Juden in Deutschland – Bestandsaufnahme

Die Berichterstattung über Juden in Deutschland in den Medien erreicht gelegentlich große Veröffentlichungsfrequenzen, wenn neue Synagogen eröffnet werden oder sonst irgendeine Gemeinde ein besonderes Ereignis begeht. Häufig fällt die Wendung von der Renaissance des deutschen Judentums, obwohl die Realität anders ausschaut und wir heute mehr oder weniger wissen, dass von den vielen Gemeinden nicht alle eine große Perspektive haben. Julius Schoeps rechnete vor, dass es von derzeit 104 jüdischen Gemeinden in knapp 30 Jahren zwei Drittel nicht mehr geben wird. In Osnabrück wurde kürzlich eine neue Synagoge eröffnet, eine in Ulm wird folgen. So frug angesichts des Baubooms in letzter Zeit Heide Sobotka, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen, in der ersten Ausgabe 2010, warum man nicht erst einmal jüdische Gemeinden aufbaut (hier), bevor man große Synagogen eröffnet.

Das Beth Midrasch hält nur so lange, wie seine Säulen von jüdischer Tradition und Religion getragen werden. von hier

In Deutschland hatten wir häufig die umgekehrte Entwicklung – meist unter dem Verweis, es fehle an geeigneten Räumlichkeiten. Hier wurden zunächst große Synagogen eröffnet und dann mit der Arbeit begonnen. Nur ist es für die wenigen Beter angenehmer, in einem kleinen Raum mit 14 anderen Personen zu beten, als in einem großen Synagogenraum, der für 200 Personen angelegt ist. Zudem wissen wir, dass mittlerweile die Anzahl der Gemeindemitglieder sinkt (hier). Wie auch Ron Yitzchak berichtet, bereitet die Fokussierung auf die falsche Gruppe bei der Gemeindearbeit uns heute Probleme. Die jungen Eltern und die Generation 30 plus, die mit ihren Kindern Judentum aufbauen könnte, wurde in kaum einer Gemeinde betreut.
Jörg Lau hat nun für die Zeit einen unaufgeregten Bericht bzw. eine kleine Bestandsaufnahme verfasst und dabei eben nicht auf die vermeintliche Renaissance des deutschen Judentums herbeigeschrieben, sondern geschaut, was sich tut. Natürlich stellt er auch fest, dass die Zahlen zurückgehen. Viel wichtiger ist der Punkt, dass Jörg Lau nicht nach den Funktionären schaut, sondern sich einige Vertreter herausgesucht hat, die über ihr jüdisches Leben Auskunft geben. Nebenher erfährt der nichtjüdische Leser, dass die jüngere Generation mit dem Konstrukt Zentralrat eigentlich recht wenig anfangen kann – eben weil ihre Interessen vollkommen andere sind. Oliver Polak ist einer derjenigen, über die berichtet wird:

Einer wie Oliver Polak will, wie er sagt, kein Klassensprecher für junge Juden sein. Er will auch nicht, dass in seinem Namen permanent mahnend gefaxt und gemailt wird: Wenn ich mal schlecht gelaunt oder deprimiert bin, ätzt er, dann googel ich die aktuellen Pressemitteilungen des Zentralrats der Juden. Und dann geht es mir gleich besser, weil ich sehe, dass ich im Vergleich doch gar nicht so mies drauf bin. von hier

Im Allgemeinen schneidet er alle Themen kurz an, leider aber nur das. Die Zeit hätte vielleicht für das Dossier eine runde Bestandsaufnahme machen können, mit mehr Stimmen zum Judentum in Deutschland.

In einem Punkt aber irrt Lau übrigens: die Einwanderung der Juden aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion ist nicht Helmut Kohl zu verdanken, sondern im Prinzip den letzten Tagen der DDR. Diese hatte die Regelung geschaffen und diese Regelung hat es geschafft, mit wiedervereinigt zu werden (siehe Bericht hier).

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Das Beth Midrasch hält nur so lange, wie seine Säulen von jüdischer Tradition und Religion getragen werden.

Wie schön wäre es doch, wenn es selbstverständlich wäre, dass zu einer jüdischen Gemeinde in D überhaupt ein Beth Midrasch gehört. In vielen Gemeinden gibt es doch über Siddurim, Machsorim und Chumaschim hinaus kaum Sforim. Von einer Kultur des Lernens ganz zu schweigen.

Ich habe am eigenen Leib erlebt, wie Gemeindevorstände Initiativen junger Juden, Lerngruppen einzurichten, torpediert haben. Dass man Unwissende leichter regieren kann, ist unter Autokraten schliesslich ein offenes Betriebsgeheimnis…

Die “jüdische Tradition und Religion” sieht übrigens vor, dass man eine Mikweh bauen muss, bevor man Geld für eine Synagoge ausgibt. Man soll eine Hypothek auf eine bestehende Synagoge aufnehmen, um eine Mikweh zu bauen; und kann sogar ein Sefer Torah für diesen Zweck verkaufen! Aber von diesem Level sind wir noch weit entfernt. Was nicht erstaunlich ist, wenn es kaum Batei Midrasch gibt.

YM

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

Fakt ist, es gibt in Deutschland kein Judentum an sich. Wohl gibt es einzelne Grüppchen und Gemeinden die kaum miteinander in Kontakt sind.
Jüdisches Leben setzt voraus das man DICHT zusammenwohnt und zusammenlebt, nur so funktioniert aktives jüdisches Leben.

Dann ist das Praktizieren unerlässlich, ohne dem geht Judentum in zwei Generationen zugrunde.

In Deutschland sind ca. 100,000 Juden in den Gemeinden angemeldet, mindestens 70% aus der GUS. Von diesen 70% sind ein Grossteil halachisch keine Juden, in Israel geht man von über 90% aus.
Bleiben ca. 30,000 deutsche Juden, wenn überhaupt.
Waren diese jemals religiös? Nein,waren die meisten nicht.
An was soll sich der russische Jude nun anpassen? Da gibt es nichts wo er sich anpassen könnte also bleiben “Russen” unter sich und das wars dann mit dem Judentum in Deutschland.

