Deutsche Version des Gitty Grunwald Artikels

Schon 2008 hatte das New York Magazine eine (umfangreiche) Geschichte über Gitty Grunwald gebracht. Wer das ist? Gitty Grunwald lebte mit ihrer Familie in Kirjas Joel, einer Stadt in den USA in der fast ausschließlich Satmarer Chassidim leben und kehrte diesen den Rücken. Allerdings behielt man ihre Tochter zunächst dort. Nun bringt der Spiegel die Geschichte von Mayan, die ebenfalls der Ultraorthodoxie den Rücken gekehrt hat (dieses Mal in Israel). Der Artikel erzählt aber auch ganz beiläufig eine andere Geschichte, nämlich dass die Ultraorthodoxie auf dem Vormarsch ist. Nicht, weil sich ihr so viele anschließen würden, sondern weil sie viele Kinder bekommen:

Die Ultraorthodoxen sind die am schnellsten wachsende soziale Gruppe innerhalb Israels: 2025 werden 22 Prozent der Schulkinder aus einer der strenggläubigen Gruppierungen kommen, so Schätzungen der Regierung. von hier

Aussteigergeschichte sind immer etwas besonderes, weil sie dem Leser einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen. Wie aufgeklärt sind wir und wie aufgeklärt wir. Die ganze Wahrheit wird das letztendlich nicht sein.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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Shabbes-Goi
Shabbes-Goi
10 Jahre zuvor

Na, wie tendenziös der Artikel ist, zeigt ja auch unter anderem die Fotostrecke vor allem mit ihren Bildunterschriften.
Z.B. Bild 5: Zitat: “Ultraorthdoxe Juden beobachten Feuer im Gaza-Streifen: Die Männer arbeiten nicht, sie widmen ihr Leben dem Bibelstudium.”
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-51566-5.html

Yael
10 Jahre zuvor

Das passt doch zur Nazipropaganda: Juden seien Schmarotzer. Passt auch zur berüchtigten Einseitigkeits”journalistin” Ulrike Pütz.

Eine Jüdin meldet sich zu Wort:

sonne15:

Man sollte besser recherchieren

Ich bin ultraorthodoxe Jüdin und lebe in Jerusalem. Wie man sieht, sitze ich gerade vor einem Computer und benutze das Internet genauso wie meine ebenfalls ultraorthodoxe Kollegin, die wie ich etwas entsetzt über die Einseitigkeit dieses Artikels ist. Wir besitzen zudem alle Telefone und Handys. Ich halte mich durchaus für gebildet und fühle mich als Frau in dieser Gesellschaft auch nicht unterdrückt. Ich möchte nicht auf jedes Detail dieses Artikels eingehen, dazu ist vieles, was dort geschrieben steht, einfach zu absurd. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass eine bessere Recherche zu solch einem Artikel empfehlenswert wäre. Einige der Aussagen von Mayan sind schlicht unwahr, andere verdreht dargestellt. Wenn ihre Aussagen z.B. bezüglich der Erziehung seitens ihrer Mutter oder der Behandlung durch den Stiefvater der Wahrheit entsprechen, dann tut mir das in der Tat entsetzlich leid, denn in diesem Fall kommt sie offensichtlich aus einer psychisch gestörten Familie. Diese gibt es jedoch in jeder Gesellschaft, nicht nur bei jüdisch-religiösen Familien. Schade, dass sie nicht die wahre Schönheit eines warmen jüdischen Hauses mit liebenden und ehrlich frommen Eltern, die die Thora wirklich leben, kennengelernt hat.

http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=12115&page=7

Worauf die bezeichnende Antwort kommt: Zitat von snickerman
“Und? Juckts unter der Perücke?”

Es strotzt dort vor Nichtwissen, Dummheit und Ignoranz. Manche Deutschen nehmen was die Medien schreiben, immer noch für bare Münze, so als wäre es für sie ihr Evangelium.
Aber wozu dazulernen, wenn Klischees so bequem sind?

Shabbes-Goi
Shabbes-Goi
10 Jahre zuvor

Vor knapp vierzehn Tagen, 2.2.2010, war ein ähnlich tendenziöser Beitrag im WDR im Rahmen von WDR – Weltweit zu sehen.
http://www.wdr.de/tv/weltweit/sendungsbeitraege/2010/0202/index.jsp
Es hat den Eindruck, dass die Haredischen Juden in der Öffentlichkeit den radikalen Muslimen gleichgesetzt werden sollen.

Shabbes-Goi
Shabbes-Goi
10 Jahre zuvor

Interessant auch die Terminierung. Aus dem Artikel:
“Sieben Jahre ist es nun her, dass Mayan auf dem Planeten Erde landete, wie sie es nennt.” Warum kommt dann jetzt der Artikel im Spiegel?

Shirah
Shirah
10 Jahre zuvor

Ja, ein grusliger Artikel. Als wuerde man den Katholizismus durch das Opus Dei darstellen. Aergerlich und schade, aber nicht ueberraschend. Der Review von “A Serious Man” in Spiegel war aehnlich tendentioes. Vielleicht kann man nicht mehr erwarten in einem Land, in dem juedische Viertel automatisch fanatisch sind.

Keine Frage, dass nichts schwerer ist als eine Konversion wie die, die Mayan und Shimmy beschreiben. Trotzdem, ein so schlecht recherschierter Artikel tut ihrer Leistung, sich ein neues Leben aufzubauen, Abbruch.

