Hamburg mit neuem- altem Rabbiner?

Wird das ein Modell auch für die Gemeinde der Stadt Düsseldorf? Das könnte man sich nach dem Weggang des beliebten Rabbiners Soussan fragen: In Hamburg besetzt die jüdische Gemeinde den vakanten Rabbinerposten mit einem Rabbiner der sowieso schon in der Stadt aktiv ist. Nämlich mit Rabbiner Schlomo Bistritzky von Chabad Hamburg, das vermeldet eine Nachrichtenseite von Chabad. In Düsseldorf hat sich Chabad ebenfalls gut etabliert und ist nicht einmal ein paar Schritte vom Gemeindezentrum entfernt. Interessant dürfte sein, wie es später in der Praxis ausschauen wird. Wird das Chabad-Zentrum schließen und die Gemeinde nun die Aufgaben übernehmen? Wird Rabbiner Bistritzkys Stelle durch einen anderen Abgesandten von Chabad ersetzt? Wie groß wird die Teilmenge sein?

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Also, hier habe ich vor einigen Wochen eine merkwürdige „Meinung“ einer
    Frau aus der Gemeinde gehört. Sie sagte, Chabad wuerden dazu neigen, die „normalen“ Gemeinden zu „untergraben“ und schliesslich zu vereinnahmen.
    Ich hörte dies zum ersten Mal, bin auch sehr erstaunt (oder naiv???) weil ich immer nur höre, dass Chabadniks meist aussen vor sind, zusätzlich zur bestehenden Gemeinde. Kann jemand zu diesem Vorwurf was sagen aus Erfahrung?
    würde mich sehr interessieren…
    Noa

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    • … Chabad wuerden dazu neigen, die normalen Gemeinden zu untergraben und schliesslich zu vereinnahmen …

      @Noa:
      man braucht Chabad sicherlich nicht zu mögen, aber diese Vorhaltung ist barer Unsinn! (und das ausgerechnet ich einmal diese Jungs verteidigen würde, hätte ich auch nicht für möglich gehalten!). Wer, so frage ich mich, der sich einer Nicht-Chabad Gemeinde zugehörig fühlt, würde sich um G*ttes willen ausgerechnet dieser Truppe anschliessen wollen? Ich kenne jedenfalls keinen einzigen!

      Shalom

      Miles

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      • Da hat Miles den richtigen Punkt genannt:
        der sich einer Nicht-Chabad Gemeinde zugehörig fühlt, würde

        In Gemeinden, die keine religiösen Strukturen anbieten, kann Chabad erfolgreich eigene Strukturen anbieten. Das kann natürlich auch soweit gehen, dass die bestehende Gemeinde die religiösen Angelegenheiten weitestgehend outsourced auf Chabad. Gibt es Schiurim, tägliches Schacharit etc.? Es ist natürlich lachhaft, sich anschließend darüber zu beschweren, dass Chabad die Gemeinde untergrabe.

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  2. Nu, die Masche von Chabad ist die, die Existenz vorhandener jüdischer Strukturen zu ignorieren und sich medial als vitale jüdische Gemeinde zu präsentieren.

    In vielen Fällen mögen sie das vielleicht berechtigterweise tun, doch in Berlin bspw. ist ihr Auftreten fast schon lächerlich.

    PS: Diese „Wir kümmern uns um jeden Juden“-Mentalität scheint mir auch nur ein Gag zu sein. In meiner Heimatstadt sind sie vor 10 Jahren ganz fix verschwunden, da man kein angemessenes Hotel für sie fand.

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    • In Berlin hat Chabad schon Berechtigung – fängt sie alle diejenigen auf, die sich in der Einheitsgemeinde nicht wohl fühlen. Das sind u.a. viele Leute aus der ehemaligen GUS, Israelis, Familien mit Kindern, Religiöse und weniger Religiöse. Da es die orthodoxe Gemeinde vor Ort nicht schafft, z.B. ein attraktives Angebot für Leute mit Kindern oder jüngere Semester auf die Beine zu stellen, gibt es massive Abwanderungen in andere Synagogen, und eben auch zu Chabad. Wobei gesagt werden muß, daß Chabad nicht in der Lage ist – bzw. es ist eventuell nicht ihr Interesse – eine wirkliche Gemeinde aufzubauen, dazu sind sie dann doch zu unverbindlich. Sie verstehen sich eben eher als ein Dienstleistungsunternehmen und bieten so auch verschiedene Dinge an, von Shiurim, Mikwe, Kindergarten, Schule u.a.
      Ich selbst gehe nicht zu Chabad, aber sie als „lächerlich“ darzustellen, geht an der Sache vorbei. Daß sie seit einiger Zeit mit der JGvB um die Finanzen streiten finde ich auch in Ordnung – schließlich werden sowohl Schule als auch Kindergarten und noch einige andere Einrichtungen von Gemeindemitgliedern gerne genutzt und sind auch dringend notwendig (Berlin hatte, bis Chabad und Lauder ihre Bildungseinrichtungen gegründet haben, keinen orthodoxen Kindergarten bzw. Schule!).