Da werden dann grosse Synagogen gebaut weil es einzelne wollen und es die Stadt gerne hat sich mit einer Synagoge zu schmücken!
Jede Stadt eine Synagoge aber keine koschere Küche oder Gästebetten zum übernachten für Leute die Shomer Shabbat sind. Hauptsache man kann sagen “Ich bin Vorsitzender! Ich werde vom Bürgermeister empfangen!” NEIN, das ist NICHT jüdisch!
Was findet dort statt? G-ttesdienste als Alibi um Gelder vom jeweiligen Landesverband zu bekommen und sonst eben Seniorenprogramm, Feiern zum “Grossen vaterländischen Krieg”, Veteranentreffen, Schachklubs, Sport, russische Musik usw usf.

“Die jungen Eltern und die Generation 30 plus, die mit ihren Kindern Judentum aufbauen könnte, wurde in kaum einer Gemeinde betreut.”

Genau das ist der Schlüsselsatz! Wer junge Familien bewusst ausgrenzt, und das ist eindeutig der Fall, der will nichts aufbauen, der will für seine eigene Tasche arbeiten. Viele Gemeinden werden von Leuten geleitet die nichtmal in der Lage wären einen Kegelklub zu führen!

Am wenigsten gerne gesehen sind junge, religiöse Juden, die könnten nämlich was durcheinanderbringen! Wehe man will lernen und noch dazu die Räume der Synagoge nutzen!
Nein, man will keine religiöse Juden haben, man will zahlende haben.
Nur nichts verändern!
Wie sagte mal ein grosser Rabbiner? “Die grösste Gefahr für die jüdischen Gemeinden ist echtes Judentum!”

Ganz wichtig sind auch interreligöse Dialoge, womit die Gemeindeführung allgemein ohnehin masslos überfordert ist, aber es macht sich gut.

Warum fordert der ZdJ nicht endlich alle Juden auf, die denen ihr Judentum etwas wert ist und es auch an die Kinder weitergeben wollen, das Land zu verlassen? Die dumme Ausrede “dann hat Hitler (ys) ja gewonnen” ist unsinnig. Gewonnen haben wir Juden weil wir leben!

Leider gibt es kein Nefesh BeNefesh in Deutschland wie in den USA, dann wären schon ganze Gemeinden drüben, hätten Arbeit und würden sich Deutschland im TV ansehen.

Das Vertauen in Deutschland ist nach 45 so nachhaltig gestört das jüdisches Leben in Deutschland nahezu unmöglich ist.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Was heisst eigentlich “Fokussierung auf falsche Gruppe”? Gemeinde-Funktionäre sind letztlich Politiker, die wiedergewählt werden möchten. Und Politiker sind auch in anderen Zusammenhängen nicht dafür bekannt, in langfristigen Kategorien zu denken – vgl. z. B. Renten, Staatsverschuldung, Umwelt. Es ist bei den gegebenen demographischen Strukturen nur natürlich, wenn sie ihre Bemühungen auf die Senioren konzentrieren.

Eigentlich behauptet man doch, Bürokratien wären selbsterhaltenden Organisationen. Nur im jüdischen Kontext scheinen die Funktionäre nicht ausreichend an die längerfristige Zukunft ihrer Organisation zu denken.

YM

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Gemeinde-Funktionäre sind letztlich Politiker, die wiedergewählt werden möchten.”

Vor allem wollen sie eins, wichtig sein. Ich dafür das in Gemeindesatzungen verankert wird das der Shulchan Aruch in verbindlich ist, natürlich kriegt man sowas nie durch.

Wiedergewählt werden sie in manchen Gemeinden durch Angst und plumpe Versprechungen.

“Es ist bei den gegebenen demographischen Strukturen nur natürlich, wenn sie ihre Bemühungen auf die Senioren konzentrieren.”

In jüdischen Gemeinden ist sowas, aufgrund der geringen Anzahl von Juden, tödlich.

“Nur im jüdischen Kontext scheinen die Funktionäre nicht ausreichend an die längerfristige Zukunft ihrer Organisation zu denken.”

Warum auch, es läuft doch gut für sie. Viele haben nichtmal einen Beruf und machen das hauptberuflich, sozusagen “Berufsjuden”.
Tun dann wichtig und leisten rein garnichts, kommen nichtmal zum G-ttesdienst und haben wenig bis kein Wissen vom Judentum und den Geboten. Hilfe können sie nicht annehmen weil das in ihren Augen eine Schwäche wäre.

Wie es jetzt läuft, plätschert alles munter vor sich hin bis alles im Sande verläuft.

Konstantin Pal
Konstantin Pal
10 Jahre zuvor

@ Joshua

eine satzung nach dem schukchan aruch wäre ein kleines problem in anbetracht der tatsache, dass die satzung vom staat abgesegnet sein muss damit etwas bargeld in die gemeinde fliesst. vielleicht wäre es an der zeit, dass menschen wie du in die gemeindepolitik gehen?

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

Jenseits der etablierten Grossgemeinden sind die meisten Gemeinden reine Russengemeinden also russische Kulturklubs.
Höchstens als Alibi werden religiöse Themen behandelt. Es gibt teilweise sogar RUSSISCHEN Sprachunterricht.

Die Vorstände regieren nach stalinistischem Vorbild und werden als zarengleich gefürchtet, dort und nur dort können sie herrschen.

Dann kommt das angesprochene Problem mit der Jüdischkeit, ein Grossteil (bis zu 90% geschätzt) sind halachisch keine Juden. Was soll man mit denen machen? Rauswerfen geht nicht, Giur wollen viele nicht weil ja in ihrem Pass Jivrei (Jude) steht und sie sich selbst als Juden sehen. Eine Minjan kriegt man SO nicht zustande.

Religiöse Personen meiden die Gemeinden oder kommen nur zu speziellen Anlässen.
Gemeinden sind zu Kaddisch- und Kidduschgemeinden mutiert, entweder man kommt zum Kaddisch sagen oder um zu essen.

Da die “Amtssprache” Russisch ist, hat man wenig Einfluss. Ausserdem ist es für Nichtrussen schwer die russischen Strukturen zu durchschauen und aufzubrechen, vom fehlenden Vertrauen ganz abgesehen.

Worauf will man auch aufbauen und mit welchem Ziel?
Die Fehler wurden schon damit gegangen das Juden quer in die Städte, weit weg von den Gemeinden, Wohnungen gegeben wurden. Als Juden lebt man zusammen oder in Gehweite von 15-30 Minuten, mit 1 Stunde Anreise kann man nichts anfangen.
Was war die Antwort der Vorstände? “Wir wollen keine Ghettos!”

