Juden in Deutschland – Bestandsaufnahme

Die Berichterstattung über Juden in Deutschland in den Medien erreicht gelegentlich große Veröffentlichungsfrequenzen, wenn neue Synagogen eröffnet werden oder sonst irgendeine Gemeinde ein besonderes Ereignis begeht. Häufig fällt die Wendung von der Renaissance des deutschen Judentums, obwohl die Realität anders ausschaut und wir heute mehr oder weniger wissen, dass von den vielen Gemeinden nicht alle eine große Perspektive haben. Julius Schoeps rechnete vor, dass es von derzeit 104 jüdischen Gemeinden in knapp 30 Jahren zwei Drittel nicht mehr geben wird. In Osnabrück wurde kürzlich eine neue Synagoge eröffnet, eine in Ulm wird folgen. So frug angesichts des Baubooms in letzter Zeit Heide Sobotka, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen, in der ersten Ausgabe 2010, warum man nicht erst einmal jüdische Gemeinden aufbaut (hier), bevor man große Synagogen eröffnet.

Das Beth Midrasch hält nur so lange, wie seine Säulen von jüdischer Tradition und Religion getragen werden. von hier

In Deutschland hatten wir häufig die umgekehrte Entwicklung – meist unter dem Verweis, es fehle an geeigneten Räumlichkeiten. Hier wurden zunächst große Synagogen eröffnet und dann mit der Arbeit begonnen. Nur ist es für die wenigen Beter angenehmer, in einem kleinen Raum mit 14 anderen Personen zu beten, als in einem großen Synagogenraum, der für 200 Personen angelegt ist. Zudem wissen wir, dass mittlerweile die Anzahl der Gemeindemitglieder sinkt (hier). Wie auch Ron Yitzchak berichtet, bereitet die Fokussierung auf die falsche Gruppe bei der Gemeindearbeit uns heute Probleme. Die jungen Eltern und die Generation 30 plus, die mit ihren Kindern Judentum aufbauen könnte, wurde in kaum einer Gemeinde betreut.
Jörg Lau hat nun für die Zeit einen unaufgeregten Bericht bzw. eine kleine Bestandsaufnahme verfasst und dabei eben nicht auf die vermeintliche Renaissance des deutschen Judentums herbeigeschrieben, sondern geschaut, was sich tut. Natürlich stellt er auch fest, dass die Zahlen zurückgehen. Viel wichtiger ist der Punkt, dass Jörg Lau nicht nach den Funktionären schaut, sondern sich einige Vertreter herausgesucht hat, die über ihr jüdisches Leben Auskunft geben. Nebenher erfährt der nichtjüdische Leser, dass die jüngere Generation mit dem Konstrukt Zentralrat eigentlich recht wenig anfangen kann – eben weil ihre Interessen vollkommen andere sind. Oliver Polak ist einer derjenigen, über die berichtet wird:

Einer wie Oliver Polak will, wie er sagt, kein Klassensprecher für junge Juden sein. Er will auch nicht, dass in seinem Namen permanent mahnend gefaxt und gemailt wird: Wenn ich mal schlecht gelaunt oder deprimiert bin, ätzt er, dann googel ich die aktuellen Pressemitteilungen des Zentralrats der Juden. Und dann geht es mir gleich besser, weil ich sehe, dass ich im Vergleich doch gar nicht so mies drauf bin. von hier

Im Allgemeinen schneidet er alle Themen kurz an, leider aber nur das. Die Zeit hätte vielleicht für das Dossier eine runde Bestandsaufnahme machen können, mit mehr Stimmen zum Judentum in Deutschland.

In einem Punkt aber irrt Lau übrigens: die Einwanderung der Juden aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion ist nicht Helmut Kohl zu verdanken, sondern im Prinzip den letzten Tagen der DDR. Diese hatte die Regelung geschaffen und diese Regelung hat es geschafft, mit wiedervereinigt zu werden (siehe Bericht hier).

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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Roman
10 Jahre zuvor

@Joshua: Du liest schon wieder nicht. Man musste sich anmelden und ich sage ja gerade, dass die Gemeindezugehörigkeit, der Friedhof etc. für die meisten älteren Menschen wichtig ist! Hier ist der Widerspruch.. Wenn man kein Jude ist, dann braucht man keinen Friedhof, aber den wollen die meisten haben.

