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Koren Machzor

Eine weitere, ausführliche Rezension mit anderen Schwerpunkten, ebenfalls meinerseits, ist auch in der Jüdischen Allgemeinen erscheinen. Hier online zu finden.

Genau genommen heißt der Machzor natürlich Koren Sacks Rosch HaSchana Machzor, weil der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks die Übersetzung und den ausführlichen Kommentar angefertigt hat und da sind wir schon genau im Thema. Dies hatte er auch beim Koren Siddur getan, der 2009 auf den Markt kam und gleich viel Bewegung in den Markt brachte, denn vor allem die jüngeren Juden, die auf zeitgemäße Gestaltung setzten, hatten nun etwas anspruchsvolleres. Mit voller Absicht sieht jede Seite des Siddurs und des Machzors anders aus. Im Siddur hat man schnell das Schriftbild des entsprechenden Gebets im Kopf, wenn man es mehrmals gelesen hat. Ein Machzor nimmt man ja weniger häufig zur Hand.
Auch hier findet man ebenfalls den hebräischen Text auf der linken Seite und die Übersetzung auf der rechten Seite. Viele Beter sind das nicht gewohnt und blicken zunächst auf die andere Seite. Tatsächlich aber beginnen Originaltext und Übersetzung nun am gleichen Punkt. Diese Anordnung scheint etwas natürlicher zu sein.

Werfen wir einen Blick auf die Seiten.
Hier die hebräische (linke) Seite. Der Text wird hier eingeleitet durch einige erklärende Anweisungen, hier mit hebräisch geschriebenen Wörtern für wichtige Begriffe. Auf der englischen und gegenüberliegenden Seite sind die Begriffe vollständig übersetzt (siehe weiter unten). Teilweise wird die einleitende Erklärung im Text wieder aufgenommen. Etwas verwirrend ist, dass die Erklärung unten, auf der rechten Seite (also wie in nicht-hebräischen Büchern) weiterläuft. Gesetzt ist der Text in der Schrift, die Elijahu Korngold 1981 speziell für seinen Korensiddur gestaltete. Etwas früher schuf er eine spezielle Schrift für seinen Tanach. Zitiert der Gebetstext einen Text, wird die Stelle auf dem Rand angegeben. Es gibt also keine Sternchen oder keine kleinen Zahlen im Text. Lediglich das Symbol (der Pfeil) für das Einsetzen des Schaliach Tzibburs befindet sich am Text. Übrigens ist hier offenbar der Guide to the reader ausgelassen worden. Dieser erklärt im Siddur etwa, dass die Koren-Siddurim zwischen Kamatz Gadol und Kamatz Katan durch unterschiedlich große Symbole unterscheiden und andere Feinheiten.

Koren Machzor - hebräischer Teil

Koren Machzor - hebräischer Teil

Betrachten wir auch die englische Übersetzung Weiterlesen

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In zwei Sätzen alles gesagt

In Moers sollen Stolpersteine verlegt werden. Die Argumente gegen die Aktion, oder für sie diskutiert die Rheinische Post. Dabei ist die Einleitung des Textes interessanter, als der Text selbst. Er sagt sehr viel über die Wahrnehmung des Journalisten über deutsche Juden aus:

Gedenktafeln auf dem Bürgersteig sollen an ermordete Juden erinnern. Die jüdische Theologin Dr. Edna Brocke sieht ihre Landsleute mit Füßen getreten.

Rheinische Post online

Rheinische Post online


Der Autor des Artikels hat die Juden der Stadt schon einmal ausgebürgert vielleicht sollte man hier zunächst Geld in politische Bildung investieren?

