Offener Protest angekündigt

Eine neue Form des Protests wird, wenn es nach der Ankündigung geht, die Gemeinden von Westfalen-Lippe erreichen. So wurde gestern eine Mitteilung publiziert, die das nahe legt:

Aktion Für wirksame Rechtspflege und gegen herrische Willkür in jüdischen Gemeinden Deutschlands (diesmal mit dem Schwerpunkt Gemeinde Bielefeld)
Die Aktion Pikett wird am 03.11.2009 vom Verein Forum für die Zukunft des Judentums in Deutschland .e.V. (im Folgenden Forum genannt) durchgeführt. von hier

Hier wird eine Aktion vor den Räumlichkeiten des Landesverbandes Westfalen-Lippe für den dritten November angekündigt. Was tatsächlich passieren wird, geht aus der Ankündigung bisher nicht hervor. Hintergrund ist offenbar ein Forum, welches auch hier schon einmal in den Kommentaren genannt wurde, nämlich das Forum Freie jüdische Meinung. Dort konnte ich auf Anhieb aber keine weiteren Informationen zur angekündigten Veranstaltung finden.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

57 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin ziemlich sicher, dass ich mehr Zeit in jüdischen Gemeinden in D verbracht habe als Du. Und ich erinnere mich noch sehr wohl an die Diskussionen und Hoffnungen, bevor die Einreisewelle begann. Die Realität, die ich mich nach Deiner Auffassung anschauen soll, war schon so, bevor Du nach Deutschland gekommen bist.

    Ja, das sage ich ja. Die Gemeinden waren schon kaputt, bevor wir kamen und sie werden weiter kaputt gemacht, von denen die die alte Ordnung aufrechterhalten wollen. Ich habe mir auch ein paar alte Sendungen angeguckt und gesehen, dass man sich wohl was tolles vorgestellt hat, aber was dann passiert ist

    Der deutsche Staat wird sich hüten, einer jüdischen Gemeinde Vorschriften zu machen. Genau deshalb geht es ja so drunter und drüber.

    Nichts anderes habe ich gesagt. Es gibt keine Vorschriften und kein Diktat von oben. Es werden allerdings die Alteingesessenen bevorzugt.

    Gemeindeleben mag mehr sein als Religion. Aber ohne Religion führt das Gemeindeleben offensichtlich nicht dazu, dass es die Gemeinde in 30 Jahre noch gibt.

    In der Ukraine gab es 70 Jahre lang kein religiöses Leben und heute gibt es noch immer aktive jüdische Gemeinden. Ich war vor zwei Jahren drüben und die Gemeinden sind aktiver als die deutschen. Die Empirie sagt eben das Gegenteil von dem, was du behauptest.

    Deine Vorschläge (soziale Aktivitäten, vereinfachte Übertritte) schieben das Problem gewiss ein paar Jahre auf, aber sie lösen es eben nicht grundsätzlich.
    Das Problem ist von der Wurzel her in Deutschland auch nicht mehr zu lösen. Nicht mit den Menschen, die heute hier leben. Man braucht entweder willige Konvertiten oder eine Einwanderung aus dem Orient. Die deutschen Juden und die Juden aus den GUS-Staaten sind verloren. Es wird sie bald nicht mehr geben. Das ist auch den meisten Israelis klar und die Arbeit der Jewish Agency ist entsprechend.

    Denn mit Abstand das erfolgversprechendste Mittel dagegen, dass sich heiratsfähige jüdische Männer im entscheidenenden Moment gegen die Schickse entscheiden, ist eine feste, gelebte, religiöse Überzeugung. Du meinst vielleicht, man könne die Schickse schnell kaschern, und dann sei alles okay. Aber die Kinder von gekascherten Schicksen gehen allzu oft verloren.

    Solche Worte benutze ich nicht und sage auch nicht, dass man Nichtjuden zum Heiraten konvertieren soll. Den Unmut der jüdischen Männer kann ich aber sehr gut nachvollziehen, irgendwann hat man keine Lust nach einer Jüdin zu suchen. Denn die Jüdin ist meist schon an einen Nichtjuden verloren.

    Das Problem haben ein paar meiner Freunde, die kann man nicht einmal mehr verkuppeln.

    So weit ich weiss, ist die evangelische Kirche einen offeneren Kurs gefahren und hat eher versucht, über Aktivitäten, wie Du sie vorschlägst, Mitglieder zu binden. Sie hat aber trotzdem (oder deswegen?) deutlich schneller Mitglieder verloren als die Katholiken, die sich offenbar weniger mit unspritiruellen Nebendienstleistungen verzettelt haben. Können wir daraus was lernen?

    Die Protestanten wachsen überall schneller, als die Katholiken. Nur sind sie einfach nicht evangelisch, sondern evangelikal.

