Der Islam mit antisemitischem Fundament

Böse Zungen behaupten, ich hätte mit einem Glas Wein auf die Nachricht reagiert, dass Frau Brocke die Einrichtung Alte Synagoge Essen verlassen würde. So ist es natürlich nicht. Ich habe den Korken einer Sektflasche knallen lassen. Jetzt konnte eine andere Richtung eingeschlagen werden. Die Stadt Essen wollte ein Haus jüdischer Kultur aus dem Haus machen. Wenn man im Ruhrgebiet lebt, hat man große Erwartungen an einen solchen Titel.
Natürlich kommt es immer anders als man denkt und der Kurs, den Frau Brocke eingeschlagen hat, geht irgendwie nun doch weiter. Unter dem kommissarischen Leiter Dr. Schwiderwoski (der die Amtsgeschäfte führt, bis der neue Leiter Dr. Uri Kaufmann im September seine Arbeit aufnimmt) macht das Haus nach dem Personalwechsel nicht mit einem inhaltlich jüdischen Thema Furore, sondern indem man gegen etwas ist. Die Beschäftigung mit Antisemitismus ist übrigens kein jüdisches Thema, es sollte eigentlich Thema der Gesamtgesellschaft sein.

So kündigte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Essen einen Vortrag von Chaim Noll im Haus Jüdischer Kultur an, der zunächst unter der Überschrift Antisemitismus heute daherkommt. Das klingt zunächst nach einem Standardthema einer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und für die Alte Synagoge mit altem Profil ohnehin. Der kurze Text der Ankündigung kommt jedoch weniger verschlafen daher:

Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür liefert die im Gaza-Streifen herrschende Organisation Hamas in ihrer Charta. Judenhass wird auf den Staat Israel übertragen, dessen Zerstörung das erklärte Ziel dieser Bewegung ist. Von hier


Fundamentale Rolle bedeutet: Es ist Basis (Fundament) des Islam, ja eine tragende Eigenschaft dieser Religion. Mit dieser Behauptung hat man bereits einen Großteil der Dinge getan, welche die Hamas bezwecken will: Eine Umdeutung des Islams in ihrem Sinne. Tatsächlich können wir das heute nicht feststellen. Es gibt muslimischen Antisemitismus, über den man reden muss (!), aber man muss ihn auch vernünftig kontextualisieren, weil man ansonsten am Thema vorbeiredet und diejenigen aus dem Boot wirft, auf deren Hilfe man setzen sollte: All derjenigen Muslime, die das anders sehen. Die sind noch immer in der Mehrheit, die Minderheit ist aber laut genug, um sich Gehör zu verschaffen. Das Problem des muslimischen Antisemitismus heute, ist Teil einer Jugendkultur. Genährt durch die Propagandasendungen aus den Heimatländern der Eltern oder Großeltern (siehe die antisemitische Maus im Kinderprogramm der Hamas) und eine politische Bewegung, die den Antisemitismus als Werkzeug für ihre Zwecke verwendet und ein recht simples Bild, dass dort vom Islam gezeichnet werden muss (wir sind toll, die anderen Schmutz). Hinzu kommt die Tatsache, dass die Träger dieses Antisemitismus im Allgemeinen kein besonders differenziertes Weltbild haben. Es sind sicher keine Koranexegeten allererster Güte, die sich auf irgendeine Art von Auslegungstradition berufen.

Kleine, weniger gravierende, Analogie: Man stelle sich vor, ein nichtjüdischer Wissenschaftler behauptet, Sexualität sei im Judentum im Grunde genommen verpönt und beruft sich dabei auf die Auslegung charejdischer Rabbiner zu dem Thema.

Jedenfalls startet aber die erste Veranstaltung unter der Ägide des temporären Leiters des Hauses, unter dieser Prämisse: Der Islam ist im Fundament antisemitisch. Das freut alle diejenigen, die es schon immer gewusst haben wollen. Für alle anderen ist eine Katastrophe, dass die Stadt Essen und ihr Haus Jüdischer Kultur diese Botschaft als erstes aussendet. An einen Dialog ist danach wohl kaum noch zu denken. Da spielt es eine kleine Rolle, ob Noll dies hinterher so in seinem Vortrag behaupten wird.

Der lokale Skandal ist jedoch perfekt, auch weil Muhammet Balaban, Sprecher der Kommission für Islam und Moscheen in Essen, einen (sehr unbeholfenen) Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Essen schrieb, in welchem er sich gegen die Veranstaltung ausspricht:

Hier wird ein geschichtlicher Hergang dermaßen missbraucht, dass die Vermutung nahe liegt, es sollten bewusst Mißtrauen, Diskriminierung und sogar Anstiftung zu Feindseligkeiten in unserer Gesellschaft gesät, in dem die Muslime wieder zur Zielscheibe gemacht werden. Dokumentiert hier

Weiter schreibt er

Die Einladung enthält Angriffe auf den Propheten Hz. Mohammed und Koran sowie auf alle Muslime derart, die die Gen-These von Sarrazin nicht vermissen lassen.

