Artikel

Die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet im Normalmodus

Das Ruhrgebiet zeigt sich derzeit nicht von seiner allerbesten Seite:

In Essen wurde jüngst ein jüdischer Friedhof geschändet, der Server der Partei Die Linke Duisburg stellt(e) antisemitische Hetze zur Verfügung (siehe bei den Ruhrbaronen) und im Kaisergarten Oberhausen steht ein Baucontainer den jemand mit antisemitischen Parolen beschmiert hat:

Da stand er vor den Ostertagen und vermutlich steht er da immer noch. Die zahlreichen Besucher der Restauration, des Spielplatzes und des Imbiss werden ihn gesehen haben. Getan hat niemand etwas. Ist das der Normalmodus? Hoffentlich nicht.

Artikel

Den Iron Dome spielen?

Iron Dome (also ganz einfach nur Eisenkuppel) ist der Name des neuen israelischen Raketenabwehrsystems, welches (unter anderem) die Kassam-Raketen aus dem Gaza-Streifen abfängt und noch in der Luft zerstört.
Die englischsprachige Wikipedia erläutert das System und die Anzahl der Raketen, die bisher auf israelisches Staatsgebiet abgefeuert wurden, übrigens genau. Der deutsche Eintrag ist derzeit zwar nicht gerade kurz, aber bei weitem nicht so ausführlich, wie sein englisches Pendant. Übrigens interessant, wie viele Nutzer sich dort an israelischen Themen widmen (oder sich an ihnen abarbeiten).
Fast gleichzeitig mit dem offiziellen Start des Systems, ging auch eine Website online, die ein entsprechendes Flash-Spiel anbietet irondomegame.com. Hier steuert der Spieler drei Batterien mit Abfangraketen und muss versuchen, die Flugbahn der Raketen im Voraus zu berechnen und sie abzufangen. Die Munition ist begrenzt, so dass der Spieler haushalten muss. Aber diese spielerische Herausforderung scheint nicht der einzige Sinn und Zweck der Übung zu sein. Der Wechsel in ein neues Level wird nämlich verzögert, damit der Spieler Zeit hat, sich Fakten zur Bedrohung Israels durch die (teils selbstgebauten) Flugkörper durchzulesen. Wer versagt und erneut anfangen möchte, hat eine halbe Minute Zeit sich für einen YouTube Film zu entscheiden, der das Thema ebenfalls aufgreift. Wer der Herausgeber der Seite ist, wird nicht angegeben. Es wird auf einen Izzy Ray Lee verwiesen, der der Schöpfer des Spiels sein soll. Eine Art spielerischer Kommentar zur ernsthaften politischen Lage und kommt gleich mit dem pädagogischen Holzhammer. Muss man nicht mögen und wird man nicht mögen. Ein Ballerspiel mit Fakten aufgemotzt.

Artikel

Die Mörder der Familie Fogel

Die Mörder der Familie Fogel sind offenbar gefasst worden – Jewlicious machte darauf aufmerksam: Amjad Awad und Hakim Awad – 18 und 19 Jahre alt. Jewlicious schildert einen Bruchteil des Tatablaufs:

They then went to the Fogel house and immediately stabbed Yoav and Elad. They then struggled with and killed the parents. Then, they left the house but returned for Ehud Fogels M-16. Thats when they heard the baby Hadas crying and slit her throat. The unrepentant killers told investigators that had they known that there were two other children in the house they would have killed them too. von hier

Ha’aretz hat die ganze Geschichte.
Heute hat es die Zahal auch offiziell vermeldet. Das Video datiert jedoch auf den 13.04.2011:

Es scheint, als sei die Information eine gewisse Zeit zurückgehalten worden – angesichts der Emotionen, die das Verbrechen auslöst, vielleicht eine vernünftige Entscheidung. Aber letztendlich sickerte sie zunächst über das Forum rotter.net durch.

Interessant ist, was Spiegel Online aus der Meldung gemacht hat: Israel macht Teenager für Mord an Siedlern verantwortlich (hier). Das könnte durchaus so gelesen werden, als hätte Israel zwei Jugendlichen die Schuld in die Schuhe geschoben. Etwas distanzierter hat es der österreichische Standard formuliert: Israelische Polizei fasst mutmaßliche Mörder von Siedlerfamilie (von hier). Die eine Formulierung versucht einen gewissen objektiven Abstand zu wahren, die andere kann leicht als vorgefasste Meinung verstanden werden. Als sei das Verbrechen nicht furchtbar genug.

Artikel

Eichmann Prozesse im Bild

Hätten wir 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt und würde sagen, gut, wir haben einen Feind vernichtet – Adolf Eichmann

Der Prozess gegen Adolf Eichmann begann am 11. April 1961 im Haus des Volkes in Jeruschalajim. Viele Videomitschnitte sind nun über das Internet verfügbar. Es gibt nun eine eigene Seite bei YouTube mit allen Videos des Eichmann Prozesses hier.

Die Jüdische Allgemeine hat ein großes Dossier dazu ins Internet gebracht – hier.

Artikel

Bundesliga und Gemeinden

Die Analogie ist ein wenig schief, eigentlich vollständig daneben. Aber irgendwie reizvoll. Nämlich die, zwischen Bundesliga-Transfermarkt und dem Rabbiner-Markt in Deutschland. Auch weil es der erste Begriff war, den ich assoziierte, als ich die jüngsten Entwicklungen vernahm (dazu weiter unten mehr).
Es ist natürlich offen, welcher Gruppe die Rabbiner in der der Bundesliga entsprächen Spieler oder Trainer? Vielleicht eher Trainer. Spieler und nachdrängende Nachwuchskräfte gibt es zuhauf. Der Trainermarkt dagegen scheint auf hoher Ebene eher weniger Personal zu bieten. Trainer können heute für Verein X tätig sein, dann aber auch bei Y und dann bei Z landen und schließlich wieder bei X anheuern.

