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Österreichische Fans

Gib a k(l)ick Einige Leser haben es gemerkt, zwischendurch habe ich ja auch dezent darauf hingewiesen: Der Baal haBlog hier bloggt auch für die Jüdische Allgemeine. In dem Bereich Gib a k(l)ick geht es ausschließlich um Netzthemen, Apps und Internetseiten die man gesehen haben sollte (wie ich finde). Offenbar gibt es auch ein paar Leute, die das lesen. Einige (oder nur ein?) Leser aus Österreich waren scheinbar so fasziniert, dass man sich offenbar hat inspirieren lassen. Jedenfalls werden die potentiellen Leser der Fraktion ATID (eine Gruppe innerhalb der IKG Wien) nun folgendermaßen begrüßt:
atid.at

Freut mich, dass der Name des Blogs/der Kolumne so gut ankommt!

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Der britische Oberrabbiner Sacks in New York

Der britische Oberrabbiner Sir Jonathan Sacks (der mit eigener App) ist ganz unverkennbar ein Bewunderer des Lubawitscher Rebben.
Nicht nur, dass er früher bereits erzählte, erst der Rebbe habe ihn dazu gebracht, selber Rabbiner zu werden (erzählt er auch im Video unten), er bewundere ihn auch, sagte er kurz nach dem Tod des Rebben (1994) dafür, dass dieser keine Anhänger (Followers) sammle, sondern Anführer (leader) hervorbringen will (siehe auch hier).

Als sich jetzt in New York die weltweiten Gesandten von Chabad versammelten, hielt Rabbiner Sacks vor diesen Abgesandten eine Rede, in der er das wiederholte und unterstrich, warum das Engagement für das Judentum nicht nur der eigenen Strömung gelten sollte.

Jedenfalls fasst Rabbiner Sacks seine Bewunderung noch einmal in seiner hervorragend vorgebrachten Rede zusammen und erzählt auch indirekt einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte.

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Der Talmud von Koren und Steinsaltz

Um es gleich vorweg zu nehmen. Der Talmud von Koren ist im Prinzip eine verbesserte Ausgabe des Steinsaltz-Talmud. Rabbiner Adin Steinsaltz hat den Talmud im Verlauf vieler Jahre ins moderne Hebräische übersetzt, kommentiert und erklärt. Erst kürzlich wurde diese Ausgabe komplettiert.

Die Gelehrsamkeit von Rabbiner Steinsaltz ließ nicht viel Raum für inhaltliche Kritik seines Vorhabens. Einer der wenigen Kritikpunkte an seiner Ausgabe war, dass er nicht der klassischen Einteilung der Wilna-Ausgabe folgt. Obwohl dies erst in den Jahren 1880 bis 1886 von den Gebrüdern Romm in Wilna eingeführt wurde, hat es sich als Referenz durchgesetzt und erscheint uns heute als die grafische Repräsentation eines Talmud-Blattes und sorgte bei sensiblen Seelen für Irritationen. Halachisch gesehen konnte man gegen eine neue Repräsentation nichts einwenden. Deshalb legten sich viele Jeschiwot, zumindest als Texthilfe, Steinsaltz-Ausgaben zu.
Der Verlag Koren hat dieses Manko beseitigt. Nun ergänzen sich der klassische Wilna-Text und die Zusätze von Rabbiner Steinsaltz zu einer Gesamtausgabe.

Blick in den Koren Talmud

Blick in den Koren Talmud

Das bedeutet, man findet die klassischen Randanmerkungen zu Mischnah und Gemarah und etwa den Raschi-Kommentar zusammen mit dem Material, das Rabbiner Steinsaltz aufbereitet hat. Auf einer Seite befindet sich also das Wilna-Blatt und auf der gegenüberliegenden Seite den Text der Gemarah von Steinsaltz ins Hebräische übertragen und mit Anmerkungen versehen.
Neu hinzugekommen sind auch weitere Anmerkungen. Beispielsweise:

  • Orach haHalachah Halachische Entscheidungen, die sich mit den Themen des jeweiligen Talmud-Abschnittes beschäftigen.
  • Masoret haSchas Die klassische Randglosse Masoret haSchas in erweiterter und modernisierter Form. Sie verweist auf parallele Stellen im Talmud Bavli und Jeruschalmi, aus der Mischnah, oder aus der Aggadah.
  • Girsa’ot Textliche Varianten und andere Lesarten aus historischen Quellen.
  • Laschon Wenn schwierige Wörter im Talmud auftauchen, etwa aus dem Griechischen, werden sie erklärt und auch in der Originalsprache zitiert.
  • HaOlam Wird im Talmud-Text auf Flora oder Fauna verwiesen, wird hier erklärt, was gemeint ist. Zuweilen auch mit einem Bild.
  • HaChajim Beschreibung und eventuell auch ein Bild von Gegenständen, die in talmudischen Zeiten verwendet worden sind.
    Sollten andere Konzepte oder Gegenstände dargestellt werden, werden auch diese abgebildet oder von Rabbiner Steinsaltz erklärt.
  • Ergänzt wird ein Traktat jeweils durch einen Teil Ischim mit kurzen Beschreibungen von Personen, die jeweils auftauchen.
  • La’asei Raschi übersetzt die altfranzösischen Wörter, die Raschi verwendet, wenn er mit Hebräisch nicht weiterkommt.