Ich habe z.B. selbst nen Fall, eine ältere Dame. Die Tochter hat einen Ukrainer geheiratet. Enkelkinder sind mit Nichtjuden verheiratet/zusammen, sie selbst geht nicht in die Gemeinde, spendet aber Geld an eine Synagoge in Kiew und will auf einem jüdischen Friedhof begraben werden. Jedes Jahr fahre ich Matzen zu ihr, auch wenn sie auch Schweinefleisch etc. isst.

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

“Ich frage mich sowieso, warum Angehörige von russischen Juden, die ja schließlich im Sinne der Familienzusammenführung bzw. der Zusammenhaltung der Familie auch nach Deutschland kamen, sich bemühen sollte, auch Mitglieder in den Gemeinden zu werden.”

Wer verlangt denn das? Das geht ohne Giur auch gar nicht.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

Richtig.
Ich verstehe Joshua aber teilweise so, dass es wohl viele so machen würden. Also dass die nichtjüdischen Angehörigen irgendwie in die Gemeinde eingeschleust werden.

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

Ich kann nur aus meinen Erfahrungen berichten und da war es so mitnichten so. Beispielsweise ein junges Mädchen, deren Vater Jude ist und sie einen Giur machen musste (den sie kurz vor Ende doch nicht gemacht hat) oder ein Mädchen, in deren Familie ein Cousin war, der nichtjüdisch war und dem der Rabbiner anbot einen Giur zu machen usw. Ich habe das, was Joshua schrieb, nie erlebt noch gehört.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

Er unterstellt den Leuten ja auch, dass sie vorgeben, jüdisch zu sein 😉

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

Ich zweifle daran das hier irgendwer überhaupt verstanden hat um was es mir eigentlich geht.

Vermutlich habe ich mich völlig falsch ausgedrückt.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

Solche Erfahrungen habe ich auch noch nicht gemacht.
Unsere G’ttesdienste sind zwar für jeden zugänglich, aber aufgerufen werden nur Juden.
Beispielsweise kommt ein Russlanddeutscher regelmäßig zu den G’ttesdiensten(er scheint mir zwei anderen als Schabbes-Goi zu dienen) und gehört quasi zum Gemeindeinventar, aber niemand käme auf die Idee, ihn zur Torah aufzurufen. Und “Vaterjuden” kommen höchstens zur Sonntagsschule.

Roman
10 Jahre zuvor

@Joshua:

Ich glaube schon, dass ich Dich verstanden habe, aber das ändert nichts an Deinen Methoden.

Judentum in Deutschland ist am Ende und die Israelis (Sachnut & Co.) wissen das genau. Beim Taglit wurde mir all das auf einmal klar und ich war irgendwie erleichtert, davor war ich nur wütend. Wir können in Deutschland jetzt nur noch versuchen etwas Jüdischkeit zu bewahren, dieses Land befruchten und wen es gar nicht mehr weiter geht auswandern. In 20-30 Jahren, davon bin ich überzeugt, werden uns unsere islamistischen Freunde zu Leibe rücken und dann wird auch ein paar anderen Leuten ein Licht aufgehen.

Vielleicht denkt dann auch noch der ein oder andere darüber nach, ob es klug war mit seiner Internetseite Islamisten eine Plattform geboten zu haben. Wir werden es sehen!

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

“…halten aber trotzdem an der Tradition fest”

Und welche Tradition genau wäre das? Geschmückte Tannenbäume im Dezember habe ich in den meisten postsowjetisch-jüdischen Haushalten, die ich besucht habe, gesehen. Und das waren die mit gutem Kontakt zur jüdischen Gemeinde…

“Vielen russischen Juden ist es sehr wichtig auf einem jüdischen Friedhof begraben zu werden”

Darin sind sie sich mit den “Alteingesessenen” einig. Nur geht es nicht darum jüdisch zu sterben, sondern darum, jüdisch zu leben…

Frei nach JFK: Frag nicht, was Dein Judentum für Dich tun kann. Frag, was Du für für Dein Judentum tun kannst.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

“Also dass die nichtjüdischen Angehörigen irgendwie in die Gemeinde eingeschleust werden.”