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  3. Ich habe selbst nur gute Erfahrungen gemacht, mit Chabad, aber das liegt mit Sicherheit auch immer am Rabbiner. Unser RAbbiner ist sehr offen und es kommt einem vor, als lade er „alle“ ein, die kommen wollen. Ja, es gibt Shiurim und Angebote für die Jugend, aber in der „normalen“ GEmeinde gibt es auch Shiurim, häufig aber in Russisch.
    Eine Frau aus der „normalen“ Gemeinde fing dann an, dieses Statement in den Raum zu stellen, dass – wie Jitzchak gerade anführte – eben vorhandene Strukturen genutzt werden.
    Wie sie weiter behauptete, wuerde Chabad auf diese Art, die „Vielfalt“ des Judentums gleichmachen wollen, sie wollten allen ihre Art zu leben, eben orthodox , aufzwingen.
    das wiederum kann ich auch nicht unterschreiben, denn, wie schon gesagt, wird jeder willkommen geheissen, ohne Fingerzeig, ohne Vorurteil und ohne Vorbehalte.
    so jedenfalls fühlt es sich bei uns in der Gemeinde an.
    Noa

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  4. … jeder willkommen geheissen, ohne Fingerzeig, ohne Vorurteil und ohne Vorbehalte. So jedenfalls fühlt es sich bei uns in der Gemeinde an …

    @Noa:
    daraus schliesse ich, dass Nicht-Chabad Gemeinden Deiner Erfahrung nach ‚Vorurteile haben‘ und den ‚Finger zeigen‘!? Holy Moses, wenn sich wirklich jemand bei den Chabadniks wohler fühlt, als in Nicht-Chabad Gemeinden, dann läuft aber etwas fürchterlich schief in Deutchlands Jüdischen Gemeindeleben! Chabad als Benchmark? Wirklich traurig, wenn es so wäre!

    Shalom

    Miles

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  5. Allerdings, ist es oft in den „nicht-Chabad-Gemeinden“ anders. Es gibt viele dort, die DInge von sich geben, wofuer ich mich schaemen wuerde. Es gibt Konvertiten, die des Platzes verwiesen wurden, waehrend der Nachbarin erklaert wurde, dass diese Frau ja keine „richtige“ Juedin sei, und „mal eben“ konvertiert sei.
    Es gibt Menschen, die in der Regel zur Chabad-gemeinde gehen, und daher etwas unbekannte GEsichter sind, wenn sie mal zur Gemeinde gehen, die vom SIcherheitsmenschen tatsaechlich daran gehindert wurden, zum Beten zu kommen, obwohl sichtbar war, dass keine Waffe sich in ihrem Besitz befand. Allein die Tatsache, dass sie keinen Ausweis bei sich trugen, weil sie Shomrei Shabbat sind, reichte aus, sie wegzuschicken.
    All das und mehr passiert in „normalen“ Gemeinden.
    Noa

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  6. Ich weiss gar nicht, ob das traurig ist oder nicht, fuer mich ist entscheidend, dass ich einen Platz finde, wo ich mich wohl fuehle. Und waeren die Chabadniks nicht hier, haette ich tatsaechlich ein Problem, was ich in Israel natuerlich nicht hatte.
    Das soll nicht heissen, dass es in Israel weniger Vorurteile oder Fingerzeig gibt, nein, im Gegenteil, dort geht es – wenn ich den Erzaehlungen Glauben schenke – richtig ab, in punkto Fingerzeig. Ich persoenlich habe in Israel nur gute ERfahrungen gemacht, aber ich war auch nicht in Mea Shearim, und habe versucht, dort Fuss zu fassen, da waere es sicher ungleich schwieriger geworden.
    In den Gemeinden, (ich wuerde sie als modern orthodox einordnen, oder Dati Leumi) wo ich war, gab es durchweg gute Erfahrungen, und viel Gastfreundschaft, kein Anzweifeln meiner „Wuerdigkeit“ oder gar Ausgrenzung.
    Noa

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  7. … aber ich war auch nicht in Mea Shearim, und habe versucht, dort Fuss zu fassen, da waere es sicher ungleich schwieriger geworden…

    @Noa:
    Mea Shearim? Autsch! Na, in dieses Viertel geht man ja auch nicht freiwillig rein! Selbst aufgeklärte Israelis machen da bekanntlich einen riesengrossen Bogen rum! Ich habe jedenfalls wieder mal die Krise gekriegt, als ich dort kürzlich meine Bagels gekauft hatte! Jetzt suche ich mir aber wirklich einen guten Bäcker ausserhalb des Ghettos! 🙂

    Shalom

    Miles

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  8. Zur Klarstellung: Ich persoenlich verdanke Chabad viel.
    Ich habe mich aber zunehmend von ihnen zurueckgezogen, als ich eine Kompanie Chabad-Bachurim mal dieses Lied habe singen hoerte und mir meinen Teil dabei dachte…

    Unter Beruecksichtigung des Textes gewinnt eine Nachricht wie oben wohl eine etwas andere Bedeutung…

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    • Yankel Moishe, wann hat das Zurückziehen begonnen, in deiner Heimatstadt wo wir doch gemeinsam viel bei Chabad gelernt haben oder jetzt in deiner neuen Wahlheimat? (Sorry – weiß nicht inwiefern du hier im bekannt bist oder sein willst.)

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  9. Pingback: Dsseldorf hat einen neuen Rabbiner | Chajms Sicht

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