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Jüdische Gemeinden und Gruppen bei facebook

Jüdische Gemeinden und Gruppen aus Deutschland tummeln sich mittlerweile einige bei facebook. Viele haben auch recht viele Freunde oder Fans. Doch einige machen auch kapitale Fehler bei der Erstellung ihrer Präsenz. So ist etwa die Jüdische Gemeinde Berlin erfolgreich unterwegs. Allerdings unter der Gefahr, dass facebook die Seite entfernt. Denn die Gemeinde ist keine Person, aber als solche angemeldet. Wieder andere senden täglich neue Meldungen, sogar im Minutentakt und nervt die Nutzer, oder gibt ihnen keine Möglichkeit, auf einen Eintrag zu reagieren. Dabei könnte oder sollte man es direkt richtig machen. Dabei muss man sich zuvor entscheiden, ob man eine Gruppe anlegt, oder eine Seite. Worin besteht eigentlich der Unterschied?

Eine Orientierungshilfe und kleine praktische Anleitung habe ich für die Gemeinden und Gruppen zusammengeschrieben, die zwar ins Soziale Netz starten möchten, aber noch unsicher sind, wie das passieren soll. Sie ist auch für Nutzer geeignet, die bisher noch nicht bei facebook angemeldet waren. Die Anleitung kann man hier herunterladen.

Fragen, Erweiterungen oder Anmerkungen sind natürlich herzlich willkommen. Eventuell gibt es ja Themen, die von Interesse sind, aber nicht genannt werden. Das Dokument steht zur weiteren Verbreitung bereit.

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Juden und Fußball

Dieser Beitrag ist, wie man am Autor sieht, eine Art Gastbeitrag. Vielleicht schon im Hinblick auf ein eigenes Blog zum Thema Fußball (und Sport im Allgemeinen) in Israel.

Israel, Juden und Fußball. Diese drei Begriffe würden nur leider wenige in Verbindung bringen. Auf den ersten Blick scheint es wirklich so zu sein, wie es die meisten glauben. Namen wie Tal Ben-Haim, Spieler bei West Ham United, oder Ben Sahar, Spieler bei Hapoel Tel Aviv, würden nicht jedem Sportreporter etwas sagen. Es gibt jedoch Hoffnungen wie Yossi Benayoun, seit 2010 bei Chelsea London unter Vertrag, Juan Pablo Sorin, ehemaliger argentinischer Nationalspieler und von 2007 bis 2008 beim Hamburger SV unter Vertrag, und Torwart David Dudu Aouate, der beim spanischen Erstligisten RCD Mallorca sein Geld verdient.
Langsam sehen sich auch deutsche Vereine nach jüdischen und israelischen Spielern um.
Die ersten beiden waren Roberto Colautti und Gal Albermann, die 2008 nach Mönchengladbach kamen. Richtig konnten sich die beiden jedoch nie durchsetzen. Beide zog es 2010 nach Israel zu Maccabi Tel Aviv.
2010 wagte Almog Cohen den Sprung in die Bundesliga nach Nürnberg. Zunächst Bankdrücker, dann Stammspieler. Ein grandioser Aufstieg. Anfangs war ich zurückhaltender und habe mich wochenlang nur von Thunfischpizza und Pasta ernährt, sagte er dem Fußballmagazin 11 Freunde auf die Frage ob es in der neuen Liga Startschwierigkeiten gab und ob er religiös sei. Bei den Schalker Fans machte er sich nicht besonders beliebt, weil er im DFB Pokal Viertelfinale 2010/11 einen Schalker Spieler nach dem anderen umholzte. Bei seiner Auswechslung wurde er von den Ultras ausgepfiffen.
Dieses Jahr wollen sich Torjäger Itay Shechter und Mittelfeldallrounder Gil Vermouth, beide von Hapoel Tel Aviv, in der Bundesliga beweisen.
Wenn sie einen Deutschen fragen würden welche drei israelischen Fußballvereine er kennt, würde er vielleicht noch sagen: Hapoel Tel Aviv, Maccabi Haifa und Maccabi Netanya. Wenn sie ihn fragen woher er sie kennt, würde er sagen: Schalke spielte in der Champions League gegen Tel Aviv, Bayern spielte in der Champions League gegen Haifa und Lothar Matthäus trainierte Maccabi Netanya.
Auch, was das Management angeht, gibt es viele Juden, die im Fußball tätig sind. Da gäbe es
Daniel Levy, den Vorsitzenden des englischen Fußballvereins Tottenham Hotspur, Avram Grant, der u.a Chelsea London und West Ham United trainierte, und den russischen Besitzer des Klubs Chelsea London, der Miliadär Roman Abramovich.
Man sieht, dass allmählich Israel keine kleine Nummer mehr ist und Juden doch noch andere Sportarten als Schach beherrschen.

