Frauen gründlich entfernt

Dieser Ausschnitt aus dem charejdischen Blatt (in jiddischer Sprache) Der Tzaitung ging nicht nur um die jüdische Welt (ursprünglich kam die Nachricht wohl von hier):

Die Redaktion hatte Frau Clinton und eine weitere weibliche Person aus dem Bild gephotoshopped, damit männliche Leser des Blattes nicht durch Abbildungen von Frauen belästigt werden. Was in diesem Spektrum der religiösen Strömungen übrigens keine Seltenheit ist. HaModia beispielsweise bildet grundsätzlich keine Frauen ab.
Bei mir warf es die Frage auf, ob die Bildredaktion dieser Zeitungen wohl einen Bild-Redaktions-Goj (analog zum Schabbes-Goj) beschäftigt, der die Bilder vorsortiert und sich damit beschäftigen darf?

Seit kurzer Zeit ist das kein Problem mehr, denn hasidicphotoshop.com übernimmt das jetzt:

So wie bei dem, oben gezeigten, Bild der Hochzeit des Jahres. Jetzt aber fit für die Veröffentlichung in Der Tzaitung. hasidicphotoshop.com hat noch zahlreiche andere Bilder auf Lager, bei denen die Frauen gründlichst entfernt wurden.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, der Anblick von Frauen ist für manchen Mann wirklich scheinbar schier nicht zu ertragen. 😀 Fragt man eigentlich mal uns Frauen, ob der Anblick mancher Männer in Zeitungen uns vielleicht belästigen? Ist ja nur eine Frage. 😀

    Man fragt sich, wohin solche Auswüchse noch hinführen sollen?

    Antworten

  2. In Orwells „1984“ gab es das Wahrheitsministerium…

    Fairerweise muss man sagen, dass diese radikale Desexualisierung des oeffentlichen Raums edlen Zwecken dient, naemlich u.a. die Stabilitaet von Familien zu schuetzen. Gemessen an gewissen Indikatoren (z. B. Scheidungsrate) mit einigem Erfolg.

    Antworten

  3. Ich denke, die haben das Problem erst, seit sie Bilder in ihre Zeitungen tun. Aber bei den Chareidim ist das STandart. Die ganz fanatischen haben auch keine gezeichnete Mädchen in den Kinder-Geschichten, die etwas lockereren lassen gezeichnete Mädchen in Kindergeschichten zu und verbieten eine Handtaschen tragende Frau bei der Handtaschen-Reklame.

    Die Reaktion von Colbert gefällt mir sehr: Yeshive-Bochrim müssen doch denken, dass jeder leere Fleck auf dem Bild eine wegretouchierte Frau sein könnte, daher lieben sie nicht Unterwäsche-Kataloge, wie andere Jugendliche, sondern Innen-Architektur-Zeitschriften, wo es so viel leeren Raum gibt, der der Fantasie alle Möglichkeiten offen lässt.
    Das war einfach süss…

    Antworten

  4. Pingback: Blogvorstellung 6: Chajms Sicht | basic

  5. Moishe, glaubst du wirklich, nur weil Männer keine Frauen sehen, sinkt die Scheidungsrate? Ich finde das Bild was hier von Männern gezeichnet wird, schrecklich. Als würde sie am liebsten über andere Frauen herfallen, wenn sie nur eine sehen und sich scheiden lassen, wenn sie Frauen auch nur ansehen.

    Antworten

  6. @Chajm, Yael:
    Natürlich vermute auch ich, dass der Beitrag dieser Einzelmassnahme zum angestrebten Ziel eher bescheiden ausfällt. Man sollte es im Kontext des ganzen Massnahmenkatalogs sehen.
    Bzgl Selbstbeherrschung von Männern: Ich sage nur „Berlusconi, Strauss-Kahn, Schwarzenegger…“
    Wer die charejdische Presse verfolgt wird feststellen, dass der Konsum von „inadequate material“ ein ernstes und wachsendes Problem darstellt. Medienerziehung findet naturgemäss eher nicht statt…

    Antworten

  7. @Fritzbe Da hat er Recht. Niemand kauft wegen eines Brötchens die Bäckerei?

