Broder visiert den Zentralrat an

Henryk M. Broder hat den Zentralrat im Visier und erklärt im Tagesspiegel, warum er sich gerne zum Vorsitzenden wählen lassen würde. Was etwas seltsam anmutet, nachdem er dessen Arbeit bzw. die des Generalsekretärs des Zentralrats sorgfältig auseinander nimmt. Offenbar geht Broder davon aus, der Zentralrat bestehe nur aus zwei Personen, Frau Knobloch und dem Generalsekretär Kramer:

Die offizielle Vertretung der Juden in Deutschland befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Die Präsidentin intern Tante Charly genannt scheint von dem Job überfordert. Wer die Pressemitteilungen liest, die von ihrem Büro herausgegeben werden, erfährt, dass ein Besuch bei der Frau des Bundespräsidenten zu den wichtigsten Erfahrungen ihres Lebens gehört. von hier

und

Was der Zentralrat tut oder unterlässt, das entscheidet dessen Generalsekretär, der die schwindende Bedeutung der Organisation durch taktische Allianzen und sinnfreien Aktionismus auszugleichen versucht. von hier

Insgesamt ist es eher Broders Abrechnung mit dem Zentralrat, als ein konstruktiver Beitrag dazu, wie dessen Arbeit in Zukunft aussehen sollte. Welche Prioritäten er in seiner Arbeit setzen sollte, was überhaupt dessen Funktion sein kann in einer Umgebung und Gemeinderealität, die um einiges flexibler geworden ist. Er vertritt nicht mehr alle Gemeinden, geschweige denn alle Juden des Landes. Immer mehr Gruppen finden sich locker zusammen um gemeinsame Interessen zu teilen – das hat nicht einmal etwas mit einem Konflikt zwischen Orthodoxie und liberalem Judentum zu tun.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon. Sein Buch »Tzipporim: Judentum und Social Media« behandelt den jüdischen Umgang mit den sozialen Medien. || Um per Mail über neue Beiträge informiert zu werden, bitte hier klicken

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. ehrlich gesagt, war ich sprachlos, als ich davon las. Und ich weiss nicht recht, was ich dazu sagen soll. Es kann doch unmoeglich sein Ernst sein? oder ? Wie sollte das denn praktisch umgesetzt aussehen? vielleicht bin ich nur zu phantasielos, mir das vorzustellen….
    Noa

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  2. Shalom sameach – fröhlichen Frieden,
    @Yoav – Du bist lieb, aber “Sha, Yoav, Sha” als Antwort; bitte werde erst mal Broders Rabbiner – und dann verbinde sein Schicksal mit Deinem.
    @Noa – Du bist noch lieber – aber kapierst Männer, insbesondere Broder nicht. Frauen verändern – mit Worten – die Welt; Macho-Männer wie der Verbal-Narzißt plappern einfach – und im schlimmsten Fall wie zB bei Hitler – passiert sogar ihr Unfug; leider auch, weil Frauen sie ernstnehmen, anstatt den dummen Jungs die Ohren strammzuziehen und sie maximal mit nem mütterlichen Bussi zu ent-plappern.
    @Chajm – Du bist der Allerliebste, aber beides ist falsch. 1. Der beabsichtigt weiter auf dem Regenbogen seiner akzeptierten Steckenpferde herumzutanzen; 2. Bevor er Generalsekretär wie Kramer werden kann sollte er etwas ernsthafter als dieser jüdisch werden – sonst hat er keine Kipa, die er in den Ring werfen kann.
    Die Wahrheit ganz einfach:
    mit dem Beginn der MerkelMonarchie bei BTW09 wird Hitlerismus und Holocaust abgehakt – und der nicht-jüdisch lebende und redende BRD-Broder ist der Sendbote dafür. Bad news for Jews…
    …aber wären das irgendwie ganz ungewöhnlich neue Nachrichten?
    Ab nun nicht mehr Blödsinn machen – dafür Jüdische Gemeinden,… gut aufbauen! Und bezogen auf den Barden Broder nicht Adolf aber Asterix um Rat fragen… zu lachen gibt es auch so genug; und zu ärgern mehr als genug. bis bald, salomon

