Die fliegenden Stühle

Es ist schon reichlich absurd von einem Mann zu lesen, der auf dem Platz vor der Westmauer mit Stühlen um sich wirft (hier beispielsweise) und sich bewusst dafür entscheidet, eventuell jemanden zu verletzen – aber es noch im Bild zu sehen, ist etwas vollkommen anderes:

Woher wissen die Männer eigentlich so genau, was auf der anderen Seite passiert?

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dafür war der Link gedacht 😉
    Um es kurz zu formulieren: Die Stühlewerfer dachten, es sei nicht richtig, dass auf der anderen Seite Frauen so beten, wie sie es
    getan haben:

    Police arrested two haredi men at the Western Wall compound on Tuesday on suspicion that they threw chairs at a group of praying women from the “Woman of the Wall” organization. The men were taken for questioning, and the women continued their festive prayers to mark the first of the month of Nissan.

    http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3863585,00.html

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  2. Da tendiert man ja schon zu einem ausgeprägten Kopfschüttelschleudertrauma. Ich zumindest. Wie in aller Welt begründen und rechtfertigen diese Leute vor sich selber diese Tat? Welches Gebot führen sie dafür an? Wenn sie der Meinung sind, daß Frauen dieses oder jenes nicht dürfen – woher leiten sie für sich das Recht auf Körperverletzung und dergleichen ab?

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  3. Zunächst einmal finde ich grundsätzlich befremdlich, wenn dieselben Frauen, die grossen Wert darauf legen, die traditionelle Kopfbedeckung deRabbanan (und selbst das ist nicht klar) der Männer zu tragen, sich nicht im geringsten veranlasst sehen, die Kopfbedeckung deOraitha für Frauen zu tragen. Ich verstehe die zugrundeliegende Prioritätensetzung einfach nicht.

    Schockiert und verärgert bin ich über den gezeigten charedischen Hooliganismus. Das ist in meinen Augen schlicht ganz klassischer ????? ???. 🙁

    Ich habe schon etliche charedische Synagogen von innen gesehen. Ich kann versichern, dass das Werfen von Stühlen oder ähnliches dort nicht zum üblichen Rahmenprogramm gehört. Insofern scheint mir die Behauptung, es gehe an der Kotel zu “wie in einer charedischen Synagoge” unzutreffend zu sein.

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  4. @Yankel Moishe:
    Das ist in meinen Augen schlicht ganz klassischer ????? ???.

    Genau – in meinen auch. Aber anscheinend nicht in denen der “Hooligans”, die sich ja als besonders observant verstehen. Ich frage mich ganz einfach, womit sie diese Tat vor sich selber – und vor G-tt – rechtfertigen.
    Manchmal hilft es ja, zu verstehen oder auch nur nachvollziehen zu können (bedeutet nicht gutzuheißen), wie andere Leute denken…

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  5. @Yankel Ich würde mal behaupten, sie unterstellen nicht, dass in chareidischen Synagogen Stühle durch die Gegend fliegen, sondern sprechen davon, dass die Charidim die Regeln aufstellen und es praktisch als ihre Domäne betrachten.

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  6. @ YM

    die Kopfbedeckung der Frauen hat nichts mit der tasache zu tun, das verletzung von Menschen (wenn in den Augen der Haredim Frauen überhaupt Menschen sind) seitens der Haredim in Kauf genommen wurde.

    Schön, wie wieder mal hier gegen die nicht-othodoxen Tritte ausgeteilt werden.

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  7. @Chajm:

    dass die Charidim die Regeln aufstellen und es praktisch als ihre Domäne betrachten

    Wer mal zu den üblichen Gebetszeiten dort war, wird das verstehen können. De facto sind (Ultra-)Orthodoxe dort wohl klar die größte Gruppe. Ist angesichts der demographischen Verhältnisse in Jerusalem auch nicht weiter erstaunlich. Insofern ist der Dominanzanspruch für mich nachvollziehbar. Die Frage ist eher, wie man mit Minderheiten umgeht, und mit welchem Stil man seinen Anspruch erhebt…

    @Chaja:

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    (Könige I, 19:11-12)

    Es sieht für mich so aus, als bevorzuge Haschem die leisen Töne. Der Prophet Elijahu wollte das auch nicht verstehen. Und wurde dafür seines Amtes enthoben…

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  8. @Yankel Ach so. Das bedeutet, wenn ich mit dem liberalen Minjan in eine orthodoxe Synagoge gehe und dort regelmässig die Mehrzahl der Beter stelle, kann die liberale Gruppe die Regeln aufstellen? Danke für den Tipp!

    Im Ernst: Die Westmauer gehört dem gesamten Am Jisrael und nicht nur einer kleinen Gruppe. Vielleicht fehlt da einfach der Nachdruck…

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  9. @Chajm:
    Eine Synagoge, in der liberale regelmäßig die Mehrzahl der Beter stellt, ist orthodox? Inwiefern? Weil nach orthodoxem Ritus gebetet wird? Sowas würde ich nicht als orthodoxe Synagoge bezeichnen.
    Du hast insofern recht, als es ein Konzept von Minhag haMakom (ortsüblichem Brauch) gibt, der beispielsweise dazu führt, dass das öffentliche Gebet in eine chassidischen Synagoge nicht nach Nussach Aschkenas, sondern nach Nussach Sfard geführt wird. Aber nach diesem Konzept müßte an der Kotel im Zweifel orthodox gebetet werden…

    Ist schon interessant, wenn Gruppen, die einerseits Referenzen auf Jerusalem und den Beth haMikdasch aus der Gebetsordnung streichen, andererseits nun an der Kotel beten. Es ist eben nie zu spät für Einsicht und zur Umkehr 😉

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  10. @Yankel

    Ist schon interessant, wenn Gruppen, die einerseits Referenzen auf Jerusalem und den Beth haMikdasch aus der Gebetsordnung streichen, andererseits nun an der Kotel beten.

    Na, da bin ich aber interessiert, wie Du das in den Siddurim von Masorti nachweisen möchtest. Ich bin gespannt!

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  11. @Konstantin:
    1. Worauf basiert Deine Vermutung, in den Augen von Charedim seien Frauen keine Menschen?
    2. Solltest Du in der Lage sein, meine Unklarheit bzgl der Prioritäten bei Kopfbedeckungen schlüssig erläutern zu können, wäre ich Dir für entsprechende Ausführungen dankbar.

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