Dann kommt das Problem der koscheren Nahrungsmittel! Es wäre kein Problem koschere Läden und koschere Lebensmittel zu beschaffen. Warum tut man es nicht? Weil kaum jemand koscher lebt! Also fährt man nach Antwerpen und beschafft sich da koscheres Fleisch, koscheren Käse und Süssigkeiten. Dabei ist auch DAS Gemeindeangelegenheit und nicht Schachklubs und Sportveranstaltungen.

Dann das angesprochene Problem Mikweh, in Deutschland muss man als Frau stundenlang auf der Autobahn verbringen um zu einer Mikweh zu gelangen wenn man nicht in einer Grossgemeinde wie Köln, Frankfurt, München, Düsseldorf oder Berlin lebt. Besonders “schön” ist das im Sommer, vor allem Motzei Shabbat!

Kümmert das die Vorstände? In keinster Weise, DEREN Frauen müssen ja nicht zur Mikweh!

Ich habe noch einige Punkte mehr, die spare ich mir für später 🙂

Jemand der sagt Judentum sei in Deutschland möglich, der weiss nicht was Judentum ist und wovon Judentum lebt.

Ich darf nicht hergehen und Judentum aufspalten indem ich “alternatives Judentum” anbiete sondern ich muss dafür sorgen das alle zusammen sind und zusammenarbeiten.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Lieber G-tt, bitte gibt Joshua die Kraft das zu ändern, was er ändern kann; die Gelassenheit, das nicht zu ändern, was er nicht ändern kann; und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet wohl zum Berg gehen….

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Ein guter Schritt wäre es, gleichgesinnte zu suchen und dann erst einmal im eigenen Rahmen eine Gruppe zu schaffen, die Deinen Vorstellungen entspricht.”

Richtig, und genau DA beginnen ja die Probleme, die Entfernungen sind oft zu gross. Mit wem will man denn Kontakt aufnehmen? Die Gemeinden bestehen aus Russen und die Umgangssprache ist leider Russisch. Das mache ich denen nicht zum Vorwurf, was ich ihnen zum Vorwurf mache ist das sie Russischunterricht erteilen statt Hebräisch. Deutsch lernen ohnehin “auf der Strasse”.
Will man seine Kinder in solche Gemeinden schicken? Chas wchalilah!

“Wenn Du meinst, Du darfst nicht hergehen und das Judentum aufspalten, dann sieht es wohl eher schlecht aus, denn offenbar sieht es ja nicht danach aus, als könntest Du eine Mehrheit für Deine Position gewinnen können.”

Das habe ich lange aufgegeben, mir geht es HIER nur darum Leute für die Probleme zu sensibilisieren und nicht die Synagogenbauten mit echtem, lebendigen Judentum zu verwechseln.

Was man braucht sind aktive jüdische Familien mit Kindern die auch jüdisch leben wollen! Stattdessen verkommen die Gemeinden zu Rentnerklubs die Veteranentreffen abhalten und das ist leider keine Übertreibung.
Es wurden schon Rabbiner rausgeworfen die Jugendarbeit geleistet haben. Der Vorstand merkte dann das sein Einfluss nachlies und dann findet man eben Gründe jemandem zu kündigen.
Ausserdem haben Rabbiner, bis auf wenige Ausnahmen, in den Gemeinden ohnehin keinen wirklichen Einfluss, das ist nur für Aussen.
Lieber stellt man einen Kantor auf Lohnbasis ein der jederzeit kündbar ist.
Ich will jetzt garnicht erst damit anfangen was ein Rabbiner teilweise verdient, Summen von denen man in anderen Ländern nur träumt. Auf der Strecke bleibt die Kinder- und Jugendarbeit.

“Ich persönlich denke auch, dass kleine Gruppen mit inhaltlicher Ausrichtung besser funktionieren.”

Bestimmt, das Aufspalten war auch nicht so gemeint als das alle zusammen auf eine Gemeinde gerichtet sein müssen, mir ging es um die inhaltliche Aufspaltung.

Man sollte zusehen (wieder) nach Israel zu gehen und sich da durchzubeissen, anders kann man seine Kinder nicht auf Dauer retten.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

Joshua, man verschafft seiner eigenen Position nicht mehr Glaubwürdigkeit, indem man andere Menschen diffamiert. Und die Behauptung, die Mehrheit der in den Gemeinden gemeldeten Zuwanderer wäre halachisch nicht jüdisch, ist eine üble Unterstellung, die du schon irgendwie belegen solltest, wenn du sie schon in den Raum wirfst.
Ansonsten könnte ich auch einfach behaupten, dass du gar nicht jüdisch bist. In Foren habe ich nämlich oft die Erfahrung gemacht, dass gerade die äußerst “frommen” User letztendlich gojische Schmocks waren. Ich will dir das nun nicht tatsächlich unterstellen, sondern ich will dir zeigen, wie Unterstellungen verletzen und andere Menschen in Verlegenheit bringen.

Auf meinem Blog, den Chajm ja verlinkt hat, äußere ich mich zwar auch eher kritisch zu der Situation in meiner Gemeinde, und teilweise kommt es mir wirklich wie ein Russenclub vor(russische Kulturveranstaltungen, russisches Musikprogramm in der Sonntagsschule etc.), aber ich kann nicht bestätigen, dass junge religiöse Menschen abgewiesen werden. Eher trifft man auf Bewunderung. Aber dabei bleibt es dann leider.

Dein Rat, einfach aus Deutschland zu verschwinden, schießt doch wohl voll ins Leere. Ein radikaler Zionismus, der jüdisches Leben in der Diaspora negiert, ist ebenso eine Position der Bequemlichkeit wie auch ein radikal-religiöser Antizionismus, der sich mit der ewigen Galut-Rolle des Judentums begnügt.
Als religiöser Mensch solltest du dich auch fragen, ob die Diaspora nicht einen tieferen Sinn hat. Wir können nur sehr schwer “ein Licht für die Völker” sein, wenn wir es uns in unserer kleinen Wüste bequem machen. Die vollkommene Rückkehr obliegt dann wohl doch Moschiach.
Mir scheint, du liest zu viel bei Frau Woelke.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Ansonsten könnte ich auch einfach behaupten, dass du gar nicht jüdisch bist.”