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Gut gemeint – mehr nicht

Ein Kommentator schrieb einst hier Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint. Ähnliches fällt der Israelititschen Kultusgemeinde Wien wohl auch zu einer Plakataktion in Wien ein:

Es gibt den G-tt des Tanach. Und es gibt Jesus Christus. Letzterer ist für gesetzestreue Juden nur ein ganz gewöhnlicher Mensch. Aber was soll's - Wahrheit ist Wahrheit, so oder so. - Agentur Lowe GGK

Wie Die Presse berichtet, ist die Kultusgemeinde nicht sehr begeistert über die Plakataktion der Aktion Mensch Österreich (ist offenbar keine Sektion der Organisation in Deutschland). Das Motiv stammt von Walther Salvenmoser von der Agentur Lowe GGK. Kleiner Tipp: Die Schrift hätte besser rechtsbündig gesetzt werden sollen ist ja Hebräisch.

Im Wiener Stadtbereich sollen die Plakate für Toleranz werben und wohl eigentlich sagen, dass es in der Religion keine absolute Wahrheit geben soll. Hätte man das in der deutscher Sprache plakatiert, wäre es wohl niemandem aufgefallen. Die hebräische Plakatierung könnte jedoch den Verdacht nahelegen, dass Juden (Israelis?) die eigentliche Zielgruppe sein sollen.
Wenn es als Kunst ist/war, dann dürfte sie ihren Zweck erfüllt haben. Man spricht über etwas, ein Diskurs ist da. Aber irgendwie bleibt es seltsam.

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Maimonides – muslimischer Gelehrter

Eine Nachricht sickert momentan durch die jüdische Blogosphäre. Die UNESCO habe jetzt Maimonides zum Muslim erklärt. Es ist nicht bemerkenswert, dass Mosche ben Maimon (oder auch Musa ibn Maimun ???? ?? ?????) in arabischer Sprache schrieb, weil er ja in arabischsprachigen Ländern gelebt hat. So hat er auch in Fez (Marokko) gelebt.
Am 19.07.2011 schrieb Giulio Meotti auf ynet.com einen Bericht über die Behandlung Israels durch die UNESCO. In einem kleinen Absatz schreibt er unter anderem:

On a final note, a recent UNESCO report on science, Jewish physician and theologian Maimonides is classified as a Muslim named Moussa ben Maimoun. So the Rambam – for Rabbi Moshe Ben Maimon has been forced to convert to Islam by the UNs revisionist historians. (von hier)

Dort ist natürlich keine Quellenangabe angegeben und keiner der Blogger hat sich die Arbeit gemacht, der Sache auf den Grund zu gehen. Ein Blog namens Challah Hu Akbar etwa verbreitet die Sache weiter und gibt auch keine Quellenangabe an, ebenso das einflussreiche Israel Matzav , oder Rabbi Yonah’s Blogshul. Alle beziehen sich auf den recent UNESCO report on science. Gemeint ist wohl der Rapport de lUNESCO sur la science. Den gibt es und dort findet sich auch ein kurzer Abschnitt, in dem Maimonides genannt wird:

Une fois Tolde reprise aux Maures par les croiss en 1085, les savants europens y afflurent afin de traduire les anciens textes classiques du grec (que lEurope avait oublis) vers larabe et lhbreu, puis le latin, rendant ce savoir accessible lOccident. Entre 1100 et 1350, durant la premire partie du Moyen ge europen (1100-1543), les noms de quelques savants europens apparaissaient dans la littrature scientifique ct dun grand nombre de savants musulmans, parmi lesquels Ibn Rushd (Averros), Moussa ibn Mamoun (Mamonide), Tousi et Ibn Nafis. Aus: Rapport de lUNESCO sur la science

Im Kapitel Les tats arabes heißt es also, dass in der wissenschaftlichen Literatur eine große Anzahl von Muslimen genannt wird: Ibn Rushd (Averros), Moussa ibn Mamoun (Mamonide), Tousi und Ibn Nafis. Dieser Teil ist faktisch richtig, auch wenn man nicht gerade behaupten kann, die UNESCO habe Maimonides zwangskonvertiert. Vielmehr hat der Autor der Artikels Adnan Badran da wohl die Faktenlage nicht gekannt oder sie missachtet. Erstaunlicher ist, dass der Rapport mittlerweile fünf Jahre alt ist, also aus dem Jahr 2006 stammt. Besonders recent ist das nicht. Ein gutes Beispiel für Viel Lärm um nichts und einer gewissen Empörungsbereitschaft, für die man überhaupt keine tatsächlichen Fakten benötigt.

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Siddur richtig gut kennen

Seinen Siddur kennt man im Laufe der Zeit eigentlich recht gut. Weiß so ungefähr, was man wann und wo aufschlägt. Niemand blättert lange herum, der sein Exemplar regelmäßig verwendet. Noch bevor es das Internet gab, kaufte ich mir in Golders Green (als Schüler noch) einen ArtScroll Siddur, der nach Jahren der Dauernutzung auch dementsprechend aussah (sieht man im Artikelbild). Rabbi ArtScroll löste Sefat Emet ab. Instinktiv wusste ich natürlich irgendwann, wann man wo welche Seite aufschlagen musste. Das wird vielen so gehen. Sensationell ist aber, was Corey Dicker hier präsentiert. Auch, wenn das Video nicht ganz frisch ist: Da kennt einer sein Gebetbuch sehr genau!