Textdetail Koren Talmud

Textdetail Koren Talmud


Für diejenigen, die Hebräisch verstehen, ist der Koren Talmud vermutlich nun die erste Wahl, noch vor dem ArtScroll-Talmud, den es auch in einer hebräischen Ausgabe gibt. Wer weitere sprachliche Hilfen benötigt, sollte tatsächlich auf die englische Übersetzung des Talmud aus dem Hause ArtScroll zurückgreifen.

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Rabbinerordination und Normalität

Das ist ein Stück jüdischer Infrastruktur. Rabbinerseminare, orthodoxe und liberale, die nun regelmäßig Absolventen in die Welt aussenden. Am 23. November wird das Abraham Geiger Kolleg seinen Absolventen wieder feierlich die Smicha überreichen. 2006 gingen die ersten frischen Rabbiner in ihre Gemeinden. Im vergangenen Jahr war erstmals eine Frau dabei, die beachtliches Medienecho fand. Nähmen wir einen Augenblick an, es gäbe so etwas wie eine deutsch-jüdische Normalität, dann bliebe es bei einer Nachricht hier im Blog und einer kleinen Hintergrundinformation in der Jüdischen Allgemeinen oder in der Lokalzeitung der Region aus der einer der Absolventen stammt. Vielleicht aber auch noch in der Lokalpresse der der Stadt, in die sich die Ehrengäste begeben. Aber so ist es noch nicht und ich bin mir nicht sicher, an welchem Kommunikationspartner das liegt.

Im Marketing lernt man schnell, dass man Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten muss. Also Merkmale einer Ware oder einer Veranstaltung, die sie von anderen unterscheiden und besonders auszeichnen. Das interessiert bei besonders gründlicher Arbeit natürlich die Presse. Bei jüdischen Events ist das häufig das erste Mal (der erste Rabbiner in der Stadt, die erste Torahrolle seit, die erste Jeschiwah etc.), oder das erste Mal seit. Fällt dieses Alleinstellungsmerkmal weg, fällt es natürlich schwerer, große Aufmerksamkeit zu generieren.

Tatsächlich waren die ersten beiden ersten Abschlussklassen der orthodoxen und liberalen Rabbinerseminare historische Schritte zu einer Stärkung der jüdischen Infrastruktur und eigentlich war die Aufmerksamkeit der Medien schwer zu überbieten. Werden wir also erstmals eine ganz normale Ordination erleben? Vielleicht nicht ganz:

Erstmals seit dem Holocaust wird mit der 51jährigen Antje Yael Deusel eine deutsche Jüdin in Deutschland zur Rabbinerin ordiniert. (von hier).

Premiere ist auch ein zulässiger Ersatz für das Wort erstmals:

Es ist eine mehrfache Premiere: Zum ersten Mal seit dem Holocaust wird eine deutsche Jüdin zur Rabbinerin ordiniert. Die 1000 Jahre alte Israelitische Kultusgemeinde in Bamberg erhält zum ersten Mal in der Geschichte eine weibliche Vorbeterin. von hier

Wer gutes tut, soll darüber reden. Das ist ein gutes Werkzeug, um auf die eigenen Anliegen und das eigene Tun aufmerksam zu machen. Keine Frage.
Aber wie im vergangenen Jahr, tauchen die anderen (in diesem Jahr vier) Absolventen nicht unbedingt in ähnlicher Präsentation auf. Yann Boissire (wird Rabbiner in Paris), Yuriy Kadnykov (geht nach Mönchengladbach), Jona Simon (wird Rabbiner für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen) und Paul Strasko (geht nach Genf) scheinen also wieder im Schatten zu gehen, den die erste wirft.

Auch im kommenden Jahr werden vermutlich wieder Absolventen ihre Smichah erhalten. Wird dies ein Zeugnis für eine deutsch-jüdische Normalität werden, weil nur in jüdischen Publikationen darüber berichtet werden wird? Das macht es nicht weniger interessant.

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Düsseldorf hat einen neuen Rabbiner

Es ist, als würde man mit dem Auto von der Einfahrt an die Straße heranrollen. Man schaut nach Links, man schaut nach Rechts und sieht ein Fahrzeug kommen. Dann wartet man, bis es vorbeigefahren ist, fährt raus und dann kracht von der anderen Seite der LKW ins Auto. Ich war vollkommen auf die Vermutung fixiert, dass das Hamburger Modell sich in Düsseldorf durchsetzt und der bereits vorhandene Rabbiner von Chabad Rabbiner der Stadt Düsseldorf wird. Nun hat die Jüdische Gemeinde aber genau dies nicht entschieden.