Wieder die Schiene, das Übliche…
Kannst Du gerne tun, aber ich bin Jude, sowohl halachisch als auch zahlendes Gemeindemitglied.
Wer hat denn deren Jüdischkeit nachgeprüft? Weisst Du was das für eine Arbeit ist? Die ZWST kann das nicht leisten. Weisst Du wer das machen wollte? Chabad, wurde aber abgelehnt.
Man tut natürlich denen Unrecht die Juden sind und auch religiös sind, aber das ist eine Minderheit selbst in Israel.

” aber ich kann nicht bestätigen, dass junge religiöse Menschen abgewiesen werden”

Das kommt ganz darauf an wer im Vorstand ist. Sicherlich wird keiner direkt abgewiesen, man wird eben geflissentlich ignoriert. Da kommt keiner, packt einen und wirft einen raus, es reicht wenn man untereinander eben Russisch redet und Sachen blockiert, es gibt noch andere Möglichkeiten die subtiler sind.

“Dein Rat, einfach aus Deutschland zu verschwinden, schießt doch wohl voll ins Leere.”

Sicherlich, die Mehrheit wird ohnehin in Deutschland bleiben. Mit der Zeit wird alles noch mehr verwässert und das wars dann.

“Ein radikaler Zionismus, der jüdisches Leben in der Diaspora negiert…”

Nicht generell, ich rede speziell von der Situation in Deutschland. Es gibt noch andere Länder wo jüdisches Leben möglich ist, z.B. USA

“Wir können nur sehr schwer ein Licht für die Völker sein, wenn wir es uns in unserer kleinen Wüste bequem machen.”

Warum nicht?

“Die vollkommene Rückkehr obliegt dann wohl doch Moschiach.”

Nein, das ist ein Trugschluss. Man kann nicht immer sagen “bis Mashiach”, man muss handeln.

Mir persönlich geht es nur darum eine andere, meine subjektiv erlebte, zu beschreiben, mehr nicht.
Ich will weder in die Gemeindepolitik noch andere von meiner Sichtweise überzeugen. Von mir aus können die tun und lassen was sie wollen.

Frag Dich selbst was Dir das Judentum bedeutet und ob Du damit in Deutschland zufrieden bist. Judentum ist mehr als 2 Stunden in der Synagoge sitzen.

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

@Joshua:
Und warum handelst du dann nicht selbst?
Nur protestieren und nörgeln, ist so uneffektiv und bequem wie das ewige Warten auf den Moschiach. Hast du jemals versucht, in einer deutschen Gemeinde wirklich was zu bewegen, oder hast du dir auch nur die Mühe gemacht, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen?
Viele deiner Bedenken teile ich. Als deutscher Jude komme ich mir teilweise auch vollkommen “ausgegrenzt” vor. Der Informationsfluss in der Gemeinde findet nur auf Russisch statt und selbst im G’ttesdienst sitze ich schon mehr teilnahmslos rum, als dass ich tatsächlich am gemeinschaftlichen Gebet teilnehme, da mehr auf Russisch als auf Hebräisch stattfindet.
Trotzdem darf man nicht nur poltern, sondern muss auch mal anpacken.
Hiermit liegst du übrigens vollkommen richtig:
“Nein, das ist ein Trugschluss. Man kann nicht immer sagen bis Mashiach, man muss handeln. ”

Das sehe ich genau wie du. Ich wollte dir lediglich vor Augen führen, dass man ein Leben in der Diaspora auf keinen Fall verneinen darf.
Natürlich bin ich mit dem jüdischen Leben in einer mittelgroßen Stadt in Deutschland nicht zufrieden, aber ein Gemeindeboykott, oder was weiß ich, ist keine vernünftige Lösung.

Deine Beobachtung treffen zu 100% zu, aber deine Schlüsse daraus halte ich für wenig hilfreich.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Und warum handelst du dann nicht selbst?”

Da gibt es nichts zu handeln.

“Nur protestieren und nörgeln, ist so uneffektiv und bequem wie das ewige Warten auf den Moschiach.”

Ich schreibe nur meine Ansichten die offensichtlich selbst bei EUCH nicht oder vollkommen falsch ankommen.

“Hast du jemals versucht, in einer deutschen Gemeinde wirklich was zu bewegen, oder hast du dir auch nur die Mühe gemacht, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen?”

Ja, mehrfach, in verschiedenen Gemeinden.

“Viele deiner Bedenken teile ich. Als deutscher Jude komme ich mir teilweise auch vollkommen ausgegrenzt vor.”

Das ist auch zu offensichtlich um es nicht zuerkennen.

“Trotzdem darf man nicht nur poltern, sondern muss auch mal anpacken.”

Ich poltere nicht, habe es auch noch nie getan. Ich bin lediglich so naiv meine Meinung hier kundzutun.

“Ich wollte dir lediglich vor Augen führen, dass man ein Leben in der Diaspora auf keinen Fall verneinen darf.”

Leben und Leben sind nicht immer dasselbe. In Deutschland kann man wunderbar leben wenn man sich zu 100% anpasst, als Jude geht das aber oft nicht ohne in Konflikt mit der Halacha zu kommen.

“aber ein Gemeindeboykott, oder was weiß ich, ist keine vernünftige Lösung.”

Wenn man nicht in Gehweite einer Synagoge wohnt hat sich das das sowieso erledigt. Wie will man dann hinkommen ohne eine Averah zu begehen? Eruv gibt es ja auch nicht, was ein weiterer Punkt ist.

“Deine Beobachtung treffen zu 100% zu, aber deine Schlüsse daraus halte ich für wenig hilfreich.”

Welchen Schluss denn? Das jeder eine eigene Synagoge gründet?

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Das ist etwas einfacher, als plakativ Alijah zu fordern.”

Ich habe nur für mich selbst gesprochen und nicht für andere.

“Man kann aber auch innerhalb des eigenen Horizonts etwas bewirken.”

Auch darüber kann man sich lange unterhalten wie sinnvoll welche Aktion ist.
Ich versuche es eben in blogs und teile es Leuten mit, mehr kann ich derzeit nicht tun. Ausserdem, wer hat die Zeit, wenn er nicht gerade Rentner oder Arbeitsloser ist, sich ganztägig mit Gemeindearbeit zu befassen? Wenige.