Vielleicht wäre es günstiger gewesen, dies ein wenig distanzierter zu formulieren, dennoch reagierte Essens Oberbürgermeister Paß und teilte mit, er hoffe dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht als dies bisher der Fall war (zitiert nach den Ruhrbaronen) und damit ist Skandal auf dem Tisch (Die Nachrichtenseite Der Westen berichtet). Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Karl Klein-Rusteberg, wertet das Aufbegehren gegen die Veranstaltung als Angriff auf die Meinungsfreiheit:

Warum soll es sich eine soeben als europäische Kulturhauptstadt verabschiedete Kommune nicht leisten können, einer ihrer bedeutenden Einrichtungen schlicht die Freiheit zu geben, nicht dem mainstream der Mehrheitsgesellschaft zu entsprechen? []
Der einzig mögliche Grund, diese Freiheit von Seiten der politisch Stadtverantwortlichen einzuschränken (und genau das ist die Absicht der Kommission für Islam und Moscheen in Essen) ist die Absicht, sich nicht öffentlich kritisch mit diesen Anfragen auseinandersetzen zu wollen. Von hier

Man könnte dies nun auch so verstehen, dass Meinungsfreiheit in erster Linie bedeutet, dass man alles behaupten kann, was man will ohne auf Gegenargumente eingehen zu müssen. Das ist dann natürlich kein Dialog mehr und führt zu nichts. Dr. Uri Kaufmann hat sich bisher in der Öffentlichkeit dazu nicht geäußert. Im Hinblick auf den Amtsantritt vier Monate nach den Geschehnissen, vielleicht auch verständlich.

Update:
Schrieb ich oben noch

Da spielt es eine kleine Rolle, ob Noll dies hinterher so in seinem Vortrag behaupten wird.

da werde ich durch die Presse (derwesten) korrigiert:

Er scheute sich aber auch nicht vor Aussagen, die Teile des Publikums als pure Provokation empfanden. So bezeichnete Noll den Koran als ein judenfeindliches Buch, den Abzug der Israelis aus dem Gazastreifen als einen Fehler. von hier

Yael hat freundlicherweise auf den Bericht hingewiesen, vielen Dank!

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

40 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. So kann man eine nötige Diskussion schon von Anfang an abwürgen. Obwohl man natürlich drüber streiten kann. Antijudaismus, Antisemitismus vs. gibt es natürlich auch in der Geschichte des Islam. Das ist aber die beste Methode nicht seriös darüber zu diskutieren. Schade eigentlich!

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  2. Hanno Loewy hat im jüdischen Museum Hohenems mal eine interessante Ausstellung über Türken in Hohenems in den 70er Jahren gemacht, und damit Parallelen gezogen: Antisemitismus, als es in Hohenems Juden gab, Anti-Islamismus heute, wo es dort keine Juden mehr gibt.

    Ich stelle fest, dass einige christilich-fundamentalistische und rechte Kreise in Deutschland ihren Anti-Islamismus bzw. ihre Ausländerfeindlichkeit gerne unter dem Feigenblatt der Israel-Freundlichkeit und des Anti-Antisemitismus verdecken. Ich weiss nicht wie zahlreich diese Leute sind, aber auf deutsch-sprachigen Israel-Blogs sind sie sehr klebrig: sie posten viel, auch oft sehr extreme anti-Islam Ansichten. Mich stört das sehr. Man soll sich von solchen Leuten nicht vereinnahmen lassen.

    Leider gibt es auch in Israel eine Anti-Islamische Rechte und die lassen sich die Unterstützung von diesen Kreisen gerne gefallen. Schade

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  3. Tja, sollen sich Chaim Noll und Muhammet Balaban doch zusammentun und eine gemeinsame Veranstaltung ” Undifferenzierte und unnötig verallgemeinernde Fundamentalisten aller Weltanschauungen und Religionen vereinigt Euch!” im Essener Dom auf die Beine stellen!

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  4. Herr Balaban stellt in seinem offenen Brief auch die Bemühungen zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen dar. Man muss nur bis zu Seite 4 des 5-seitigen Briefes kommen. Ich denke, er gehört zu der Mehrheit der Muslime, die für Verständigung sind. Nur wird es ihm auch nicht ganz leicht gemacht. Haben Sie die unsäglichen Beschimpfungen und Hetzkommentare auf http://www.derwesten.de gegen ihn gelesen? Die schlimmsten sind mittlerweile wieder gelöscht worden. …

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  5. @Olaf Swillus Ja, macht er, begrüßenswert ist ausdrücklich dafür gesorgt zu haben, dass die salafistischen Internetprediger keine Plattform erhalten. Die Beschimpfungen habe ich zur Kenntnis genommen, allerdings nicht en detail gelesen (was eine ganz schöne Zumutung wäre).
    Allerdings sollte sich Herr Balaban vielleicht besser demnächst beraten lassen? Der Ton des Briefes und die Argumentation sind wenig zweckmäßig.

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  6. Chajm, Sie schreiben: “Allerdings sollte sich Herr Balaban vielleicht besser demnächst beraten lassen?” Sicher. Im nachhinein hätte auch ich manchen Brief besser, diplomatischer, verständlicher, usw. schreiben können – Wer hat nicht ab und zu guten Rat nötig? Man könnte meinen, dass nur untätige Menschen keine Fehler machen, was allerdings ein Trugschluss ist, denn der größte Fehler, den man wohl im Leben machen kann, ist, feherfrei zu sein. Am Ende zählen aber nicht die Rechtschreibfehler oder Formulierungen eines einzelnen Briefes, sondern der Gesamteindruck. Und Herr Balaban ist in Essen ein wichtiges Bindeglied zwischen Politik und den Menschen geworden, die er im Integrationsrat vertritt. Er ist einer von den Guten, das wollte ich nur sagen und für ihn eine Lanze brechen.
    Schauen Sie z.B. hier:
    http://www.essen-stellt-sich-quer.de/index.php/Eq:EProNRW/20100326/auf
    Da spricht Herr Balaban auf einer Gegenkundgebung zu der rechtsextremen und fremdenfeindlichen “ProNRW”-Partei.

