Juden in Deutschland – Bestandsaufnahme

Die Berichterstattung über Juden in Deutschland in den Medien erreicht gelegentlich große Veröffentlichungsfrequenzen, wenn neue Synagogen eröffnet werden oder sonst irgendeine Gemeinde ein besonderes Ereignis begeht. Häufig fällt die Wendung von der Renaissance des deutschen Judentums, obwohl die Realität anders ausschaut und wir heute mehr oder weniger wissen, dass von den vielen Gemeinden nicht alle eine große Perspektive haben. Julius Schoeps rechnete vor, dass es von derzeit 104 jüdischen Gemeinden in knapp 30 Jahren zwei Drittel nicht mehr geben wird. In Osnabrück wurde kürzlich eine neue Synagoge eröffnet, eine in Ulm wird folgen. So frug angesichts des Baubooms in letzter Zeit Heide Sobotka, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen, in der ersten Ausgabe 2010, warum man nicht erst einmal jüdische Gemeinden aufbaut (hier), bevor man große Synagogen eröffnet.

Das Beth Midrasch hält nur so lange, wie seine Säulen von jüdischer Tradition und Religion getragen werden. von hier

In Deutschland hatten wir häufig die umgekehrte Entwicklung – meist unter dem Verweis, es fehle an geeigneten Räumlichkeiten. Hier wurden zunächst große Synagogen eröffnet und dann mit der Arbeit begonnen. Nur ist es für die wenigen Beter angenehmer, in einem kleinen Raum mit 14 anderen Personen zu beten, als in einem großen Synagogenraum, der für 200 Personen angelegt ist. Zudem wissen wir, dass mittlerweile die Anzahl der Gemeindemitglieder sinkt (hier). Wie auch Ron Yitzchak berichtet, bereitet die Fokussierung auf die falsche Gruppe bei der Gemeindearbeit uns heute Probleme. Die jungen Eltern und die Generation 30 plus, die mit ihren Kindern Judentum aufbauen könnte, wurde in kaum einer Gemeinde betreut.
Jörg Lau hat nun für die Zeit einen unaufgeregten Bericht bzw. eine kleine Bestandsaufnahme verfasst und dabei eben nicht auf die vermeintliche Renaissance des deutschen Judentums herbeigeschrieben, sondern geschaut, was sich tut. Natürlich stellt er auch fest, dass die Zahlen zurückgehen. Viel wichtiger ist der Punkt, dass Jörg Lau nicht nach den Funktionären schaut, sondern sich einige Vertreter herausgesucht hat, die über ihr jüdisches Leben Auskunft geben. Nebenher erfährt der nichtjüdische Leser, dass die jüngere Generation mit dem Konstrukt Zentralrat eigentlich recht wenig anfangen kann – eben weil ihre Interessen vollkommen andere sind. Oliver Polak ist einer derjenigen, über die berichtet wird:

Einer wie Oliver Polak will, wie er sagt, kein Klassensprecher für junge Juden sein. Er will auch nicht, dass in seinem Namen permanent mahnend gefaxt und gemailt wird: Wenn ich mal schlecht gelaunt oder deprimiert bin, ätzt er, dann googel ich die aktuellen Pressemitteilungen des Zentralrats der Juden. Und dann geht es mir gleich besser, weil ich sehe, dass ich im Vergleich doch gar nicht so mies drauf bin. von hier

Im Allgemeinen schneidet er alle Themen kurz an, leider aber nur das. Die Zeit hätte vielleicht für das Dossier eine runde Bestandsaufnahme machen können, mit mehr Stimmen zum Judentum in Deutschland.

In einem Punkt aber irrt Lau übrigens: die Einwanderung der Juden aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion ist nicht Helmut Kohl zu verdanken, sondern im Prinzip den letzten Tagen der DDR. Diese hatte die Regelung geschaffen und diese Regelung hat es geschafft, mit wiedervereinigt zu werden (siehe Bericht hier).

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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  1. @ Yael

    ich predige inzwischen nur noch auf russisch obwohl es mir schwer fällt und meine Gedanken ganz anders rüberkommen. einmal habe ich es auf deutsch gemacht, da hat keine zugehört und es hiess, wenn wir schon herkommen, wollen wir auch in russisch unterhalten werden. aber meistens steht immer einer auf der kein russisch versteht und sagt dann so spürche “amtssprache ist hier deutsch” und dann kann ich auch etwas in deutsch sagen.

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  2. Wir sollten unterscheiden zwischen Benutzung der der Sprache im Alltag und als “zweite Amtssprache” (IMHO kein Problem) und der Einfuehrung als “erste Amtssprache” (IMHO nicht akzeptabel).

    @RY: Warum lernst Du nicht einfach russisch? Eine Privatlehrerin hast Du ja schon! (Habe ich in Deiner Situation mit bescheidenem Erfolg so gehandhabt. ;-))

    @Helen: Fairerweise muss man sagen, dass auch schon frueher alle moeglichen Kulturprogramme in Gemeinden eingefuehrt wurden, die mit der Kernaufgabe nur begrenzt zu tun hatten. “Religioeses” ist nicht unbedingt der groesste Etatposten…

    “Predigten auf russisch”: Ist das denn nicht eine gute Gelegenheit, wenigstens ein wenig juedisches Wissen zu vermitteln?