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Rabbiner aus dem Ruhrgebiet nach Emmendingen

Die Jüdische Gemeinde Emmendingen (unweit von Freiburg Homepage) ist eine recht neue Gemeinde. Sie gibt es erst seit 16 Jahren. Auf der Gemeindeseite des Zentralrats ist zu lesen, die Gemeinde sei orthodox ausgerichtet und so überrascht es vielleicht ein wenig, dass der neue Rabbiner nicht aus diese Ecke kommt. Rabbiner Mosche Navon hat bisher in Bochum gearbeitet, hat dann eine liberale Gruppe in Unna betreut und ist jetzt der neue Rabbiner der kleinen Gemeinde Emmendingen, wie die Badische Zeitung berichtet. Baden scheint ein interessanter Fleck zu werden, auch weil die Mitgliederstatistik dieses Landesverbandes einen positiven Trend zeigt.

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Neuer Rabbiner für München – ein Blogger

Die Israelitische Kultusgemeinde München (und Oberbayern) hat einen neuen Rabbiner: Rabbiner Arie Folger. Damit ist eine Stelle in einer prominente Gemeinde mit einem Rabbiner besetzt, der viel darauf setzt, Menschen auch zu erreichen. Unter anderem bloggt er regelmäßig was bedeutet, dass er nicht nur Draschot ins Internet stellt. Siehe etwa diesen Beitrag, in dem er ein aktuelles Thema aufgreift und daraus eine Betrachtung zum Judentum macht.

In Belgien geboren, studierte er an der Jeschiwa Mesivta Rabbi Chaim Berlin, war Smichaprogramm des Rabbi Isaac Elchanan Theological Seminary, lernte aber auch etwas weltliches an der Stern School of Business der New York University. Seinen ausführlichen Lebenslauf kann man in seinem Blog nachlesen. Aber nicht nur das, wir erfahren auch etwas über sein Programm:

Ich möchte mir ein Beispiel an der Geschäftswelt nehmen und vorschlagen, dass wir in allen gesetzestreuen jüdischen Gemeinschaften nach den besten Methoden suchen, und sogar über die Grenze des orthodoxen Judentums hinaus (solange diese Methoden mit der Halacha vereinbar sind), und dass jüdische Gemeinden lernen, gute Marketinggrundsätze des gemeinnützigen Bereichs zu nutzen und eine klar umrissene, konsequent angewandte Strategie zu haben, um mehr Juden wirkungsvoll zu erreichen und tief zu berühren. Dies ist nur möglich, wenn die Liebe zu den Mitjuden an erster Stelle der Prioritäten einer Gemeinde steht und wenn diese Liebe auf der persönlichen Ebene und nicht als formales Programm gelebt wird (als ob es möglich wäre, Gefühle als Programm anzusetzen).
von hier

Im Prinzip also das, was hier im Blog schon gefordert worden ist, oder in Kommentaren gefordert wurde. Outreach und keine reine Verwaltung der Gemeindemitglieder.

Hoffen wir, dass er weiterhin einen kleinen Moment Zeit für das Blog hat und vielleicht beschreibt, wie sich das in München konkret gestaltet. Derzeit sind bloggende Rabbiner in Deutschland ja keine Selbstverständlichkeit.

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Gute Juden – schlechte Juden

Michel Friedman -Erster Redner Pro Leitkultur- eröffnet die Dabatte... Michael Friedman ist, um es vorsichtig auszudrücken, polarisierend. Eloquent, oft polemisch und mit einer guten Auffassungsgabe ausgestattet. Häufiger Gast in politischen Diskussionsrunden, eben weil er polarisiert und so zumindest smart eine andere Auffassung vertreten kann. Nach einem öffentlich dokumentierten Absturz zog er sich zurück und trat von allen Ämtern zurück. So ist er heute auch nicht mehr im Zentralrat der Juden aktiv. Auf der anderen Seite ist er offenbar jemand, der von der Öffentlichkeit nur als der Jude wahrgenommen wird und so wundert es nicht, dass hier die üblichen Stereotype bedient werden, wenn er in der Öffentlichkeit Thema ist.
Kürzlich war er wieder einmal Thema in einer evangelischen Zeitschrift, die kostenlos der ZEIT und dem Tagesspiegel (auch der Süddeutschen?) beiliegt. Da gibt es immer mal wieder wohlmeinende Artikel zum Thema Judentum, aber hier ging es nicht um den Juden Michel Friedman, sondern die Person (siehe Artikel hier). Ganz allgemein und in aller Kürze erklärt er, er glaube nicht an G-tt und würde sich auch nicht gern einengen lassen. Da könnte man einem konfessionellen Magazin gratulieren, dass es nicht nur affirmative Artikel bringt.