    Zitat – Balaban – Anfang:

    Der Anlass dieser Aktion ist zwar zu bedauern, auf der anderen Seite aber zeigt er uns, dass hier alle demokratischen Teile der Gesellschaft zusammenhalten. Dies gibt uns die Gelegenheit, noch mehr zusammenzurücken und unsere Gemeinsamkeiten zu bündeln. Wir zeigen heute hier aus Katernberg der ganzen Welt: Deutschland steht zu seinen Moscheen! Die Menschen, die keine Religionszugehörigkeit haben, glauben, dass Glaube ein Menschenrecht ist, sind heute unter uns. Die Menschen des jüdischen Glaubens sind hier unter uns. Die Menschen des christlichen Glaubens sind heute unter uns. Und die Menschen des muslimischen Glaubens sind heute unter uns.

    Wer sind denn da die Leute auf der anderen Seite? Diese Gruppe, die sich Pro NRW nennt, sind in Wirklichkeit für keine Demokratie, für keine Gleichberechtigung und für keine Menschenrechte. Sie kennen nur Hass, Feindbilder, Angst und Panikmacherei. Sie wollen die Menschen verunsichern, polarisieren und aufeinanderhetzen. Damit gefährden sie unsere Demokratie und das Image Deutschlands – weltweit.

    Unser Land braucht Frieden. Im gegenseitigen Respekt, im Dialog miteinander wollen wir weiterhin an unserer gemeinsamen Zukunft bauen. Synagogen, Kirchen und Moscheen sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Die Verfassung und die demokratische Grundordnung sind unsere Fundamente an denen wir niemals rütteln lassen werden.

    Zitat – Balaban – Ende.

    Auch das ist Herr Balaban. Den guten Rat will ich ihm übrigens gerne übermitteln. Seinen Brief haben Sie ja oben in dem Beitrag schon neu geschrieben. Ich glaube Ihr Beitrag geht in die gleiche Richtung, indem er die Behauptung einer “fundamentalen Rolle” des Antisemitismus im Islam kritisiert.

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  7. Ach, und noch etwas. In dem Beitrag oben schreiben Sie:
    “Die Beschäftigung mit Antisemitismus ist übrigens kein jüdisches Thema, es sollte eigentlich Thema der Gesamtgesellschaft sein.”
    Das ist ein sehr guter und wahrer Satz. Und besser noch als nur akademisch darüber zu diskutieren, ist auch etwas dagegen zu tun:

    Wie hier z.B.: Siehe Flugblatt zur Mahnwache am 19.5.2011
    http://www.essen-stellt-sich-quer.de/images/e/ef/Eq-Mhanw20110519.pdf
    gegen die Schändung des Jüdischen Friedhofs vergangenen Monat.

    Zitat aus diesem Flugblatt:

    Wir sind schockiert. Kommen Sie mit uns zur Mahnwache vor dem jüdischen Friedhof in Huttrop!

    Donnerstag, 19. Mai, 18.00 Uhr Steeler Straße/Ecke Knaudtstraße (Straßenbahn-Haltestelle Parkfriedhof)
    … (viel Text ausgelassen ) …
    Wir wollen nicht dulden, dass sich neonazistisches Treiben zur Normalität in unserer Stadt einpendelt. Kommen Sie zur Mahnwache vor dem jüdischen Friedhof in Huttrop.

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  8. Über das Donnerstagsgespräch in der Alten Synagoge am 12.Mai 2011, habe ich in http://www.derwesten.de geschrieben.

    Zitat —
    Gegen Abschluss der Veranstaltung gab es Menschentrauben, viele Diskussionen. Visitenkarten oder Adressen wurden ausgetauscht. Herr Schwiderowski hatte Mühe die Menschen aus dem Haus zu bitten.

    Beim Schreiben auf http://www.derwesten.de habe ich übrigens eine amüsante Entdeckung gemacht: Chaim Noll verwendet in seinen Pubikationen Worte die von http://www.derwesten.de automatisch durch Sternchen ersetzt werden. Das Wort, bei dem mir das aufgefallen ist, heißt übrigens Islamisierung.

    Mehr dazu:
    http://www.derwesten.de/staedte/essen/Linke-fuer-sachliche-Debatte-zwischen-Muslimen-und-Alter-Synagoge-in-Essen-id4633888.html#1715239
    oder falls mein Kommentar in derwesten.de den Blick des Moderators nicht überlebt, gibt es hier die Kopie davon:
    http://www.linksdiagonal.de/2011/05/13/freies-wort-und-freie-offentlichkeit-gehoren-zusammen/

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  9. Yael, Sie fragen: “Sind Sie bei der DKP, der Linken oder engagieren sich dort?” Und ich frage zurück, warum Ihnen das in diesem Zusammenhang so wichtig ist? Was für Schlußfolgerungen würden Sie aus meiner Mitgliedschaft bei einer dieser politischen Parteien ziehen? In welche Schublade würden Sie mich dann stecken? Bevor ich Ihnen das erzähle möchte ich Ihnen daher erzählen, dass mir vorallem mein Engagement beim Essener Antirassismustelefon sehr wichtig ist: http://www.antirassismus-telefon.de/index.php/Hauptseite
    und das ist eine parteiunabhängige Institution, bei der ich seit der Gründung 1994 engagiert bin, lange bevor ich mich entschloß Mitglied einer Partei zu werden, weil ich nicht nur als Wähler Politik auswählen wollte, sondern auch Einfluss auf die Aufstellung von Kandidaten nehmen wollte und Politik mitgestalten wollte. Hier will ich aber hier keine Parteipolitik vertreten. Im Gegenteil. Die Partei in der ich Mitglied geworden bin ist, ist wie jede andere Partei oder menschliche Gemeinschaft nicht ohne Fehl und Tadel. Darüber will ich aber jetzt nicht sprechen.