Yoav Sapir
10 Jahre zuvor

Ich bin ein ultraorthodoxer Moslem, benutze das Internet, besitze ein Handy, esse gerade Schweinefleisch und trinke Wein. Ganz zu schweigen davon, dass Deutsch meine Muttersprache ist und ich Artikel in deutschen Medien kommentiere, was bekanntermaßen für ultraorthodoxe Moslems typisch ist.

Und ich finde es unglaublich, was in deutschen Medien alles zu lesen ist, als ob strenggläubige Moslems z. B. kein Schweinefleisch essen würden – wo es doch mich gibt, ein wahres Vorbild für strenggläubige Moslems!

Yael
10 Jahre zuvor

Also mir gings um die unverschämte Antwort: Und? Juckts unter der Perücke?
Ob die Frau echt war, ist nicht wichtig.

Yoav Sapir
10 Jahre zuvor

@ Shirah:

“Keine Frage, dass nichts schwerer ist als eine Konversion wie die, die Mayan und Shimmy beschreiben.”

Bei uns in der Grundschule gab’s im Fach “Sprachkunde” in regelmäßigen Abständen eine Prüfung, die hieß: Leseverständnis. Dreimal im Jahr ungefähr mussten alle Schüler Texte analysieren, die immer schwieriger wurden. Schade, dass diese Methode nicht überall angewandt wird.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

A: “Die Charedim unterdrücken ihre Frauen und lassen sie nicht arbeiten gehen.”
B: “Falsch. Bei den Charedim lernt oft der Mann und die Frauen bestreiten den Lebensunterhalt.”
A: “Die Charedim beuten ihre Frauen aus.”
Und die Moral von der Geschicht: Egal wie man es macht, ist es falsch. Aber das ist ja nichts neues. Sind wir Kapitalisten, ist es schlecht. Sind wir Kommunisten, auch. Sind wir reich, ist es schlecht. Sind wir arm, auch. Und so weiter, und so fort.

Ein wenig mehr Differenzierung wäre schon nicht schlecht. Schliesslich ist auch das “ultraorthodoxe” Lager meilenweit davon entfernt, ein monolithischer Block zu sein.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Ich habe das letzte Sukkoth mal wieder in Mattersdorf – einem sehr “schwarzen” Stadtteil von Jerusalem – verbracht. In deutsch (und russisch-)sprachiger Gesellschaft. Niemand behauptet, diese Leute seien in n-ter Generation frum. In der Regel Baalei Teschuwah und Gerim. Aber sie werden von Charedim als ihresgleichen akzeptiert. Deutschsprachige Charedim sind natürlich nicht “typisch”. Aber trotzdem existent.

Hier im Blogroll gibt es ja auch das hier: http://www.hamantaschen.blogspot.com/

Dass es mal wieder verstärkte Bestrebungen gibt, die Internetnutzung radikal einzuschränken, ist durchaus ein Hinweis darauf, dass die (nicht immer sachgerechte) Benutzung des Internet ein verbreitetes Phänomen ist.

Jack
Jack
10 Jahre zuvor

einwach nur widerlich, dass “der Spiegel” diese mit Hass und Judophobie erfüllte Texte von Ulrike Putz veröffentlicht.

Miriam Woelke
10 Jahre zuvor

B”H

Wie ich schon unzaehlige Male:

Mit Aussteigergeschichten sollte man vorsichtig umgehen, wenn man noch niemals mit dem Thema konfrontiert worden ist ! Man kann die Dinge nur allzu leicht in den falschen Hals bekommen, wenn man die haredische Gesellschaft nicht ausgiebig kennt !

Zu Gitty Gruenwald:

Die Angelegenheit ist schon laengst “ad acta” gelegt. Ich berichtete auf meinen Blogs gleich nach dem Erscheinen des Artikels im “New York Magazin”, doch es stellte sich heraus, dass Gitty ein “faules Ei” ist. Sie haute zwar von Satmar ab, doch bei Satmar nahm man das gelassen, denn Gitty war die Tochter einer Dazugestossenen. In dem Falle wird die Sache weniger ernst genommen als wenn jemand abhaut, der schon seit Generationen mit der Gruppe verwurzelt ist.

Zweitens stellte sich heraus, dass Gitty lediglich bei der Presse Aufmerksamkeit suchte. Dies ist leider allzu haeufig der Fall und ich selbst erfuhr dies gerade bei jemandem, den ich bezueglich des Themas traf.

Heute ist von Gitty nicht mehr die Rede und keiner weiss, was sie tut. Vielleicht ist sie irgendwo im Drogensumpf haengengeblieben. Wer weiss …
Die Presse spielte alles hoch, doch dann liess man das Thema schnell fallen. So ist das nun einmal …

Uebrigens ist ihr ehemaliger Schiwegervater ein Abonnent meines englischen Blogs.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

@????
Wenn Du, wie ich Deinem Blog entnehme, in ????? ??????? warst, kennst Du sicher ?’ ????? ????? ????”?? Hoere ihn bis zu 3x pro Woche live…

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Nochmal kurz zu “ultraorthodox und deutschsprachig”. Man bedenke, dass auch Zürich und Wien deutschsprachig sind (naja, sowas ähnliches… ;-))

Felix
Felix
10 Jahre zuvor

Diskussion zur englischsprachigen Version des Artikels (wen’s interessiert):

http://www.reddit.com/r/worldnews/comments/b3k1d/the_community_of_ultraorthodox_jews_in_israel_is/