Gerade eben habe ich mir telefonisch bestätigen lassen, dass eine der grösseren Gemeinden zwei Arten von Mitgliedsausweisen hat: Blaue, für die halachischen Juden; gelbe, für die anderen. Aufgerufen etc werden nur die blauen. Aber die gelben zählen für die Mitgliederstatistik…

Roman
10 Jahre zuvor

@Yankel: Mach Dich nur lustig über Menschen, die ihr ganzes Leben in einem Land verbracht hatten, wo man für das Matzebacken in den Knast kam.

Dass diese Menschen nicht von den Gemeinden abgefangen und an richtiges Judentum herangeführt wurden und herangeführt werden ist eine Schande. Sie können aber nichts dafür. Das ist Aufgabe der Gemeinden und in ihrem eigenen Interesse.

Aus diesem Grund ist Deutschland ein Grab für die Juden aus dem Osten. Sie sterben wohlgenährt und über ganz Deutschland verstreut.

Übrigens sind in der russischen Tradition die geschmückten Tannen sinnentleerter, als die deutschen Weihnachtsbäume.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

“Gerade eben habe ich mir telefonisch bestätigen lassen, dass eine der grösseren Gemeinden zwei Arten von Mitgliedsausweisen hat: Blaue, für die halachischen Juden; gelbe, für die anderen. Aufgerufen etc werden nur die blauen. Aber die gelben zählen für die Mitgliederstatistik”

Das ist auf jeden Fall nicht meine Gemeinde 😀 Und wir gehören zu den großen Gemeinden in Ostdeutschland 😉

Es stellt sich nun die Frage, worauf sich die “gelbe Mitgliedschaft” bezieht. Geht es darum, nichtjüdischen Angehörigen die Teilnahme an – nichts unbedingt jüdischen – Kulturangeboten etc. zu ermöglichen, sehe ich keinen Grund, großartig zu protestieren.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

@Roman:
Ich mache mich überhaupt nicht lustig. Ich habe nur Deiner Behauptung widersprechen wollen, jüdische Traditionen seien postsowjetischen Juden so wichtig. Ich habe auch volles Verständnis dafür, wenn jemand nur mäßig motiviert ist, für seinen Glauben nach Sibirien zu gehen. Nur droht heute keinem mehr Sibirien.

Wir sollten uns auch darüber im klaren sein, dass nach Deutschland nicht unbedingt diejenigen kamen, denen Judentum eine hohe Priorität im Leben war. Die gingen eher nach Israel oder USA. Und das gilt bereits für die Migration von 1945-1989. Die (invertierte) Alterspyramide lässt vermuten, dass die jüngeren ihre (Gross-)Eltern in Deutschland “deponiert” haben.

Der Einäugige ist König unter den Blinden. Es ist ja nicht so, dass das Judentum vor der postsowjetischen Immigration in den jüdischen Gemeinden eine so zentrale Rolle gespielt hätte. Wäre es so gewesen, hätte man die Neuankömmlinge vielleicht anders empfangen.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

@RY:
Die Gemeinde liegt eher im Westen.
Die gelben werden in der Mitgliederstatistik geführt. Und die Mitgliederzahl bestimmt die Höhe der staatlichen finanziellen Zuwendung. Ein Schelm, wer böses dabei denkt…

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Bitte belegen: Wo und wann?”

Wie soll ich das belegen? Ich habe das nur mal gehört. Gesehen kann ich es nicht haben, deshalb wollte ich hier wissen ob das stimmt. Vater Jude, Mutter Nichtjüdin , Kind Aliyah.

Das habe ich aus erster Hand gehört von Leuten die es gesehen haben wollen.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Neben all den anderen Herabsetzungen des liberalen Judentums war das ja nur ein besonderes Bonbon.”

Ich frage nur, mehr nicht.

“Wenn man sich inhaltlich an den Strömungen reiben will, dann gibt es hier ausreichend Beispiele für diese inhaltliche Diskussion.”

Sinnlos, die ziehen so oder so ihr “Ding” durch.

“Mit Ich habe mal gehört, dass kann man jedes Gerücht in die Welt setzen und sich hinterher darauf zurückziehen, man habe ja nur gefragt.”

