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Der Wochenabschnitt per Mail

Rabbiner Ozer Alport hat eine Kolumne in der Freitagsausgabe der charejdischen Zeitung HaModia. In dieser greift er sich kurze Abschnitte aus dem aktuellen Wochenabschnitt aus und beleuchtet diese eingehend. Das ist in der Zeitung recht knapp gehalten, aber lesenswert (vorausgesetzt man interessiert sich für den Wochenabschnitt und hat ein wenig Vorwissen). Es gibt aber noch eine ausführliche Fassung. Diese ist kostenlos und kommt wöchentlich per Mail. Das funktioniert nicht über eine ausgeklügelte Website, sondern einfach, indem man Rabbiner Alport eine Mail schickt und ihn darum bittet, das Parsha Potpourri auch zu erhalten. Er wünscht sich mehr Leser und hat nichts dagegen, wenn man seine Artikel ausdruckt und verteilt. Schreibt er jedenfalls in den wöchentlichen Mails. Wer also die Mail erhalten möchte, schreibt an oalport@optonline.net .

Ein Beispiel aus der Mail zur Paraschah Chukat: Weiterlesen

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Chabad unter die Lupe genommen

Das Heer des Rebben

War Chabad vor einigen Jahren in noch ein Phänomen das deutsche Juden aus dem Ausland kannten (Wollen Sie Tefillin legen?), so sind heute zahlreiche Emissäre (die sog. Schluchim) von Chabad auch in Deutschland aktiv und das mit beachtlichen Erfolgen, während andere Bewegungen nicht richtig von der Stelle kommen, oder in weitaus kleinerem Maße wachsen. Sieht man von Lauder ab. In 15 Städten ist Chabad aktiv und weltweit tun etwa 4000 dieser Schluchim mit ihren gesamten Familien den Dienst.
Was ist das Erfolgsgeheimnis von Chabad? Warum kopieren andere Strömungen nicht einfach Teile davon? Wie finanziert sich Chabad? Was sind die häufigsten Vorwürfe gegenüber Chabad? Weiterlesen

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Intifada? Gibts ne app für

Den Drive der arabischen Aufstände und Umwälzungen wollen böswillige Menschen natürlich auch gerne gegen Israel nutzen. Dafür gibt es natürlich auch eine app, die das Vorgehen und die Diskussion nach vorne bringen soll. Im Prinzip verlinkt sie zu einer Website zur dritten Intifada. Heute hat Informationsminister Edelstein sich in einer e-Mail an Steve Jobs gewandt und versucht auf diesem Wege, die app löschen zu lassen. Eine entsprechende Facebookseite ist bereits offline. Das übertüncht natürlich nur einen Aspekt der Dynamik, die sich da mit Hilfe der sozialen Medien und den Smartphones entwickelt. Einen twitter Account zu löschen, dürfte noch schwieriger werden. Auch restriktive und undemokratische Staaten, die ja ein großes Instrumentarium zur Aussperrung derartiger Dienste haben, ist es ja nicht vollkommen gelungen, die Vernetzung zu verhindern. Es scheint also, als müsste man den Hebel an anderer Stelle ansetzen, wenngleich antizionistische und potentiell antisemitische Anwendungen auf den Märkten nichts verloren haben, weil sie natürlich auch zur Propaganda dienen und einem friedlichen Prozess vollständig im Wege stehen. Ohnehin sind sie auch durch die Regeln von Apple zur App-Einreichung ausgeschlossen.

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Jechadschehu

Jechadschehu ist Teil des Gebets für die Ankündigung von Rosch Chodesch in der Woche nach dem Schabbat, an dem man es spricht. Yoely Greenfeld hat das ganze vertont und in ein professionelles Musikvideo gepackt. Aber Vorsicht! Es ist keine richtige Pop-Version, sondern eher eine vorsichtige mit Synthesizer-Geigen und kleinem Männerchor. Charmant die aschkenasische Aussprache. Ob das nun der totale Schmalz ist, konnte ich nicht beurteilen, weil ich total auf die Siddurim in dem Video fixiert war. Erkannt habe ich einen ArtScroll Siddur und ein Exemplar von Tfilot kol peh chadasch (der eine typographische Vollkatastrophe ist, Bild hier). Jeder setzt also bei der Betrachtung der Videos andere Prioritäten.


Yoel(y) Greenfeld? Genau, der tauchte hier schon einmal auf (zusammen mit einem vollkommen ungehemmten Kind).