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

“Dann kommt das angesprochene Problem mit der Jüdischkeit, ein Grossteil (bis zu 90% geschätzt) sind halachisch keine Juden. ”

Wie soll das funktionieren, wenn man bedenkt, dass sie ihr jüdischsein bei den Rabbinern beweisen müssen? Also sicher nicht mit ihrem GUS Pass.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Wie soll das funktionieren, wenn man bedenkt, dass sie ihr jüdischsein bei den Rabbinern beweisen müssen? Also sicher nicht mit ihrem GUS Pass.”

Bei der Einwanderung müssen sie das nicht beweisen, erst wenn sie z.B. heiraten oder eine Grabstelle haben wollen. Dann müssen Unterlagen direkt vor Ort in Russland angefordert werden. Es kommt auch vor das Vertrauensleute zu den Stellen geschickt werden um Fälschungen zu verhindern.
In Israel spielt das kaum eine Rolle, dann wird eben ausserhalb geheiratet, man bleibt ohnehin lieber unter sich. Es gibt in Israel schon richtiggehende russische Enklaven, eine in der Nähe von Ashdod.

Das Rückkehrergesetz ist in der Hinsicht sehr weit gefasst und die Deutsche Regierung interessiert das erst recht nicht. Im Pass steht Jevrei und ab geht die Reise.
Die Öffnung Russlands kam leider mindestens 50 Jahre zu spät.

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

Wenn sie Gemeindemitglieder werden wollen, müssen sie das nicht belegen?

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Wenn sie Gemeindemitglieder werden wollen, müssen sie das nicht belegen?”

Kommt ganz auf die Gemeinde an.
Es gibt sogar Gemeinden die nichtjüdischen Kindern ( Mutter Nichtjüdin, Vater Jude) Bescheinigungen ausstellen dass das Kind Jude ist. Sowas wurde bis nach Israel bekannt wo sehr erstaunt war.

Roman
10 Jahre zuvor

Joshua, schämmst du Dich eigentlich nicht diesen Quatsch über Juden aus der Sowjetunion zu verbreiten? Kannst du nun belegen, dass bis zu 90 % der Gemeindemitglieder keine Juden sind oder nicht?

Nur am Rande, in den Auslandsreisepässen (es gibt einen Inlands und einen Auslandspass) wurde nie die Volkszugehörigkeit verzeichnet. Die Volkszugehörigkeit wird durch die original Geburtsurkunde belegt, ebenso wie man es in Israel macht, und von einem Rabbiner geprüft. Natürlich vor der Erteilung der Einreisegenehmigung.

Ich muss schon sagen, dass Niveau sinkt hier immer weiter.

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

Belege hätte ich auch gern, denn diese 90% erscheinen mir mehr als unrealistisch. Ich kenne viele Rabbiner, die sehr! genau überprüfen.
Dieses “das Niveau sinkt hier immer weiter” weise ich hier persönlich entschieden zurück.

Roman
10 Jahre zuvor

Was sollen denn die Rabbinen gründlich überprüfen? Es liegen Originale vor, durch die Originale und allein durch die Originale kann bereits bewiesen werden, dass der Antragsteller jüdisch ist. Das ist keine Kunst, das ist keine Magie.

Anders verhält es sich, wenn man nicht als Jude registriert worden war. Dann hat man sehr viel Spaß, wie ein Bekannter von mir gerade… Seine Schwester ist jüdisch, in seiner Geburtsurkunde fehlt der entsprechende Vermerk, aufgrund einer kurzzeitigen Gesetzesänderung während des Krieges. Mit der Konsequenz, dass er bis zum heutigen Tag lediglich passives Mitglied sein kann und vom Rabbiner abgelehnt worden ist.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

@Roman:
Die “Rabbinen prüfen da sicher gar nichts. 😉

Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass gelegentlich Dokumente gefälscht wurden bzw käuflich erwerbbar waren. Ich kannte einen Fall von jemandem der über sich sagte: “Jude bin ich erst seit zwei Jahren. Davor war ich Antisemit.”
Natürlich sind Leute eingereist, die halachisch keine Juden sind. Das war ja für die Ein-/Ausreise auch nicht notwendig. Auch in Israel nicht. Das Rückkehrergesetz orientiert sich letztlich am “Ariernachweis”. Wer einen jüdischen Grosselternteil hat (nicht notwendig matrilinear) konnte “Kontigentflüchtling” werden. Und es ist auch nicht in allen Gemeinden so, dass der Rabbiner – wenn überhaupt vorhanden – das letzte Wort hat. Da das Mass an staatlicher finanzieller Unterstützung direkt an die Zahl der registrierten Mitglieder gekoppelt ist, sehe ich da gewisse Interessenkonflikte. Trotz alle dem halte ich “90%” aber für eine masslose Übertreibung.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

Alles was ich über russische Gemeindemitglieder geschrieben habe habe ich in Israel erfahren, da war diese Sache leider Thema.

Da kommen noch weitere Probleme, nämlich die Sache mit der Scheidung und Übertritte bei zweifelhaften Rabbinern Chutz La Aretz.

Meint einer hier etwa die deutsche Regierung überprüft wer im einzelnen Jude ist? Im Pass steht Jevrei und fertig.

“Ich kenne viele Rabbiner, die sehr! genau überprüfen.”

Sicher, jetzt schon nachdem das Problem bekannt und relevant wurde. Anfänglich kamen fast nur Juden aus der GUS, seit Jahren immer mehr die nur einen jüdischen Grossvater haben.
In Israel sind Russen garnicht gerne gesehen. Natürlich tut man damit denen Unrecht die Juden sind, das ist tragisch und sollte nicht toleriert werden.

Hier sieht man wohin das führen kann: http://www.trend.infopartisan.net/trd7803/t017803.html

“Was sollen denn die Rabbinen gründlich überprüfen? Es liegen Originale vor, durch die Originale und allein durch die Originale kann bereits bewiesen werden, dass der Antragsteller jüdisch ist. Das ist keine Kunst, das ist keine Magie.”

Und ein Rabbiner ist Urkundenexperte? Weisst Du eigentlich was für gute Fälschungen es gibt? Sowas kostet entsprechend.
Ich weiss einen Fall wo es aufgeflogen ist, die Reaktion der Dame war sinngemäss: Ich habe ein Anrecht darauf, ich habe dafür bezahlt.

Es gibt sogar Gemeinden wo Nichtjuden zur Torah aufgerufen werden, der Vater ist jüdisch.