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  3. Man muss natürlich unterscheiden. Wenn russische Juden untereinander russisch sprechen wollen, hat sicher keiner etwas dagegen. Ansonsten sollte es nicht zum Standard in der täglichen Gemeindearbeit werden. Das besonders alte Menschen ihre Muttersprache lieber sprechen und deutsch nicht besonders gut können, ist auch verständlich. Deutsch zu lernen ist sicher nicht einfacher als russisch. Im Alter schon gar nicht.
    In den großen Gemeinden ist das weniger das Problem, weil dort alle Angestellten Deutsch sprechen und das auch gefordert wird, wie überall in der Arbeitswelt. Dass daher in manchen Gemeinden Menschen arbeiten, die kein deutsch können und die einfachsten Fragen nicht beantworten können, finde ich inakzeptabel. Zur Integration gehört zuerst die Sprache.

    Yankel, unterschätze russisch nicht, es ist wirklich sauschwer. Ich musste es 6 Jahre lernen und habe, da es aus Zwang geschah, heute fast alles wieder vergessen. 😉

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  4. @Goi:

    Nein, das ist keine Fremdenfeindlichkeit, sondern schlichte Realität in mehreren ZR Gemeinden. Da scheiterst Du ohne Russischkenntnisse schon beim Pförtner oder im Sekretariat, wenn Du nur eine ganz simple Terminanfrage hast.

    Darauf war es auch gar nicht bezogen, allerdings halte ich es für eine Lüge, wenn du behauptest, dass du in einer jüdischen Gemeinde ohne Russischkenntnisse nicht bedient wirst.

    @Helen:

    Komisch oder? In den 60ern und ein wenig später kamen große Gruppen von Juden aus Rumänien und Tschechien in die Gemeinden zumindest in einige. Und? Haben sie die Gemeinden in rumänische Kulturclubs umgebaut? Nein. Sie haben sich schnell eingefunden, sind irgendwie mit den Juden vor Ort klargekommen und die Gemeinde mit vorangebracht. Think about it.

    Abgesehen davon, dass die Migration aus Rumänien im Vergleich zur Migration aus der Sowjetunion lächerlich ist, wer sagt, dass Juden aus Russland ihre Gemeinden nicht bereichern und nicht mit den Einheimischen klarkommen? Es ist eher andersherum, die fremdenfeindlichen alteingesessenen Juden sehen sich überrumpelt durch die Flut aus dem Osten. Die Reaktion war dann auch so, dass man geblockt hat. Jetzt steht man vor einem Scherbenhaufen. Nach 20 Jahren jüdischer Migration aus dem Osten hat man Generationen von Juden verloren.

    @Yael: Das ist eben nicht selbstverständlich, wenn man die Jungen nicht gewinnt und die Anwesenden zu 90% aus alten Menschen bestehen, die keinen Bock auf Deutsch haben. Als Mehrheit muss man sich nicht der Minderheit fügen. Ganz im Gegenteil, die Minderheit, also die Alteingesessenen müssen alles dafür tun, um diese Menschen zu halten.

    Dass daher in manchen Gemeinden Menschen arbeiten, die kein deutsch können und die einfachsten Fragen nicht beantworten können, finde ich inakzeptabel.

    In welcher Gemeinde ist das bitte der Fall?

    @Konstantin:

    ich predige inzwischen nur noch auf russisch obwohl es mir schwer fällt und meine Gedanken ganz anders rüberkommen. einmal habe ich es auf deutsch gemacht, da hat keine zugehört und es hiess, wenn wir schon herkommen, wollen wir auch in russisch unterhalten werden. aber meistens steht immer einer auf der kein russisch versteht und sagt dann so spürche amtssprache ist hier deutsch und dann kann ich auch etwas in deutsch sagen.

    Das bezieht sich jetzt aber nicht auf ein junges Publikum, oder?

    @Yankel:

    Wir sollten unterscheiden zwischen Benutzung der der Sprache im Alltag und als zweite Amtssprache (IMHO kein Problem) und der Einfuehrung als erste Amtssprache (IMHO nicht akzeptabel).

    In welcher Gemeinde soll denn bitte das Russische zur ersten Amtssprache ernannt werden? Was soll diese lächerliche Diskussion??? Russisch ist die Sprache der ALTEN, nicht der Jungen.

    Predigten auf russisch: Ist das denn nicht eine gute Gelegenheit, wenigstens ein wenig juedisches Wissen zu vermitteln?

    Richtig! Man muss in der Sprache Wissen vermitteln, die das Gegenüber beherrscht.

    Russland eine Weltmacht. Hoert hoert. Offenbar sieht das nicht mal Russlands Präsident Dmitri Medwedjew so, denn sonst gaebe es diese Meldung nicht:

    Unabhängig davon was Die Welt schreibt, Russland ist das ressourcenstärkste Land, mit einer bewegten Vergangenheit, Literatur, Musik etc. Es ist wohl klar abzusehen, dass in naher Zukunft Russland und einige andere Staaten die Welt dominieren werden. Das sage ich ohne falschen Patriotismus.

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  5. Chajm, glaubst du, dass Shabbes-Goi Deine Rückendeckung braucht? Also wirklich!

