Erfurt hat die älteste Synagoge

Ende Oktober 2009 wurde in Erfurt in einer alten Synagoge eine Dauerausstellung eröffnet. Das mag unspektakulär klingen – schließlich sind einige Synagogen heute Museen oder kulturelle Begegnungsstätten, aber Erfurt kann auf eine Synagoge zurückgreifen, die über 900 Jahre alt ist. Die Geschichte um die Wiederentdeckung der Synagoge ist spannender, als man sich so eine Geschichte ausdenken könnte. Erbaut wurde sie wohl um das Jahr 1100. Nach einem Pogrom im Jahre 1266 entstand das Gebäude etwa um das Jahr 1270 neu und wurde in der Folge immer wieder umgebaut. Nach einem Pogrom 1349 wurde sie fast 500 Jahre lang als Lagerhaus benutzt und verschwand langsam hinter und zwischen anderen Häusern. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude mittelalterliche Gebäude durch eine Gaststätte genutzt – da war die Synagoge im Gedächtnis der Stadt schon lange vergessen, bis 1992 Bauuntersuchungen die mittelalterliche Substanz des Gebäudes erforschten und auf die Synagoge selbst stießen. Dann wurde sie aus der Bausubstanz geschält und so wurde ein beachtliches Zeugnis für das jüdische Leben im Mittelalter geborgen.

Alte Synagoge Erfurt
Weitere und eingehende Informationen gibt es auf einer Website der Stadt Erfurt, die auch recht anschaulich die verschiedenen Bauphasen zeigt.
Man beschränkt sich jedoch, bemerkenswerterweise, nicht auf die Darstellung des jüdischen Lebens im Mittelalter, sondern zeigt auch etwas zu den anderen Synagogen, die es in Erfurt heute gibt und die es einmal gab. So gibt es heute noch die Kleine Synagoge.
xti_0073
und die Synagoge der heutigen jüdischen Gemeinde .
16-200dpi

Die Verdichtung jüdischer Geschichte dürfte die Stadt interessant für einen jüdischen Kurzausflug machen. Ach ja, bei der Gelegenheit kann man sich gleichen den jüdischen Schatz aus dem Mittelalter anschauen. 28 Kilogramm Wertsachen, 3141 Silbermünzen, 14 Silberbarren, 600 Schmuckstücke und ein goldener Hochzeitsring aus dem 14. Jahrhundert mit der Aufschrift Mazel Tov

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Sieht spannend aus! Da würde ich gerne man Kabbalath drin machen!
    Apropos Schatz, interessant auch in der Geschichte der neuen, aktuell genutzten Synagoge:
    “Kurze Zeit nach Brand der Synagoge, noch im November 1938, wird der Abbruch der Ruine und die Einzäunung des Geländes verlangt auf Kosten der jüdischen Gemeinde, der dafür 8.000 RM in Rechnung gestellt werden. 1939 kauft die Stadt Erfurt das Grundstück von der Gemeinde für 15.000 RM. Von diesem Betrag werden die 8.000 RM für die Sicherung des Geländes sowie einige Gebühren abgezogen und die übrigen 8.100 RM auf ein Sperrkonto eingezahlt. Am 20. März 1947 ergeht schließlich ein Ratsbeschluss über die unentgeltliche Rückgabe des Geländes” !
    Ist das nur signifikant für Nachshoahsynagogen in der Ex-DDR, oder auch für die in EX-Westdeutschland?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.