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Jom Kippur erschweren

Dieses Jahr hat sich Jom Kippur anders angekündigt als in der Vergangenheit. Zunächst bemerkte ich es gar nicht so genau. Erst als sich das Phänomen häufte, wurde mir klar, was da gerade passierte. Es kündigte sich durch häufige Einladungen zum Kiddusch nächste Woche an. Ja, nächsten Schabbes zahle ich den Kiddusch für euch, war überall zu hören und Aufgepasst zum Kiddusch nächste Woche spendiere ich Lachs und Wein für alle, oder Nächsten Schabbes machen wir einen großen Kiddusch bei uns zu Hause.

Den gesamten Text aus der Reihe Neulich beim Kiddusch, kann man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen lesen hier

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Siedlungen fürs IPhone

Vor einem Jahr stellte ich hier eine Karte vor, welche die Aktivitäten von Siedlern in der Westbank zeigt. Jetzt hat Americans for Peace Now eine IPhone-app dafür veröffentlicht:

Man kann also sehen (eigentlich zunächst ohne jede Wertung) wo gebaut wurde und wo die Siedlungen sich derzeit befinden. Ein Tipp auf das Haus zeigt dann die Anzahl der Bewohner, das Wachstum und das Jahr der Errichtung.
Zudem kann man sich einige andere Daten ansehen:

Die app gibt es hier. Eine Karte für das normale Internet gibt es hier.

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Wie jemand fromm wurde

Daniel hat mich eigentlich immer nur ausgelacht. Er ist ein wenig älter als ich, hat früher ab und zu seinen Onkel zu jüdischen Veranstaltungen gefahren, aber sonst hatte er mit dieser ganzen religiösen Sache, wie er es nannte, nicht viel am Hut. Im Theater konnte man ihn treffen, oder im Kino, oder im Caf. Dort mit stetig wechselnder Damenbegleitung.

Den gesamten Text aus der Reihe Neulich beim Kiddusch, kann man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen lesen hier

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Grenzen der Observanz

Die Sendung Americas Next Top Model und ihr deutsches Pendant Germanys Next Top Model haben üblicherweise keinerlei Relevanz für dieses Blog. Aber nun hat es die Sendung geschafft. Das ist Esther Petrack zu verdanken. Nach eigenen Angaben orthodox (also jüdisch-orthodox, nur damit keine Unklarheiten aufkommen), geboren Israel und nun Model bei Americas Next Top Model. Neben Tzinutfragen, dürfte auch die Obervanz des Schabbats eine interessante Frage sein und die wurde auch gestellt (das Tablet-Magazine berichtet):

After letting Esther say a bit about herselfnamely, that she was born in JerusalemTy Ty asked her about her Orthodox Jewish practice. Do you honor the Sabbath?

Yes I do, Esther responded, proceeding to explain the rules regarding the usage of electricity, computers, cell phones, and cars on Friday night and Saturday. Tyra sternly informed her that ANTM contestants work all the time, seven days a week. (I never realized that modeling was so urgent!) Would Esther, Tyra wanted to know, be able to adhere to the ANTM work schedule? […]

She replied after a momentary hesitation: Yes, I would do it.
von hier: Tablet-Magazine

Offenbar ein Dilemma. Junge Leute zwischen Observanz und Erfolg; auch wenn fraglich ist, dass die Teilnahme an einem solchen TV-Konzept überhaupt einem observanten Menschen (sei es in liberaler, orthodoxer oder rekonstruktionistischer Auslegung) in den Sinn kommen sollte. Es gibt scheinbar die Illusion, dass man jüdisch leben kann und uneingeschränkt an allem teilhaben kann, was außerhalb der jüdischen Welt passiert. Dass dies aber auch ein Wert sein kann, gerät ein wenig in Vergessenheit. Diese Linie zu ziehen, dürfte liberalen, konservativen und modern-orthodoxen schwerer fallen, als beispielsweise charejdischen Juden obwohl auch dort immer Grenzen neu abgesteckt werden (siehe etwa hier). Esther Petrack ist vielleicht ein Symptom dafür.

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Einschalten und es läuft etwas über Judentum

Am Tag nach Jom Kippur (sollen alle gut eingeschrieben werden) ist es ganz gleich, wann man 3SAT einschaltet, es läuft immer etwas über das Judentum. Der 19. September ist Thementag über jüdisches Leben heute. Einige Filme, Dokumentationen (Programm hier). Natürlich meine ich, dass die Dokumentation Die Welt gehört Chaim (Beschreibung hier) den passendsten Titel hat tatsächlich wird ein Ausschnitt aus dem Leben eines charejdischen Jungen. Ein Highlight ist für mich das Konzert von Aviv Geffen, welches erst um 01:40 Uhr gezeigt werden wird. Natürlich läuft auch unvermeidlicherweise Alles auf Zucker (warum wird nicht Zores gezeigt?). Empfehlenswert ist aber unbedingt Alles ist erleuchtet (Offizielle Homepage hier), der um 22:25 Uhr läuft. Der Film ist schön fotografiert, stellenweise recht bizarr, aber eine großartige Geschichte.