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  3. @Salomon: Sholem Shlomo! Also ich weiss nicht, ob Frau Knobloch und Herr Kramer wirklich wesentlich observanter als Herr Broder sind.
    Aber abgesehen davon, einen besseren Zentralratsvorsitzenden als Herrn Broder kann sich die neue Borussenregierung doch gar nicht wünschen.
    Endlich ein Bundes-Jid, der ihnen volles grünes Licht für die Verteidigung der Bundesrepublik am Hindukusch gibt und voll hinter einer Intervention der Bundeswehr im Iran steht, damit sie Ihre Waffen gleichzeitig an sich, an die Iraner und an Israel verkaufen können. Einen besseren Fallschirm könnte sich Guidoleben nicht wünschen.
    Gitt Restwoch noch,
    Shabbes-Goi

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  4. Irgendwie ist es sehr interessant, dass sich niemand Gedanken um die Legitimität des Zentralrats schert. Was die sich seit Jahren leisten ist die Zerstörung des aktiven Judentums. Da kann man noch so viele Synagogen bauen, wenn kritische Leute auf die Straße gesetzt werden.

    Die Union ist natürlich nicht besser.

    An dieser Stelle möchte ich auf ein kleines Projekt aufmerksam machen:

    Um den Vorwurf von unbegründeten Beschuldigungen und unbewiesenen Behauptungen zu vermeiden, möchten wir beispielhaft einige Menschenrechtsverletzungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft anführen. Wir beschränken uns dabei auf das wichtigste Menschenrecht auf das Freiheitsrecht.

    Artikel 5 S. 1 GG garantiert das Recht auf freie Meinungsäußerung. Allerdings wird dieses Recht innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland nicht beachtet. Es wird vielmehr mit allen möglichen Mitteln ein Kampf gegen Andersdenkende geführt.

    Ein Beispiel dafür ist der Zentralrat der Juden Deutschland selber. Er sieht in seiner Mustersatzung drei Punkte vor, die den Gemeinden ermöglichen, ein Gemeindemitglied wegen einer unpassenden Meinungsäußerung aus der Gemeinde auszuschließen.

    Es ist kein Wunder, dass viele deutsche Gemeinden zum gleichen Mittel greifen, indem sie den oppositionell orientierten Mitgliedern die Gemeindebesuche, und in Bochum sogar die Synagogebesuche, verbieten. In Bielefeld ist man auf die Idee gekommen, solchen Mitgliedern das Stimmrecht abzusprechen und diese aus der Gemeinde durch Beschlüsse von Trojka auszuschließen. Ebenfalls in Bielefeld hat die Gemeindeleitung ein so genanntes Ehrengericht eingerichtet. Dieses hat fünf Gemeindemitglieder aus der Gemeinde ausgeschlossen, weil sie sowohl der jüdischen Gemeinde Bielefeld im Einzelnen als auch der jüdischen Gemeinschaft im Ganzen einen Schaden zugefügt haben. (Drei von diesen Personen, einschließlich des neu gewählten Vorsitzenden der Gemeindeversammlung Mark Masur, waren die Sieger der für ungültig erklärten Wahl, die zwei anderen waren oppositionell zu der alten Führungsspitze.) […]

    http://www.freie-juedische-meinung.de/de/ueber-deutsches-judentum/127-zentralrat-der-juden-in-deutschland-und-menschenrechtverletzung

    @Schabbes-Goi:

    Du weißt aber, dass Broder mittlerweile GEGEN den Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist? Aber schöne Polemik…

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  5. Die haben das offensichtlich nicht im Internet stehen, aber ich habe die Satzung der Jüdische Gemeinde DU/MH/OB angefordert und dort steht unter 6:

    Die Mitgliedschaft endet durch
    a) Verlegung des Wohnsitzes aus dem Bereich des Gemeindebezirks
    b) durch TOD
    c) durch Austritt aus der Jüdischen Gemeinde durch Erklärung gegenüber dem Amtgericht,
    d) durch Ausschluss
    Bei Beendigung der Mitgliedschaft in dem Falle c) findet das Kirchenaustrittsgesetz (KiAustrG) vom 26. Mai 1981 Anwendung. Ein Ausschluss von den Mitgliederrechten kann bei einem die Interessen oder das Ansehen der Kultusgemeinde oder der jüdischen Allgemeinheit schädigenden Verhalten durch ein auf Beschluss von Vorstand und Gemeindevertretung einzuberufendes Ehrengericht der Gemeinde oder, falls ein solches nicht besteht, durch das Ehrengericht des Landesverbandes erfolgen.