    In welcher Gemeinde ist das bitte der Fall? Ich möchte es selbst nachprüfen. In 17 Jahren und diversen Gemeinden in Deutschland habe ich das NIE erlebt. Klar, es gibt immer wieder Menschen, die ein sehr schlechtes Deutsch sprechen, aber dass man ohne Russisch nicht weiter kommt…

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  6. “Als Mehrheit muss man sich nicht der Minderheit fügen. Ganz im Gegenteil, die Minderheit, also die Alteingesessenen müssen alles dafür tun, um diese Menschen zu halten.”

    Und dazu gehört zunächst eine gemeinsame Sprache, damit niemand ausgeschlossen wird. Wenn man den anderen nicht versteht, wird das kaum funktionieren. Ich habe noch keinen erlebt, der keinen Bock hatte mir mit auf deutsch zu reden, auch keine “Alten”.

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  7. “In welcher Gemeinde soll denn bitte das Russische zur ersten Amtssprache ernannt werden? Was soll diese lächerliche Diskussion??? Russisch ist die Sprache der ALTEN, nicht der Jungen.”

    Ich lade dich ins schöne Mecklenburg-Vorpommern ein.
    Gemeindeinformationen werden ausschließlich auf Russisch vermittelt, im G’ttesdienst hörst du mehr Russisch als Hebräisch(die deutsche Sprache muss hier gar nicht erwähnt werden) und auch in der Sonntagsschule, also bei den jungen Leuten, wird auf Russisch Animation betrieben.

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  8. @Yael: Ich lasse Dich weiter träumen, vielleicht gibt es die 80-90jährigen, die man soweit Deutsch lernen lässt, bis sie einer deutschen Predigt lauschen können 🙂

    Die Realität zeigt seit 20 Jahren (!) was anderes, mach die Augen auf. Wir sind hier nicht auf dem Arbeitsmarkt, die Alten müssen gar nichts. Übrigens sprechen/sprachen viele Alte noch eine jüdische Sprache, das Jiddisch. Das haben die Gemeinden auch nicht genutzt.

    @Ron: Ausschließlich? Da sagt mir bspw. diese (aber auch andere) Seite was anderes: http://www.mecklenburg-vorpommern.eu/cms2/Landesportal_prod/Landesportal/content/de/Land_und_Regierung/Unser_Land/Kirchen_und_Konfessionen/Weitere_Religionsgemeinschaften/Landesverband_der_Juedischen_Gemeinden_in_Mecklenburg-Vorpommern/index.jsp

    Wurde ich schon wieder von den bösen Stalinisten-Juden gelinkt??? Oder ist es vielleicht tatsächlich nicht so, dass man das Russische zur ersten Amtssprache, sondern nur zur ersten Alltagssprache erwählt hat?

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  9. Warum Stalinisten-Juden?
    Ich kann dir nun mal aus erster Hand berichten, dass die wenigen deutschen Juden im Grunde genommen keine Informationen übermittelt bekommen und der Aushang in der Gemeinde(außer es sind offizielle Schreiben des Ministeriums o.ä.) setzt Russischkenntnisse voraus. Bei einem Zuwandereranteil von über 99% in der Gemeinde macht das durchaus Sinn, doch für “Alteingesessene”, die es bei uns in der Stadt tatsächlich noch gibt, wird ein Gemeindeleben dadurch alle andere als attraktiv. Fakt ist, dass sich das Russische als allgemeine Verkehrssprache in der Gemeinde etabliert hat und auch der Monatsplan nur auf Zuwanderer zugeschnitten ist. Für die wenigen deutsch-jüdischen Gemeindemitglieder(3 oder 4 an der Zahl sind wir) besteht der Monatsplan aus max. 4 Zeilen mit den wenigen G’ttesdienstterminen, während der eigentliche Monatsplan voller (russischer) Veranstaltungen der ZWST etc. ist.

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  10. @ Roman: Lüge ist ja schon reichlich dick!
    Aber gut, ich kann ich Dir sagen, wo, wobei es da nicht immer so ist, sondern davon abhängt, wer Dienst hat: Bo & Ge.
    Allerdings habe ich auch nicht geschrieben, dass man hier ohne Russisch Kenntnisse grundsätzlich scheitert, sondern nur “Da scheiterst Du ohne Russischkenntnisse schon beim Pförtner oder im Sekretariat, wenn Du nur eine ganz simple Terminanfrage hast.”.
    Im übrigen finde ich davon abgesehen, dass Du Dich ziemlich im Ton vergreifst, wenn Du Ron der Fremdenfeindlichkeit bezichtigst, wenn er schlicht und einfach schildert, wie er es in seiner Kehille erlebt.

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  11. Trotz allem fühle ich mich in meiner Gemeinde auch wohl, denn alle begegnen mir, gerade weil ich mich engagiere, sehr herzlich. Frustrierend ist aber trotzdem, wenn man merkt, dass man mit seinen Bemühungen gegen eine Wand fährt, weil die nötige Vorarbeit fehlt.

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  12. Es ist ein Unterschied ob man weiß worüber man spricht, oder ob man ahnt, was Gegenstand des Gespräches ist. Vielleicht solltest Du Dich darüber informieren, wann und wieviele rumänische Juden beispielsweise nach Düsseldorf kamen. In einer Zeit in der die Gemeinden winzig klein waren. Es hätten sich locker mehrere Clubs bilden können. Die Tschechen, die Rumänen und so weiter. Es war klar dass wir alle Deutsch miteinander sprachen und Deutsch die Sprache war in der alle Nachrichten verteilt wurden. Es war nett gemeint, die russischsprachigen Gemeindemitglieder in russischer Sprache zu versorgen aber es war auch grundfalsch. Die Gemeinde ist kein Dienstleistungsbetrieb. Das haben immer alle Gruppen die kamen verstanden. Sie haben die Gemeinde als Gemeinschaft verstanden und haben sich eingebracht.
    Mitglieder eines Gemeinderates, als Exempel, die sich Vorgänge übersetzen lassen müssen, haben in dieser Funktion nichts verloren.