    Dazu eine kleine Anekdote:

    Beim einem Infostand des Antirassismustelefons wurden wir einmal gefragt, ob wir etwas mit Parteien zu tun hätten. Mein Kollege, der keiner Partei angehört, zeigte auf mich und sagte: “Der Olaf zum Beispiel ist Mitglied bei der LINKEN. Merkt man ihm aber gar nicht an. Der läuft nicht ständig mit ‘ner roten Fahne rum. Ich z.B bin parteilos. Andere sympathieren eher mit den GRÜNEN. Das Antirassismus-Telefon ist also parteiunabgängig und möchte mit allen auch allen Parteien zusammenarbeiten, die etwas gegen Fremdenfeindlichkeit und die Spaltung in der Gesellschaft tun wollen.”

    Tatsächlich war ich auch schon mal bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Ausländische Mitbürger der CDU.
    Hier ein Bericht: Das war 1995: http://blog.swiola.de/1995/10/23/menschen-die-sich-falsch-verhalten-als-menschen-sehen/

    Eine ähnlich turbulente Veranstaltung wie gestern in der Alten Synagoge, weil diejenigen über die geredet wurde, zufällig einmal anwesend waren:

    — Zitat aus diesem Bericht, Freitag, den 20. Oktober 1995 —

    Ein Herr aus dem Publikum meldete sich und machte wahr, wovon Soylemez geredet hatte: Vorurteile zu erzählen. Ein Einzelfall von ruhestörenden Libanesen, den er vor vielen Jahren erlebt hatte, kam auf die Tagesordnung. Sich gegen Ausländer zu wehren, die sich falsch verhalten, werde als Ausländerfeindlichkeit abgestempelt, damit sei er gar nicht einverstanden. Aufgeregte Diskussionsbeiträge von vielen anderen. Eine Frau sagte das sei ein menschliches, kein nationales Problem. Wenn man Beispiele zu einer bestimmten Volksgruppe bringe, sollte man auch immer Gegenbeispiele nennen. Ein Ausländer meinte, er sei von Deutschen zusammengeschlagen worden, und er würde auch nicht verallgemeinern.

    Diese Diskussion wurde vom Podium etwas abgeblockt, aber im Publikum immer wieder aufgegriffen. Eine Frau, die sich als Mitarbeiterin des Zentrums für Türkeistudien zu erkennen gab, griff das Thema wieder auf und sagte, man müsse dazu kommen, Menschen die sich falsch verhalten als Menschen zu sehen und nicht als Angehörige einer Volksgruppe. Sie zeigte Verständnis für den Herrn, der sich als Ausländerfeind abgestempelt fühlte.

    — Zitat Ende —

    Und noch etwas fällt mir in diesem Zusammenhang ein:

    “Verallgemeinerung ist die Mutter der Feindseligkeit.
    Differenzierung ist die Mutter des Friedens”

    Ein schöner Satz. Und Zutreffend. Er stammt nicht aus dem Koran, nicht aus der Thora, oder irgend einer anderen “heiligen” Schrift.

    Batya Gur, die israelische Schriftstellerin, hat ihn geschrieben.

    Gelesen hatte ich ihn in der Jüdischen Zeitung, die ich mir am Bahnhof gekauft hatte, und die diesen Satz zitierte. Mich macht das neugierig: Wer ist Batya Gur ?

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  10. Gerade entdeckt:
    http://lernen-aus-der-geschichte.de/Online-Lernen/content/9143
    Interview mit Irene Runge: Jüdisches Leben in der DDR
    Irene Runge war wie Chaim Noll in der DDR aufgewachsen. Aber sehr verschiedene Lebenswege.

    Und: http://www.freitag.de/2005/09/05091901.php
    In Irene Runge, Mitbegründerin des jüdischen Kulturvereins Berlin, brennt das Wort “fremd”. Sie tritt für Solidarität zwischen Juden und Moslems ein

    “Antisemitismus und Islamophobie scheinen zunehmend die zwei Seiten einer Medaille zu sein”, schreiben sie. Sie werfen Politikern und Medien eine “selbstgefällige Polemik” vor, “die den Islam und mit ihm die gesamte muslimische Gemeinschaft zur verdeckt sprudelnden Quelle jenes extremistischen Terrors erklärt, der gerade gegen unser Volk gerichtet ist.”

    Die solidarische Jüdin ist vielen Muslimen längst bekannt. Seit dem 11. September 2001, seit der “Kampf der Kulturen” in Talkshows, Büchern und Magazinen heraufbeschworen wird, festigt der Jüdische Kulturverein die Beziehungen zu vielen Migrantenvereinen, darunter muslimische Organisationen.

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  11. Yael, den Artikel hatte ich gelesen, und mich gefragt, ob der Autor bei der gleichen Veranstaltung war wie ich. Es gibt übrigens in anderen Zeitungen weitere Artikel zu dem Thema, die nicht online auf derwesten.de gegangen sind. Ich werde sie mal abfotografieren und dokumententieren:

    In dem Artikel steht der Satz:
    “Der Judenhass im Islam ist ganz offensichtlich ein gesellschaftspolitisches Reizthema”

    Dazu:
    Seit vor vielen Jahren libanesische Jugendliche in Essen bei einer Demonstration wegen irgendeines Krieges im Nahen Osten (ich weiss nicht mehr worum es da gerade ging) die Alte Synagoge als Adressaten nahmen und Steine hinein warfen, was schlimm und verurteilenswert ist, – begann die Leitung der Alten Synagoge immer wieder “islamkritische” Vorträge einzuladen. Chaim Noll war der letzte in dieser Reihe, aber es war schon Islam-“Kritiker” Günther Lachmann mit seinem Anti-Islam-Buch “Tödliche Toleranz: Die Muslime und unsere offene Gesellschaft” zu Gast in der Alten Synagoge und Thilo Sarrazin hätte auch ganz gut in diese Reihe gepasst.