    (Hervorhebung von mir). Offensichtlich zählt das Besuchen einer Freikirche und aktive Judenmission nicht zum schädigendem Verhalten 🙂

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  6. @Roman:
    Das Schreiben vom Postings am heiligen Schabbes anscheinend auch nicht 😉

    Am Sukkot habe ich in Jerusalem eine Schar junger deutschsprachiger Exil-Juden getroffen. Und das sind Leute, die Sukkoth mit allem drum und dran halten (was auf 99.9% in D wohl nicht zutreffen dürfte).
    Heute am Schabbes-Tisch traf ich einen Ex-Münchner, der zu berichten wusste, dass viele aus seiner Generation (Student) ins Ausland (Israel, USA, UK) gegangen sind, mit wenig Motivation zurückzukehren.
    Laut ZWSt-Statistik kommen auf 1 Geburt 7 Todesfälle.
    Es scheint also ziemlich gleichgültig zu sein, wer sich zum Häuptling über keine Indianer aufschwingt…
    Über Honecker witzelte man so schön: “Der letzte macht das Licht aus.”

    YM

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  7. @Yankel:

    Das ist wohl kein Geheimnis, dass ich am Schabbes sowohl Auto fahre, als auch am Rechner sitze. Aber Chajm fährt ja auch Auto, also kann ich mit meiner Auslegung nicht so sehr daneben liegen.

    Ist dir eigentlich klar, was ich oben zitiert habe? Die jüdischen Gemeinden können JEDEN aus ihren Reihen entfernen, der aufmuckt.

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  8. @Roman: 8:
    Es wundert mich, dass Dich das wundert oder sogar empört.
    Als Teil einer KdöR ist jede Gemeinde ein Verein, zumindest die meisten,
    und jeder Verein kann bei Nichtzahlung der Beiträge oder Verstössen gegen die Vereinssatzung genauso handeln. Die brauchen nichtmal ein Ehrengericht, ( bescheuerter Name ), sondern da reicht eine ganz normale Vorstandssitzung.

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  9. @Yankel Nr. 9:
    Postingzeit:
    Du mußt gerade reden, 0 Uhr acht, da sollstest Du entweder in der Heia liegen, süß und koscher cholemen oder den Zeitraum zwischen Mincha und Abendgebet für das Thoirelernen nutzen. 😉
    Zu dem anderen: was treibt Dich bei Deinen Postings zur Situation des Judentums in der BRD eigentlich an, das Leiden daran oder die Genugtuung darüber?
    Gitt woch, Dein Shabbes-Goi

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  10. @Roman (6)
    Na, da wird aber einiges durcheinander geworfen. Wie Du weißt, sind die jüdischen Gemeinden autonom und der Zentralrat ist nicht weisungbefugt in den Einzelgemeinden. Nicht einmal der Landesverband ist dies. Die Gemeinden können aber vorsehen, dass der Landesverband gewisse Befugnisse durch die Satzung erhält (kommissarische Geschäftsführung etc.). Beide Verbandsebenen sind Dachverbände. Die Satzungen der Gemeinde sind nicht durch den Zentralrat formuliert worden, einige Gemeinden wurden bereits 1945/46 gegründet worden. Da gab es den Zentralrat überhaupt noch nicht. Er entstand erst im Sommer 1950. Die Gemeinden werden und wurden von Personen vor Ort gegründet und betrieben. Wenn es also vor Ort Schwierigkeiten gibt, dann sollten die auch vor Ort gelöst werden. Aber wie es ausschaut, versucht man über die Art und Weise, wie die Probleme erst entstanden, sie auch zu lösen: Man ruft nach einer, vermeintlich, höheren Instanz oder verlässt sich auf sie. Das funktioniert aber, eben wegen der Struktur von unten nach oben, nicht. Ich habe nicht von vielen Menschen gehört, die ihre demokratischen Mittel genutzt haben und entweder geklagt haben (die meisten Gemeinden sind Körperschaften des öffentlichen Rechts) oder besser, etwas selber auf die Beine gestellt haben und es besser gemacht haben. Geht es um Inhalte oder Strukturen? Wer inhaltlich arbeitet, der schafft sich ein entsprechendes Umfeld.
    Letztendlich ist es gleich, welche Strukturen vorherrschen, man ist doch frei, sich eigene kleine Strukturen zu schaffen und etwas zu unternehmen um die Dinge voranzubringen. Die jungen Leute verlassen die etablierten kleinen Gemeinden und sind entweder weg oder werden durch andere Initiativen aufgefangen. Eine kleine, aktive, durch Eigeninitiative getragene, inhaltlich ausgerichtete Gruppe, ist mir lieber, als eine große Masse von Menschen die mit Inhalten eigentlich nichts anzufangen weiß.