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  13. @Ron: Das hat aber nun nichts mit der Amtssprache zu tun, meinst du nicht? Das ist lediglich die Verkehrssprache und ich finde es tatsächlich sehr schade, dass ihr 3-4 Leute ausgegrenzt werdet. Wie ist das denn mit der jungen Generation?

    @Goi: Nimm es mir den Ausdruck nicht übel, aber er entspricht einfach nicht der Wahrheit. Mit Bochum hatte ich bspw. mehrfach zu tun, das erste Mal vor rund 15 Jahren! Damals und heute, sprich vor 1 Jahr war das überhaupt kein Problem mit Deutsch weiter zu kommen!

    Du hast Deine Aussage ja gerade selbst relativiert. Halten wir also fest, dass es u.U. irgend einen Pförtner gibt, der Taub, Dumm oder einfach nicht der deutschen Sprache mächtig ist. Hier aber von einem Pförtner populistisch auf die komplette Gemeinde zu schließen finde ich nicht besonders klug. Fest steht, man kann ALLE Angelegenheiten auch ohne Russischkenntnisse regeln, auch in Bochum, auch in Gelsenkirchen.

    Ron habe ich übrigens keine Fremdenfeindlichkeit unterstellt. Ich sage, dass es im “deutschen Judentum” eine Tendenz zur Fremdenfeindlichkeit gibt. Warum sollten Juden tolleranter sein, als der Rest der Bevölkerung? Sie wurden ebenso gegen die Sowjetunion aufgehetzt, wie alle anderen Deutschen auch und sie haben ebenso Angst ihre Stellung zu verlieren, wie alle anderen Amtsträger.

    Zumindest waren ihnen die Juden in der Sowjetunion relativ egal, als dieser Staat noch existierte. Hungerstreiks gabs in Deutschland, im Gegensatz zu den USA nicht…

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  14. “Wie ist das denn mit der jungen Generation?”

    Die hat entweder gar kein Interesse am Judentum(den Betreuern in der Sonntagsschule fehlt auch selbst das nötige Wissen) oder zieht spätestens nach dem Schulabschluss in eine andere Stadt, da es hier keine Uni gibt.
    Die Jugendlichen, die zur Sonntagsschule kommen(12-15) sprechen untereinander Deutsch, die kleineren Kinder dagegen sprechen Russisch. Die Leute in meinem Alter(18-20) sprechen ein Misch-Masch, wobei das Russische doch Überhand gewinnt, wenn man sich in einer etwas größeren Gruppe befindet. Rücksicht wird dann auch nicht genommen, aber das betrifft die Gemeinde ja gar nicht, da meine Altersgenossen den Weg zur Synagoge ohnehin nicht finden.

    “Ron habe ich übrigens keine Fremdenfeindlichkeit unterstellt. Ich sage, dass es im deutschen Judentum eine Tendenz zur Fremdenfeindlichkeit gibt. Warum sollten Juden tolleranter sein, als der Rest der Bevölkerung?”

    Ich habe meiner Aussage bewusst angefügt, dass ich mich in der Gemeinde trotz allem wohlfühle.
    Es ist jedoch verkehrt, dass man in Publikationen etc. zur jüdischen Einwanderung usw. immer nur die Vorbehalte beleuchtet, auf welche die Zuwanderer stoßen(“deutsche Fremdenfeindlichkeit”), ohne aber auch nur zu versuchen, die “Ängste” der Alteingesessenen zu verstehen.
    Stell dir vor, du sitzt beim Kiddusch und um dich herum verstehst du kein einziges Wort. Große Reden werden geschwungen und alle sind fröhlich, und du kennst nicht einmal den Grund. Stell dir vor, drei ältere Herren sitzen dir gegenüber und unterhalten sich ganz offensichtlich über dich, aber du hast keine Ahnung, was genau sie über dich so sagen. Das sind einfach Momente, die immer wieder mal auftreten und die das Wohlbefinden in der Gemeinschaften immer ein wenig trüben.

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  15. @Helen:

    Es ist ein Unterschied ob man weiß worüber man spricht, oder ob man ahnt, was Gegenstand des Gespräches ist. Vielleicht solltest Du Dich darüber informieren, wann und wieviele rumänische Juden beispielsweise nach Düsseldorf kamen. In einer Zeit in der die Gemeinden winzig klein waren. Es hätten sich locker mehrere Clubs bilden können. Die Tschechen, die Rumänen und so weiter. Es war klar dass wir alle Deutsch miteinander sprachen und Deutsch die Sprache war in der alle Nachrichten verteilt wurden. Es war nett gemeint, die russischsprachigen Gemeindemitglieder in russischer Sprache zu versorgen aber es war auch grundfalsch. Die Gemeinde ist kein Dienstleistungsbetrieb. Das haben immer alle Gruppen die kamen verstanden. Sie haben die Gemeinde als Gemeinschaft verstanden und haben sich eingebracht.
    Mitglieder eines Gemeinderates, als Exempel, die sich Vorgänge übersetzen lassen müssen, haben in dieser Funktion nichts verloren.