Nennt man Rhetorik 😉 Ich denke es reicht hier ohnehin für mich, war aber mal interessant. Man wird ja ganz süchtig vom vielen posten hier. 🙂

Konstantin Pal
Konstantin Pal
10 Jahre zuvor

OY,

ich finde es krass, dass die überwiegende zahl der diskutierenden über etwas redet, wovon sie selber nie betroffen waren. abgesehen von roman kommt keiner aus der ex-udssr aber alle wissen es besser wie es dort zuging. fakt ist, es sind auch menschen hierher gekommen die patriliniär sind und es sind menschen hierher gekommen mit gefälschten papieren – nur sind diese kaum in gemeinden vorhanden, sie haben das judenticket benutzt um rauszukommen und sind eher in der r-o kirche anzutreffen.

und das mit den gelben und blauen ausweisen – köstlich, ich frage mich welche gemeinde so blöd ist und das macht.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

:
“entweder man ist halachischer Jude oder man ist Nichtjude”

Sehe ich genau so.

“Indirekt wird also behauptet, hier werden Fördermittel erschlichen”

So interpretiere ich das auch. Wobei mir unklar ist, ob das auf diese eine Gemeinde beschränkt ist.

Ich selber kann gar nichts belegen. Aber meine Quelle; er ist treues Mitglied dieser Gemeinde. Ich habe keinerlei Absicht in diesem Punkt ins Detail zu gehen, und die Gemeinde anzuschwärzen.

Roman
10 Jahre zuvor

Mir scheint ein Teil der anwesenden ist gar nicht gewillt die Problematik der jüdischen Migration zu verstehen. Die offensichtlichen Lügen die hier von mehreren Parteien verbreitet werden tun ihr übriges.

Genau diese Haltung, sowie der fehlende Wille die Gemeinden zu reformieren führen immer wieder zu ergebnislosen Gesprächen, haltlosen Anschuldigungen und Beleidigungen, nur um letztendlich sich wieder zurück zu ziehen und seine Meinung an anderer Stelle weiter als bare Münze zu verkaufen.

In Wirklichkeit sind die pseudoreligiösen ebenso angepasst und fremdenfeindlich, wie alle anderen auch. Yankels Story von den unterschiedlichen Mitgliedsausweisen ist eines der Highlights. Seine Haltung zur Sache spricht für sich.

Zumindest hat man hier aufs jiddeln verzichtet.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

@Roman:
Du darfst mich auch in der zweiten Person anreden.

Meine Haltung zur Sache? Was hat das mit der Migration zu tun? Wieso ignorierst Du, dass das Problem mit Vaterjuden und nichtjüdischen Familienangehörigen und Juden, die keine Ahnung von Judentum haben, viel älter ist als die Immigration nach 1990? Da werden zwei Dinge vermischt, die per se nichts miteinander zu tun haben. (Übrigens ist meine Quelle selber “Kontingentflüchtling”)

Es steht Dir frei, selber zu recherchieren. Soviele größere Gemeinden mit Ausweisen wird es ja nicht geben (ich habe bis dahin nie von Mitgliedsausweisen gehört.)

Juna
10 Jahre zuvor

So, nachdem ich mich hier durch die Kämpfe durchgewühlt habe, und doch eigentlich nur was zum Artikel sagen wollte, den ich erst heute lesen konnte, lege ich mal los.
Ich fand den Artikel gar nicht so schlecht. Natürlich kann man in so wenigen Zeilen im Verhältnis zum großen Thema nicht alles anschneiden. Das wäre vielleicht Stoff für ein Zeit Magazin. Im Groben spiegelt es doch aber doch wieder, was ich für mich und in meinem Umfeld empfinde. Ich will eben nicht lebende Mahnung sein – für was auch? Ich müßte mich ja zerteilen, um Mahnung für alles zu sein, mit dem ich irgendwie verbunden bin. Einfach leben, ich denke, das ist die Quintessenz. Leben und leben lassen. Und ja, einfach eben LEBEN und nicht (man verzeihe mir die Wortwahl) die Überbleibsel von Mord zu sein…
Allerdings frage ich mich die ganze Zeit, seit wann es in Berlin eine Rabbinerin gibt, die “nach amerikanischem reformierten Ritus G’ttesdienste abhält, den Orthodoxen verpönte Orgenmusik inklusive.” Da wäre ich wirklich gespannt, wer das sein sollte.