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Tanach von Koren

Ma'alot Edition

Was soll es neues geben, wenn man sich einen Tanach kauft? Vor allem, wenn man sich einen unübersetzten zulegt. Der Text ist doch überall der gleiche? Das stimmt nicht unbedingt. Einige Ausgaben wurden übernommen von jemandem, der sie übernommen hat, der sie übernommen hat. Dazu kommt: In einigen älteren Ausgaben ist die Typographie nicht die allerbeste. Die wenigsten Tanachausgaben waren tatsächlich ein vollständig jüdisches Unternehmungen. Erst Elijahu Koren veröffentlichte 1962 einen Tanach, der vollständig unter jüdischer Regie entstand und gedruckt wurde. Der überarbeitete Text basierte zu einem großen Teil auf der Arbeit des deutschen Rabbiners Wolf Heidenheim – der deutschsprachigen Juden durch den Siddur Sefat Emet bekannt sein dürfte. Dennoch wurde der Text aufmerksamst überarbeitet und Fehler entfernt. Elijahu Koren (der übrigens der 1907 in Nürnberg als Elijahu Korngold geboren wurde) schuf zudem eine eigene Schrift für seine Ausgabe. Aus Israel kannte man die Ausgabe vielleicht, später kam dann auch eine englisch-hebräische Ausgabe heraus, die mäßige Beachtung fand, wie überhaupt die Siddurim und Tanach-Ausgaben außerhalb Israels eher am Rande wahrgenommen wurden, wenn überhaupt. Weiterlesen

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Kleine Notiz aus Österreich

Die Kleine Zeitung, die den österreichischen Bundesländern Steiermark, Kärnten und Osttirol erscheint, berichtete am 13. Juni 2011 über eine Aktion in Villach (hier – Juden passten nicht zur Landschaft). In dieser wurde daran erinnert, dass der dortige Alpenverein bereits 1920 einen Arierparagraphen forderte. Diesem wurde stattgegeben und so wurde Juden der Eintritt in die Schutzhütte auf dem Dobratsch untersagt. Dort stand (laut Zeitungsbericht):

Juden und Hunden ist der Zutritt verboten

Das ist zunächst ein interessantes Zeugnis über den grassierenden Antisemitismus in der Zeit vor 1933 und den Umgang heute damit.
Interessant sind aber die Leserkommentare:

Screenshot Kleine Zeitung

Dort fordert ein Leser, das oben zitierte Schild heute vor Banken aufzustellen. In Deutschland stünde der Kommentar dort vermutlich nicht sehr lange. Hier dokumentiert er, dass sich die Zeiten ändern, aber die Mentalität der Menschen nicht in allen Fällen. Kleine Notiz also.

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Auge um Auge ohne Ende

Es ist ein unkaputtbares Gerücht über das Judentum, dass es nach dem Prinizp der Rache vorgehe. Wir treffen auf Vokabeln aus diesem Bereich, wenn etwa von der israelischen Armee die Rede ist. Israelische Truppen üben Vergeltung oder vergelten einen vorherigen Angriff. Bisweilen begegnet einem auch die Formulierung Auge um Auge, oder es ist vom alttestamentarischen Prinzip die Rede. Das kann einen politischen Grund haben, oder auch einfach eine verblüffende Unkenntnis des Textes dokumentieren. Diesen habe ich für die aktuelle Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen etwas ausführlicher betrachtet. Ändern wird es nichts. Spätestens bei der nächsten militärischen Aktion der Tzahal wird man Formulierungen aus diesem Bereich finden.

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Anders

Im März 2009 wurde hier das letzte Mal etwas am Layout geändert. Mit dem Ende der Omer-Zeit wurde eine Aktualisierung fällig, auch um neue Features zu ermöglichen. Die schlechte/gute Nachricht ist: Das Bild im Kopf ist geblieben, es hat Freunde und Feinde.

Einige neue Eigenschaften haben die Kommentare. Man kann nun direkt auf einen Kommentar antworten und die Antwort wird dementsprechend unter dem Kommentar angezeigt, auf den man sich bezieht. Zuvor wurde neue Kommentare einfach unter den letzten gepackt. Neu sind auch die bunten Bilder neben den Namen der Kommentatoren. Sehr häufig werden die grauen Personen vor der grauen Wand dargestellt. In der Regel dann, wenn der Kommentator nicht zufällig Blogger auf wordpress.com ist. Jeder andere Kommentator, der aber auch ein Bild haben möchte, kann dies auf gravatar.com tun (natürlich kostenfrei). Der Dienst erkennt dann anhand der Mailadresse, welches Bild eingeblendet werden soll. Natürlich ist das für Kommentare keine Bedingung.
Hoffe, es gefällt jemandem. Schauen wir mal.