    Bei dem Chaim Noll – Vortrag war ich ja da, und hatte ja auch einen Bericht darüber geschrieben. Aber ich hatte vergessen zu erwähnen, dass jemand aus dem Publikum zu den zahlreich vertretenen Moslems sagte, sie würden sich hier in der Diskussion freundlich verhalten aber sobald sie nicht mehr hier diskutierten, dem Terror zuarbeiten. Diese verletzende und Hass säende Unterstellung blieb ohne Reaktion durch den Referenten oder die Veranstalter. Chain Noll setzte nur fort, – ohne eine Korrektur dieser Meinung, dass der Koran extrem judenfeindlich sei. Das fand ich doch sehr ärgerlich.

    Und was heißt denn das: “Islam ist judenfeindlich” Es sind doch immer konkrete Menschen die Feindschaften haben (z.B. die steinewerfenden libanesischen Jugendlichen). Was im Koran steht, muss immer aus der Zeit verstanden werden. Das darf man nicht aus dem historischen Kontext nehmen. Genau das hat Chaim Noll aber die ganze Zeit getan.

    Und jetzt mal eine kleine Rate-Aufgabe:

    http://www.derwesten.de/kultur/literatur/Ueber-das-Boese-in-uns-id4652121.html

    Worum geht es in diesem Artikel, und in den vorgestellten Büchern?

    Dreimal dürfen Sie raten. Es geht um den Islam.
    Der Kommentar den ich unter diesen Beitrag gesetzt hatte, ist
    “[von Moderation editiert]” und verstümmelt worden, denn ihm fehlt jetzt das Wichtigste, nämlich der Link zu dem Ton-Mittschnitt des Vortrags von Bülent Ucar.

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  12. @Olaf Swillus Zum Steinewerfen: Das war nicht nur einmal der Fall. Das geschah 1994 und 2000 erneut. Wir sollten das nicht kleiner reden als es ist. Das wäre der falsche Ansatz.
    Ausgerechnet in Essen hatte ja eine städtische Angestellte, die aus dem Libanon stammte, Pamphlete über den Holocaust im Libanon an Broschüren ihrer Dienststelle geheftet. Da kommt einiges zusammen, was man nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme bezeichnen kann.
    Trotzdem denke ich, dass dies mit der Haltung der Verantwortlichen nichts zu tun hat – auch wenn das eine einfache und plausible Annahme wäre.

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  13. Ich will hier nicht über den Islam reden. Kleiner reden macht das Problem des islamischen Antisemitismus nicht besser. Im Gegenteil, es sind natürlich immer die Menschen, die dahinter stehen, aber das der Antisemitismus bei Moslems gravierend ist, der bis zu körperlichen Attacken geht (in Berlin erst am WE wieder) muss man thematisieren und zwar müssen das vor allem auch Moslems tun, denn der Judenhass kommt nicht von ungefähr, die jahrelange Propaganda gegen Israel und Juden entfaltet jetzt seine ganze Wirkung.
    Der Islam muss es aushalten, dass man sich damit kritisch auseinandersetzt und das wollen die Verantwortlichen in Deutschland nicht haben, aber wir leben hier nicht in einem islamischen Staat, der verbieten kann was er will, wie es sich manche gern wünschen.

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  14. @Yael

    Der Islam muss es aushalten, dass man sich damit kritisch auseinandersetzt und das wollen die Verantwortlichen in Deutschland nicht haben, aber wir leben hier nicht in einem islamischen Staat, der verbieten kann was er will, wie es sich manche gern wünschen.

    Nun wird schwierig, der Islam ist keine Person. Aber die Muslime müssen das auf jeden Fall aushalten. Aber wenn sie einstecken, dürfen sie aber auch austeilen. So einfach!

    Was ist daran Kritik das Noll dem Islam unterstellt, das sein Fundament antisemitisch sei? Das ist die beste Methode eine kritische Auseinandersetzung zu verhindern. Zumal Noll nicht sichtlich viel vom Islam und seiner Geschichte versteht. Er tut auch so, als würde sich in der islamischen Geschichte alles nur um Juden drehen. Vielleicht hätte er es gerne so. Wer weiß, vielleicht hängt er ja selbst einer antisemitischen Projektion nach.

    Keiner will Nolls Meinung verbieten, aber anscheinend verstehen solche Leute wie Noll und Co. unter Meinungsfreiheit, das man ihnen nicht widersprechen darf.

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  15. Nun wird schwierig, der Islam ist keine Person.

    Du weißt wie ich das meine.

    Aber wenn sie einstecken, dürfen sie aber auch austeilen.

    Richtig, nur muss man damit rechnen, dass man sich ins eigene Bein schießt, wenn man so reagiert wie Herr.

    Die Einladung enthält Angriffe auf den Propheten Hz. Mohammed und Koran sowie auf alle Muslime derart, die die Gen-These von Sarrazin nicht vermissen lassen.

    So wird das nix und ich kann diesen Quatsch auch nicht mehr lesen, dass man den Koran oder Mohammed nicht kritisieren dürfe.

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  16. @Yael

    So wird das nix und ich kann diesen Quatsch auch nicht mehr lesen, dass man den Koran oder Mohammed nicht kritisieren dürfe.

    In welcher Welt lebst du? Seit Jahren müssen wir uns jeden Tag von Morgens bis Abends Islamkritk anhören. Giordano, Kelek da, Sarrazin, Raddatz usw. Jeden Tag gibt es irgendein Thema zu Integration, Islam, Kopftuch, Koran usw. Jeden Tag müssen wir uns irgendwelchen kackbraune Rotz reinziehen. Und dann stellen sich doch einige in ihrer Tabubrecherischen Attitüde hin und sagen: “Man darf doch noch sagen dürfen…”.

    Das du das Gebrabbel von Noll und Co. auch noch als Kritik verstehst, sagt ja viel aus. Anscheinend ist das Niveau sehr gesenkt worden.
    Da wundert es mich auch nicht, das dann muslimische Akademiker irgendwann auch abhauen ins Ausland, weil ihnen diese rassistisch-islamkritische Dauerbeschallung, die dann auch noch als “ehrbare Islamophobie” präsentiert wird, nicht mehr ertragen können.

    Antworten

  17. Ich wiederhole: Ich kann es nicht mehr lesen, wenn irgend jemand von den Verantwortlichen wie Balaban das immer wieder von sich geben:

    “Die Einladung enthält Angriffe auf den Propheten Hz. Mohammed und Koran sowie auf alle Muslime derart, die die Gen-These von Sarrazin nicht vermissen lassen.”

    Das war mein Punkt und nicht Islamkritik vom wem auch immer. Nirgendwo habe ich gesagt, wie behauptet wird (Noll), judenfeindliche Äußerungen im Koran wären das Fundament dessen. Nichtsdestotrotz gibt es sie.

    “irgendwelchen kackbraune Rotz reinziehen.”

    Das ist natürlich ein Argument. Aber mach dir keine Gedanken, Juden hören sich seit Jahren antisemitischen Dreck hier an.
    Ich habe noch nie vernommen, dass jemand Verantwortliches sagt, Kritik am Judentum enthält Angriffe gegen Moses oder gegen alle Juden.

    “Das du das Gebrabbel von Noll und Co. auch noch als Kritik verstehst, sagt ja viel aus.”

    Wie du hättest merken sollen, geht es mir nicht um Noll oder andere. Ich habe Noll nicht persönlich erlebt, daher kann ich dazu nichts sagen. Mir geht es um die mittlerweile typische Reaktion der Verantwortlichen wie Balaban (siehe oben). Unterstelle mir nicht Dinge, die ich nicht gesagt habe oder die du gern hineinliest.

    “Anscheinend ist das Niveau sehr gesenkt worden.”

    Wenn du meinst, dass deine Antwort auf mich Niveau hat, ist jede Auseinandersetzung obsolet. Ich lasse mich jedoch nicht in eine bestimmte Ecke drängen. Von niemanden! Also rede bitte nicht so mit mir als wäre ich “rassistisch Islamophobisch”.

    Antworten

  18. @all
    Was Noll beweist (er hält nahezu alle seine Arbeiten zu dem Thema online vor) ist vor allem, dass die Hamas sehr effektiv arbeitet und ihre Propaganda ausgezeichnet ist – ich meine – sogar Juden fallen offenbar darauf herein und sehen die direkte Linie vom Koran zur Hamas als einzige Vertretung und Interpretationsinstanz. Klar, da könnte man auch die Neturei Karta als Vertreter des Judentums betrachten.

    Man könnte zunächst auch mal mit Leuten darüber reden, die Ahnung davon haben: http://www.talmud.de/cms/Was_sagt_der_Koran_zum_Ju.39.0.html

    Das scheint mir ein Merkmal von Extremisten zu sein, dass sie zunächst einmal für die gesamte Religion sprechen und alle anderen Mitgläubigen mit anderen Ansichten herabqualifizieren oder ausschließen (die wahren Gläubigen) und jeder (vermeintliche) Angriff gegen dieses Meinungsmonopol ist demnach und folgerichtig ein Angriff auf die gesamte Religion und ihre Symbole. Deshalb sind Anhänger mancher jüdischer Gruppe schnell mit dem Vorwurf des chillul haSchem bei der Hand (beobachtete ich in der vergangenen Woche, jemand dem ein Artikel aus der Jüdischen Allgemeinen nicht passte, warf das der Allgemeinen und dem Autor vor, öffentlich bei Facebook)
    Genau dieses Schema spult aber auch Balaban ab und das kritisierte ich weiter oben auch. Undifferenzierte Pauschalisierungen helfen da im Diskurs nicht weiter. Auch nicht, wenn die selbsternannten Experten keine sind. Das hätte man lieber thematisieren sollen – von Balaban aus. Das Problem liegt aber wohl darin, dass man den Pseudoexperten und den Lauten zu viel Platz einräumt.

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  19. “sehen die direkte Linie vom Koran zur Hamas als einzige Vertretung und Interpretationsinstanz”

    Sicher gibt es die, wie auch überall auch, das kennen wir in Falle des Talmuds ja auch. Und das sehe ich selbstverständlich nicht so. Wer mich kennt, weiß das hoffentlich.

    Danke für den Link.

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  20. @Yael

    Ich wiederhole: Ich kann es nicht mehr lesen, wenn irgend jemand von den Verantwortlichen wie Balaban das immer wieder von sich geben:

    Die Einladung enthält Angriffe auf den Propheten Hz. Mohammed und Koran sowie auf alle Muslime derart, die die Gen-These von Sarrazin nicht vermissen lassen.

    Es gibt also Dinge, die Du nicht mehr hören kannst. Tja dann kannst du Dir ja vorstellen, das ich auch eine Menge nicht mehr hören kann. Und diese Dinge hab ich ja oben geschrieben. Das war noch nicht mal auf Dich bezogen, sondern auf die Situation in der sich solche Dinge wie bei Noll abspielen.
    Warum kannst Du diese Dinge nicht hören? Entweder Balaban hat Unrecht, dann musst du das belegen, das er falsch liegt. Das kann man ja mit Noll nachweisen. Oder er hat Recht und Du kannst es trotzdem nicht mehr hören. Welches von beiden trifft zu? Wie auch immer, Du musst dich dafür dann mit dem Text von Noll auseinandersetzen. Und darum geht es hier. Es reicht einfach nicht zu sagen, das Du das nicht mehr hören kannst. Sollen die Leute jetzt ihre Sorgen und Nöte nicht mehr vorbringen, weil sie bestimme Leute nicht mehr hören können?

    irgendwelchen kackbraune Rotz reinziehen.