Einige Leser sehen das anders. Die arbeiten sich daran ab, dass Friedman moralisch gescheitert sei und natürlich der Mann ist ja Jude. Einige sind online dokumentiert, andere nur in der Printausgabe. Interessant wäre es, die gesamte Bandbreite an Zuschriften zu sehen.
Aus einem Brief (Beigelegte Printausgabe, Chrismon 09. 2011, Seite 56) geht etwa hervor, man hätte sich lieber einen guten Juden aussuchen sollen, statt Friedman:

Er war doch glücklich in der Versenkung verschwunden, warum nur mussten Sie ihn wieder hervorholen, wo es doch andere, fantastische Juden in Deutschland gibt?

der gleiche Kommentator empfand übrigens das öffentliche Bekenntnis Friedmans als penetrant.

Ein anderer Leser wundert sich über die familiäre Situation natürlich geht es ums Judentum. Er verweist darauf, dass Friedman nicht viel mit G-tt anfangen könnte und dann

stellt sich mir die Frage, warum seine [] Frau Bärbel Schäfer, wie man seinerzeit der Presse entnehmen konnte, anlässlich ihrer Hochzeit zum Judentum übertrat (musste?) und auch das gemeinsame Kind in diese Glaubensgemeinschaft aufgenommen wurde.

Das wundert auch einen anderen Leserbriefschreiber

Dies umsomehr, als (von Ihnen nicht erwähnt) seine Frau Bärbel Schäfer zum Judentum konvertierte. Darauf scheint Herr Friedman doch Wert gelegt zu haben, obwohl er „nicht nach Geboten leben will, die Menschen aufgeschrieben haben“. So hat er, weil die Mutter jetzt jüdisch ist, nach jüdischem Recht seine Kinder zu Juden machen können.
von hier

Man ahnt, dass man hier nur an der Oberfläche eines viel tiefer liegenden Gefühls kratzt.
Für andere ist er immer noch Mitglied des Zentralrats der Juden von dem man denkt, ihm werde zu viel Aufmerksamkeit in einer Publikation eingeräumt, die vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland finanziell gefördert wird.
Wir lernen also, dass es gute Juden und schlechte Juden gibt. Der Jude ist allerdings so groß, dass in seinem Schatten die Person nicht mehr gesehen wird. Interessante Einblicke liefert uns die Redaktion des Chrismon da.
Es wäre interessant zu erfahren, welche Zuschriften die Redaktion noch erreicht haben.

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Das jüdische Jahr in Glas

Die Fenster des alten Betsaals der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen schilderten das jüdische Jahr in nucem und gaben die wichtigsten Symbole des Jahres sehr gut wieder.
Nach dem Umzug der Gemeinde in das Gebäude der Neuen Synagoge, hängen sie nun direkt vor dem eigentlichen Synagogenraum und haben dort, bei entsprechender Ausleuchtung noch eine ganz andere Wirkung. Ein Bericht in der Lokalzeitung (und eine daraus resultierende Anfrage) erinnerte mich daran, dass sie natürlich auch für eine breitere Öffentlichkeit interessant sein könnten. Vor einige Zeit schon habe ich ein paar Fotografien davon gemacht:

Gesamtansicht:
Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

Details:
Man beachte, dass man bei den Jamim Noraim auch zwei Hände aufgenommen, die einander gereicht werden wie es in dieser Zeit auch sein sollte. Dies als wichtiges darstellendes Element der Festtage, neben dem Schofar, aufzunehmen, fand ich bemerkenswert.

Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen