Artikel

Der Blatt schlägt zu

Die jiddisch-sprachige Zeitung Der Tzeitung wurde kürzlich dadurch bekannt, dass sie zwei Frauen von einer Fotografie aus dem Weißen Haus, technisch perfekt entfernt hatte (siehe hier). Die Herausgeber der, in Williamsburg erscheinende Zeitung einer Gruppe von Satmarer Chassidim (es gibt noch die Zeitung Der Jid ), Der Blatt schlugen nun auch zu:

Der Blatt

Dieses Mal hat man jedoch das Gesicht von Bejamin Netanjahu geschwärzt. Technisch nicht so sehr sauber. Aus verschiedenen Gründen scheinen die Herausgeber Netanjahu für einen bösen Menschen zu halten, dem man nicht ins Gesicht schauen darf. Der Photoshop-Meister der Hillary Clinton entfernte, war wohl nicht verfügbar; sonst hätte er den Kopf professionell aus dem Bild geschnitten.

Dank an failedmessiah

Artikel

Synagogen als Zeugen der Veränderung – Künstler gesucht

Ppa Synagogue, North Side, Door Detail

Synagogen können Zeugen von demographischen Veränderungen sein. Eine Londoner Synagoge ist heute eine Moschee und spiegelt damit die Veränderung der Bevölkerungsstruktur durch Migration wieder. Derartigen Veränderungen widmet sich ein Projekt für die Stadt Detroit Silent Witnesses: Migration stories through Synagogues Transformed, Rebuilt, or Left Behind. Es ist jedoch nicht auf die Stadt beschränkt. Ziel ist es, eine Ausstellung zu dem Thema auf die Beine zu stellen, in dem das Thema präsentiert wird. Zur Teilnahme sind nun auch internationale Künstler aufgerufen. Wer also eine Geschichte zu Migration, Veränderung und Synagoge zu erzählen hat, sollte sich hier alle Details anschauen.

Artikel

Jüdische Zeit

Hebrew Time

Man sieht sie in einigen Regionen eher selten, aber manchmal stolpert man geradezu darüber. Sie hängt da, wird regelmäßig aktualisiert, und man sorgt dafür, dass sie uns den Tag einteilt. Die Rede ist von einer Tafel mit den halachischen Zeiten, den Zmanim.

Den gesamten Text aus der Reihe Neulich beim Kiddusch, kann man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen lesen hier

Artikel

Spaßbefreit

Videos von religiösen Fanatikern erkennt man stets an ihrer kompletten Spaßbefreitheit und der Absenz jeglicher Selbstironie. In islamistischen Videos spricht meist ein Mann mit imposantem Bart und fuchtelt häufig mit einer Hand und einem ausgestreckten Zeigefinger belehrend im Vordergrund herum.
Wenn andere Personen zu sehen sind, dann schauen die meist grimmig und steif in die Kamera – manchmal sind sie auch verhüllt. Scheinbar lächeln Menschen nicht, die einem gewissen Fundamentalismus frönen – sei er politisch oder religiös.

Ein Rabbi namens Rabbi Levin hat es geschafft, diesen Stil nahezu perfekt zu kopieren. Allerdings sind auf dem Video eine ganze Reihe von Personen zu sehen, die allerdings keinerlei Funktion haben und das Anliegen einfach nur wichtig aussehen lassen:

Bis zum Schluss weiß man nicht, ob das nicht vielleicht doch eine böse Satire ist. Offenbar nicht.

Artikel

Unrein – überholt?


Ist dieses Konzept, welches uns in der aktuellen Paraschah Bechukotaj begegnet, nicht mehr aktuell? Was soll uns das heute bringen?
Der Text für die aktuelle Ausgabe der Jüdische Allgemeinen entstand vor allem, weil ich nicht zum Zilliardsten Male etwas zur Tochechah schreiben wollte. Nicht, dass es zu dem Thema nichts mehr zu sagen gäbe, aber andere Aspekte sind auch interessant, oder sollten auch etwas Aufmerksamkeit erhalten:

Baruch Spinoza und Leo Trotzki, also Lev Davidowitsch Bronstein, haben eines gemeinsam: Über beide wurde der Cherem verhängt, etwas, das wir zunächst einmal als Bann bezeichnen können. Mit dem Cherem hat man Spinoza und Trotzki aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Lange Zeit war der Cherem eines der letzten Mittel gegen Juden, die nach Ansicht des Beit Din dem Judentum geschadet haben. Die Auswirkungen waren gravierend.
Den Gesamttext gibt es auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen

Artikel

Like Adler


Wie wer? Adler? Like Adler ist ein Name. Ein Paar aus Israel hat seiner Tochter den Namen Like gegeben, angelehnt an den Like Button in Facebook. Folgerichtig hat die kleine Like (hört sich falsch an, könnte man auch aussprechen wie den Namen der griechischen G-ttheit Nike) auch schon eine Fan-Seite im sozialen Netzwerk (hier). Dort werden auch alle Medienerwähnungen festgehalten und das sind nicht wenige (siehe etwa den Bericht der Frankfurter Rundschau). Auf der deutschen Oberfläche des Netzwerks ist es übrigens der Gefällt mir Button. Mazal Tov zur Geburt des Kindes, zur Namensgebung will ich nicht so recht gratulieren
Ach ja, vernünftige jüdische Vornamen gibt es hier: talmud.de

Artikel

Frauen gründlich entfernt

Dieser Ausschnitt aus dem charejdischen Blatt (in jiddischer Sprache) Der Tzaitung ging nicht nur um die jüdische Welt (ursprünglich kam die Nachricht wohl von hier):

Die Redaktion hatte Frau Clinton und eine weitere weibliche Person aus dem Bild gephotoshopped, damit männliche Leser des Blattes nicht durch Abbildungen von Frauen belästigt werden. Was in diesem Spektrum der religiösen Strömungen übrigens keine Seltenheit ist. HaModia beispielsweise bildet grundsätzlich keine Frauen ab.
Bei mir warf es die Frage auf, ob die Bildredaktion dieser Zeitungen wohl einen Bild-Redaktions-Goj (analog zum Schabbes-Goj) beschäftigt, der die Bilder vorsortiert und sich damit beschäftigen darf?

Seit kurzer Zeit ist das kein Problem mehr, denn hasidicphotoshop.com übernimmt das jetzt:

So wie bei dem, oben gezeigten, Bild der Hochzeit des Jahres. Jetzt aber fit für die Veröffentlichung in Der Tzaitung. hasidicphotoshop.com hat noch zahlreiche andere Bilder auf Lager, bei denen die Frauen gründlichst entfernt wurden.

Artikel

Mitgliederentwicklung der Gemeinden

Der Schrumpfungsprozess setzt sich fort. Laut Mitgliederstatistik der ZWST hat sich der dramatische Trend der letzten zwei Jahre jedoch etwas abgemildert. So waren es am 31.12.2010 nur 217 Mitglieder weniger. Nach dem rasanten Schrumpfen im Vorjahr ist diese Zahl eine Überraschung.
Vom Aufblühen konnte man also bis 2006 sprechen. Jetzt stehen, trotz der moderaten Schrumpfung 1.081 Todesfälle 168 (!) Geburten gegenüber. Dazu kommen 423 Austritte, aber offenbar wieder 667 Einreisen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Immerhin 354 Juden aus anderen Ländern kamen noch Deutschland und wurden hier Mitglieder einer Gemeinde.

Schauen wir uns an, wie sich die Altersstruktur verschoben hat:

Zuwächse sind nur bei den Gruppen der 22-30 jährigen, den 71-80jährigen und den über 80jährigen zu verzeichnen.

Übertritte zum Judentum – Ein Phänomen?
Soviel ist klar: Übertritte federn den Mitgliederverlust nicht auf. Von 23 wurden in nur 11 Landesverbänden Übergetretene neue Mitglieder. Insgesamt 81 Neumitglieder wären das insgesamt. Weil die Zahl nicht so sehr aussagekräftig ist, weil klar ist, dass in Landesverbänden mit großen Gemeinden größerer absolute Zahlen stehen werden, habe ich das auf Übertritte pro Tausend Gemeindemitglieder heruntergerechnet und so entstand eine kleine Hitliste:

  1. Berlin 3,26 pro Tausend Mitglieder
  2. Baden 1,75 pro Tausend Mitglieder
  3. Westfalen 1,71 pro Tausend Mitglieder
  4. Niedersachsen (liberale) 1,71 pro Tausend Mitglieder
  5. Mecklenburg?Vorpommern 1,20 pro Tausend Mitglieder
  6. Frankfurt/M. 1,17 pro Tausend Mitglieder
  7. Nordrhein 0,41 pro Tausend Mitglieder
  8. Niedersachsen 0,28 pro Tausend Mitglieder
  9. Köln 0,23 pro Tausend Mitglieder
  10. München 0,21 pro Tausend Mitglieder
  11. Bayern 0,11 pro Tausend Mitglieder

Neben Berlin liegt Baden vorne. Der Blick in den Landesverband Baden scheint zu lohnen, die Zahlen sind, entgegen dem Gesamttrend, immer positiv.

Mit großem Dank an Kommentator Yankel Moishe, der auf die neue Statistik aufmerksam gemacht hat.

Artikel

Der Islam mit antisemitischem Fundament

Böse Zungen behaupten, ich hätte mit einem Glas Wein auf die Nachricht reagiert, dass Frau Brocke die Einrichtung Alte Synagoge Essen verlassen würde. So ist es natürlich nicht. Ich habe den Korken einer Sektflasche knallen lassen. Jetzt konnte eine andere Richtung eingeschlagen werden. Die Stadt Essen wollte ein Haus jüdischer Kultur aus dem Haus machen. Wenn man im Ruhrgebiet lebt, hat man große Erwartungen an einen solchen Titel.
Natürlich kommt es immer anders als man denkt und der Kurs, den Frau Brocke eingeschlagen hat, geht irgendwie nun doch weiter. Unter dem kommissarischen Leiter Dr. Schwiderwoski (der die Amtsgeschäfte führt, bis der neue Leiter Dr. Uri Kaufmann im September seine Arbeit aufnimmt) macht das Haus nach dem Personalwechsel nicht mit einem inhaltlich jüdischen Thema Furore, sondern indem man gegen etwas ist. Die Beschäftigung mit Antisemitismus ist übrigens kein jüdisches Thema, es sollte eigentlich Thema der Gesamtgesellschaft sein.

So kündigte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Essen einen Vortrag von Chaim Noll im Haus Jüdischer Kultur an, der zunächst unter der Überschrift Antisemitismus heute daherkommt. Das klingt zunächst nach einem Standardthema einer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und für die Alte Synagoge mit altem Profil ohnehin. Der kurze Text der Ankündigung kommt jedoch weniger verschlafen daher:

Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür liefert die im Gaza-Streifen herrschende Organisation Hamas in ihrer Charta. Judenhass wird auf den Staat Israel übertragen, dessen Zerstörung das erklärte Ziel dieser Bewegung ist. Von hier

Weiterlesen

Artikel

Heeb und Berlin und die deutsche Provinz

Da kommen wir der Sache schon näher, aber wir bleiben im Metabereich. Fabian Wolff, dessen Rezension von Der gefrorene Rabbi ich schon angemerkt habe, dass sich da was aufgestaut hat, darf im Heeb Magazine nachlegen und er gibt sich Mühe, auch kräftig auf den Tisch zu hauen, damit man ihm zuhört:

But there is certainly no real sense of Jewish identity in Berlin, that is, beyond religion and nightmarish memory. The Jewish culture is at worst jocular, at best, spectral. Its painful but, at least, I live.
von hier – heeb magazine

Sich in Berlin zu beschweren, ist schon Klagen auf allerhöchstem Niveau, denn hier in der Provinz besteht folgendes Problem nicht unbedingt

Problem is: There are not that many actual Jews around to satisfy all Hebrew needs auch von hier – heeb magazine

Aaußerhalb von Berlin – in der richtigen Diaspora, scheint an einigen Orten zu gelten: Je weniger desto besser. Einige Akteure leben ganz gut damit, dass man sie hofiert und beobachten wachsam, dass andere Juden sich nicht zwischen das wärmende Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit und die eigene Person schieben. Das macht es aber auch für diejenigen Nichtjuden, die ein Interesse an der Entwicklung des Judentums haben und sich freuen, dass es wieder wächst, übersichtlicher.
So sind alle zufrieden – mit Ausnahme von denjenigen, die das Problem erkannt haben, welches Fabian Wolff für Berlin beschreibt. Lass Dir gesagt sein, Fabian: Es geht schlimmer.