    Ich weiß tatsächlich nicht wieviele Juden aus Rumänien nach Düsseldorf kamen, ich weiß aber dass 300.000 “Juden” aus der Sowjetunion kamen und unsere Gemeinde in den 1990er Jahren keinen Minjan stellen konnte! Heute gehören ihr 3.000 Mitglieder an und leider muss der Minjan durch Gratis-Fahrkarten gesichert werden!

    Wenn die russischen Juden tatsächlich was anderes unter der Gemeinde verstehen, dann mag es so sein, ich sehe jetzt aber auch keine Möglichkeit dies zu ändern. Entweder die Gemeinden bewegen sich oder es wird keine Juden in Deutschland mehr geben. Letzteres halte ich für wahrscheinlicher.

    Also bitte, vergiss was vor 50 Jahren war und konzentrier Dich auf die IST-Situation.

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  16. “Es tut mir Leid, die Realität tut weh.”

    Das muss dir nicht leid tun, meine Realität ist es nicht. Berlin ist groß genug um sich auszusuchen, was man möchte. Und das ist auch gut so.
    Ich gebe es aber auf, hier weiterzudiskutieren, weil nichts dabei herauskommen wird.
    Ich kümmere mich erstmal lieber um meinen Blog.

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  17. Nun, dann will ich mal versuchen, Nummer 125 zu sein.

    Eine kleine Episode, um zu zeigen, dass nichts schwarz weiß ist. Ein Seminar irgendwann vor ein paar Jahren. Junge Menschen – also ehm, so von 18 bis 35…sehr verschiedener Herkunft.
    Diskussion an einem Abend, ich weiß gar nicht mehr, was das eigentliche Thema war, aber es ging dann auf Gemeinden und was die bieten sollen und den Unterschied zwischen Ethnie Juden und Religion…. Ergebnis: Die jüdischen Kindergärten sollten als Zweitsprache Russisch haben, Schulen sowieso, die Angebote auf Russisch. Denn das Problem der Zuwanderer sei ja schließlich, dass sie ihre russischen Wurzeln verlören. Das war jetzt kurz gefasst…die Diskussion endete damit, dass die Teilnehmer mit russischer Vergangenheit, die schon etwas länger im Land waren, als seit frühester Kindheit von da an kein Russisch mehr sprachen, die andere Seite stur auf ihrer Meinung beharrte… Es handelt sich hier um junge Menschen, um Judentum ging es nicht. Nur immer darum, was man alles machen müsse, anbieten müsse. Ich kenne dieses Verhalten auch zu gut von meinen Landsleuten – vornehmlich jenen aus dem Osten.
    Ich weiß nicht, was aus diesen jungen Menschen geworden ist, ich bezweifle, dass sie noch in der Gemeinde sind…ich bezweifle, dass sich etwas geändert hat. Ja, vielleicht liegt es auch daran, dass sie nicht gefragt wurden, ob sie nach Deutschland wollten. Zehn Jahre früher waren sie Kinder…vielleicht sind sie also auch wieder zurück gegangen.
    Was ich letztlich sagen will, es geht hier nicht um alt und jung, es geht nicht um das Herkunftsland, es geht lediglich um grundkonträre Erwartungen.
    Und bevor jemand fragt, woher sie kamen: deutschlandweit… Jeder hat seine Erfahrungen, Erwartungen, es gibt kein: so ist das und nicht anders!

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  18. wenn ich noch 2 cents hinzufügen darf:

    einmal zu den deutschen juden der vorkriegszeit: es wird immer so hingestellt, als wäre die mischehenzahl horrend gewesen und alle wären in scharen zu den weihnachtsbäumen bzw. in die kirchen zur taufe gerannt…
    weder historisch ist das so nachweisbar, noch im “richtigen leben” belegbar. in meiner familie liess sich niemand taufen, und alle heirateten sowohl im 19. als auch im 20. jhdt. wiederum juden – ganz unreligiös, aber dennoch. es war wohl mehr als das religiöse, was juden zusammenhielt (@roman), denn wenn das entrebillet in die deutsche gesellschaft taufe hiess, so bedeutete auch das druck auf die eigene identität, ganz ohne progrome. da blieb man lieber unter sich, und ohnehin, gemeinsame erfahrungen und ein gemeinsamer hintergrund macht eben vieles leichter. man darf nicht vergessen, dass es bis vor kurzen immer andere zeiten waren – multikulti und das interesse an anderen kulturen auf breiterer ebene ist ein ganz, ganz neues phänomen und auch immer noch schwierig.
    interessant ist übrigens, dass auch in der DDR die juden häufig untereinander heirateten.
    zweitens zur zuwanderung: ich bin von russen sozusagen komplett umgeben (das gros der altersklasse: 20 bis 40). alle sprechen deutsch und wir haben uns einigen können, dass auf mich rücksicht genommen wird, da ich kein russisch spreche, wenn ich am tisch dabei bin. von den älteren erwarte ich nicht, dass sie deutsch auf hohem niveau lernen bzw. ich habe grosses verständnis dafür, wenn ältere “russen” (ganz verallgemeinert, denn sie unterscheiden sich gewaltig von einander – ob aus st. peterburg, moskau, odessa o.a.) kein oder kaum deutsch sprechen, und auch nicht motiviert sind, es zu lernen. deutsch ist eine schwere sprache und die lebensumstände der leute sind häufig einfach völlig anders: sie sind nicht im aktiven arbeitsleben und nur von ihresgleichen umgeben. es gab noch in den 80er jahren jeckes in israel, die nur schlecht hebräisch konnten… ein ähnliches phänomen.