Der Moderator sagt die Seitenzahl an, Corey sagt dementsprechend an, was dort steht. Klar, die Seiten mit den Halachot haben sie nicht genannt. Eine Anregung für Gemeindeveranstaltungen? Mit Sefat Emet oder Schma Koleinu dürfte das auch funktionieren.

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Online-Minjan?

google plus ist der neue Facebook-Verfolger und euphorisiert viele Nutzer. Auch weil man nun zwischen den Freunden unterscheiden kann: Familie, Bekannte, Freunde-Freunde. Nicht alle können alles mitlesen und man muss nicht zwangsläufig mit jemanden befreundet sein, um seine öffentlichen Meldungen verfolgen zu können. Wer mehr darüber erfahren will, kann irgendeinen Menschen fragen, der Zugang hat. Der wird begeistert berichten.

Ein großes Feature ist Hangout. Ein Video-(Konferenz-)Chat für bis zu (und jetzt wird es interessant) 10 Teilnehmer. Minjan also? Die Frage ist leider nicht so leicht zu beantworten. Die Quellenlage ist dünn. Zwar findet man einige Hinweise, aber nichts konkretes. Rabbi Shraga Simmons von Aish haTorah lehnt es (hier) komplett ab, schreibt aber nicht aus welchem Grund. Ein Minjan wird eben nicht nur aus zehn Personen gebildet, sondern erfordert auch einige andere äußere Einflüsse. So müssten die einzelnen Personen sich im gleichen Raum aufhalten, oder wie Maimonides in den Hilchot Teffilah schreibt, können sie sich in angrenzenden Räumen aufhalten, wenn sie sich in Hörweite befinden. Der Schulchan Aruch bestimmt (Orach Chajim 55) dagegen, dass die Minjanmenschen sich im gleichen Raum aufhalten müssten. Dort heißt es aber auch, dass eine Person auf der anderen Seite eines Fensters mitgezählt werden dürfe. Später wurde gesagt, man müsste sich sehen (Mischnah Berurah?).

Eine gewisse räumliche und physische Nähe scheint also erforderlich zu sein. Die Größe des Raums scheint dabei übrigens keine Rolle zu spielen. Die Gemarah von Sukkah 51b erzählt von einer Synagoge in Alexandria, die so groß gewesen sei, dass denjenigen, die hinten saßen, per Fahne angezeigt bekommen mussten, wann man Amen sprechen musste. Physische Nähe muss aber dennoch gegeben sein. Jetzt wäre die Frage, ob die elektronische Repräsentation meiner Person, gleichbedeutend mit meiner physischen Anwesenheit (wo überhaupt?), praktisch wie eine Person am Fenster ist. Dies würde jedoch bedeuten, dass sich zumindest ein Teil der Gruppe irgendwo gemeinsam in Mehrzahl befinden müsste. Mein elektronischer Repräsentant ist aber nicht ein Blick durch das Fenster, denn das wäre ja eine überwindbare physische Hürde (um das Haus herumgehen, Tür auf, hinein). Der elektronische Repräsentant kann auch nicht zur Torah aufgerufen werden.

So smart die Idee eines virtuellen Minjans also ist, es scheint kein Minjan zu sein. Ob man von einem bereits vorhandenem Minjan profitieren kann, steht auf einem anderen Blatt. Im Ruhrgebiet wäre es eine gute Ergänzung gewesen, hier gibt es momentan nur zweimal die Woche Wochentagsschacharit (in Dortmund), allerdings zu einer sehr arbeitnehmerfeindlichen Zeit: um 10 Uhr.
Also muss man Hangout dazu verwenden, sich zu einem anfassbaren (echten) Minjan zu verabreden– mit neun anderen. Das dürfte zumindest funktionieren.

Übrigens: Ich bin hier bei google plus zu finden.

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Jüdische Kameradin

Nach dem Abi geht es für jüdische Schüler zuerst nach Israel. In der Regel meldet man sich für Wehrdienst in der Tzahal. Besonders die Schüler der Jüdischen Oberschule Berlin interessieren sich dafür. Wie ich auf diese gewagte Aussage komme? Ich habe einen aktuellen Artikel zu einer jüdischen Soldatin bei der Bundeswehr gelesen und dessen Geschichte verfolgt: Weiterlesen

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Ein kostspieliges Geschenk

Mit einem Hinweis, des Historikers Dan Diner, schließt Michael Wuliger seine Rezension zur siebenbändigen Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur. Diner meint, die Enzyklopädie sei ein ideales Geschenk zur Bar- oder Batmizwa. Bei uns steht demnächst eine ins Haus. Wenn Herr Diner uns eine schenken möchte, sehr gern.
Doch gestattet mir die Zwischenfrage: Sind Bar Mitzwah-Kinder die Zielgruppe? Wer ist die Zielgruppe? Weiterlesen