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Integration und Speck

Die Frage lautet: Bin ich integriert?

Bin ich schlecht integriert? Fühle ich mich als Teil der Gemeinschaft oder fühle ich mich nur als Gast? Sollte ich mich gesellschaftlich etwas mehr einbringen? Werde ich überhaupt akzeptiert? Das sind Fragen, die ich mir früher gestellt habe. Heute habe ich habe ich einen dicken Strich unter die Sache gezogen und bin zu folgendem Entschluss gekommen: Ich bin vollkommen integriert, jedenfalls zu einem großen Teil.

Meinen gesamten Text zu Neulich beim Kiddusch in der Jüdischen Allgemeinen gibt es hier. Diese Woche exklusiv online!

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Stolpersteine in Gelsenkirchen?

Verlegung des Stolpersteins für Max Kronheim in der Bölschestraße 46

In Gelsenkirchen sind Stolpersteine verlegt worden – weitere sollen folgen. Anfänglich gehörte ich zu den Unterstützern. Manchmal kommt es jedoch anders. Eine Art offener Brief:

In Gelsenkirchen habe ich die Verlegung der Stolpersteine unterstützt. Als demokratische, dezentrale Form der Erinnerung an die Menschen, die eine Stadt nicht in ihrer Mitte haben wollte. Diese Erinnerung im öffentlichen Raum war nie unumstritten. Stimmen wandten sich gegen diese Form des Erinnerns, weil über die verlegten Steine Menschen herüberlaufen und man den Eindruck haben könnte, sie würden die Namen der Opfer mit Füßen treten. Es gab jedoch, aus meiner Sicht, auch viele gute Gründe, dass Privatpersonen als Paten einen solchen Stein finanzieren und die Erinnerung in die Öffentlichkeit bringen. Wer erlebt hat, wie Passanten stehen bleiben und kurz mit dem Schicksal eines Namens auseinandersetzen, der weiß, dass diese Form des Stolperns tatsächlich funktionieren kann. Mittlerweile wurden über 20.000 Stolpersteine in mehr als 500 Städten und Gemeinden verlegt – nicht nur in Deutschland – sondern auch im übrigen Europa. Wichtig war mir jedoch, dass nicht die Angehörigen der Opfer die Patenschaft für den Stein übernehmen, sondern eine Person aus der Stadt, aus dem Umfeld, in dem die entsprechende Person lebte.
In Gelsenkirchen war das Projekt auch deshalb umstritten, weil der Initiator der Aktion, Andreas Jordan, als Person nicht unumstritten war. Im lokalpolitischen Kreuzfeuer (ein Beispiel) wurde seine Person heftigst angegriffen und damit auch die Verlegung der Steine in Frage gestellt. Für einige Personen war das nicht akzeptabel und so gründete sich ein Unterstützerkreis einiger Gelsenkirchener. Diese Menschen standen mit ihrem Namen dafür ein, dass die Steine verlegt werden konnten und begründeten die Wichtigkeit der Aktion für die Stadt Gelsenkirchen. Dies ermöglichte dann auch eine erste Verlegung von Stolpersteinen in Gelsenkirchen. Tatsächlich war die erste Verlegung die letzte mit Unterstützung des Unterstützerkreises. Es wäre schön gewesen, wenn das Projekt diese Unterstützung nicht mehr benötigt hätte, jedoch zeichnete sich schon kurz vor der ersten Verlegung ab, dass der Unterstützerkreis nicht in vollem Umfange erwünscht war.
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Die Arche gefunden?


Die Noahs Ark Ministries aus Hong Kong haben also Noachs Arche gefunden. Jedenfalls haben sie das behauptet und vielen Zeitungen war es zumindest einen kleinen Beitrag wert (hier, oder hier). Einige Blätter erzählten in ihrer Meldung noch einmal kurz die Geschichte zusammen und tatsächlich hieß es verbreitet, Noach hätte von jeder Tierart ein Paar mitgenommen. In Bereschit 7:1-2 heißt es jedoch, Noach solle sieben Paare von jedem reinen Tier mitnehmen und von jedem unreinen Tier jeweils ein Paar. Jedenfalls wird heute noch fieberhaft nach der Arche gesucht. Was von den aktuellen Funden und der Suche nach der Arche zu halten ist, kann man in meinem aktuellen Artikel in der Jüdischen Allgemeinen nachlesen. Er ist hier zu finden.

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Appell an die Vernunft

Eine neue Stimme im proisraelischen Lager ist zu hören – eine die sich allerdings kritisch aufstellt, jedoch nicht so kritisch, wie die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost, deren Kritik schon einmal irgendwie verstehen lassen könnte, man fände den bewaffneten Widerstand gegen Israel gut: Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand gegen die israelische Besatzung heißt es etwa auf der Website zu einer Mahnwache am 9. April. Von Frankreich ausgehend ist nun JCall zu hören, der European jewish call for reason. Hier heißt es:

Wir stellen fest, dass die Existenz Israels erneut gefährdet ist. Die Gefährdung von außen ist nicht zu unterschätzen, doch ist diese nicht die einzige Gefahr. Eine Gefährdung liegt auch in der Besatzung und in dem Auf- und Ausbau der Siedlungen im Westjordanland und in den arabischen Vierteln Ost-Jerusalems, die ein moralischer Fehler und ein politischer Irrtum sind und die u. a. zu dem inakzeptablen Vorgang der Delegitimierung Israels als Staat führen. von hier

und auch:

Wir alle sind uns dessen bewusst, dass dieses Anliegen dringend ist. Bald wird Israel sich mit zwei katastrophalen Alternativen konfrontiert sehen : Entweder werden die Juden eine Minderheit in ihrem eigenen Land sein oder es wird im Lande ein Regime entstehen, das Israel beschämen und die Gefahr eines Bürgerkrieges heraufbeschwören wird.von hier

Vorangegangen sind die französischen Intellektuellen Alain Finkielkraut, Bernard-Henri Lvy und Daniel Cohn-Bendit. Unter den deutschen Unterzeichnern finden sich auch Unterstützer der Jüdischen Stimmen, die jetzt natürlich versuchen könnten, diesen Mittelweg zu vereinnahmen für ihre eigene Bewegung. Unterm Strich könnte man sagen, dass erklärt wird, Juden möchten nicht gerne Abgesandte der israelischen Regierungspartei sein, sondern ihre eigene Haltung zu Israel haben, auch wenn sie sich unter äußerem Druck natürlich gerade mit Israel solidarisieren. Das wird denjenigen nicht schmecken, die eher als zionistische Trockenschwimmer unterwegs sind und von Israel die Härte einfordern, die sie in ihrem Alltag in der nichtjüdischen Umgebung nicht an den Tag legen können oder dies auch nie tun würden. Sie müssen dann auch nicht mit den Konsequenzen leben. Gerade im Internet sind recht viele dieser Experten unterwegs. Das schließt absolut nahtlos an das an, was ich 2006 zu David Grossmanns Rede schrieb (hier).

Dank an Jörg Lau, er entdeckte die Erklärung vor mir.