicht zwischen Orthodoxen und Liberalen ausgetragen wird, sondern dass es sich um Grabenkämpfe innerhalb der Orthodoxie handelt, die eben NICHT als monolithischer Block zusammengefasst werden kann. Da gibt es, wie auch bei der Reform, verschiedene Lager und unterschiedlicher Akzentuierung dessen, was ihnen halachisch als besonders verbindlich oder schützenswert gilt.
      Dass auf nationalreligiöser Seite eine Betonung von Znius nicht im gleichen Maße stattfindet wie auf charedischer Seite, lässt nicht den Schluss zu, es handle sich um die “moderneren” oder “gelasseneren” Zeitgenossen.

      Und weil du für dich entschieden hast, keinesfalls im charedischen Milieu israelischer Facon(auch diese Spezifizierung ist wichig) zu leben, bedeutet dies nicht, dass du darauf basierend die Forderung postulieren könntest, die Meinung orthodoxer Juden sei obsolet. Denn merke: auch die Orthodoxie hat zahlreiche Facetten.
      Die Debatte um die Essenz eines “jüdischen Staates” muss jeglicher Raum gelassen werden, den sie benötigt und muss alle Menschen mit einbeziehen, die ein Interesse am “jüdischen Staat” haben.
      An dieser demokratischen Spielregel dürfen weder der fanatisch-charedische, noch der fanatisch-säkulare Diskutant rütteln.

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  4. Ach du liebes Lottchen, so ernst nehmt Ihr die besagten Ultras, dass Ihr Eure kostbare Zeit mit Debatten über sie verschwendet? Viel zuviel der Ehre für die “Irren von Zion” (siehe: Broder, H. M.)! 🙂 Sollen Sie ihre Leben doch weiterhin in geschlossenen Gebieten wie Mea Shearim führen und damit glücklich sein! Ich wünsche es ihnen auf jeden Fall von ganzem Herzen! Wichtig wäre mir allein, dass die Ultras ihre mittelalterlichen Ghettomauern nicht noch auf die andere Stadtteile von Jerusalem, New York, Zürich oder wo auch immer ausdehnen und meinen, sie müssten als Moralinstanz das ganze Judentum bekehren. Mit der Ansicht Chajms gehe ich völlig einig: So sehr ich selbst auch Perez schätze, als Politiker sollte er in dieser Sache besser “low profile” zeigen.

    Shalom

    Miles

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  5. Lesenswert:
    http://www.aish.com/jw/s/An_Open_Letter_to_the_Beit_Shemesh_Spitter.html

    Bzgl des Events in Beth Shemesh sollte man wissen, dass die NR Schule schon länger existierte, und die charedische Nachbarschaft erst durch ein Neubauprojekt dazukam. Wenn diese charedischen Hooligans also meinen, ihre Auffassungen mittels dieser Chillul Haschem Methoden durchdrücken zu müssen, sollten sie sich einfach mal fragen, wer zuerst da war. Hinzu kommt, dass laut Hamodia der Bürgermeister von Beit Shemesh, Moshe Abutbul, die Größe der Gruppe “responsible for this contemptible behaviour” auf “no more than 30 people – out of a population of 100,000” schätzt.

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      • yup, lesenswert! Und steht da u.a. nicht folgendes geschrieben:

        “…but they are a product of Orthodox Judaism and we have to take ownership of the problem…”

        genau – und mehr behaupte ich selbst auch gar nicht!

        So ganz kleinreden (nach dem Motto, “es sind ja nur ein Dutzend Leute gewesen”) mag ich es andererseits aber auch nicht! Ich fasse mich hier genauso an den Kopf, wie bei jeder anderen Entgleisung, von wem auch immer. Und seien wir doch mal ganz ehrlich: was die Toleranzgrenze angeht, messen wir doch z.B. bei Nicht-Juden, mit ganz anderen Ellen, als bei Entgleisungen von (einigen wenigen) Mitgliedern unseres eigenen Volks! Und klar sind es jeweils nicht ‘alle Mitglieder’ einer sozialen Gruppe (z.B. ultraorthodox, islamisch, you name it) die daneben liegen; aber das war in der Geschichte doch noch nie anders, oder?

