Bundesverband der Juden in Deutschland

Noch eine Dachorganisation? Ein Bundesverband der Juden in Deutschland soll sich jüngst gegründet haben. Nach eigener Aussage, gehören dem Verband 13 Gemeinden an. Der Vizepräsident sei Rabbiner Ralph Maschmeier. Bei der geringen Rabbinerdichte in Deutschland hat es der Rabbiner offenbar sehr gut verstanden unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung hindurchzufliegen. Einer speziellen Ausrichtung gehöre man nicht an:

Das geht von den Säkularen über die Rekonstruktionisten, Konservativen, Reformierten und Liberalen bis hin zu den Lubawitschern und Sathmarern. von hier

Worin liegt also der Fokus, wenn sich auch dieser Verband demnächst als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkennen lassen will? Offenbar nur dadurch, dass man sich weder zur Union progressiver Juden in Deutschland noch zum Zentralrat der Juden in Deutschland zugehörig fühlt.
Den Bund Gesetzestreuer Jüdischer Gemeinden in Deutschland gibt es übrigens auch noch.

Einen bebilderten Beitrag zur Gründung gibt es hier. Dieser ist übrigens aus der Sicht der Freien und unabhängige Jüdische Gemeinde Schöneiche bei Berlin verfasst worden, die ebenfalls zu diesem Bundesverband gehört und ansonsten auch bisher unsichtbar war (aber einen eigenen Rabbiner vorzuweisen hat). Ob die Gemeinde sich aus dem Verein Schtetl gegründet hat, der einmal ein Bethaus in Schöneiche einrichtete, ist mir nicht ersichtlich.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “Nach eigener Aussage, gehören dem Verband 13 Gemeinden an.”

    Auf der Webseite sind allerdings nur zwei angeben: Giesen + Halle.

    Halle war auch mal im “Orthodoxen Bund”, siehe hier , scheint also besonders offen für neue (und kurzlebige?) Organisationen zu sein. Oder ist das nicht dieselbe Gemeinde?

    “… bis hin zu den Lubawitschern und Sathmarern”

    Wow, unter einem Dach? Wenn man die Geschichte der Beziehung zwischen speziell diesen beiden Gruppen kennt, kann man das nur als Hinweis auf die unmittelbar bevorstehende messianische Zukunft deuten 😉

    “Rabbiner … unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung”

    Leitende Mitglieder des BVJD hatten hier dafür plädiert, dass man per Selbstzuschreibung Jude werden kann. Mich würde interessieren, ob dort auch Rabbiner-Titel auf ähnliche Weise verteilt werden.

    Antworten

  2. Die Einheitsgemeinde in Halle ist ihrer Zeit offenbar voraus. Der “Aktuelle Wochenabschnitt” ist dort Mattot (oder Maassei?). Ich will doch mal stark hoffen, dass dort nicht so gelesen wurde, wie es auf der Webseite steht…

    Antworten

  3. Es ist bereits 1,5 Jahre existiert diese neue Organisation, man hört davon aber nicht viel und zwar nur allgemein. Yankel Moishe behauptet: es egen nicht um 13 Gemeinden, sondern nur 2. In der Tat BdJD minestens 10 als “jüdische Gemeinden” bezeichnet (selbst wenn eine davon nur “Gemeinde” und noch zwei als “Synagogengemeinde” erwähnt sind).

    BdJD

    Antworten

    • Fortsetzung: (ich wurde unterbrochen als ich bei BdjD kleines j versuchte Groß zu schreiben und erst PC war gelähmt, aber den Text abgeschickt )

      BVdJD hat ja dabei etwa ungeduldig den ZRJD angegriffen hat. Aber die beiden Vereine sind trotzdem prinzipiell einig bei der Selbstdarstellung Juden in Deutschland. Seit Bubis und Knobloch wird die Frage diskutiert ob es nicht besser wäre, dass die jüdisch stammenden Juden bzw. konvertierten Deutschen sich als Deutsche Juden (alternativ Deutsche jüdischer Herkunft bzw. Glauben) sich bezeichnet hätten. Denn es gibt ein Staat der Juden – Israel, das auch dazu die Bezeichnung Israelis in Deutschland ermöglicht und sogar Birobidjaner. Heute leben dort etwa 60.000 Juden, darunter 20.000 Refusniks aus der USA, Israel und Deutschland, die nach freundlicher Vertreibung der Juden von Leonid Breschnew in 80-90er aus der UdSSR, heimkehrte.

      Übrigens Jüdische Republik Birobidjan, die erst 1880 als legale Siedlung der Juden am Amur im ferner Osten entstand, wurde erst 1918 durch Lenin aufgelöst und 1929 wurde wieder zur Jüdische Sowjetische Sozialistische Autonomrepublik, aber dann 1947 wieder diesmal durch Stalin liquidiert und derer Regierung wurde als Volksfeinde in Chabarowsk erschoßen. Erst 1961 wurde diese Republik mit weniger geschmücktem Titel JAO der UdSSR, also jüdisches Autonomgebiet.

      1990 als die UdSSR selbst aufgelöst wurde, sofort wurde Judenrepublik Birobidjan unter Jelzin zum 4. Mal auferstanden. Aber Moskau hat doch unter Putin erst die Russische National Trikolor Flagge mit dem goldenen Judenstern drauf verboten und dann JR zur JAO der Russische Föderation disqualifizierte. Aber dort wurde alle Feiertage von Israel und Rußland zugelassen. Die offizielle Webseite der Regierung JAO ist nun dreisprachig: Chinesisch, Russisch und Yjdisch – da in dieser JAO, die etwas dreimal größer als Israel (natürlich in heutigen Dimension). Die Juden wurden zur Minderheit von Moskau erklärt, eine neue Flagge bekommen, die sich erinnert an die freundliche Flagge, die man an den Loveparaden in Deutschland immer wieder sieht. Und die Juden in der Russische Föderation gibt es nicht, sondern Russische Bürger jüdischer Herkunft.

      Liebe Grüße aus Frankfurt

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.