Er wird die Stelle ab 2012 nicht übernehmen. Das Amt wird Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky (Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz) bekleiden.
Rabbiner Vernikovsky wechselt damit aus dem beschaulichen Wuppertal (über 2000 Mitglieder aber keine Website?) in die große Gemeinde am Rhein.
Er wurde in Petach Tikwah geboren, kam als Jugendlicher aber bereits nach Berlin. Seine jüdische Ausbildung durchlief er dann aber wieder in Israel. Offenbar spricht Rabbiner Vernikovsky kein Russisch, die Betreuung der russischsprachigen Gemeindemitglieder verbleibt also vermutlich bei einem Rabbiner der einen russischen Hintergrund hat. Eine Überraschung.

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Ein neues koscheres Hotel im Münsterland

Fast eine lokale Geschichte für mich. In Raesfeld (Münsterland) hat ein neues, koscheres, Hotel eröffnet. Jedenfalls fast. Das Hotel Landhaus Keller (Website für jüdische Gäste) hat nämlich eine koschere Küche eröffnet und einen Raum bereitgestellt, der als Synagoge dienen könnte. Die Öffentlichkeitsarbeit begann vor einigen Wochen im Vorlauf zum 9. November, denn am 10. November übergab Rabbiner Tuvia Hod-Hochwald eine gekascherte Küche. Rahmenprogramm war eine Gedenkveranstaltung zum 9. November (Fotostrecke hier). Darüber hinaus findet aber aktuell keine jüdische Aufsicht über die Küche statt und offenbar ist die (koschere) Küche des Restaurants nur nach Absprache geöffnet.
Welche Perspektiven das Hotel mit diesem Konzept für sich sieht und wie die praktische Umsetzung ausschaut, werde ich vermutlich demnächst persönlich erfragen.

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Hamburg mit neuem- altem Rabbiner?

Wird das ein Modell auch für die Gemeinde der Stadt Düsseldorf? Das könnte man sich nach dem Weggang des beliebten Rabbiners Soussan fragen: In Hamburg besetzt die jüdische Gemeinde den vakanten Rabbinerposten mit einem Rabbiner der sowieso schon in der Stadt aktiv ist. Nämlich mit Rabbiner Schlomo Bistritzky von Chabad Hamburg, das vermeldet eine Nachrichtenseite von Chabad. In Düsseldorf hat sich Chabad ebenfalls gut etabliert und ist nicht einmal ein paar Schritte vom Gemeindezentrum entfernt. Interessant dürfte sein, wie es später in der Praxis ausschauen wird. Wird das Chabad-Zentrum schließen und die Gemeinde nun die Aufgaben übernehmen? Wird Rabbiner Bistritzkys Stelle durch einen anderen Abgesandten von Chabad ersetzt? Wie groß wird die Teilmenge sein?

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Die Jüdische Stimme aus Deutschland

Es soll demnächst eine jüdische Stimme aus Deutschland geben für diejenigen außerhalb des Landes, die kein Deutsch können, aber sich dafür interessieren, was hier passiert, insbesondere aus jüdischer Sicht. Das Projekt nennt sich Jewish Voice from Germany und wie man der Website entnehmen kann, die bereits online ist, aber bisher noch keine redaktionellen Inhalte enthält, ist der Kopf des Projektes Rafael Seligmann, der ja auch schon bei dem englischsprachigen Projekt The Atlantic Times mitwirkte und von daher offenbar einschätzen kann, ob sich ausreichend Leser für das Judentum in Deutschland interessieren. Wenn man die Angabe unter Facts & Figures nicht nur Blindtext ist, sei eine Druckauflage von 30.000 geplant. Wenn man die Zusammensetzung der Redaktion und die Vision des Magazins betrachtet, dann kommt man zu dem Schluss, dass das Magazin wohl mehr sein soll, als nur eine englischsprachige Gemeindezeitung, die über den jüdischen Alltag berichtet. Offenbar wird es eher um Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte gehen. Tendenziell vielleicht eher an einer liberalen (religiösen) Ausrichtung interessiert. Laut Selbstdarstellung besteht die primäre Zielgruppe aus Politikern, Managern, Wissenschaftlern, Journalisten, jüdischen Organisationen und Lehrern (von hier).
Wie man erfahren kann, soll das Magazin vierteljährlich an den Start gehen und am 1. Januar 2012 erstmals erscheinen.

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Rabbinerversammlung in Warschau

So viele Rabbiner hat die Stadt Warschau seit der der Schoah nicht mehr gesehen. Die Stadt war Gastgeberin der Conference of European Rabbis vom 31. Oktober 2011 bis zum 2. November und etwa 200 Rabbiner aus ganz Europa nahmen teil. Und fast üblich ist es nun, dass auch Israels Oberrabbiner Jonah Metzger an dem Treffen teilnahm (ein polnischer Vorbericht, hier). Zu den Programmpunkten gehörte ein Treffen mit Polens Präsident Bronis?aw Komorowski, ein Abendessen mit Warschaus Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz Waltz und dem früheren Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki, gebetet wurde in der No?yk Synagoge (siehe Bilder in der unten verlinkten Bildstrecke). Inhaltlich wurde noch nicht viel bekannt, es ging aber wohl auch um das Schechitah-Verbot in den Niederlanden und den politischen Kurs vieler europäischer Länder.

Eine (kleine) Bildstrecke gibt es hier.