        Shalom

        Miles

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        • Hier wird ja nichts kleingeredet, sondern erhält seine korrekte Dimension wieder. Wenn 15 Leute gegen eine nationalreligiöse Schule vorgehen, dann steht nicht die unmittelbare Spaltung Israels, oder der israelischen Gesellschaft bevor. Das bedeutet auch nicht, dass alle Charedim generell gewalttätig gegen minderobservante Menschen vorgehen würden. Hier geht es darum, die Proportionen und die Sachzusammenhänge zu verdeutlichen. Auch weil die offenkundige Empörungsbereitschaft ansonsten eine sachliche Betrachtung der Ereignisse unmöglich machen.

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          • Bei allem Respekt, aber “korrekte Dimension”? Siehst Du das wirklich so, Chajm? Ich bin da eher ein wenig skeptisch, weil gerade Kleingruppen eine massive Wirkung entfalten (vgl. dazu: Mancur Olson, “Die Theorie des kollektiven Handelns”)! Ich will hier keine Legenden schmieden, trotzdem sei mir aus dem Ausland her folgender Vergleich gestattet, um das zu veranschaulichen:

            Wenn es bei Euch in Deutschland – was traurig genug ist – ab und an zu Hakenkreuz-Schmiererein einer Handvoll durchgeknallter Typen kommt, dann ist doch der Aufruhr in der Presse im In- und Ausland riesengross, getreu dem Motto, schaut sie Euch an, “die Deutschen”, “die” zeigen wieder mal ihre wahre Fratze. So, oder in dieser Art, ist doch regelmassig der Tenor in den Medien, selbst in unserer liberalen NZZ, mit ihrem ach so klaren Blick nach draussen. Dass aber jemand beschwichtigend schreibt (wie es hier im Blog etwa YM in Sachen der israelischen Splittergruppe tut), “kommt Leute, bleibt gelassen: ist zwar traurig, aber es sind halt nur einige wenige Irre, die den Ruf eines ganzen Landes ruinieren. Zudem darf man nicht alle in einen Topf werfen”, so etwas findet man in besagtem Beispiel eher nicht geschrieben. Und die Schweizer Juden stossen eifrig mit ins gleiche Horn, nachdem die internationale Presse das Eis erst einmal gebrochen hat; G-tt dankend, dass sie Schoggi kauend und Fondue schlabbernd ein paar Kilometer hinter der Grenze leben und sich permanent paranoid fragend, “sind alle unsere Papiere eigentlich noch in Ordnung, damit wir ja schnell verduften, wenn der grosse Nachbar einmaschiert?” So stellt sich mir das Ganze jedenfalls vom Ausland her dar.

            Also, der langen Rede recht kurze Sinn: entweder sehen wir alles gleich “eng” , oder wir sehen alles “lockerer” und bleiben gelassen. Beides geht, nur sollten die Ellen, mit denen dabei gemessen wird, bei Juden und Nicht-Juden schon die Gleichen sein. Ich gebe an dieser Stelle aber gerne zu: eine solche Denkweise ist uns Juden eher fremd und viel zu suspekt! Je nach Beliebigkeit reden wir eine Sache eben lieber gross oder klein – stimmts? 🙂

            Shalom

            Miles

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            • Der Vergleich ist gestattet bleibt nur die Frage, ob er uns weiterführt 😉

              Da hast Du auf der einen Seite jemanden, der durch (s)eine Schmiererei ausdrückt Ich billige die (industrielle) Ermordung von Menschen und wünsche mir, dass sie wieder aufgenommen wird.
              Auf der anderen Seite ein paar religiöse Hitzköpfe, die konkret Menschen belästigen, aber im Prinzip durch geltende Gesetze in die Schranken gewiesen werden können. Sie wünschen sich nicht, dass eine Bevölkerungsgruppe getötet wird und unternehmen konkret auch keine Schritte, die solche Absichten begünstigen.
              Ein passender Vergleich wäre vielleicht die wütende Demonstration von Evangelikalen gegen eine Schwulenbar (oder so).

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              • Tja, Chajm, mir ist ja so ziemlich jeder Vergleich recht, sofern man sich am Ende auf einen Gleichbehandlungs- oder meinetwegen auch Gleichbeurteilungsgrundsatz einigt! Aber genau davon scheint man meilenweit entfernt, wie mir diese Diskussion hier scheint! Aber was solls, drei Juden sechsdreiviertel Meinungen – ist ja ein uralter Hut. Ich frage gelegentlich mal meinen Rabbi, schliesslich wird der es (auch nicht so) genau wissen! 🙂

                Shalom

                Miles

  6. oha, was muss ich da auf Spiegel Online lesen? Die Ultraorthodoxen vergleichen Israel jetzt sogar mit Nazi-Deutschland? Wow, voll krass! Ist schon echt makaber und bedrückend zu sehen, wie ein ultraorthodoxer Lebensstil den Geist vernebelt und das Gehirn auflöst! Wer noch einen wasserdichten Beweis dafür gebraucht hat, dass man diese Schmocks einfach nicht ernst nehmen darf – voila, hier ist er!