Und wenn ich dann doch noch mal auf das Vorhergesagte eingehen dürfte. “Soviele größere Gemeinden mit Ausweisen wird es ja nicht geben”…ehm, ich bildete mir bisher ein, dass das normal sei, aber mal lernt ja nie aus. Da Berlin ja nun eher nicht im Westen liegt, wäre ich doch mal gespannt, welche denn nun diese geheimnisumwogene Stadt sei…

Shabbes-Goi
Shabbes-Goi
10 Jahre zuvor

Mal kurz als Input von außen: wenn es sich dabei, dass in Gemeinden offensichtliche Nichtjuden, weder halachisch, noch durch Dokumente belegt, als Mitglieder zugunsten der Landesmittelhöhe geführt werden, nicht nur um bloße Gerüchte handelt, würde ich mich ganz schnell an den ZR wenden, damit sie das prüfen und einstellen. Und zwar nicht aus internem Neid oder Häme, sondern aus folgendem Grund: wenn das wirklich so wäre, belegbar wäre, öffentlich wird und in die Medien kommt, kann sich nicht nur der ZR warm anziehen. Selbst wenn es bei diesen nichtjüdischen Mitgliedern nur um den Gemeindezuschussschlüssel und nicht um die grundsätzliche Höhe der Bundes- bzw. Landeszuschüsse geht, bietet ein solches Vorgehen den revisionistischen und antisemitischen Kräften in der BRD ziemlich viel klassisch antisemitische Munition, um eine echte Schlammschlacht zu veranstalten.

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

“Schade, dass Joshua sich von uns verabschiedet hat. Ich habe seinen letzten Kommentar entfernt und bitte ihn, keine Kommentare mehr einzustellen. Zudem hat sich die angegebene Mailadresse als Fake herausgestellt.”

Ich kann sowas nicht verstehen, was soll das eine Fakemailadresse anzugeben? Da muss man ja davon ausgehen, dass alles ein Fake ist.

@Juna

in Hamburg gab es keine Mitgliedsausweise wie beispielsweise hier in Berlin. Aber Hamburg liegt auch nicht im Westen. 😉

Juna
10 Jahre zuvor

@Yael

Dann geht die Spekulation weiter. Ich war in D nur in Berlin Mitglied, in den Staaten hatten wir auch einen Ausweis – naja, Synagogenausweis. Sind ja auch etwas andere Welten da, schlecht vergleichbar. 😉

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Anscheinend bekommen wir einen neuen ZR-Vorsitzenden, mit dem hoffentlich alles besser wird. Vielleicht nach einer Serie von Aussenministern mal einen Innenminister…

YM

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

“Du kannst davon ausgehen, dass es sich hier um einen Troll gehandelt hat”

Leider fällt man immer wieder darauf rein.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Nachforschungen haben ergeben, dass die Zahl der Inhaber gelber Ausweise prozentual nicht ins Gewicht faellt. Das macht es noch unwahrscheinlicher, dass an der Story was dran ist. Und wenn, der Schaden waere eher gering.

Shabbes-Goi
Shabbes-Goi
10 Jahre zuvor

@YM “Anscheinend bekommen wir einen neuen ZR-Vorsitzenden”
Habt Ihr drüben in Great-Brit- ian auch einen ZR ?
Gitt woch, Dein Shabbes-Goi

Roman
10 Jahre zuvor

Meine Haltung zur Sache? Was hat das mit der Migration zu tun? Wieso ignorierst Du, dass das Problem mit Vaterjuden und nichtjüdischen Familienangehörigen und Juden, die keine Ahnung von Judentum haben, viel älter ist als die Immigration nach 1990?

Ja, das Problem ist älter. Nur ist es so, dass es einen Unterschied ausmacht, ob man sich aus einer Laune heraus vom Judentum entfernt oder deswegen, weil man seine Existenz bedroht sieht. Sprich, die deutschen Juden wollten sich assimilieren, die Juden aus der Sowjetunion wurden dazu gezwungen. Kleiner, aber feiner Unterschied.

(Übrigens ist meine Quelle selber Kontingentflüchtling)

Toll! Joshuas Quelle kommt aus Israel, das macht die Sache nicht besser.