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13 Regeln der Torahauslegung

Die 13 Middot des Rabbi Jischmael - gedruckte Ausgabe Teil des Morgengebets sind die 13 Middot des Rabbi Jischmael – also 13 Regeln zur Auslegung der Torah. Die sind schnell heruntergelesen, aber nicht so schnell verstanden. Als das Thema für den Minchah-Schiur vorgeschlagen wurde, war ich recht zuversichtlich, eine Menge Zusatzmaterial darüber zu finden. Immerhin wird der Text ja täglich gelesen und ist auch nicht so sehr unwichtig. Das war, zumindest zum kleinen Teil, eine Fehlannahme, denn nicht in jedem Siddur ist der Text auch kommentiert. Rabbi ArtScroll weiß meistens sehr häufig Rat und nennt manchmal auch Quellen und tatsächlich werden die 13 Middot auch ausführlich kommentiert, wenngleich auch nicht unbedingt schnell verständlich. Ein weiterer Hinweis könnte der kommentierte Siddur von Samson Raphael Hirsch sein und tatsächlich ist dieser Text dort sehr ausführlich kommentiert. Verblüffend, dass ArtScroll den Kommentar scheinbar in weiten Strecken übernommen hat und sich auf ihn bezieht, ohne ihn zu nennen. Also bin ich schrittweise vorgegangen und habe zu jedem der 13 Punkte einen Textausschnitt von Hirsch genommen, eine Übersetzung und Beispieltexte oder Texte, die mit dem jeweiligen Punkt zu tun haben. Eine Gruppe sollte ja mit Quellen arbeiten und nicht mit Sachbuchtexten zum jeweiligen Thema. Das Ergebnis kann man hier herunterladen und natürlich steht es allen anderen Lerngruppen auch zur Verfügung. Theoretisch könnte man es auch drucken lassen (A6 Format) (Link auf der Seite des Minchah-Schiurs). Dies lohnt jedoch nur, wenn man mehr als 10 herstellen möchte. Ein Beispiel für das gedruckte Exemplar ist das Bild oben.

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Limmud.de 2011

Dieses Jahr größer denn je! Rund 500 Teilnehmer, mit vielen bekannten Gesichtern und vielen Neuen, und einem, objektiv gesehen, im Vergleich doch etwas gesenkten Altersdurchschnitt, tummeln sich bei strahlendem Sommerferienwetter in der EJB-Idylle am Werbellinsee. Intensiver Kiefernduft auf der großen Wiese, vom See weht ein laues Lüftchen. Aus den offenen Fenstern des Seminarhauses klingt es angeregt vielsprachig heraus, während mich die Verdauung des exzellenten Mittagessens zu einem Nickerchen in der Sonne verführt. Aus der Disko klingen smirot Schabbat, die für heute Abend schon mal geübt werden.
Die einmalige und so besondere Atmosphäre ist wieder da, die aus anfangs noch vorsichtig-erwartungsvollen Erstteilnehmern überzeugte Limmudniks und Wiederholungstäter macht.
Schon am Donnerstag, gleich nach der Anmeldung bei den fleißigen Freiwilligen und Organisatoren in den Limmud-T-Shirts, geht es direkt rein ins Vergnügen. Während eine musikalisch umrahmte Einführungsveranstaltung die Neulinge einstimmt, wird schon lebhaft gelauscht, gelernt und diskutiert.
Die Organisatoren haben sich wieder mal selbst übertroffen! Das Programm ist so vielfältig, dass es wirklich schwer fällt, sich für jeweils eine Veranstaltung pro Zeit zu entscheiden, und viele der Dozenten sind schon von vorigen Jahren bekannt und beliebt, so dass man allein schon auf Grund des Dozenten eine Entscheidung trifft. Die Kurse und Veranstaltungen in den Kategorien „Religion“, „Geschichte“, „Literatur/Kunst/Musik“, „Gesellschaft“, „Politik/Israel“ und „Ethik/Philosophie“ sind jeweils gut besucht. Interessenten, die des Deutschen nicht mächtig sind, finden eine große Auswahl an Shiurim in Englisch und Russisch, und die Dolmetscher der letzten Jahre sind auch wieder im vollen Einsatz.

Und was für Leute trifft man hier so? Alle Sorten!
Die bunte Mischung aus dem ganzen Spektrum jüdischen Lebens ist ein ganz besonders prägendes Merkmal von Limmud. Von orthodoxer Seite hörte ich schon wiederholt, dass Limmud ja eine liberale Veranstaltung sei, und dass man da lieber nicht hingehen sollte, weil man da sowieso nichts lerne, oder jedenfalls wenn dann nicht das „Richtige“. Das scheint diejenigen Orhodoxen, die hier her gefunden haben, nicht abgeschreckt zu haben, und entspricht auch keineswegs der Realität. Ohne hier eine Diskussion des ewigen Konflikts auslösen zu wollen: Limmud ist wirklich für alle da, und in der Durchführung (Kashrut, Schabbat) möglicherweise sogar deutlich orthodoxer, als manche das aus ihrem täglichen Leben kennen. Und so sind hier eben alle richtig, sowohl die Damen mit Hüten, Scheitels und langen Röcken, als auch die Mädels in hot pants und die Frauen mit Kippa. Und natürlich entsprechende männliche Äquivalente. Nur so kann ein lebendiger Dialog zwischen den Welten entstehen!

Jetzt noch schnell auf dem Weg zum Caf am Shuk vorbei (Bücher, Gummibärchen, Krimskrams), und dann ist auch schon Zeit für den nächsten Workshop!