    Auf der von Roman genannten Seite geht es viel um Bielefeld: Interessant, denn Bielefeld ist sowohl Zentralratsgemeinde, als auch Unionsgemeinde und die beschuldigten Personen Kollegen des Oberhausener Vorstandes. Dann kann Roman ja direkt mal mit den Personen direkt sprechen und sich über die Sachlage erkundigen.
    Übrigens:
    Auch die Mitgliedsgemeinden der Union haben eine solche Ausschlußklausel in ihren Satzungen:
    http://www.davidstern.de/Satz_ger.html

    3. Die Mitgliedschaft endet:

    c) durch Ausschluss wegen groben Verstoßes gegen die Zwecke gemäß 2 oder vereinsschädigenden Verhaltens. Über den Ausschluss beschließt die Mitgliederversammlung nur auf Antrag von wenigstens zwei Mitgliedern des Vorstandes mit 2/3 Mehrheit der Anwesenden. Dem Betroffenen ist Gehör zu gewähren. Im Fall des Ausschlusses erlischt die Mitgliedschaft mit ordentlicher Bekanntgabe (Einschreiben).
    d) durch Streichung. Ein Mitglied kann durch Beschluss des Vorstands ausgeschlossen werden, wenn es mit der Zahlung seiner Mitgliedsbeiträge ein halbes Jahr im Rückstand ist. Das Mitglied kann der Streichung binnen 2 Wochen widersprechen. Über den Widerspruch entscheidet nächste Mitgliederversammlung.

    oder hier
    http://www.liberale-juden.de/cms/index.php?id=18
    oder hier
    http://www.weilermedia.de/ljg-giesen/de/?page=Satzung
    Also wo ist da die Neuigkeit?
    Man kann schlecht etwas öffentlich monieren, aber auf der anderen Seite unterstützen. In nucem: Die Kritik ist mir etwas zu pauschal und hat den falschen Adressaten. Wer etwas ändern will, sollte das doch dort tun, wo es erfolgversprechend ist, nämlich in den einzelenen Gemeinden oder vor Ort.

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  11. @SG:
    “0 Uhr acht”: Bedenke, ich bin in einer anderen Zeitzone… 😉
    Maariw habe ich um die Zeit natürlich schon gesagt, besonders Mozaei Schabbes.
    Bzgl “Bitul Sman”: Deine Frage/Einwand ist höchst berechtigt…
    Natürlich nicht “Genugtuung”. Eher der Versuch, andere dazu zu provozieren, mir das Gegenteil zu beweisen… So lange es aber so ist, dass viele derjenigen, denen an ihrem Judentum am meisten liegt, quasi in die Emigration getrieben werden, wird es mit dem Aufbau in D natürlich schwieriger.

    @Roman:
    Du hast leider völlig recht, die Möglichkeit, mit einem Ausschluss zu drohen, hat schon so manche Initiative im Keim erstickt. Was wohl auch erklärt, warum die größten Entwicklungen außerhalb der etablierten Gemeinden stattfinden.
    Das Problem ist weniger eine Ausschlussklausel, die gehört zur Standardaustattung vieler Vereinssatzungen, eher die Möglichkeit des Mißbrauchs oder jedenfalls der Drohung.
    Besonders erschreckend finde ich dabei, wie sich speziell die postsowjetischen Mitglieder vom pseudodiktatorischen Gehabe so manchen Vorstandes ruhigstellen lassen…

    Gut Woch und schöne Winterzeit…

    YM

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  12. Schabbes-Goi:
    @Roman: 8:
    Es wundert mich, dass Dich das wundert oder sogar empört.
    Als Teil einer KdöR ist jede Gemeinde ein Verein, zumindest die meisten,
    und jeder Verein kann bei Nichtzahlung der Beiträge oder Verstössen gegen die Vereinssatzung genauso handeln. Die brauchen nichtmal ein Ehrengericht, ( bescheuerter Name ), sondern da reicht eine ganz normale Vorstandssitzung.

    Um Beiträge geht es eben nicht, es geht um unliebsame Wahlergebnisse oder Meinungen. Lies dir mal die Seite durch, dann weißt du was in Bielefeld abgezogen wurde.