Das Tragische ist, es gibt eben keine Autorität die sich da zwischenschalten kann. Ich denke aber ihr seht das alles vollkommen anders als ich 😉

Auch hier bringt es offensichtlich nichts … alles bleibt wie es ist.

Roman
10 Jahre zuvor

Danke, dass du mich aufklärst! Ohne Deine Belehrungen wäre ich verloren, Yankel.

Wir reden hier von der Mitgliedschaft in einer regulären jüdischen Gemeinde? Für die aktive Mitgliedschaft muss man halachisch Jude sein, die Zugehörigkeit lässt sich aus den Unterlagen des Antragstellers ableiten. Es kann natürlich nie ausgeschlossen werden, dass Dokumente gefälscht wurden, aber wie soll das ein Rabbiner prüfen? Er hat weder die technischen, noch die rechtlichen Mittel, um ein Dokument auf seine Echtheit hin zu überprüfen. Durch die Merkmale (Wasserzeichen, Spezialpapier, Stempel etc.), die eine sowjetische Geburtsurkunde aufweist ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass diese gefälscht wird.

Allerdings wurden oft nachträglich Geburtsurkunden ausgestellt, diese Urkunden werden regelmäßig abgelehnt und man muss seine Zugehörigkeit anderweitig nachweisen. Durch teils korrupte Mitarbeiter in den Gemeinden, vor allem in den 90er Jahren, wurden Menschen auch ohne entsprechenden Nachweis in die Gemeinden aufgenommen.

Die finanzielle Unterstützung richtet sich nach der Zahl der aktiven Mitglieder (Stimmberechtigte), nicht nach der absoluten Zahl der Mitglieder.

Das alles hat nun nichts damit zu tun, wer als Jude nach Deutschland kommen durfte. Obwohl es vor einiger Zeit eine prominente Änderung gab. Als jüdischer Migrant muss man sich einer jüdischen Gemeinde anschließen dürfen und das geht eben nicht so einfach, wenn man keine jüdische Mutter hat. Somit kann man dann nicht nach Deutschland einwandern.

p.s. Die Mehrzahl von Rabbiner ist Rabbinen.

Roman
10 Jahre zuvor

Alles was ich über russische Gemeindemitglieder geschrieben habe habe ich in Israel erfahren, da war diese Sache leider Thema.

Ooooh! Dann erübrigen sich selbstverständlich alle Nachweise zur Richtigkeit Deiner Aussage!

Meint einer hier etwa die deutsche Regierung überprüft wer im einzelnen Jude ist? Im Pass steht Jevrei und fertig.

Wie gesagt, im Pass steht das nicht und ja die Regierung prüft jeden Fall.

Und ein Rabbiner ist Urkundenexperte? Weisst Du eigentlich was für gute Fälschungen es gibt? Sowas kostet entsprechend.

Nachweisen bitte, dass von 1000 Mitgliedern sich 900 Fälschungen besorgt haben! Übrigens kamen auch Betrüger mit solchen Fälschungen auch schon nach Israel.

Das Tragische ist, es gibt eben keine Autorität die sich da zwischenschalten kann. Ich denke aber ihr seht das alles vollkommen anders als ich

Zwischen wen? Es gibt ZWST, die UNION, die Rabbiner Konferenzen etc.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Wie gesagt, im Pass steht das nicht und ja die Regierung prüft jeden Fall.”

Ja, das im Pass Jevrei steht. Kann sein das sie jetzt klüger geworden sind und sich noch andere Unterlagen zeigen lassen.

“Nachweisen bitte, dass von 1000 Mitgliedern sich 900 Fälschungen besorgt haben! ”

Muss man doch garnicht, nach Israel darf einwandern wer dem Rückkehrergesetz entspricht. Vater, Grossvater Jude, ganze Famile geht rüber … Bingo.

“Es gibt ZWST, die UNION, die Rabbiner Konferenzen etc.”

Und Du meinst die haben Einfluss auf die Gemeinden? Das kann nicht Dein Ernst sein. Gemeinden sind autrak und können, bis auf wenige Ausnahmen, tun und lassen was sie wollen.

Roman
10 Jahre zuvor

“Ja, das im Pass Jevrei steht. Kann sein das sie jetzt klüger geworden sind und sich noch andere Unterlagen zeigen lassen.”

Joshua, willst du mich verscheißern? Ich sage Dir jetzt zum dritten Mal, dass im Auslandspass nicht steht, dass man Hebräer ist! In den aktuellen Pässen, ob Inland oder Ausland, steht die Volkszugehörigkeit auch nicht.

“Und Du meinst die haben Einfluss auf die Gemeinden? Das kann nicht Dein Ernst sein. Gemeinden sind autrak und können, bis auf wenige Ausnahmen, tun und lassen was sie wollen.”

Als jemand, der auch die Strukturen in der Gemeinde und im Vorstand gesehen hat, kann ich dir sagen, dass man ohne korrekte Nachweise nicht an Geld kommt. Du brauchst echte Juden, auch wenn es “Tote Seelen” sind.

Wenn du Dir aber so sicher bist, dass getrickst wird, dann kann ich Dir gern die Daten des Rabbiners geben, der bei uns geprüft hat und du setzt Dich mit ihm in Verbindung? Ggf. kannst du dann ja auch Anzeige wegen Beihilfe zur Veruntreuung stellen…

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Tatsächlich ist aber so, dass die Kinder der Eingewanderten sich dann für das Judentum engagieren, wenn vernünftige Outreacharbeit stattfindet.”

Absolut richtig. Nur, wie willst Du in Deutschland Kiruv machen? Da fehlen einem die Mittel. In Israel gibt es da spezielle Programm, aber das weisst Du sicher alles.

Roman
10 Jahre zuvor

Ein Trugschluss. Es gibt ausreichend Programme, es gibt nur nicht genug Interessierte.

Shabbes-Goi
Shabbes-Goi
10 Jahre zuvor

Das hier ist ein optimales Programm:
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3842536,00.html

Yael
Yael
10 Jahre zuvor

“Natürlich sind Leute eingereist, die halachisch keine Juden sind. Das war ja für die Ein-/Ausreise auch nicht notwendig.”

Eben oder wie kommen denn die nichtjüdischen Verwandten hierher, z.B. nichtjüdische Ehefrauen und deren Kinder?
Mir geht es ausschließlich um die Mitgliedschaft in den Gemeinden.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

<Mir geht es ausschließlich um die Mitgliedschaft in den Gemeinden.