Nachforschungen haben ergeben, dass die Zahl der Inhaber gelber Ausweise prozentual nicht ins Gewicht faellt. Das macht es noch unwahrscheinlicher, dass an der Story was dran ist. Und wenn, der Schaden waere eher gering.

Dann brauchst du nichts zu tun, wie passend! Verbreite nur weiter deine Gerüchte. Zunächst stellst du haltlose Anschuldigungen gegen jüdische Gemeinden in den Raum, dann behauptest du der Betrug wäre gar nicht so schlimm Sag mal, gibts nicht irgend eine religiöse Regel, die dich davon abhalten müsste, die Unwahrheit zu verbreiten und der jüdischen Gemeinschaft zu schaden?

:

@Yael Du kannst davon ausgehen, dass es sich hier um einen Troll gehandelt hat

Das war ganz sicher kein Troll.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

@SG:
Ich bezog mich auf diese Meldung . In der Tat, in UK gibt das Board of Deputies of British Jews.

@Roman:
Machst Du es Dir mit Deinem Geschichtsbild nicht ein bißchen zu einfach? Haskalah und Kommununisten gab es in Osteuropa bereits vor der Oktoberrevolution. (Und das Judentum hat im zaristischen Russland bereits furchbar gelitten unter der Verschleppung der jüdischen Jugend in den gefürchteten 25-jährigen Militärdienst.)

Dass die in 1949-89 in D lebenden Juden oft so wenig Ahnung hatten, scheint mir angesichts der Tatsache, dass nur ein Teil einen jekkischen Stammbaum hat, höchstens partiell mit der Assimilation des deutschen Vorkriegsjudentums erklärbar zu sein.

Niemandem wird vorgeworfen, sich unter Druck entfernt zu haben. Aber dass die Wiederannäherung so schleppend vonstatten geht, ist aus Sicht der “Alteingessenen” (die ursprünglich grosse Hoffnungen in die Immigration gesetzt hatten) etwas enttäuschend. Kannst Du das nachvollziehen?

Ich habe eigentlich gehofft, in diesem Forum jemanden zu finden, der die Behauptung bestätigen oder dementieren kann. Wahrscheinlich hast du recht, das war kein kluger Schachzug.

Gut Chodesch, gut Woch.

YM

Roman
10 Jahre zuvor

Machst Du es Dir mit Deinem Geschichtsbild nicht ein bißchen zu einfach? Haskalah und Kommununisten gab es in Osteuropa bereits vor der Oktoberrevolution. (Und das Judentum hat im zaristischen Russland bereits furchbar gelitten unter der Verschleppung der jüdischen Jugend in den gefürchteten 25-jährigen Militärdienst.)

Vielleicht machst du es Dir ein wenig zu einfach? Die Juden lebten massenhaft nur rund 300 Jahre in Russland, gelitten wurde viel, das hat auch niemand in Abrede gestellt. Ihr Leid fing auch nicht erst mit dem Zaren oder den Kommunisten an.

Allerdings gab es in der neueren Geschichte keinen einzigen Versuch die Juden als kulturelle Einheit auszulöschen. Die Kommunisten haben es rund 70 Jahre lang geschafft die jüdische Identität zu unterdrücken. Also eigentlich das Gegenteil von dem erreicht, was man zuvor mit den Ansiedlungsrajons unwillentlich noch gefördert hat. Du packst hier also Dinge in einen Topf, die mit einander wenig gemeinsam haben.

Unter vergleichbaren Druck wurden die in Spanien verbliebenden Juden ihrer Identität beraubt.

Dass die in 1949-89 in D lebenden Juden oft so wenig Ahnung hatten, scheint mir angesichts der Tatsache, dass nur ein Teil einen jekkischen Stammbaum hat, höchstens partiell mit der Assimilation des deutschen Vorkriegsjudentums erklärbar zu sein.

Wer hat den davon gesprochen? Ich sprach von den deutschen Juden der letzten 150 Jahre. Hätte Hitler die Juden nicht verfolgt, dann hätten sie sich vollständig assimiliert. Das belegt die Zahl der Mischehen vor 39.

Niemandem wird vorgeworfen, sich unter Druck entfernt zu haben. Aber dass die Wiederannäherung so schleppend vonstatten geht, ist aus Sicht der Alteingessenen (die ursprünglich grosse Hoffnungen in die Immigration gesetzt hatten) etwas enttäuschend. Kannst Du das nachvollziehen?