    @Chajm: Na, da wird aber einiges durcheinander geworfen. Wie Du weißt, sind die jüdischen Gemeinden autonom und der Zentralrat ist nicht weisungbefugt in den Einzelgemeinden.

    Das kann nur einer sagen, der noch nie mit dem Landesverband diskutiert hat, Sorry.

    Beide Verbandsebenen sind Dachverbände. Die Satzungen der Gemeinde sind nicht durch den Zentralrat formuliert worden, einige Gemeinden wurden bereits 1945/46 gegründet worden.

    Es spielt keine Rolle, von wem die Regeln formuliert worden sind. Haben die Gemeinden es selbst formuliert, dann ist es sogar noch schlimmer.

    Ich habe nicht von vielen Menschen gehört, die ihre demokratischen Mittel genutzt haben und entweder geklagt haben (die meisten Gemeinden sind Körperschaften des öffentlichen Rechts) oder besser, etwas selber auf die Beine gestellt haben und es besser gemacht haben.

    Geklagt haben viele und es klagen ja auch immer noch viele. Aber mit Millionen an Staatsknete lässt es sich gut gegen Einzelpersonen vorgehen.

    Letztendlich ist es gleich, welche Strukturen vorherrschen, man ist doch frei, sich eigene kleine Strukturen zu schaffen und etwas zu unternehmen um die Dinge voranzubringen.

    Gutes Argument! Wie viele Positivbeispiele, von Bedeutung, kennst du?
    Bielefeld ist sowohl Zentralratsgemeinde, als auch Unionsgemeinde und die beschuldigten Personen Kollegen des Oberhausener Vorstandes. Dann kann Roman ja direkt mal mit den Personen direkt sprechen und sich über die Sachlage erkundigen.
    Übrigens:

    Du wirst nicht müde zu erwähnen, dass im Vorstand einer Unionsgemeinde bin, es ändert aber absolut nichts an meiner kritischen Haltung gegenüber den Geschehnissen. Warum sollte ich aber mit Kollegen (einer dritten Organisation) eines unserer Vorstandsmitglieder direkt sprechen können? Eine etwas naive Vorstellung!

    Auch die Mitgliedsgemeinden der Union haben eine solche Ausschlußklausel in ihren Satzungen:

    Es scheint dir entgangen zu sein, dass es sich bei der von mir geposteten Paragraphen um den Vorstand und Beirat (bzw. Ehrengericht) geht, der ausschließt und bei der von dir genannten Quelle um die Mitgliedsversammlung handelt. Das ist der kleine, feine Unterschied.

    Anders gesagt: Verliert der Vorstand eine Wahl, dann kann er seine Konkurrenz entlassen. Verliert der Vorstand in Hamburg eine Wahl, dann darf nur die Mitgliedsversammlung die Konkurrenz entlassen. Komisch, dass dir das nicht aufgefallen ist.

    @Yankel:
    Besonders erschreckend finde ich dabei, wie sich speziell die postsowjetischen Mitglieder vom pseudodiktatorischen Gehabe so manchen Vorstandes ruhigstellen lassen

    Du sprichst so, als gäbe es viele nicht-postsowjetische Mitglieder. Was hat das eigentlich mit dem Thema zu tun? Das ist wirklich albern vor dir, immer wieder darauf zu verweisen, dass es Ostjuden gibt. Du scheinst es richtig zu genießen sie als unterlegen und andersartig darzustellen. Damit meine ich natürlich nicht nur diesen Beitrag von dir.

    Antworten

  13. @Roman (15)
    Schöne Polemik, aber es ist sinnvoll, sich mit den einzelnen Argumenten zu beschäftigen.

    Das kann nur einer sagen, der noch nie mit dem Landesverband diskutiert hat, Sorry.

    Erneut muss ich sagen, dass Du dich wieder zu Dingen äußerst, von denen Du keine Ahnung hast. Woher willst Du das wissen?

    Es spielt keine Rolle, von wem die Regeln formuliert worden sind.

    Doch, wenn man zuvor behauptet hat, es gäbe eine Mustersatzung nach der alle anderen Satzungen formuliert worden sind.

    Geklagt haben viele und es klagen ja auch immer noch viele. Aber mit Millionen an Staatsknete lässt es sich gut gegen Einzelpersonen vorgehen.