    Shalom

    Miles

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    • “Spiegel-Leser wissen mehr”, behauptet die Werbung. Leser anderer Quellen hätten hingegen gewusst, dass es hierbei speziell um eine Kampagne eine Teilgruppe (“Sikrik”) von Neturei Karta zu handeln scheint. Man lese man auf frummen blogs die Reaktionen, bevor man solche Sprüche in die Welt posaunt…

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      • Na, da sind wir ja froh, dass wir eben Dich genau dafür als eine Art Lektor haben! 🙂 Ist doch echt egal, dass es sich ‘nur’ um eine Splittergruppe handelt und wie gross diese Gruppe ist; der unsägliche Vergleich ist jedenfalls getroffen wurden und nur das ist es, was leider G-ttes zählt!

        Shalom

        Miles

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        • In der Tat bin ich über diesen hirnlosen Vergleich mindestens genauso verstört wie jeder andere denkende Mensch auch.
          Es ging mir allerding darum, Dich darauf hinzuweisen, dass Deine Zuordnung zu “den Ultraorthodoxen” sachlich falsch ist. Was nicht dadurch besser wird, dass vermeintlich namhafte Medien wie der “Spiegel” den gleichen Unsinn schreiben.

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          • Korrektur: ok, hiermit stelle ich fest:

            “Es waren selbstredend keine Ultraorthodoxen, die sich den Stern angeheftet und schiefe Vergleiche angestellt haben! Dieses zu behaupten ist falsch! Richtig ist hingegen, dass sich einige Katholiken und Sunniten als Ultras verkleidet haben, nur um die Juden mal wieder in Misskredit zu bringen!”

            Ist ja nicht das erst Mal, dass man sich gegen uns verschworen hat! Und Medien wie “Der Spiegel” oder die “SZ” sind nur die Handlanger der primitiven Stimmungsmache gegen Juden — stimmts? 🙂

            Shalom

            Miles

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            • Klar werden NK und Konsorten von Laien dem “ultraorthodoxen” Lager zugeordnet – wobei dieser Begriff schon äusserst fragwürdig ist. Aber vermutlich waren die meisten davon auch Brillenträger. Trotzdem würdest Du wohl nicht behaupten, “die Brillenträger” hätten diesen dämlichen Vergleich angestellt.

              Der Vergleich ist in der Tat auch nach deren eigener Logik schon dämlich. Denn sie behaupten ja selbst bloss, “die Säkulären”/”die Nationalreligiösen”/… beeinträchtigten sie in der Ausübung ihrer “Religion”. Von einem Angriff auf die physische Existenz wird ja gar nicht gesprochen. Insofern müssten sie, wenn überhaupt, eher eine jahreszeitlich passendere Parallele zu den Hellenisten ziehen, und nicht zu Amalek.

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      • Die Frage ist nur, mit welcher Zielrichtung. Soll Israel als chauvinistischer und zunehmend frömmelnder Staat gebrandmarkt werden oder geht unterschwellig viel mehr um die Botschaft, selbst “richtige Juden”(als solche sieht der Durchschnittsbürger Pejes-Träger) kämen mit dem Zionismus nicht zurecht?

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        • Ich glaube nicht, dass in den Medien jenseits Eretz, so auch im Spiegel & Welt, eine echte antizionistische oder antiisraelische Stoßrichtung vorliegt. Hier geht es um die reine Sensationslust und die Freude am nachträglichen Waschen der eigenen braunen Weste. Der Effekt, den diese verallgemeinernde unseriöse Berichterstattung an den Stammtischen, sprich in der Mitte der Gesellschaft erzeugt, ist natürlich mehr als bedenklich! Deshalb wäre es gut, wenn möglichst viele Leute aufklärende Stellungnahmen posten, die möglichst genau zeigen, wer hier mit welchen Mitteln arbeitet!