Ich kann so ziemlich alles nachvollziehen, allerdings sind die deutschen Juden ebenso angepasst, wie die restlichen Deutschen auch. Integration sieht in Deutschland so aus, dass man seine Identität aufgibt und eine neue Identität annimmt. Zumindest wird das erwartet. Eben das wird nicht passieren, aus diesem Grund leiden auch die Gemeinden. Juden aus Russland werden weiterhin mit ihren Kindern Russisch sprechen und eine Bindung an Russland aufrechterhalten, das kann einem gefallen oder auch nicht. Vor 20 Jahren hätten sich die deutschen Juden an die Situation anpassen müssen, das ist nicht geschehen, stattdessen sollten die Migranten so Leben wie Deutschen. Das Resultat sieht man deutlich.

Roman
10 Jahre zuvor

Was ist Deine Quelle? “Beate Meyer: Die Verfolgung” aus der Wikipedia?

Roman
10 Jahre zuvor

Ich finde bei Meyer keine Quelle für ihre Aussage. Außerdem ist es wohl offensichtlich eine Milchmädchenrechnung. Für ein klares Bild braucht man die Heiratsquote und nicht den Vergleich bestehender Ehen in der jüdischen Bevölkerung. Von den 522.000 Juden ist ein Großteil nicht heiratsfähig oder ist während einer Zeit aufgewachsen, in der man gar nicht einen Christen hätte heiraten können.

Tatsächlich lag die Heiratsquote der Juden mit Nichtjuden schon in den 1920er Jahren bei 45%!

Ab Minute 7:20:

http://www.youtube.com/watch?v=JKBrFtmopY4

Roman
10 Jahre zuvor

Offensichtlich benutzt ihr dieselben Zahlen. Diese sind aber wie gesagt irrelevant. Selbst bei einer groben Schätzung, wobei man annimmt, dass von den 522.000 Menschen rund die Hälfte heiratsfähig sind, muss man von run 14% ausgehen.

Es sind aber auch andere Zahlen zu finden: http://www.v-weiss.de/iq-falle-juden.html

Die 6,7% sind tatsächlich ein Witz, Statistik eben.

Alle erhobenen Zahlen nach 1933 sind schon stark durch die Maßnahmen des Regimes gezeichnet.

Deswegen auch die eher unbelasteten Zahlen aus den 1920er Jahren.

Roman
10 Jahre zuvor

Wenn man sich die Zahlen nüchtern betrachtet, dann passen sie. Deine 6,7% beziehen sich auf alle Ehen, meine 45% auf die in den Jahrgängen geschlossenen. Ich sehe keinen Widerspruch.

In einer Diplomarbeit, die du hier selbst gepostet hast, konnte man nachlesen, dass die deutschen Juden nach dem Krieg sehr viel angepasster waren, als die Juden aus dem Osten. Es kam ständig zu Konflikten in den DP Lagern.

Es ist auch nicht verwunderlich, dass sich Juden assimilieren, wenn man die nötigen Bedingungen dafür schafft. In der Sowjetunion war das unter dem staatlichen Druck nicht stärker der Fall, als unter dem gesellschaftlichen Druck in Deutschland. Nur, dass man in Deutschland fürs Matzebacken nicht in den Knast kam.

Insgesamt gibt das deutsche Judentum ein schlüßiges Bild ab.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

Mal ein paar Fakten aus meiner Gemeinde:
Es gibt Mitgliedsausweise und die erhalten Leute, die [Wortwahl der Satzung] durch Geburt dem Judentum angehören oder zum Judentum übergetreten sind. Im Zweifelsfall entscheidet der örtliche Rabbiner, ob die Bedingungen für einen Gemeindeeintritt erfüllt sind.

Zuwanderer bekommen ein mehrseitiges Formular in die Hand gedrückt, welches sie gemeinsam mit Geburtsurkunden an die ZWST schicken müssen. Wie dort verfahren wird, ist mir nicht bekannt.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Dass grössere Teile des Vorkriegsjudentums in D kein Vorbild sein sollten, darin scheinen wir uns einig zu sein. Nicht nur wegen der über die Zeit stark angestiegenen “Mischehen”-quote. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass Nadelschmuck im Dezember im Wohnzimmer nichts ungewöhnliches war (“Weihnukkah”). Und bereits im 19. Jahrhundert gingen viele noch direkter verloren, sie liessen sich taufen! Berühmte Beispiele: Ludwig Börne, Heinrich Heine, Felix Mendelssohn.