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  19. ps
    noch etwas: es ist normal, dass die kinder auch russisch lernen sollen – zunächst einmal, um sich mit den eigenen grosseltern unterhalten zu können.
    und dann geht es auch um die “kultur”. die russische kultur ist für zuwanderer insofern wichtig, weil sie eben einerseits ganz positiv besetzt ist, und eine gemeinsamkeit bildet. ich denke, es nützt gar nichts, die russische kultur auszuschliessen und zu verdammen, man muss darauf eingehen, weil es eben so ein starker bezug für die meisten nicht-religiösen zuwanderer ist.
    vielleicht wäre es eher sinnvoll, hier dinge zu verbinden.
    insofern sind russischsprachige rabbiner sehr wichtig.

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  20. @Ron Yitzchak Das ist, was ich oben schrieb. Das Zugehen in russischer Sprache auf die Menschen war nett gemeint und verdient sicherlich auch große Anerkennung, aber es war falsch. Die Pflege russicher Kultur ist nicht die genuine Aufgabe unserer Gemeinden.
    Die jungen Menschen kommen ganz gut zurecht, auch wenn man ihnen nicht alles in russisch erzählt. Wie könnte man diese Menschen besser in die Gemeinden integrieren, als mit ihnen eine gemeinsame Sprache zu sprechen?

    Zuhause sollen die Menschen doch Russisch sprechen. Es schadet nicht, gerade nicht wenn man Jude ist, eine weitere Sprache perfekt zu sprechen.

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  21. Es tut mir Leid, die Realität tut weh.
    Das muss dir nicht leid tun, meine Realität ist es nicht. Berlin ist groß genug um sich auszusuchen, was man möchte. Und das ist auch gut so.
    Ich gebe es aber auf, hier weiterzudiskutieren, weil nichts dabei herauskommen wird.
    Ich kümmere mich erstmal lieber um meinen Blog.

    Kann es sein, dass du das Thema verfehlt hast? Wir reden hier vom Judentum in Deutschland und nicht in Berlin.

    @Goi: Zunächst möchte ich darauf hinaus, dass du es unwahr ist, dass man ohne Russisch in Bochum nicht weiter kommt. Plakative Aussagen hört man von Dir eigentlich seltener

    @Schoschana: Ein toller Beitrag, vielen Dank. Das sehe ich fast genauso. Judentum ist mehr als das Religiöse. Allerdings kann ich nicht nachvollziehen, dass Deine Freunde nicht im aktiven Arbeitsleben stehen. Ich kenne aus meiner näheren Umgebung und auch in der Gemeinde, kaum 20-30jährige, die weder Arbeit haben, noch studieren. Bei den Älteren ist es etwas anders, aber ich würde sagen 80 % arbeiten.

    Es ist übrigens nachweisbar, dass 45 % aller in den 1920er Jahren geschlossenen jüdischen Ehen interkonfessionell waren. Hier wurde leider ein verzehrtes Bild von Juden aus der Sowjetunion dargestellt und immer wieder auf das tolle deutsche Judentum verwiesen, dass es sich jedoch noch schneller zu assimilieren begann, als das Judentum in der Sowjetunion und Russland wird gern unterschlagen (ohne Repressalien, wohlgemerkt). Allein deswegen habe ich die Zahlen angeführt.

    @Helen:

    @Ron Yitzchak Das ist, was ich oben schrieb. Das Zugehen in russischer Sprache auf die Menschen war nett gemeint und verdient sicherlich auch große Anerkennung, aber es war falsch. Die Pflege russicher Kultur ist nicht die genuine Aufgabe unserer Gemeinden. []Wie könnte man diese Menschen besser in die Gemeinden integrieren, als mit ihnen eine gemeinsame Sprache zu sprechen?

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen wovon du sprichst. Ron hat doch ganz gut dargelegt, dass nur 3-4 Menschen kein Russisch sprechen. Unter diesen Umständen sind doch die Einwanderer sehr gut integriert, deiner Definition nach sind die deutschen Juden nicht integriert! Deiner Logik nach, müssten die Deutschen dazu beitragen, eine gemeinsame Sprache zu lernen und diese ist in diesem Fall RUSSISCH. Was die Aufgabe der Gemeinde entscheidet man übrigens demokratisch und nicht von oben herab diktiert.

    Rons Unmut kann ich gut nachvollziehen, jedoch ist es auch klar, dass es ohne die Russen überhaupt keine Gemeinde mehr gegeben hätte, nicht einmal einen Gottesdienst, denn man in deutscher Sprache auszeichnen könnte.

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  22. “alle sprechen deutsch und wir haben uns einigen können, dass auf mich rücksicht genommen wird, da ich kein russisch spreche, wenn ich am tisch dabei bin.”

    Das ist z.B. ein Kompromiss den ich gut finde, ich finde es eine Frage der Höflichkeit, nicht russischsprechende nicht auszuschließen, indem man dann eben deutsch spricht.