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  7. Ich meine weder Israel, noch das Judentum als solches, noch die Orthodoxen, ich meine ganz konkret diese Gruppe, die da auf den Bildern zu sehen ist. Die zeigen einfach nur, dass sie aber auch gar nichts kapiert haben, weder über die Shoah, noch durch die Talmudlektüre. Die sind sich einfach nur sich selbst wichtig, der “Rest”, Hashem, Tora, Talmud, Halacha etc. geht denen doch eigentlich am Toches vorbei!

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    • Traurig ist nur, dass auf diesen Bildern eben nicht nur die Sikrikim zu sehen sind, die letztlich wohl nur auf etwa 100 Personen beziffert werden.
      Die Berichterstattung der säkularen Medien in Israel hat es geschafft, ein Band der Solidarität zwischen den verschiedenen Charedim zu knüpfen, eben weil sie alle in einen Topf geschmissen wurden und es weniger um die konkreten (bewusst provozierten) Ereignisse in den Bussen oder die Anschläge auf den Buchladen Or haChaim geht.
      Wäre der “Feind” in den Medien klar und ehrlich benannt, würden diese Leute auf der anderen Seite der Demonstration stehen.

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  8. Auf den Transparenten stand: “Orthodoxe Juden fordern die Anwesenheit internationaler Einheiten zu ihrem Schutz”. Das kann doch kein vernünftiger Mensch ernst nehmen, die outen sich doch selbst als meschugge hoch drei!

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    • nur “hoch drei”, mein dritt-, nein – ich verbessere – mein zweit(!)-bester Freund in Deutschland? Da hast Du Dich wohl etwas in der Hochzahl vertan!? 🙂

      Ich fordere hiermit statt dessen den internationalen Einsatz von “Psychiatern ohne Grenzen”, einfach um deren Geisteszustand zu untersuchen!

      Dir, lieber SG, ein besonders erfolgreiches 2012 und

      Shalom

      Miles

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  9. Ich finde bei diesen ganzen Auseinandersetzungen zweierlei interessant:
    1) Die Entgleisungen des religiösen Lagers.
    Einerseits beweisen sie deutlich, dass die religiöse Moral der nicht-religiösen nicht überlegen ist (aber das wussten wir eigentlich schon vorher). Andererseits zeigen sie auch, dass die “ultra-orthodoxe” Shittah nicht verallgemeinerbar ist, obwohl sie von sich behauptet, dass sie es will: laut Lippenbekenntnis wollen die Chareidim, dass ganz Israel orthodox wird. In Tat und Wahrheit aber würden sie es nicht aushalten, weil “Abgrenzung von den anderen” anscheinend ein ganz wichtiger Bestandteil ihrer Identität ist. (Das sieht man ja auch an den Kriegen zwischen Gerern und Toldot Ahron, die sich zur Zeit um die Batey Polanim oder so in Meah shearim abspielen).

    2) Anscheinend gibt es so ein Phänomen, je mehr sie dürfen, desto mehr trauen sie sich: unter einer Regierung, die sie streng in die Schranken wiest, würden sich diese Leute nie so aufführen. Sie testen einfach aus, wie weit sie gehen können, und die Tatsache, dass der Staat jüdisch ist, macht es sicher nicht besser (unter Brüdern kann man isch solche Sachen ja erlauben).

    3) finde ich aber auch interessant, dass von der sekulären Seite eigentlich so ziemlich alle antisemitischen Klischees und Aussprüche gegen die Chareidim auftauchen… Wie z.B. auf diesem Blog, wo eine Frau findet, die Chareidim sollen auswandern (offensichtlich nicht nach Palästina, denn gerade dort sind sie ja unerwünscht),
    http://jsmbc.blogspot.com/2012/01/for-record.html

    Insofern ist Israel ein sehr interessantes soziologisches Experiment…

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  10. Ach, was sind das doch Lappalien, die ein Dutzend durchgeknallter Fundis da in Israel veranstalten, verglichen mit dem langsamen, aber sicheren Niedergang des Oberhaupts eines der wichtigsten Staaten der Erde! 🙂

    Vorschlag: man gebe dem gebeutelten Herrn Wulff sofort politisches Asyl in Israel, konvertiere ihn zuvor schnell nach ultraorthodoxem Ritus honoris causa zum Judentum (“Moishe ben Abraham” klingt doch toll, oder?) und lasse ihn dann die Ziele und Anliegen der besagten Ultras auf internationaler Ebene vertreten. Selbstredend das alles gesponsert mit einem zinslosen Darlehen zum Erwerb einer netten, kleinen Datscha (Stopp, das hiess doch nur so bei den Ossis, richtig?) im Westjordanland. Leute, wie sehr ich mit dieser Idee sympathiere! Ihr auch? 🙂