    Es gibt sogar Menschen die gewonnen haben. Aber den Weg wählen die wenigsten. Das ist das, was ich bemängele: Man lamentiert herum und polemisiert gegen den Zentralrat, vor Ort wird man aber selber nicht tätig.

    Anders gesagt: Verliert der Vorstand eine Wahl, dann kann er seine Konkurrenz entlassen. Verliert der Vorstand in Hamburg eine Wahl, dann darf nur die Mitgliedsversammlung die Konkurrenz entlassen. Komisch, dass dir das nicht aufgefallen ist.

    Vielleicht sollten das die Autoren der Polemik herausarbeiten? Du hast es verstanden, wo der Unterschied liegt. Aber die Autoren machen keinen Unterschied und so ist es einfach nur plumpe Meinungsmache.
    Wenn sie dies herausgearbeitet hätten, wird der Punkt klar. Das wäre dann so, als könnten Merkel und Westerwelle nun Steinmeier vor die Tür setzen und ihn des Landes verweisen.
    Eine weitere Frage könnte sein, wer wählt das Ehrengericht? Wird es durch die Gemeindeversammlung gewählt, dann ist die Kritik schon wieder zerbröselt. Wird es durch den Vorstand ernannt, ist klar, dass es kein demokratisches Instrument ist.
    Übrigens ist mir die Option freiwilliger Austritt auch schon mehr als einmal vorgeschlagen worden.

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  14. Schöne Polemik, aber es ist sinnvoll, sich mit den einzelnen Argumenten zu beschäftigen.

    Wie denn sonst? Ich äußere mich zu den einzelnen Argumenten, ja.

    Erneut muss ich sagen, dass Du dich wieder zu Dingen äußerst, von denen Du keine Ahnung hast. Woher willst Du das wissen?

    Jedenfalls klingt es so, als hättest du nicht wirklich mit den Landesverbänden zu tun gehabt. Keine Gemeinde beißt die Hand, die sie füttert und der Landesverband füttert. In unserer Gegend hatte man es sogar geschafft Posten im Landesverband und Gemeinde mit Vater und Sohn zu besetzten. Erzähl also bitte nicht, dass der Landesverband keinen Einfluss auf die Gemeinden nimmt.

    Doch, wenn man zuvor behauptet hat, es gäbe eine Mustersatzung nach der alle anderen Satzungen formuliert worden sind.

    Ich habe das nicht behauptet, es geht auch nicht um das Argument Mustersatzung, es geht um den so erfassten Inhalt! Ob es dafür eine Vorlage gab oder nicht, spielt keine Rolle. Die Gemeinden haben das ganze kopiert und den kritisierten Passus in ihre Satzungen aufgenommen. Es ist aber auch sehr gut vorstellbar, dass es eine nichtbindende Mustersatzung gibt.

    Es gibt sogar Menschen die gewonnen haben. Aber den Weg wählen die wenigsten. Das ist das, was ich bemängele: Man lamentiert herum und polemisiert gegen den Zentralrat, vor Ort wird man aber selber nicht tätig.

    Vielleicht solltest du konkreter werden.

    Vielleicht sollten das die Autoren der Polemik herausarbeiten? Du hast es verstanden, wo der Unterschied liegt. Aber die Autoren machen keinen Unterschied und so ist es einfach nur plumpe Meinungsmache.

    Nein, die Autoren reden explizit davon, dass ein Ehrengericht entlassen hat. Dort geht es nicht um einen Vergleich von Satzungen von konservativen und liberalen Gemeinden. Den Vergleich führst du an! Die Autoren sprechen lediglich vom Zentralrat.

    Eine weitere Frage könnte sein, wer wählt das Ehrengericht?

    Dies scheint beantwortet zu sein:

    Ebenfalls in Bielefeld hat die Gemeindeleitung ein so genanntes Ehrengericht eingerichtet.

    Offensichtlich die Gemeindeleitung.

    Übrigens ist mir die Option freiwilliger Austritt auch schon mehr als einmal vorgeschlagen worden.

    Weil man sich keine aktiven und guten Leute wünscht! Warum auch? Das Geld kommt ja so oder so rein.

    In Duisburg hat man als Reaktion auf unserer Tätigkeit mittlerweile liberale Gottesdienste eingerichtet, aber natürlich nicht in der Synagoge, sondern in einem schlichten Raum. Liberale Juden scheinen nicht der Gemeindeausrichtung zu entsprechen und müssen vor Synagogenbesuchern versteckt werden.