    @Yanke Moishe Ja, es gibt im Zuge dieser ganzen Tzniut-Sache eine Reihe von Regeln.
    Ich halte jedoch das Zurückdrängen von Frauen aus dem öffentlichen Sichtfeld nicht für die beste Lösung – ich meine, selbst in Frauen-Magazinen sind keine Frauen mehr abgebildet! Zwangsläufig wird es dazu führen, dass man Frauen zuhause behält, oder die Burka-Lösung für sich entdeckt (ist ja bereits passiert). Die Schwelle wird zwangsläufig immer weiter abgesenkt. Man sollte fairerweise sagen, dass wir da über eine kleine Gruppe diskutieren, die jedoch wächst und natürlich ihre Observanz auch von anderen verlangt.

    Antworten

  8. „Zwangsläufig wird es dazu führen, dass man Frauen zuhause behält“
    Nette Theorie, aber in der Realitaet geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung. Frauen in der frummen Welt gehen zunehmend arbeiten. (Was natuerlich auch damit zusammenhaengt, dass mehr Maenner vollzeit lernen.)

    „… Tiger im Käfig…“: Es gibt wohl einen Trend, halachische Normen zunehmend am „worst case scenario“ zu orientieren. Nach dem Motto: kein Preis ist uns zu hoch, X zu verhindern, selbst wenn die Eintrittswahrscheintlichkeit fuer X eher gering ist.

    Antworten

  9. @Yankel Moishe
    Zum Punkt Erwerbstätigkeit von Frauen: Dann sehe ich da demnächst/aktuell konkurrierende Interessen. Evtl. können Frauen ja im reinen Frauenumfeld arbeiten 😉

    Zum Tigerpunkt: Dann sollte man die Megillat Esther besser sofort verbieten. Da geht es um eine Frau und Sexualität.

    Antworten

  10. „Es soll auch ein paar Männer geben, die den Tiger im Käfig halten können“

    Na eben. Das alles klingt so, als könnten das die Haredim nicht, deswegen ist das Männerbild dort erschreckend, ebenso das Frauenbild, die unbewusst nur Männer verführen wollen.

    Antworten

  11. Es tut mir leid, aber das Entfernen von Frauen aus Bildern oder auch das nicht Betrachten von Frauen durch Augenniederschlagen empfinde ich als Übertretung oder Mißachtung einer Mitzveh! Frauen sind Geschöpfe Adoshems, die er wohl mit weiser Absicht so schön geschaffen hat, dass wir uns an ihrem Anblick erquicken. Tzniut ist in diesem Fall für mich auch kein entschuldigendes Argument, denn Tzniut findet nicht durch das Entfernen oder Verhüllen des Begierde erweckenden Objektes statt, sondern im Kopf des Betrachters. Wer mit schöner Weiblichkeit nicht umgehen kann, sollte dann wohl lieber so konsequent sein, ein Eremitendasein in der Wüste zu führen, statt Frauen so zu diskriminieren.

    Antworten

  12. … Es tut mir leid, aber das Entfernen von Frauen aus Bildern oder auch das nicht Betrachten von Frauen durch Augenniederschlagen empfinde ich als Übertretung oder Mißachtung einer Mitzveh! …

    @SG:
    mag sein, dass das so ist, gleichwohl würde ich es gar nicht auf diese Ebene heben wollen! Es reicht doch in dem Zusammenhang völlig aus, zu sagen, „so etwas ist totaler Schrott“ (das könnte man natürlich auch noch deutlicher formulieren)! Und das Elegante an diesem simplen Ansatz wäre, dazu braucht man schlussendlich nicht einmal an Hashem zu glauben – stimmts? 🙂

    Shalom

    Miles

    Antworten

  13. Pingback: Chajms Sicht » Der Blatt schlgt wieder zu

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.