Da spielen viele Faktoren eine Rolle, zum einen die Beziehungen zum Vorstand, zum anderen die Satzung.

Allgemein ist es schwierig als Nichtjude Mitglied zu werden aber nicht unmöglich. Im Zweifelsfall geht man in eine sog. Reformgemeinde, da dürfte es eventuell leichter sein als Sohn/Tochter eines jüdischen Vater Mitglied zu werden.

Yankel Moishe
Yankel Moishe
10 Jahre zuvor

Mal abgesehen von der Frage, in welchen (post-)sowjetischen Dokumenten die Volkszugehörigkeit steht, ist mir unklar, inwiefern das hier relevant wäre. Frage an die Wissenden: Wird diese Volkszugehörigkeit (“Punkt 5”) nicht patrilinear vererbt, was sie im Sinne der Halacha von vornherein unerheblich machte?

Ich habe mir von Betroffenen erzählen lassen, der Rabbiner seiner Gemeinde hätte sich alte Familienfotos zeigen lassen. Mir ist nur unklar, wie nachgewiesen wurde, dass darauf die matrilinearen Vorfahren des Betroffenen abgebildet waren.

Soweit mir bekannt, kämpfen vorhandene Outreach-Programme mit der Schwierigkeit (und so kenne ich das auch aus meinem eigenen Werdegang), dass der gelegentliche “Boost”, den man sich bei diesen Events holt, nicht ausreichend starken Schwung verleiht für eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils, des Denkens, des Handelns. Die größten Erfolge lassen sich durch dauerhafte Stimulation in einem geeigneten Umfeld verzeichnen, dass kleine und mittlere Gemeinde nur selten zu bieten vermögen. So liess sich sogar beobachten, dass Absolventen der Lauder-Jeschiwa/Midrascha nach Rückkehr in die Heimatgemeinde trotz aller guten Vorsätze im Niveau abgesunken sind. Die Tannaim haben sich bestimmt etwas dabei gedacht, als sie uns in Pirke Awoth dazu aufforderten, die Nähe von Gelehrten zu suchen.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Die Tannaim haben sich bestimmt etwas dabei gedacht, als sie uns in Pirke Awoth dazu aufforderten, die Nähe von Gelehrten zu suchen.”

Und die gibt es eben in Deutschland, allein entfernungstechnisch gesehen, fast garnicht.

Genau was Du schreibst stimmt, in Sobernheim lernen sie dann Birkat Hamazon und zuhause sollen sie Brachot über treifes Essen sagen.

Schula
Schula
10 Jahre zuvor

Bitte nicht sofort virtuell erschlagen, aber in welcher Sprache ist die Mehrzahl von Rabbiner, Rabbinen? Im Deutschen ist Rabbiner sowohl Singular als auch Plural.

Dann hätte ich noch eine Frage: In der ehem. SU ging die Nationalität nach dem Vater, also auch nach einem jüdischen Vater. Nun frage ich mich, nach welchen Unterlagen des Vaters, die Kinder eingeordnet wurden? In welchem Dokument stand denn nun die Nationalität? Wenn das in der Geburtsurkunde angegeben war, hieße das, daß Kinder mit einem jüdischen Vater, aber einer nichtjüdischen Mutter auch als jüdisch eingetragen wurden. Oder wie lief das ab? Wenn es so wie oben ablief war ja dann jeder als Jude eingetragen, ob er es halachisch war oder nicht.

Roman
10 Jahre zuvor

@Joshua:

Allgemein ist es schwierig als Nichtjude Mitglied zu werden aber nicht unmöglich. Im Zweifelsfall geht man in eine sog. Reformgemeinde, da dürfte es eventuell leichter sein als Sohn/Tochter eines jüdischen Vater Mitglied zu werden.

Von dir kommen immer mehr Unterstellungen, ich glaube nicht dass man darauf antworten muss. Ich habe Dir bereits dargelegt, dass alle Anträge von dritter Stelle geprüft werden.

@Yankel:

Mal abgesehen von der Frage, in welchen (post-)sowjetischen Dokumenten die Volkszugehörigkeit steht, ist mir unklar, inwiefern das hier relevant wäre. Frage an die Wissenden: Wird diese Volkszugehörigkeit (Punkt 5?) nicht patrilinear vererbt, was sie im Sinne der Halacha von vornherein unerheblich machte?

Ich habe mir von Betroffenen erzählen lassen, der Rabbiner seiner Gemeinde hätte sich alte Familienfotos zeigen lassen. Mir ist nur unklar, wie nachgewiesen wurde, dass darauf die matrilinearen Vorfahren des Betroffenen abgebildet waren.

Ich bin mir nicht sicher was du hier fragst. Wenn du eine Person mittleren Alters hast und diese Person legt sowohl seine eigene Geburtsurkunde vor, als auch die Geburtsurkunde der Eltern vor, dann kannst du in vielen Fällen nachweisen dass die Eltern (vor allem die Mutter) sogar vor der Sowjetunion als Jüdin geboren war. Mischehen waren in den 10er, 20er und 30er Jahren wenn nicht teils verboten, dann doch extrem selten.

Was viele Juden als Abstammungsnachweise einfordern erinnert manchmal an die Rassenhütter der Nazis. Alles natürlich für den vermeintlich guten Zweck, herausfinden ob ein Jude tatsächlich Jude ist. Das geht jedoch in den seltensten Fällen Die IST-Situtation ist jedoch, dass die Rabbinen und der Staat Israel die sowjetischen Dokumente akzeptieren.

Was du von deinem Betroffenen erzählst ist die Ausnahme, nicht die Regel. Vielleicht, wenn mit den Unterlagen nicht stimmt und auf die Initiative eines einzelnen Rabbiners hin. Wir reden hier aber nicht von den Ausnahmen, die es durchaus geben kann, sondern von der Regel!

Roman
10 Jahre zuvor

@Schula: In der deutschen Sprache:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rabbinen
http://www.hagalil.com/suche/resultat.htm?cx=017235998219110101338%3Ahumphkrxaeg&cof=FORID%3A11&q=rabbinen&sa=Suche&siteurl=hagalil.com%252F#946

Erstaunlich, dass ich das hier erklären muss… Als unwissender Sowjetjude…

Was die Geburtsurkunde angeht, so habe ich es oben erwähnt. Für die Rabbinen ist wohl die Geburtsurkunde der Mutter in diesem Fall interessanter.