    Antworten

  15. Zusatz: Es scheint nicht in allen Gemeinde so zu sein, dass man ein Ehrengericht bräuchte. In einer mir vorliegenden Satzung einer Gemeinde im Ruhrgebiet heißt es, der Ausschluß muß von der Gemeindevertretung mit 2/3 Mehrheit beschlossen werden. Gegen den Beschluß kann der Betroffene binnen einer Frist von 3 Monaten beim Schiedsgericht der Gemeinde Einspruch erheben.
    Vielleicht kann eine Gemeindeleitung die Einrichtung eines Ehrengerichts veranlassen. Die Frage ist, wer dort Mitglied ist bzw. wer die Mitglieder dieses Gerichts bestimmt… das wäre interessant.

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  16. Das ist ja sogar noch schlimmer! Warum sagst du nicht welche Gemeinde das ist? Ich fände es nur fair, wenn alle Satzungen veröffentlicht werden müssten. Schließlich sind das Körperschaften des öffentlichen Rechts.

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  17. Noch schlimmer? Du meinst, weil es überall anders geregelt ist? In dieser, deren Satzung ich zitierte, ist es so geregelt wie in den oben genannten anderen Satzungen der liberalen Gemeinden. Die Satzung stammt übrigens aus Gelsenkirchen.
    Wie es in anderen Gemeinden ausschaut, können wir nicht sagen, weil kaum eine online verfügbar ist. Das führt aber dahin zurück, was ich schrieb. Man muss gemeindeabhängig die Dinge betrachten und nicht die Schuld beim Zentralrat suchen.

    Jedenfalls klingt es so, als hättest du nicht wirklich mit den Landesverbänden zu tun gehabt. Keine Gemeinde beißt die Hand, die sie füttert und der Landesverband füttert. In unserer Gegend hatte man es sogar geschafft Posten im Landesverband und Gemeinde mit Vater und Sohn zu besetzten. Erzähl also bitte nicht, dass der Landesverband keinen Einfluss auf die Gemeinden nimmt.

    Es gibt zweifellos finanzielle Abhängigkeiten, aber eine Gemeinde ist de facto autonom und der Landesverband hat für die Verteilung der Gelder Sorge zu tragen. Weisungsbefugt ist der Landesverband dennoch nicht. Eine andere Frage ist, ob es eine solche Hierarchie dennoch gibt, obwohl sie keine Grundlage hat.

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  18. Nein, dort ist ja die Rede von der Gemeindevertretung. Wer soll diese sein? Nicht die Mitgliedsversammlung und offenbar nicht einmal zwingend ein Ehrengericht.

    Es gibt zweifellos finanzielle Abhängigkeiten, aber eine Gemeinde ist de facto autonom und der Landesverband hat für die Verteilung der Gelder Sorge zu tragen.

    Das ist der Knackpunkt! Die Gemeinden sind de jure Autonom, de facto sind sie es nicht!

    Eine andere Frage ist, ob es eine solche Hierarchie dennoch gibt, obwohl sie keine Grundlage hat.

    Und die Praxis zeigt immer wieder: JA!

    Antworten

  19. Moralisch im sowohl jüdischen wie juristischen Sinn ist mE immer auch nur, wenn man soweit die HandlungsMacht geht, handelt – und keine weiteren Konflikte verursacht.
    Wenn nun topDown Geld verteilt wird, wird damit auch Macht verteilt – womit LandesVerbände und ZentralVerband auch verpflichtet wären, Frieden zu stiften – also Mediation und SchiedsGericht/… anzubieten.
    Da sie das nicht tun, verursachen sie Probleme oder sind sogar wirklich gefährlich. U.a. Herr Kramer sollte Arbeit leisten statt sich verbale Egotrips leisten, finde ich. Mit mehreren Hundert von Sitzungen und Begegnungen sowie einem Alternativ-ManagementKonzept würde ich gerne Lösungen anbieten.
    Auf jeden Fall – Schalom sameach – fröhlichen Frieden 🙂

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  20. Um wieder auf Broder zu kommen, ich denke, er würde einen frischen Wind in die Sache bringen. Seinen Vorschlag Holocaustleugnung aus dem Strafrecht zu nehmen, finde ich jedoch sehr daneben.

    Über seine nichtjüdische Frau und die Vorliebe fürs Schweinefleisch könnte man noch hinweg schauen.