    Shalom

    Miles

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    • Eigentlich sind die Chareidim – gemessen an durchschnittlichen Israelis, je eh meistens sehr brav und folgsam.

      das Problem ist nur: wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind (z.B. dass man einen der ihren aus guten Gründen ins Kittchen setzt oder dass man eine STrasse am Shabbat nicht sperrt oder ein Parkhaus am Shabbat aufmacht, etc), dann rücken sie in massiven Mengen an und können dadurch sehr lästig sein (siehe Massen-Demo) – sie sind innerhalb ihrer jeweiligen Gruppe sehr geeint.
      Was übrigens nicht heisst, dass sie sich nicht zwischen chareidischen Unter-Gruppen zoffen, kommt auch immer wieder vor, auch handgreiflich… … und auch Abweichler werden immer wieder handgreiflich “auf den rechten Weg zurückgeführt” oder aus dem Viertel hinausgeekelt, nur wird das nicht immer publik, weil die Opfer nicht immer was sagen…

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    • Äh, Ron, also das ist leider falsch. Nachzulesen z.B.
      hier http://www.haaretz.com/print-edition/opinion/the-haredi-state-1.405372
      oder hier
      http://www.haaretz.com/print-edition/opinion/incentives-not-to-work-1.325313

      die Haredim, die statt zu arbeiten an der Yeshiva sind, bekommen deutlich mehr Geld pro Monat als IDF Soldaten während der Wehrpflicht (!!!)

      Sie lehnen zwar den Zionistischen Staat ab, gehen also (bis auf Ausnahmeh) nicht zum Militär und zahlen auch (bis auf Ausnahmen) keine Steuern und deutlich weniger für Strom, Gas, Müllabfuhr etc, nehmen aber sehr gerne jegliche Sozialleistungen und Kindergeld in Anspruch.

      Interessanterweise ist nach Kürzung der Kindergeldzahlungen die Geburtenrate der Haredim gesunken… Offensichtlich finanziert also der Staat Israel seine Haredim. Und die nehmen das gerne in Anspruch.

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      • Haaretz kann ich bei diesem Thema nicht als Quelle gelten lassen.
        Charedim, welche sich in anti-zionistischen Dachverbänden organisieren, sind in aller Regel nicht einmal im Besitz der israelischen Staatsbürgerschaft und haben eigene soziale Wohlfahrtsstrukturen, die sich über Zedaka finanzieren.

        Ansonsten gibt es für charedische Staatsbürger(wenn nicht zionistisch, so doch auch nicht anti-zionistisch) natürlich diverse Sonderregelungen in der Armee, so wie es sie für alle möglichen Bevölkerungsgruppen gibt – bspw. auch für die Nationalreligiösen!

        Das Charedim-Bashing la “die liegen dem Staat auf der Tasche” kann man nur bedingt akzeptieren.

        PS: Es gibt übrigens auch eine charedische Sektion in der Zahal.

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    • “Religionsstudenten” können während ihres Studiums befreiung vom Militärdienst beantragen. Das machen die meisten Chareidim, was bedeutet dass sie, bis sie aus dem Militär-Dienst-Alter raus sind, Studenten bleiben. Das bedeutet für sie, dass sie nicht (offiziell) arbeiten dürfen: entweder sie arbeiten schwarz, oder sie bringen sich irgendwie durch, mit Stipendien ihrer Institutionen und mit Zuwendungen der Familie oder indem ihre Frauen arbeiten gehen.

      Eine kleine Gruppe zahlt keine Steuern und lehnt Zuwendungen des zionistischen Staates ab, aber die Geschichte der “starving Mom” hat gezeigt, dass das auch nicht immer so eng gesehen wird: sie beantragen doch Sozialhilfe, wenn sie sie brauchen.

      Ich schätze, diese Gruppe macht nicht mehr als 10% der Chareidim aus.

      Die Mehrheit der Schwarz-behuteten zahlt Steuern (wenn sie was verdienen), wie andere Israelis auch.

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  11. Also ehrlich gesagt verstehe ich nicht so ganz, warum diese Typen sich zu Mittag vor eine Schule stellen und nach “Pritzes” (Huren) rufen. Wenn sie eine Pritze wollen, dann sollen sie doch lieber ins Bordell gehen, oder in einen Nachtclub, oder durch schummrige Viertel am Abend…

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