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Junge Juden in Deutschland – Umbruch?

Der WDR kündigte für vergangenen Freitag einen Beitrag mit dem Titel Im Umbruch Junge Juden in Deutschland im Rahmen der werktäglichen Sendung Redezeit an. Das ist doch eines der Themen hier im Blog?!
Die Ankündigung der Sendung findet man hier. Darin heißt es:

In Deutschland sind mittlerweile fast sämtliche Richtungen des Judentums vertreten. […]
Wächst nun eine neue Generation junger Juden heran, mit einem anderen Blick auf die jüdische Kultur und Geschichte, und auch auf die aktuelle israelische Politik? Darum geht es in der Redezeit mit dem jungen Historiker Joel Mertens. von hier

25 Minuten Interview, dass der nichtjüdischen Öffentlichkeit erklären kann, was sich so tut im jungen jüdischen Deutschland. Was sind die brennenden Themen? Wie ist die demographische Aussicht? Antisemitismus ein Thema? Gibt es tatsächlich verschiedene Strömungen? Natürlich war meine Erwartungshaltung unerreichbar. Ich erwartete natürlich einen Redebeitrag, der dem Bericht in der ZEIT ähnelte. Niemand kann diese Erwartung erfüllen und niemand kann die Themen, die für engagierte Juden spannend sind, direkt für ein nichtjüdisches Publikum verständlich und in kurzer Zeit präsentieren.
Das Interview kann man sich hier anhören und herausfinden, ob man überhaupt versucht hat, irgend eine Erwartungshaltung zu erfüllen. Gleich zu Beginn frug der Moderator nach Sarrazin und der interviewte Joel Mertens eröffnete rhetorisch chuzpedik und gratulierte Sarrazin zu seinen Einnahmen, die er nun erwarten könne und ließ sich dann ein wenig über das Thema Migranten aus. Dann folgte der übliche Gesprächsverlauf: Es ging um Israel, dann die Verteidigung Israels und dann die Frage von Seiten Mertens, warum er stets diese Fragen beantworten muss. Allerdings brachte er sie ein wenig ungeschickt in den Mittelpunkt der Diskussionen. Wer das Interview hört, wird lernen, dass es nicht ausreicht, sich die bekannten Argumente von Internetseiten zu holen man muss sie auch gewandt einsetzen können. Hier geschah das schon fast präventiv. Im Themendickicht Schoah verhedderte sich der Interviewgast vollkommen und fand argumentativ nicht mehr so recht das Tageslicht. Das konsumierte natürlich die gesamte Zeit, die man für wirklich interessante Themen hätte nutzen können. Gab es vor dem Gespräch vielleicht eine Art Vorgespräch, welches man hätte nutzen können, um solche Dinge von vornherein zu klären? Mit diesem Gespräch konnten wohl niemand etwas anfangen: Nicht der jüdische Hörer und auch nicht der nichtjüdische Hörer. Die angekündigte Thematik blieb vollkommen auf der Strecke.
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Rabbiner in Deutschland – so sieht es aus

Fast wirkt er wie eine Fortschreibung des Artikels über die mögliche Abschiebung von Rabbiner Navon (siehe hier), der Beitrag von Detlef David Kauschke in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen in dem es um die aktuelle Situation der Rabbiner in Deutschland geht:

Jahrzehntelang wurde die rabbinische Unterversorgung der Gemeinden hierzulande beklagt, die eine spirituelle Wüste habe entstehen lassen. […]
Nun der Faktencheck: Wie viele von den vor vier Jahren feierlich eingeführten Absolventen sind mit einer Vollzeitstelle in Deutschland tätig? Keiner. Ein anderes Beispiel: Von den beiden am Montag ordinierten Rabbinern bleibt einer hier, er übernimmt eine Gemeinde in Potsdam. Sein Kollege wird Religionslehrer in Österreich. […]
Die Gründe, dass frisch gebackene Rabbiner Deutschland den Rücken kehren, mögen vielfältig sein. Doch ein Hauptgrund ist, auch das gehört zum Faktencheck, dass die Absolventen keine Stelle finden. […]
von hier

und da knüpft der Text an die vielen verteilten Beiträge zur aktuellen Schieflage an (wie dieser Beitrag hier). Wohin geht die Reise?