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  23. @Helen
    Auch ich schrieb oben (und zum|im verlinkten Artikel von Ron Yitzchak – mein Originalkommentar hier) zum fundamentalen Problem das wir haben und das unweigerlich dazu führen wird, dass ein Großteil der Gemeinden auf einen Nucleus zusammenschrumpfen wird. Die Gemeindearbeit zentrierte sich auf diejenigen, die ohnehin da waren.
    Mit Sicherheit habe ich das hier auch schon einmal geschrieben:

    Verloren wurde die Generation derjenigen, die heute selber Eltern sind und eigentlich eine tragende Säule des Gemeindelebens sein sollten. Für diese Generation benötigt man ja nicht einmal russischsprachige Progamme, denn diese Menschen stehen ja oftmals voll im Berufsleben oder haben hier bereits studiert bzw. sind hier zur Schule gegangen.
    Dass es funktionieren kann, auch junge Leute für ihre Tradition oder Religion zu begeistern, können wir bei Gruppen außerhalb der Synagogen beobachten. Chabad ist erfolgreich, Lauder macht gute Arbeit. Alle möglichen evangelikale Gruppierungen erreichen junge Leute mit recht einfachen Mitteln. Hier herrscht aber auch eine andere Mentalität. In den Gemeinden war man lange Zeit daran gewöhnt, Mitglieder zu verwalten und nicht aktiv zu gewinnen. Dann hat man mit denen gerarbeitet, die ohnehin kamen. Der Generation 65+ hat russischsprachige und transliterierte Siddurim und Literatur beschafft und dafür erhebliche Mittel aufgewendet. In der nächsten Generation braucht die niemand mehr, weil alle die Landessprache beherrschen. Die Synagoge ist (nicht überall) zum Ort der Alten geworden, nicht gerade ein Magnet für jüngere Menschen. Dieser Boomerang kommt jetzt gerade zurück und trifft uns
    Die Eindimensionalität trifft uns also. Man kann/könnte schon Sozialarbeit anbieten, aber sollte es nicht dabei belassen.

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  24. @ Chajm Nr. 132: Hinzu kommt, dass damals , 1990… ,die Bundesregierung die Gemeinden mit der, ich nenne es jetzt mal platt und absolut wertfrei, Integration der neuen russischen Gemeindemitglieder absolut überfordert hat. Die damaligen Gemeinden verfügten weder über das KnowHow noch über die Kapazitäten, ein Ansteigen der Mitgliedszahlen von 40.ooo auf erst 100.ooo, dann 200.ooo, zu verkraften und sich gleichzeitig um die soziale und “sprachliche” Situation der Neuankömmlinge zu kümmern. Die damalige Bundesregierung hat es sich nach außen hin sehr einfach damit gemacht, sich als judäophil zu repräsentieren und die Gemeinden mit den daraus resultierenden Anforderungen und Problemen im Regen stehen zu lassen.

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  25. Ist die Synagoge zum Ort der “Alten” geworden? War es nicht schon “immer” so, dass man beim Betreten einer Synagoge (in D) den Eindruck bekam, es muesse eine Halacha geben, die den Zutritt auf Personen im Ruhestandsalter beschraenkt?

    Es gibt da uebrigens, das ist eine Idee, die ich bei Doron Kornbluth gehoert habe, ein Phaenomen, dass der Grad an religioeser Aktivitaet in der “Schinken auf Matzes Fraktion” uber die Lebensspanne haeufig nach einem typischen Muster schwankt (aehnliches gilt religionsuebergreifend): In Kinder- und Jugendjahren geht man in den Religionsunterricht, nimmt an Jugendgruppen etc teil. In den Unijahren ist man mit anderen Dingen beschaeftigt, haelt sich fuer modern und hat mit Religion wenig am Hut. Sobald Kinder da sind, stellt sich die religioese Frage neu. Im Ruhestand wird die Synagoge als sozialer Treffpunkt wieder wichtiger. Dummerweise besteht das erhebliche Risiko, dass man in der religioes schwachen Uni-Periode sich bereits auf einen nichtjuedischen Partner eingelassen hat…

    Soll heissen: So lange die Basis des Gemeindelebens nicht starke religioese Ueberzeugungen sind, ist es nicht weiter erstaunlich, wenn die Generation 20-60 in der Synagoge fehlt. Das ist bei Nichtjuden schliesslich nicht anders.

    Starke rabbinische Persoenlichkeiten mit Statur haben frueher in Osnabrueck und heute in Leipzig wahre Wunder an der Jugend vollbracht…

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  26. Jörg Lau bringt es in folgendem Satz ziemlich gut auf den Punkt:
    “Was es heute heißt, Jude in Deutschland zu sein, muss neu bestimmt werden. Die Herausforderungen sind gewaltig. Das Judentum wird ohne Zentrierung auf den Holocaust auskommen müssen. Auch Israel rückt weiter an den Rand. Eine selbstbewusste Diaspora will im Hier und Jetzt leben lernen, als eine Minderheit unter anderen. Die jüdischen Repräsentanten müssen eine neue Rolle finden. Sie haben über dem Warnen vor Antisemitismus, Neonazismus und Antizionismus versäumt, ein positives Bild vom Judentum zu zeichnen.”
    Wobei sich “ein positives Bild vom Judentum zu zeichnen” eben nicht nach außen, sondern nach innen beziehen sollte.