Die Kinder aus Mischehen konnten zumeist ihre Volkszugehörigkeit selbst wählen.

Schula
Schula
10 Jahre zuvor

Heute meint man mit den Rabbinen innerhalb des Judentums, die Rabbiner zur Zeit des Talmuds, des MA etc. und nicht die heutigen Rabbiner, auch wenn Wikipedia das so schreiben mag.

Ich verstehe das trotzdem nicht. Stand die Volks- und Religionszugehörigkeit in der Geburtsurkunde? Wenn Kinder selber wählen konnten, stand dann also auch jüdisch drin, obwohl halachisch nichtjüdisch? Ich frage das deshalb, weil die Rabbiner es ja nicht unterscheiden können, wenn es so ist.

Schula
Schula
10 Jahre zuvor

“Im Zweifelsfall geht man in eine sog. Reformgemeinde, da dürfte es eventuell leichter sein als Sohn/Tochter eines jüdischen Vater Mitglied zu werden.”

Nein, Joshua, das geht in den USA, aber nicht in Deutschland.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Nein, Joshua, das geht in den USA, aber nicht in Deutschland.”

Ich habe gehört das auch in Deutschland in “Reformgemeinden” Nichtjuden zur Torah aufgerufen werden, also deren Vater nur Jude ist.

Vielleicht kann mir das ja mal jemand bestätigen.

Roman
10 Jahre zuvor

@Schula: Das wäre mir neu, dass die Bezeichnung nur für die alten Rabbinen gilt. Jedenfalls wird das nicht von allen übernommen:

http://openlibrary.org/b/OL17415190M/Frankfurter_Rabbinen

Die Volkszugehörigkeit, stand in der Geburtsurkunde und die Eltern konnten das für ihre Kinder selbst wählen. Der Gemeinderabbiner fordert dann aber die Urkunde der Eltern an und in den allermeisten Fällen konnte dort nicht gewählt – keine Mischehen – werden, also stand bei der Mutter, ob sie jüdisch war.

Prinzipiell ist es aber möglich, dass bspw. in den 80er Jahren irgendjemand als Jude eingetragen wurde, dessen Vater jüdisch war, die Mutter aber nicht. Ich schätze, dass dies extrem unwahrscheinlich ist. Das gäbe für die Kinder nur Nachteile. Im schlimmsten Fall holt sich der Rabbiner auch die Urkunden der Großmütter. Vor der Sowjetzeit gabs solche Urkunden vermutlich überhaupt nur selten, eine 100% Sicherheit erreicht man so nicht. Die Juden haben kein Institut für Rassenreincheit.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Im schlimmsten Fall holt sich der Rabbiner auch die Urkunden der Großmütter.”

Die meisten dieser Leute sind areligiös und lassen sich in den Gemeinden nicht blicken. Die werden mit Sicherheit keinen Rabbiner benötigen, wofür auch?
Wieviel jüdische Hochzeiten hast Du erlebt, nicht allzuviele leider.
Dann kommt das Thema Beschneidung, erlebt man auch höchst selten, ebenfalls schade.
Für solche Ereignisse braucht man einen Rabbiner, alles andere kann man anders regeln.

“Die Juden haben kein Institut für Rassenreincheit.”

Das nicht, aber wir haben eine Tradition und die ist höchst verlässlich!

PS: Interessant, Du hast mit “Rassenreinheit” so geschrieben wie es viele Russen auch aussprechen “Rassenreincheit”.

PPS: Ich habe rein garnichts gegen russische oder andere Juden! Jude ist Jude, egal woher.

Roman
10 Jahre zuvor

Joschua, du scheinst Dich nicht wirklich mit der Thematik vertaut gemacht zu haben. Die Juden, die nach Deutschland kamen MUSSTEN Mitglieder einer Gemeinde werden und sie sind vielleicht nicht besonders religiös, halten aber trotzdem an der Tradition fest. Eben diese Tradition wird gegen sie eingesetzt.

Vielen russischen Juden ist es sehr wichtig auf einem jüdischen Friedhof begraben zu werden, die Gemeinden nutzen nun diesen Vorteil für sich aus und verhindern, dass kleinere Gruppen sich in einem Ort ansiedeln können. Nach dem Motto, verlässt du die Gemeinde und schließt dich den Liberalen an, dann wirst du zusammen mit den Christen begraben.

Das ist ein Strukturproblem und ich befürchte, dass es nicht mehr dauerhaft gelöst werden kann.

Das alles hat aber nichts damit zu tun, ob die Sowjetjuden nun halachische Juden sind. Sowieso ist Deine Behauptung widersinnig, denn warum sollte man auf einem jüdischen Friedhof begraben werden wollen, wenn man gar kein Jude ist und mit gefälschten Papieren nach Deutschland kam?

p.s. Ab und zu baue ich ein paar Rechtschreibfehler und Vertipper ein, damit sich die deutschen Juden höherwertiger fühlen.

Joshua
Joshua
10 Jahre zuvor

“Sowieso ist deine Behauptung widersinnig, denn warum sollte man auf einem jüdischen Friedhof begraben werden wollen, wenn gar kein Jude ist und mit gefälschten Papieren nach Deutschland kam?”

Eben, darum geht es ja. Deshalb brauchen sie ja keinen Rabbiner der ihre Jüdischkeit bestätigt, Du hast es erfasst.
Viele melden sich nichtmal in den Gemeinden an wenn sie in Deutschland sind und wenn dann wird eben das Sozialsystem der Gemeinden benutzt, das wars dann.

Schula
Schula
10 Jahre zuvor

“Die Volkszugehörigkeit, stand in der Geburtsurkunde und die Eltern konnten das für ihre Kinder selbst wählen. Der Gemeinderabbiner fordert dann aber die Urkunde der Eltern an und in den allermeisten Fällen konnte dort nicht gewählt keine Mischehen werden, also stand bei der Mutter, ob sie jüdisch war.”

Jetzt hab ichs verstanden, sbasiba. 😉

Ron Yitzchak
10 Jahre zuvor

Ich frage mich sowieso, warum Angehörige von russischen Juden, die ja schließlich im Sinne der Familienzusammenführung bzw. der Zusammenhaltung der Familie auch nach Deutschland kamen, sich bemühen sollte, auch Mitglieder in den Gemeinden zu werden.