Qualität setzt sich durch

Setzt sich Qualität also doch durch? Lange hat es gedauert, aber jetzt haben offenbar auch Nichtjuden Gefallen an Kettubot gefunden. Wie die New York Times berichtet, sind schon 10% der Kunden von ketubahtree.com Nichtjuden. Das scheint sich kommerziell schon zu lohnen, denn nun gibt es schon eine Website, die sich auf Kettubot für Nichtjuden spezialisiert hat, ArtVows.com. Die wird übrigens von der gleichen Person gemacht, die auch ketubahtree.com betreibt – eine clevere Ausweitung des Geschäftsfeldes!
Aber die Ausmaße, die das annimmt, können beängstigend sein:

In so doing, the Austins are part of a growing phenomenon of non-Jews incorporating the ketubah, a document with millennia-old origins and a rich artistic history, into their weddings. Mrs. Austin, in fact, first learned about the ketubah from her older sister, also an evangelical Christian, who had been married five years earlier with not only a ketubah but the Judaic wedding canopy, the huppah. New York Times

Zumindest an einigen Modeerscheinungen könnten clevere Matzehersteller mitverdienen:

As a result, an increasing number of gentiles have taken up Judaic practices: holding a Passover Seder, eating kosher food and studying kabbalah, the Jewish mystical movement. New York Times

Im deutschen Sprachraum gibt es schon seit längerer Zeit Gruppen, die Sederabende feiern und sich großzügig Elemente des Judentums entleihen. Es ist wohl zu erwarten, dass auch der Ketubah-Trend nach Deutschland kommen wird.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

58 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Man muss hierbei auch die mündliche Lehre hinzuziehen. Beispielsweise bei milchig-fleischig.
    Ich meine auch nicht nur die Kohanim, sondern die Mohels, das Zivil und Strafrecht, die Tempel und Opferriten. Männer haben ihre Mitzwot, die Frauen nicht haben und umgekehrt. Es klingt immer soviel, aber im Grunde relativiert sich vieles.

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  2. Ihr solltet bei Eurer Arithmetik etwas sauberer „Mitzwoth“ von deren Ausfuehrungsbestimmungen unterscheiden. Nicht jede Toldoh einer Melochoh wird als eigene Mitzwoh gezaehlt. Schmiras Schabbos ist nur eine Mitzwoh.
    Nur ein Bruchteil der biblischen 613 ist heute (mangels Beis HaMikdosch) relevant. Und bei vielen Dingen ist umstritten, ob sie gegenwaertig „deOraissa“ (biblisch) oder „deRabbanan“ (rabbinisch) sind. In messianischen Zeiten dann wieder…
    Der Schulchan Aruch (mit seinen Kommentaren) uebersteigt den Chumasch um ein vielfaches im Umfang. Aber (in grober Analogie) ist eine juristische Bibliothek auch voluminoeser als das Grundgesetz.
    Welche Rolle spielt hier der „Nahostkonflikt“?

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  3. @Chajm: Das kommt darauf an! Wenn Du z.B. die Shabbes-Kerze anzündest, erfüllst Du damit keine Mitzveh sondern entziehst Deiner Frau eine! Denn im Shulchan-Aruch-Kitzur steht unter 75, 2 & 4, dass die Ehre des Kerzenanzündens, so sie denn vorhanden, der Baleboste, und nicht dem Baleblog zukommt! 😉
    Ich meinte natürlich nicht eine reale Multiplikation der Mitzvoth durch „Untermitzvoth“, sondern die Tatsache, dass die Komplexität der Modalitäten zur Erfüllung einer Mitzveh mit dem zeitlichen Abstand zum Brit Sinai proportional zunimmt. Wenn es also noch lange dauert, bis der Moshiach kommt, wird die Erfüllung der Mitzvoth so komplex, dass sie keiner mehr erfüllen kann, oder aber der Moshiach wird nicht kommen können, weil mittlerweile die Erfüllung der Mitzvoth so komplex ist, dass sie keiner mehr erfüllen kann.

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  4. … Wenn es also noch lange dauert, bis der Moshiach kommt, wird die Erfüllung der Mitzvoth so komplex, dass sie keiner mehr erfüllen kann …

    @SG:
    kann doch schon jetzt keiner mehr erfüllen, ergo: wir können warten, bis wir schwarz sind! 🙂

    Shalom!

    Miles

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