Maimonides – muslimischer Gelehrter

Eine Nachricht sickert momentan durch die jüdische Blogosphäre. Die UNESCO habe jetzt Maimonides zum Muslim erklärt. Es ist nicht bemerkenswert, dass Mosche ben Maimon (oder auch Musa ibn Maimun ???? ?? ?????) in arabischer Sprache schrieb, weil er ja in arabischsprachigen Ländern gelebt hat. So hat er auch in Fez (Marokko) gelebt.
Am 19.07.2011 schrieb Giulio Meotti auf ynet.com einen Bericht über die Behandlung Israels durch die UNESCO. In einem kleinen Absatz schreibt er unter anderem:

On a final note, a recent UNESCO report on science, Jewish physician and theologian Maimonides is classified as a Muslim named Moussa ben Maimoun. So the Rambam – for Rabbi Moshe Ben Maimon has been forced to convert to Islam by the UNs revisionist historians. (von hier)

Dort ist natürlich keine Quellenangabe angegeben und keiner der Blogger hat sich die Arbeit gemacht, der Sache auf den Grund zu gehen. Ein Blog namens Challah Hu Akbar etwa verbreitet die Sache weiter und gibt auch keine Quellenangabe an, ebenso das einflussreiche Israel Matzav , oder Rabbi Yonah’s Blogshul. Alle beziehen sich auf den recent UNESCO report on science. Gemeint ist wohl der Rapport de lUNESCO sur la science. Den gibt es und dort findet sich auch ein kurzer Abschnitt, in dem Maimonides genannt wird:

Une fois Tolde reprise aux Maures par les croiss en 1085, les savants europens y afflurent afin de traduire les anciens textes classiques du grec (que lEurope avait oublis) vers larabe et lhbreu, puis le latin, rendant ce savoir accessible lOccident. Entre 1100 et 1350, durant la premire partie du Moyen ge europen (1100-1543), les noms de quelques savants europens apparaissaient dans la littrature scientifique ct dun grand nombre de savants musulmans, parmi lesquels Ibn Rushd (Averros), Moussa ibn Mamoun (Mamonide), Tousi et Ibn Nafis. Aus: Rapport de lUNESCO sur la science

Im Kapitel Les tats arabes heißt es also, dass in der wissenschaftlichen Literatur eine große Anzahl von Muslimen genannt wird: Ibn Rushd (Averros), Moussa ibn Mamoun (Mamonide), Tousi und Ibn Nafis. Dieser Teil ist faktisch richtig, auch wenn man nicht gerade behaupten kann, die UNESCO habe Maimonides zwangskonvertiert. Vielmehr hat der Autor der Artikels Adnan Badran da wohl die Faktenlage nicht gekannt oder sie missachtet. Erstaunlicher ist, dass der Rapport mittlerweile fünf Jahre alt ist, also aus dem Jahr 2006 stammt. Besonders recent ist das nicht. Ein gutes Beispiel für Viel Lärm um nichts und einer gewissen Empörungsbereitschaft, für die man überhaupt keine tatsächlichen Fakten benötigt.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Darin muss natürlich kein böser Wille oder sogar ein Versehen sein. Die Fachliteratur selbst kann hier für Aussenstehende Verwirrung stiften. Obwohl man natürlich wusste das er ein Jude war, ist es fast immer so, dass er als islamischer Philosoph bezeichnet wird. Nicht weil er Muslim ist, sondern, weil er darin zu Hause war und rezipiert wurde. Um ein “islamischer” philosoph zu sein muss man kein Muslim sein. Also “islamisch” wurde früher nicht immer im Sinne einer Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft verstanden. Heute ist man leider nicht mehr so lässig.
    Ob diese Erklärung in diesem Fall zutrifft kann ich nicht sagen, aber es könnte eine sein.

    Antworten

  2. B”H

    Dass selbst einige Moslems den RAMBAM fuer einen zum Islam konvertierten Moslems halten, ist nichts Neues und das gab es in der Vergangenheit immer wieder. Wer sich jedoch das IGGERET TEMAN (Epistle of Jemen) des Rambam anschaut, der wird Gegenteiliges feststellen, denn dort beschimpft er Mohammad mehrere Male als MADMAN. Ferner verliess der Rambam das von den Almohad (fanatischen Islamisten) eroberte Spanien.

    Nach Spanien lebte der Rambam in Fez und wurde ein fuehrender Arzt in Aegypten, wo er auch starb. Begraben liegt er im nordisraelischen Tiberias.

    Vielleicht haette man ihn ja auch zum Griechern erklaeren koennen, denn in seinem “Guide for the Perplexed – Moreh Nevuchim” diskutiert der Rambam ausfuehrlichst die Ideologien des Aristoteles.:-)

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.