In der Bundesliga gibt es die Mannschaften mit besonders viel Prestige, die immer ganz oben spielen und deshalb nicht das unattraktivste Umfeld für den neuen Spieler oder Trainer darstellen. Dann gäbe es noch die sympathischen Underdogs, für die man zum Teil auch aus Berufung spielt oder zumindest sein Engagement gut verkauft. St. Pauli hat diesbezüglich ja einen recht guten Namen. Fröhliche Fans, dafür irgendwie immer irgendwie vom Abstieg bedroht. München wäre also München und Düsseldorf wäre ja welche Mannschaft? Bekannt, gut aufgestellt (Mitgliederzahl), aber irgendwie doch nicht der Top-Club? Schalke möglicherweise.
Jetzt hat jedenfalls wieder eine Transferperiode eingesetzt. Rabbiner Mosche Flomenmann (Außen jung innen weise) beispielsweise ist Landesrabbiner in Sachsen-Anhalt gewesen und ist nun Rabbiner in Lörrach.

Spektakulärer sind dagegen anstehende Transfers: Rabbiner Julian Chaim Soussan aus Düsseldorf wird seine Gemeinde in Kürze verlassen.
Die Gemeinde München und ihr Rabbiner Steven Langnas trennen sich ebenfalls voneinander:

Nach 13 Jahren als unser Gemeinderabbiner hat Rabbiner Steven Langnas seine Entscheidung mitgeteilt, seine Tätigkeit in der IKG aufgeben zu wollen, um neue berufliche Herausforderungen anzunehmen. [] von hier tachles

Interessant wäre ein Rabbinertausch. Das wäre fast so spektakulär wie der nahtlose Trainerwechsel bei Schalke 04. Magath ging bzw. musste gehen und Ralf Rangnick stand praktisch schon bereit. Düsseldorf kann derweil auf die Dienste des Chabad Rabbiners Chaim Barkhan zurückgreifen und so entspannt einen neuen Kandidaten suchen; sofern dies nicht schon geschehen ist.

Artikel

Urlaub und Eindruck machen

Siquijor - Sandugan Beach

Urlaub kann auch Thema beim Kiddusch sein:

Wie es war, wollte meine Frau wissen, als ich aus der Synagoge nach Hause kam. Dieser eingebildete Grynman!, schimpfte ich. Dabei war alles akribisch vorbereitet. Ich hatte die Fotos so im Siddur platziert, dass sie beim Tischgebet herausfallen mussten. Darauf waren meine Frau und unsere beiden Kinder vor einem malerischen Hintergrund zu sehen: weißer Sand an einem menschenleeren Strand.

Den gesamten Text aus der Reihe Neulich beim Kiddusch, kann man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen lesen hier

Artikel

Judentum im Kinderbuchformat

Es gibt schon ein paar Bücher, in denen das Judentum Kindern näher gebracht werden soll. Häufig wird aus nichtjüdischer Perspektive das Judentum beschrieben. Ebenso häufig werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Christentum herausgestellt. So wird auf Bekanntes verwiesen und soll die Fremdheit ein wenig relativieren, die Kinder empfinden könnte. Siehe etwa Mona und der alte Mann (siehe auch Beschreibung bei amazon.de) Für jüdische Kinder sind derartige Bücher also eher weniger geeignet. Wer die Feiertage veranschaulichen möchte, kann auf die Bücher über Beni, Bina und die Taube Chagai von Yaffa Ganz und der Illustratorin Liat Benyaminy Ariel zurückgreifen, die in der Schweiz auch in deutscher Sprache erschienen sind. Die setzen allerdings sehr viel voraus, sie handeln in charejdischen Haushalten und sind eigentlich auch für diese Zielgruppe gedacht. Viele hebräische Begriffe tauchen auf und müssten den Kindern erklärt werden. Dafür wird die Geschichte der jeweiligen Feiertage ausführlich erklärt.
Im März erschien nun ein Buch, das die Lücke schließt. Dieses Mal trifft nicht ein nichtjüdisches Kind ein jüdisches, sondern ein Kind nicht observanter Eltern auf ein Kind aus einem orthodoxen Haushalt und das ist ein großartiges Setting. Dinahs Familie geht nur zu den Hohen Feiertagen in die Synagoge, Levis Familie beachtet dagegen alle Feiertage und so erleben die jungen Leser (oder diejenigen, denen vorgelesen wird, ab 4 Jahren) in dem Buch von Alexia Weiss und der Illustratorin Friederike Großkettler die Feiertage und jüdischen Alltag aus erster Hand. Nicht einmal wertend in die eine oder andere Richtung. Die Illustrationen sind großartig und erinnern an die Bilder, wie man sie in altersgerechten Schul- und Vorschulbüchern sehen kann. Ein kleiner Anhang erklärt einige Begriffe detaillierter (allerdings recht knapp).
Dinah und Levi: Wie jüdische Kinder leben und feiern (hier bei amazon) führt ans Judentum heran oder zeigt Kindern, dass jüdischer Alltag nichts ungewöhnliches ist und wie andere jüdische Kinder leben. Nichtjüdische Kinder und Erwachsene haben ebenfalls die Möglichkeit, etwas über das Judentum zu lernen und erfahren zugleich, dass nicht alle Juden ihren Alltag in gleicher Art und Weise gestalten. Wer Kinder hat und gerne mal ein jüdisches Buch über das Judentum hätte (sogar noch in deutscher Sprache), hat jetzt eines.