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  27. “Allerdings kann ich nicht nachvollziehen, dass Deine Freunde nicht im aktiven Arbeitsleben stehen. ”

    @ roman

    du hast mich missverstanden: ich meinte damit nicht meine freunde und bekannten (also meine “altersklasse”), sondern die älteren und alten zuwanderer,.

    45%?
    was ist das denn für eine statistik?

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  28. Yael, Du verabschiedest Dich und bist doch immer wieder hier. Klasse!

    Soweit waren wir überigens schon! Hast du den Kommentarstrang nicht gelesen?

    Setzt das ins Verhältnis, die absolute Zahl der Juden in Deutschland sagt wenig aus. Aber ich wiederhole mich. Bitte lies!

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  29. Ich wurde darum gebeten, ganz einfach. Chajms 6,7% hauen hin und das darf ich ohne dein Einverständnis noch einmal bestätigen. Wieviel Prozent angeblich in den 20er Jahren “Mischehen” eingingen, ist gar nicht mein Thema.

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  30. @Yael Diese Zahlen habe ich ja auch oben genannt.
    Für Dich habe ich die Mischehenquote aus den 20er Jahren recherchiert:
    Wenn man als Berechnungsgrundlage annimmt, es werden aus allen geschlossenen Ehen nun die Ehen ermittelt, in denen nur ein Partner jüdisch war, dann ergibt sich für die entsprechenden Jahre:
    1919 16,9 Prozent
    1920 20,4 Prozent
    1921 22,1 Prozent
    1922 27,1 Prozent
    (Aus der Statistik des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes)

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  31. @Yael:
    Roman hat recht.

    by the 1920s, the intermarriage rate of German Jewry rivaled that of America today

    von hier .
    Kleines vereinfachtes Rechenbeispiel. Wir gehen der Einfachkeit halber von einer konstanten Jahrgangsstärke n aus. Wenn wir im Jahre m mit einer Mischehenquote von 0% starten und diese pro Jahr um einen Prozentpunkt ansteigt, sind wir nach 40 Jahren bei einer Mischehenquote von 40% für das Jahr n+40. Aber für alle Ehen der Jahre n bis n+40 ist Quote aber nur das arithmetische Mittel der Quoten der einzelnen Jahrgänge, was ca 20% ergibt. Ist der Unterschied jetzt klarer? Die älteren Jahrgänge hatten niedrige Quoten, die jüngeren hohe (und steigende!), die Alten haben also den Schnitt gedrückt. Der Trend war aber klar: Sobald die älteren “weggestorben” wären, wäre die Quote explodiert. So wie heute auch…
    Oder man schreibe einfach mal den Trend von Chajms Zahlen oben einige wenige Jahre fort…

    @Roman:
    Du hast aber IMHO unrecht, wenn Du wiederholt das Judentum in D von 1949-1989 mit dem Vorkriegsjudentum in D in Verbindung bringst. Es gab wohl mehr poilische, ungarische, tschechische und rumänische Juden als solche mit jekkischen Wurzeln. Das sieht man ja auch an den gepflegten Bräuchen. Die eben oft nicht mehr jekkisch waren. In so mancher Gemeinde in D wird Nussach Sfard gedawwent!

    @Schoschanah:
    Bzgl Assimilation in Vorkriegs-D: Bedenke, dass Du postfaktum schaust. Irgendwo müssen die ganzen gojischen Goldbergs ja herkommen. Wir sehen heute nur die übriggebliebenen…

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  32. @Yael Zunächst sinkend, denn 1914/1915 war der Krieg! Das ist bei solchen statistischen Daten auch ein Faktor, den man nicht außer Acht lassen sollte.
    1916 44,4 Prozent
    1917 32,9 Prozent
    1918 25,3 Prozent
    1919 16,9 Prozent
    1920 20,3 Prozent …

    bis wir 1933 zum oben genannten Mittel kommen.

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  33. “@Yael:
    Roman hat recht.”

    Ich habe die Quote nicht angezweifelt, mich hat nur interessiert wieviele es in ganzen Zahlen waren.
    Heute ist es ja scheinbar viel schlimmer. Heute sollen 50% aller Juden in Deutschland in gemischten Beziehungen leben (ob verheiratet oder nicht ; (laut einer Historikerin aus Hamburg).
    Das klingt ja nach mehr Assimilierung als vor 1933, wobei man bedenken muss, dass natürlich die Auswahl an Partnern auch wesentlich kleiner ist.

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  34. Haben eben diesen älteren (1985) Spiegel-Artikel zum Thema “Mischehe” entdeckt.

    Zum Thema Mischehen in der Gegenwart sollte man obendrein im Hinterkopf behalten, dass die Heiratsquote gesunken ist. Soll heissen, selbst wenn “nur” 50% in Mischehen leben, bei denjenigen, die ohne Trauschein zusammen leben, soll die Quote in USA eher bei 80% liegen…

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  35. Das nicht, aber man sollte das Gemeindeangebot auch für jüngere Menschen attraktiv gestalten und sie nicht zwingen, eigene Initiativen zu gründen, was ja äußerst schwierig sein kann, wenn kaum junge Leute in der Gemeinde, aufgrund falscher Zielsetzungen, aktiv sind.

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