    Das ist natürlich ein Argument. Aber mach dir keine Gedanken, Juden hören sich seit Jahren antisemitischen Dreck hier an.
    Ich habe noch nie vernommen, dass jemand Verantwortliches sagt, Kritik am Judentum enthält Angriffe gegen Moses oder gegen alle Juden.

    Gerade weil sich das Juden anhören, hätte ich mehr Empathie erwartet. Chajm hat dies durch einen Beitrag gemacht.

    Eine Judentumkritik wie wir sie hier mit Islamkritik haben gibt es ja auch nicht. Würde in den Medien nur die Hälfte das über das Judentum gesagt, was man über den Islam und die Muslime in letzter Zeit lesen muss, gäbs einen richtigen Aufstand in der Republik.

    Wie du hättest merken sollen, geht es mir nicht um Noll oder andere. Ich habe Noll nicht persönlich erlebt, daher kann ich dazu nichts sagen. Mir geht es um die mittlerweile typische Reaktion der Verantwortlichen wie Balaban (siehe oben). Unterstelle mir nicht Dinge, die ich nicht gesagt habe oder die du gern hineinliest.

    Vielleicht sollte es dir um Noll gehen? Schließlich hat Chajm dazu einen Beitrag gemacht, da hätte ich jetzt ein paar Dinge erwartet, aufgrund der Dinge, die Chajm zitiert oder hinweißt. Man muss den Typen jetzt nicht persönlich kennen.

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  21. Serdara, Yaela
    Seid bitte vorsichtig mit Polemik und behutsam mit Euren Worten, damit der Gesprächsfaden nicht abreist ! (Ich streitsüchtiger, hätte nie gedacht, dass ich mal so einen Appell verfasse 🙂

    Jetzt sitze ich gerade im Büro des Antirassismustelefons, und hatte an Zeitungen, WDR-Fernsehn und Radio, an Südanzeiger, Nordanzeiger usw. eine Pressemitteilung gefaxt.

    Aufruf zur Mahnwache
    gegen Antisemitismus

    Der Runde Tisch für Menschenrechte , gegen Rassismus und Rechtsradikalismus ruft zu einer Mahnwache in der Nähe des jüdischen Friedhofs in Huttrop auf.

    Die Mahnwache wird

    am Donnerstag,
    19. Mai, 18.00 Uhr
    auf der Steeler Straße/Ecke Knaudtstraße

    stattfinden.

    Anlass ist die Schändung von 30 Grabstätten in der Nacht vom 20. auf dem 21. April auf dem jüdischen Friedhof. Diese antisemitische Provokation ist ein Affront gegenüber den jüdischen Bürgern unserer Stadt, die ein solches Treiben in Essen erleben müssen.

    Die Schändung der jüdischen Grabstätten wollen wir nicht schweigend hinnehmen, und nicht wegsehen, wenn braune Horden weiter Rassenhass und Antisemitismus in Essen verbreiten.

    Von den Behörden erwartet der Runde Tisch, dass sie alles daran setzen, die Täter zu ermitteln.

    Und wissen Sie was?
    Ich habe es jetzt auch an Jüdische Gemeinde gefaxt, an die Alte Synagoge, an Bistum und Evangelische Kirche, an die Kommission Islam und Moscheen in Essen , an Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit …

    Und jetzt was Chajm zu den Steinwürfen 1994 und 2000 gegen die Alte Synagoge sagte. 1994 hatte ich nicht mitbekommen. Ich war 1994 gerade, kurz nachdem ich in Essen Arbeit gefunden hatte und deshalb nach Essen umgezogen war, arbeitslos geworden, und andere Probleme als soetwas mitzubekommen. 1994 wurde auch das Essener Antirassismus-Telefon gegründet, wie überall in vielen Städten der Republik. In Solingen war gerade ein Haus mit türkischen Bewohnern in Brand gesetzt worden, und Hoyerswerda, eine bis dahin unbekannte Stadt im Osten Deutschlands machte Schlagzeilen, weil dort ein Flüchtlingsheim von Rechtradikalen und applaudierener Mehrheits-Bevölkerung bedrängt wurde. Dass 1994 dann auch noch Steine auf die Alte Synagoge von wütenden libanesischen Jugendlichen geworfen worden sind, … das war mir leider entgangen.

    Aber an 2000 kann ich mich erinnern.
    Ich weiß noch, dass die damalige Leiterin der Alten Synagoge Entäuschung darüber äusserte, dass Initiativen wie Pro Asyl oder Antirassismus Telefon erst Tage später per Pressemitteilung das Vorgehen dieser Jugendlichen verurteilten. Ihr kam das zu spät. Und das hat sie wohl nie verziehen. Das fiel dann (zufällig oder nicht) zusammen mit dieser Reihe von Veranstaltungen zum Islam, über die ich oben schon geschrieben hatte.
    Aber jetzt frage ich Sie. Hatten die Jugendlichen vorher den Koran gelesen, um dann zu so einen Angriff überzugehen? Ich glaube aber, dass das mit Religion gar nichts zu tun hatte. Wir müssen uns über viele Sachen nicht einig sein, können aber trotzdem gemeinsam solche Angriffe verurteilen wie auch die Schändung des jüdischen Friedhofs vor fast einem Monat. Auf dem Friedhof gibt es auch ein Grabstein für jüdische Essener, die in der Nazizeit in Konzentrationslager deportiert worden sind und nie wieder kamen. Sie bekamen auch in Essen ein Gedenkstein. Und wir sollten alle gemeinsam die Hakenkreuz-Schmierereien verurteilen. Finde ich.

