Olesya – die Frage nach der Identität

Wer ist, oder besser, was ist Olesya – aus Usbekistan kommend, mit einer jüdischen Mutter, in Israel lebend? Diese gedankliche Reise unternimmt ein Video:

I am Olesya from Adellaida on Vimeo.

Unbedingt empfehlenswert…

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Frage nach einer jüdischen Identität kann nicht aufgrund der halachischen Aussage einer matrilineare Abstammung bestimmt werden, da die Abstammung als solche noch keine Identität vorgibt, ansonsten begäbe man sich auf das Glatteis einer Rassenlehre. Die Identität wird erst in der Interaktion mit der Gesellschaft, zunächst durch die Eltern, dann durch das engere soziale Umfeld, gebildet.

    Wenn man eine atheistische Mutter annimmt, die ihren Kindern keinerlei religiöse Unterweisung gibt, so werden diese Kinder voraussichtlich nicht in der Weise agieren, wie es durch eine Religion normativ vorgeben wird. Das bedeutet für eine atheistische Mutter mit jüdischen Vorfahren, dass die Kinder zwar irgendeine Identität erwerben, aber ob diese als “jüdisch” im Sinne der jüdisch-religiösen Tradition bezeichnet werden kann ist zu verneinen.

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  2. @Klaus: Es kommt sogar noch besser:
    wenn eine Jüdin z.B. zum Katholizismus konvertiert, bekommt eine Tochter, die z.B zum Hinduismus konvertiert, die wiederum eine Tochter bekommt, die z.B. zum Islam konvertiert, und diese Tochter bekommt einen Sohn, dann ist der ?
    Genau, Jude! Egal wohin er konvertiert, sogar wenn er Atheist sein sollte. Halachisch ist er Jude.
    Das hat aber in keiner Weise auch nur das geringste mit “Rassenlehre” zu tun, sondern schlicht und einfach mit Matrilinearität!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearität
    Gute Woche noch,
    Dein
    Shabbes-Goi

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  3. @Chaim Die Halacha ist ein jüdisches Religionssystem, das historisch gewachsen ist. Sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichzusetzen wäre falsch, denn hier werden ja normative Aussagen behandelt. Wenn eine bestimmte These aufgestellt wird, und diese als wahr angesehen wird, dann unterliegt sie den gleichen Prüfkriterien auf Wahrheit wie andere auch. Die halachische These des Judeseins aus einer auf ein bestimmtes Geschlecht eingeschränkten Abstammung ist Unsinn, da sich Gene von beiden Elternteilen mischen. Eine Religion kann sowieso nicht genetisch vererbt werden, sie wird während der kindlichen Sozialisation erworben.

    Wenn man allerdings davon ausginge, dass das Judesein sich über die biologische Abstammung evident von anderen Menschsein unterscheidet, landet man schnell im Fahrwasser der Feinde der Juden, die ihre “germanische” Abstammung hervorheben.

    @Shabbes-Goi Eine interessante Deduktion. Nimmt man in diesem Gedankengebäude die gegenteilige matrilineare Position ein, nämlich dass eine “germanische” Mutter nur “germanische” Kinder gebiert und deren weibliche Nachfahren nicht aus dieser Abstammungslinie herausfallen, dann ergibt sich ein Erklärungsproblem bei den Nachkommen von Konvertitinnen zum Judentum. Dann müssten ihre weiblichen Nachkommen wegen der matrilinearen Abstammung doch ihr “Germanentum” behalten?

    Die jüdische Halacha führt in jedem Fall in eine Sackgasse. Die Gene werden nunmal gemischt. Ihnen ist es egal, ob der Träger der Erbinformationen ein “Blonder” oder ein Orientale war.

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  4. @Klaus: Mejwen, a nechtiger Tog. Erstens waren die Germanen damals meines Wissens am Sinai nicht dabei und haben auch keine Brit mit Haschem gemacht. Zweitens, ja, Du hast recht, es gibt die Möglichkeit, ohne jüdische Mutter Jüdin bzw. Jude zu werden, das wäre dann der Giur.
    Für Gerot, eine zum Judentum konvertierte Frauen, gilt dann das gleiche wie oben, wenn ihre Tochter zum Katholizismus konvertiert, etc. Das Ganze hat also weder was mit Genen, noch mit Rasse zu tun, sondern ist schlicht und einfach eine halachische Regel. Punktum. Es gibt zwar im Internet wie warme Semmeln angebotene Gentests, mit denen Du feststellen kannst, ob Du genetisch zu den Cohanim gehörst, aber das ist Schmonzes und Geldschneiderei. Das Ganze ist auch keine wissenschaftliche Frage, sondern schlicht und einfach eine Definitionsfrage, auch wenn das Judentum per Eigendefinition keine Religion ist. Jedenfalls nicht ausschließlich eine Religion, sondern eine Identität, die sich auch ohne Ausübung der Halacha und jenseits der Observanz matrilinear fortsetzt und dabei nach außen hin durch den Giur offen ist. Sogar die Mutter von David war eine Konvertitin zum Judentum und trotzdem wir der Moshiach aus dem Stamme Davids sein. Wenn das kein Zeichen von Toleranz ist!

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  5. Man bleibt sicher halachisch jüdisch, aber wenn es Generationen zurückliegt, wird in der Regel trotzdem ein Giur gemacht.
    Warum das immer wieder mit dem Begriff Rasse vermischt wird, ist unverständlich, denn man kann Jude/Jüdin werden (nicht wenige größe jüdische Persönlichkeiten stammen von Gerim ab) und allein deswegen ist diese “Argumentation” (die man immer nur in Dtl. !! erlebt) ad absurdum geführt.

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  6. “Eine Religion kann sowieso nicht genetisch vererbt werden, sie wird während der kindlichen Sozialisation erworben.”

    Es wird auch keine Religion “vererbt”, sondern der Status zum jüdischen Volk zu gehören, dessen Religion das Judentum ist.
    Daher ist Ihre Argumentation wirklich nur aus einer christlichen Sicht beschrieben.
    Mit Genen wiederum hat das nun gar nichts zu tun.

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