    Von Dajan Abramsky ist Deine Frage bereits vor Jahrzehnten mit dieser Analogie beantwortet worden: Wenn ein englischer Staatsbürger der Steuerhinterziehung überführt wird, verliert er dadurch nicht seine Staatsangehörigkeit. Wenn allerdings ein Neueinwanderer bei Beantragung der Staatsbürgerschaft erklärt: Eure englischen Gesetze sind ja ganz nett, aber das mit der Steuer gedenke ich nicht zu halten, wird man seinen Antrag zu recht zurückweisen. Logisch, oder? Wie viele Jahre nach Einreise in die Bundesrepublik kann man die Staatsbürgerschaft beantragen? Und nach wie wenigen Monaten beanspruchen manche einen Eintritt ins jüdische Volk?

    Die Frage mag beantwortet worden sein, aber angesichts der Erfahrungen die die Vaterjuden in den letzten 100 Jahren durchgemacht haben, lohnt ein zweiter Blick. Von den Nazis verfolgt und von den eigenen Brüdern verstoßen. Ein Quell der Nächstenliebe!

    Israel kann kein Vorbild sein, denn der sekuläre Israeli muss sich nicht in der Regel bewusst gegen die Schickse (den Schaigetz) entscheiden. Der Diaspora-Jude schon.

    Gerade letzten Sommer habe ich mit Leuten geredet, denen genau das wichtig ist. In Israel gibt es genug Halbjuden und Nichtjuden, gegen die man sich entscheiden müsste. Die Gesellschaft funktioniert trotzdem.

    Dann geht das Land den Bach runter. Wer weiß. Wenn man meint, es würde so laufen, wie im Iran, dann hättest Du wohl recht. Da bleibt den Säkulären wohl nur: demographisches Gegenhalten

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  2. @SG:
    “Schaigetz” ist die männliche Form von “Schickse”.

    @Roman:
    Ich würde nicht sagen, die Gemeinden werden weiter kaputtgemacht. Fragt sich, ob das überhaupt geht. Aber mancher versucht, eine Vitalisierung zu verhindern, weil die ihn/sie Pfründe kosten würde.

    Gibt es “immer noch” oder eher wieder jüdisches Leben in der Ukraine? Im Vergleich zu früher scheint es mir doch etwas mau zu sein. Und das liegt nicht nur an der Dezimierung durch die Schoah. Sondern auch am verschwundenen jüdischen Wissen.

    Meine Rede: Die wachsenden Evangelikalen setzen aber radikal auf Religiöses und nicht Literatur und Sport.

    Schau Dir mal den Link an, den ich zuvor geschickt habe und sag mir bitte, was Du daraus folgerst. Bedenke, die Behauptung ist nicht, dass es nicht Einzelfälle gibt, in denen es anders läuft. Es werden verallgemeindernde Trendaussagen gemacht…

    YM

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  3. “Ich würde nicht sagen, die Gemeinden werden weiter kaputtgemacht. Fragt sich, ob das überhaupt geht. Aber mancher versucht, eine Vitalisierung zu verhindern, weil die ihn/sie Pfründe kosten würde.”

    Wie mans auch dreht.

    “Gibt es immer noch oder eher wieder jüdisches Leben in der Ukraine? Im Vergleich zu früher scheint es mir doch etwas mau zu sein. Und das liegt nicht nur an der Dezimierung durch die Schoah. Sondern auch am verschwundenen jüdischen Wissen.”

    Im Vergleich zu der Lage vor 20 Jahren sind die Gemeinden relativ vital. Sie sind jedenfalls vitaler, als die Gemeinden in Deutschland. Auf den Staat sind sie nicht angewiesen.

    Ansonsten ist kaum jemand geblieben, die meisten sind ausgewandert. Aktive Mitglieder gibt es jedoch mehr als bei “uns”.

    “Schau Dir mal den Link an, den ich zuvor geschickt habe und sag mir bitte, was Du daraus folgerst. Bedenke, die Behauptung ist nicht, dass es nicht Einzelfälle gibt, in denen es anders läuft. Es werden verallgemeindernde Trendaussagen gemacht”

    Morgen.

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  4. @SG: Ich denke, es ist offensichtlich, in welchem Zusammenhang der Begriff oben benutzt wurde. Und wie sich der jiddische Begriff vom seiner hebräischen Wurzel gelöst hat…

    @Roman:
    Dass die Unterstützung des Staates,insbesondere in der gegenwärtigen Form, im Zusammenhang Gift ist, darin sind wir uns sicher einig. Apropos: Wenn Du Dir mal die Geschichte der Demokratie, insbesondere der parlamentarischen Repräsentanz anschaust, wirst Du feststellen, dass sie an das Recht der Haushaltskontrolle gebunden ist (z. B. “No taxation without representation”). Wer bezahlt, bestimmt die Musik. Mitbestimmen zu wollen ohne zu bezahlen, das klingt doch eher nach Kommunismus 😉

    YM

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