    Dann können wir uns ja wieder über den Koran streiten.
    Ich habe übrigens keine Angst davor den Koran zu kritisieren. Ich habe es bisher nur deshalb nie getan, weil er mich nicht die Bohne interessiert hat. Ich kenne ja noch nicht mal “meine” Bibel richtig. Und ganz sicher bin ich nicht frauenfeindlich oder homosexuellenfeindlich, nur weil es die entsprechenden Bibelstellen gibt. Bülent Ucar kennt sie alle, und hatte sie am vergangenen Sonntag zitiert, nachdem ein Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum Koran-Zitate zitiert hatte. (Er hatte den Spieß umgedreht, aber nicht um zu sagen, dass Christen dumm und gewalttätig seien, sondern um zu sagen, dass man solche Schlüsse auch nicht aus der Koran-Lektüre über Molems machen kann)

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  22. Ich kann mir eine Menge vorstellen, die Moslems nicht mehr hören können. Aber ich will solche Dinge, die niemanden weiterhelfen von einem Balaban auch nicht mehr hören. Mehr als das sage ich hier ja nicht.

    “Eine Judentumkritik wie wir sie hier mit Islamkritik haben gibt es ja auch nicht. ”

    Das mag so sein, weil es öffentlicher ist, aber ich lese sehr viel und gerade in Dtl. muss man sich den größten Blödsinn vom deutschen Michel anhören und das ist nicht marginal. Seit Jahren bin ich auf jüdischen Seiten unterwegs und die Ausmaße des antijüdischen Gequatsches ist schlimmer als der “normale” Bürger mitbekommt.

    “Gerade weil sich das Juden anhören, hätte ich mehr Empathie erwartet. ”

    Den zweiten Teil hast du vergessen:

    “Ich habe noch nie vernommen, dass jemand Verantwortliches sagt, Kritik am Judentum enthält Angriffe gegen Moses oder gegen alle Juden.”

    Das ist der eben Unterschied.

    Ich wiederhole mich aber noch einmal: Nirgendwo wirst du von mir hören, der Koran wäre fundamental antijüdisch wie Noll es behauptet. Mich nervt eben nur die Reaktion Balabans. Warum war er nicht dort, er wurde eingeladen? Wenn es ihm um Verständnis ginge, hätte er dort dagegen protestierst und sich nicht zuerst in der Öffentlichkeit geäußert und sich auch noch Schützenhilfe dieses Bürgermeisters geholt.

    Chajm hat es eben gesagt und das meine auch ich:

    “Genau dieses Schema spult aber auch Balaban ab”

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  23. … die Ausmaße des antijüdischen Gequatsches ist schlimmer als der normale Bürger mitbekommt…

    Natürlich hat Yael damit recht! Die eigentlich spannende Fragestellung ist doch aber, woran denn dieser Antijudaismus nun liegt? Mit dieser Frage quäle ich mich nämlich schon mein ganzes Leben rum. Eine recht überzeugende Antwort dafür liefert übrigens John Zorn (und das macht m.E. auch den Unterschied zum Islam aus): “Der Jude ist immer Ursprung einer doppelten Infragestellung gewesen: der Infragestellung des ‘Selbst’ und der Infragestellung des ‘Anderen. Da ihm nie die Möglichkeit gewährt wird, aufzuhören, jüdisch zu sein, ist er gezwungen, die Frage seiner Identität zu formulieren. Daher ist er von Anbeginn mit dem Diskurs des ‘Anderen’ konfrontiert, und oft hängt sein Leben davon ab. Ein Jude ist jemand, der naiv glaubt, dass er, wenn er selbstlos zu seiner Gastkultur beiträgt, akzeptiert werden wird. Aber Juden sind und bleiben die Außenseiter der Welt. Das ist es, was mich daran anzieht die Kultur des Außenseitertums.
    Also, ich finde mich in dieser Darstellung gut wieder – und ihr?

    Shalom

    Miles

    Antworten

  24. @Miles Antisemitismus oder Antijudaismus?
    Fakt ist, dass Muslime widerrufen können und sich vom Islam distanzieren – sie werden dann gefeiert und derzeit sogar regelrecht hochgefeiert (von der entsprechenden Klientel). Ein Jude, der das Judentum verlässt und bsp. katholisch wird, wird weiterhin als der katholische Jude betrachtet (siehe Kardinal Lustiger unser Mann in der katholischen Kirche), von Juden, wie auch von Nichtjuden.

    Das Zitat finde ich recht passend: Es ist vollkommen gleich, wie selbstlos man etwas beiträgt, es ändert nichts.

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  25. Heute (oder inzwischen gestern ?) fand der Protest und die Mahnung gegen die Schändung jüdischer Gräber in Essen vor einem Monat statt:

    * Einleitung und ein Grußwort vom OB wurde übermittelt.
    Es sprachen
    * Dieter Schermeier * Jörg Kuhlmann * Alice Czyborra
    Jemand spielte Geige und moderiert wurde das Ganze von Walter Wandtke, grüner Ratsherr in Essen.

    Hier das Ereignis in Bild und Ton:
    http://www.linksdiagonal.de/2011/05/20/protest-und-mahnung-gegen-die-schaendung-juedischer-grabstaetten/

    Ich fand den Anlaß natürlich schrecklich, aber gut dass es stattfand. Viele Menschen waren gekommen. Übrigens auch Herr Balaban, von dem hier schon die Rede war.

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  26. Pingback: Noll ist gedanklich noch in Essen | Chajms Sicht

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