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Torah für Düsseldorf

Gute Nachrichten aus Düsseldorf. Chabad Düsseldorf wird im November eine neue Torahrolle einführen. Chabad baut derzeit auch noch an einem großen Bildungs- und Familienzentrum. Eigenfinanziert, während die Jüdische Gemeinde Düsseldorf vor massivsten, ja existentiellen finanziellen Problemen steht (siehe hier die Darstellung in der Gemeindezeitung). Zwar gibt es Überschneidungen zwischen Einheitsgemeinde und Chabad, beide Organisationen entwickeln sich aber noch unabhängig voneinander. Während Chabad an Zentrum arbeitet, welches sich selber tragen muss, muss die Gemeinde wohl umfassend umorganisieren und sich vielleicht an diesem Modell orientieren. Am 14. November 2010 werden in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die letzten Buchstaben in die Torahrolle eingetragen. Anschließen wird sich dann eine Parade mit Hakafot mit der Torarolle, sowie die Einführung der neuen Torarolle ins ChabadZentrum. Am Nachmittag wird Avraham Fried in der Stadt auftreten.

Einführung einer Torah in Düsseldorf

Eine vollkommen andere Beobachtung: Fällt jemandem der Fehler auf, der auf dem Plakat zur Einführung einer neuen Torahrolle gemacht wurde? Man könnte meinen, die Abbildung zeigt eine Nahaufnahme aus einer Torahrolle. Aber in einer Torahrolle hat der Name Achaschwerosch nichts verloren. Sieht also so aus, als hätte man da eine Megillah abgebildet.

Update: Bericht über die Veranstaltung hier.

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Zum Thema Bildung und Migranten

Das Theaterfest des Musiktheaters Gelsenkirchen und die eingebettete Abschlussfeier des örtlichen Sommerlese Clubs (Kinder lesen in den Ferien mindestens drei Bücher und bekommen dafür ein Zertifikat und ein paar Attraktionen geboten), boten einen ganz guten Einblick in den Themenkreis Bildung und Migranten. Einblick deshalb, weil Kinder mit einem migrantischen Hintergrund auf der Abschlussfeier keine kleine Minigruppe bildeten, sondern einen großen Teil der ausgezeichneten Kinder. Auch unter Kindern, die mehr als 15 Bücher gelesen haben, waren mehr als drei Kinder mit eben diesem Hintergrund.
Einen weiteren guten Einblick in den Themenkreis Bildung und Migranten gab es im Foyer des Theaters. Dieses Mal aus einem anderen Blickwinkel:
Die Theatergemeinde bot im Foyer ein Preisausschreiben an. Preise waren Eintrittskarten für eine Veranstaltung im Theater. Für die interessierten sich auch zwei Jugendliche mit oben genanntem Hintergrund; jedenfalls waren hier nicht die blonden Jungs Kevin und Sören am Stand. Die Damen hinter dem Prospektetisch fanden das bemerkenswert:
Da kann man Eintrittskarten für das Theater gewinnen! sagte eine Dame, die Jungs nicken und nehmen sich ein Zettel.
Da kann man Eintrittskarten für das Theater gewinnen wiederholt die Dame damit könnt Ihr doch nichts anfangen. Die Jungs gehen zwei Schritte zurück und sehen fassungslos aus.
Das wäre doch schade, wenn Ihr gewinnt und die Karten hier nicht abgeholt werden. Dann bleiben am Ende die Plätze leer. Die Jungs interessiert das nicht, behalten die Zettel und wollen sie ausfüllen. Offensichtlich ist ihnen dieses herablassende Verhalten schon häufiger begegnet.
Jedenfalls eine gute Einsicht in den Themenkomplex Bildung und Migranten.

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Gummibärchen zum Kiddusch

U7 für mich das Kürzel des Schreckens! Bisher habe ich das für eine schlimme Eltern-Kind-Erfahrung gehalten. Eine ärztliche Vorsorgeuntersuchung für Zweijährige. Oft kommen schlimme Dinge unter der Vorspiegelung guter Absichten daher, und Vorsorgeuntersuchungen sollen ja eigentlich eine gute Sache sein. Ich weiß aber, dass sie im Wesentlichen dazu dienen, die Eltern schön auf den Boden der Tatsachen zu holen.

Den gesamten Text aus der Reihe Neulich beim Kiddusch, kann man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen lesen… hier