Der Vergleich mit Spanien kam mir auch bereits in den Sinn.

Der Begriff “deutsche Juden” für die “Alteingesessenen”, also diejenigen, die bereits vor 1990 hier waren, scheint mir unangemessen. Aus gutem Grund heisst es Zentralrat der Juden in Deutschland, nicht der deutschen Juden. Insbesondere verschleiert er die Unterscheidung zwischen denjenigen, die tatsächlich “jekkische” Wurzeln haben und denjenigen, die Nachfahren von osteuropäischen Überlebenden sind, sefardischen Israelis etc…

Wer hat ein Problem damit, wenn weiterhin russisch gesprochen wird?

Nochmal: In D kommt man fürs Matzebacken nicht mehr in den Knast.

J.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

“Wer hat ein Problem damit, wenn weiterhin russisch gesprochen wird?”

Ich! Denn wenn sichd das Russische als Alltags- und Amtssprache in den Gemeinden einschleicht, wird
a.) ein kleiner, aber von der Substanz her wichtiger Teil der Gemeinde ausgegrenzt, und dann ist
b.) ganz offensichtlich irgendwas falsch gelaufen.

“Der Begriff deutsche Juden für die Alteingesessenen, also diejenigen, die bereits vor 1990 hier waren, scheint mir unangemessen.”

Dieser Begriff dient ja auch nicht irgendeiner Abstammungserklärung, sondern grenzt vor allem von den Zuwanderern ab.

Roman
10 Jahre zuvor

Ich! Denn wenn sichd das Russische als Alltags- und Amtssprache in den Gemeinden einschleicht, wird
a.) ein kleiner, aber von der Substanz her wichtiger Teil der Gemeinde ausgegrenzt, und dann ist
b.) ganz offensichtlich irgendwas falsch gelaufen.

Offensichtlich ist durch den Versuch von oben Russisch zu unterbinen, der Schuss nach hinten gegangen. Ohnehin sind das dumme Diskussionen, die gar kontraproduktiv sind.

Die Alten werden das Russische nicht mehr ablegen und es für ihre Kinder fördern, da Russland eine Weltmacht ist und in naher Zukunft eine Weltmacht bleiben wird. Für die Juden aus der Sowjetunion hat ihre Muttersprache Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. Auch der Gedanke aus Deutschland wieder nach Russland auszuwandern ist bei viele immer noch da und ist vielleicht gar nicht verkehrt.

Obwohl die Jungen das Russische gut beherrschen, sprechen sie auch noch Deutsch und ziehen es als Geschäftssprache dem Russischen vor. Es besteht also erst gar nicht die Gefahr, dass sich irgendwelche Parallelgesellschaften bilden.

Bei Dir spiegelt sich die ganz normale deutsche Fremdenfeindlichkeit wider. Du hast Angst vor der Überfremdung der Gemeinden, aber ohne die Juden aus Russland gäbe es die Gemeinden gar nicht. Eine, wie bereits gesagt, sehr deutsche Form der “Integration”.

Shabbes-Goi
Shabbes-Goi
10 Jahre zuvor

@Roman zu “Bei Dir spiegelt sich die ganz normale deutsche Fremdenfeindlichkeit wider.” Nein, das ist keine Fremdenfeindlichkeit, sondern schlichte Realität in mehreren ZR Gemeinden. Da scheiterst Du ohne Russischkenntnisse schon beim Pförtner oder im Sekretariat, wenn Du nur eine ganz simple Terminanfrage hast.

Helen
Helen
10 Jahre zuvor

Komisch oder? In den 60ern und ein wenig später kamen große Gruppen von Juden aus Rumänien und Tschechien in die Gemeinden zumindest in einige. Und? Haben sie die Gemeinden in rumänische Kulturclubs umgebaut? Nein. Sie haben sich schnell eingefunden, sind irgendwie mit den Juden vor Ort klargekommen und die Gemeinde mit vorangebracht. Think about it.