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  21. @Roman: Das es gerade die Holocaustleugnung sein soll, die straffrei ausgeht, habe ich auch nicht verstanden und halte es für daneben. Ich kann allerdings den grundsätzlichen Gedankengang dahinter verstehen.
    Ich hätte z.b. “Mein Kampf” schon längst vom Index genommen und zur Pflichtlektüre in jeder 10. Klasse gemacht. Allerdings gut auf- & vor- & nachbereitet in einem doppelstündigen Pflichtfach “Faschismusprävention”.
    Außerdem finde ich es an der Zeit, das Hakenkreuz aus der Liste der verfassungswidrigen Kennzeichen herauszunehmen.
    Gute Woche dann ncoh,
    Shabbes-Goi

    Antworten

  22. @Roman:
    Offenbar hast Du mich mißverstanden: Gerade weil es nicht so viele nicht-postsowjetische Mitglieder gibt, ist es so tragisch, wenn sich die postsowjetischen mit Parteitags-Dramaturgie so leicht einschüchtern lassen. Du liegst übrigens meilenweit daneben. Ich habe überhaupt kein Problem mit “Ostjuden”, nie gehabt. Würdest Du mich kennen, wüßtest Du, wie sehr das Gegenteil zutrifft. Natürlich hat die kommunistische Erziehung Spuren hinterlassen, gerade bei den Älteren. Und die sind bekanntlich die überwiegende Mehrheit. Das hat nichts mit “überlegen” zu tun. Auf welche konkreten Äußerungen beziehst Du Dich?

    YM

    Antworten

  23. @ roman
    “Über seine nichtjüdische Frau und die Vorliebe fürs Schweinefleisch könnte man noch hinweg schauen.”

    Auch über seine absolute Ablehnung alles Religiösen? Ich denke nicht, halte ihn auch nicht für besonders geeignte. Er spricht Probleme sehr überspitzt an, manchmal berechtigt, manchmal nicht. Aber er polarisiert wie kaum ein anderer. Und da beginnt schon das Problem für so ein Amt.

    Antworten

  24. Interessant wäre doch, welche Lösungsstrategien er anbietet für die internen Probleme der Gemeinden. Dazu hat er sich nicht geäussert. Er bezieht sich ja nur auf Themen die große Popularität versprechen…

    Antworten

  25. …sofern
    1. Der ZentralRat bestehen bleibt und
    2. der ZR ZURECHNUNGSFÄHIG – also zweiseitig und zweischrittig denkend und handeln – sein soll,
    kann ja @MATRONIT
    Präsidentin werden – und die MachoPatriarchos, repräsentiert von Frau K und anderen, mal MitMensch-Mores lehren. LeHatzlacha!!! 🙂

    Antworten

  26. Komplett auflösen ist doch auch Schmonzes! Irgendwer muß die Staats- bzw. Landesknete ja einfordern und verteilen. Hier wäre aber Zedek das passende Stichwort. Und man müßte sich mal entscheiden, welchen Aspekt des lebendigen Judentums man als Zentralrat repräsentieren will.
    Den ganzen mahnenden Schmonzes kann man sich eigentlich von der Backe schmieren, nicht weil Mahnung gegen die neuen Nazis nicht angebracht und nötig wäre, aber warum macht sich Kramer und mit ihm der ZR zum Schlappenschammes für die Regierungen, die hier ihrer Aufgabe nicht gerecht werden ?

    Antworten

  27. @Roman
    Kenne Bröckers. Ist bei Taz u.a für Internet, zB “Frage des Tages” mit ZwangsCharakter zuständig.
    Der Text ist kraß real-antisemitisch, finde ich – so bescheuert sich Broder auch aufführt. Für mich ist Broder ein KampfKathole und Bröckers ein Normalo-Undercover-PogromPolemiker – die beiden haben mit allem Negativen über den anderen recht, finde ich 😀 :D. Formuliert ist der Text ganz annehmbar – nur leider kein Kontakt zu Realität und Recht.
    Die Jüdischen Gemeinden sind schon genug kaputt,… – soviel GevaltGoyim-Gülle ist gemein und definitiv nicht gemeinschaftsbildend. Ergo:
    Jüdische Gemeinden den Jüdischen Menschen!
    (Praktisch heißt das zB: Kramer und Knobloch raus ausm Amt, Broder und Bröckers raus aus mitmenschlich-moderner Meinungsbildung!)

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