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Sätze wirken lassen

Textabschnitte gibt es, die muss man erst einmal ein paar Minuten wirken lassen. Das hier ist so einer. Wurde lokal gedruckt und der Journalist über den gesprochen wird, hat einen -(zu un-?)recht unbeachteten- Artikel gemacht. Wenden wir uns dem entsprechenden Absatz zu:

Kein Wunder, dass beim letzten Besuch von Rabbiner Brandt beim Schabbat nicht einmal zehn Beter anwesend waren, das nötige Quorum, um einen vollständigen jüdischen Gottesdienst abzuhalten“, erklärt Avidan.
Das Gemeindezentrum sei gut besucht: „Allerdings nicht von Juden, sondern von Nicht-Juden, die gerne an Kulturveranstaltungen und an Führungen teilnehmen.“ Das kommentiert er in seinem Bericht: „Man darf die Frage stellen, für wen das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bielefeld 2,5 Millionen Euro ausgegeben haben: für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde oder für am Judentum interessierte Christen?“ von hier

Die Neue Westfälische berichtet eigentlich nur über die Querelen in der Jüdischen Gemeinde Bielefeld. Der, in Deutschland lebende, Israeli Igal Avidan hatte einen Radiobeitrag über die Gemeinde Bielefeld gemacht, auf den sich die Neue Westfälische hier berief.

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Premiere mit Kiddusch

Neulich beim Kiddusch in der JA Leser der Jüdischen Allgemeinen werden bemerkt haben, dass es eine Layoutumstellung gab. Diese brachte auch ein paar neue Rubriken mit. Eine davon ist Neulich beim Kiddusch. Hier geht es um Erlebnisse, die man während des Kidduschs hatte oder Gespräche die man geführt hat. Natürlich in aufbereiteter Form, um andere Leser auch dafür zu begeistern, was so Woche für Woche passiert. Für mich eine Premiere etwas auf der Schabbat-Seite zu veröffentlichen, was nicht mit dem Wochenabschnitt zu tun hat. Dafür lernt man etwas über den Kiddusch außerhalb der eigenen Gemeinden… meinen Beitrag aus dieser Woche findet man hier.

Ideal wäre (für mich), wenn die nächste Änderung bei der Jüdischen Allgemeinen auch das Format beträfe. Wer den Jewish Chronicle aus Großbritannien kennt, weiß das Tabloidformat der Zeitung zu schätzen…

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Ein Mammutprojekt?

Cover des Siddurs Es gibt Neuigkeiten vom neuen deutschsprachigen Siddur für liberale Gemeinden! Das erste Mal angekündigt im Jahr 2006 für das Jahr 2008, dann nicht ausgeliefert, dann im Monatsrhytmus nach vorn verschoben. Die Produktbeschreibung des Gütersloher Verlagshauses zeigte stets einen Monat im Voraus an. Dann machte man einen Sprung von April auf Juli (siehe hier). Weil dieser unmittelbar bevorsteht lohnte es sich, erneut die Produktseite zu überprüfen und siehe da: Das Buch gibt es nicht, jedenfalls nicht vor September 2009.

Interessant daran ist, dass schon zwei Rezensionen im April erschienen sind, die sich auf ein, offensichtlich, nicht existentes Buch beziehen (siehe hier und hier). Im Mai teilte mir das Lektorat mit, man habe grundlegende konzeptionelle Änderungen vorgenommen und dies begründe die Verzögerung des Projektes bis Juli.

Offenbar ist das Ringen um die Texte so schwer geworden, dass man einfach zu keinem Ergebnis kommt. Zwei weitere Bände für die Feiertage und die Hohen Feiertage sind angekündigt. 2020?

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Der Kurs von Chabad in Bezug auf arabische Nachbarn?

Das Moment Magazine hat eine Kolumne, in der Rabbiner verschiedener Strömungen Antwort auf eine Frage geben, so kann man lesen, was Rekonstruktionisten, Reformer, Konservative, odern Orthodoxe oder Chabadrabbiner zu einer Fragestellung sagen. Ein interessantes Projekt. Nun wurde für die Mai-Juni Ausgabe gefragt, wie man mit arabischen Nachbarn umgehen sollte (hier):

How Should Jews Treat Their Arab Neighbors?

Für Chabad antwortete Rabbiner Manis Friedman:

The only way to fight a moral war is the Jewish way: Destroy their holy sites. Kill men, women and children (and cattle). von hier

Das verursachte einen Sturm der Entrüstung. In einem Blogeintrag versucht er, die Dinge etwas mehr ins rechte Licht zu rücken, lässt aber verstörte Leser zurück. Die Jewish Week aus New York brachte einen längeren Artikel über die Reaktionen (hier). Zumindest von offizieller Seite der Chabadbewegung hieß es, man sei nicht einer Meinung mit Friedman:

Chabad-Lubavitch headquarters said, We vehemently disagree with any sentiment suggesting that Judaism allows for the wanton destruction of civilian life, even when at war. [All] human life is G-d given, precious, and must be treated with respect, dignity and compassion. von hier

Hitzige Diskussionen brachen los, auch über das Menschenbild, dass der ganzen These zugrunde liegt. Vielleicht hätte man sich lieber den anderen Kommentatoren der ursprünglichen Anfrage zuwenden sollen. Mit der Bekanntheit des Falles steigt auch der Beifall und die Zustimmung von falscher Seite, aber auch die Einsicht, dass man vielleicht genauestens hinsieht, wenn man einen knappen Kommentar der Öffentlichkeit übergibt…

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Torahtreue Juden in Brandenburg

In einem Kommentar zum Artikel Wann ist Religion erfolgreich wurde von der erfolgreichen Klage einer Gruppe aus Potsdam berichtet, die sich Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde im Land Brandenburg nennt und gewissermaßen in Konkurrenz zur Jüdischen Gemeinde Potsdam steht, die ebenfalls orthodox ist und unter der Ägide von Chabad steht. Es wurde, zurecht, gefragt, wer oder was sich hinter dieser Selbstbezeichnung verbirgt (hier).
Als erster Anlaufpunkt bot sich die Internetseite an. toratreu.de ist die entsprechende Adresse unter der sich viele Informationen zum Streit mit dem Landesverband finden, aber wenige zum religiösen Selbstverständnis. Gibt es also ein tägliches Schacharit und Gebete zum Schabbat? Vorerst nicht, teil die Website der Gruppe mit, die es seit 1999 gibt und die ja die orthodoxen Juden der Stadt repräsentieren soll.
Bemüht man einerseits die Gerichte, so hat man zum Urheberrecht ein recht laxes Verhältnis. So entdecke ich in der Zeitung der Gemeinde mit dem übersetzten Namen Wiederauferstehung direkt in der aktuellen Ausgabe Nummer 70/71 einen deutschsprachigen Text zu den Hohen Feiertagen und Sukkot. Seltsam vertraut in der Formulierung war der und siehe da, es handelt sich um zusammenkopierte Texte von talmud.de freilich ohne Einverständnis:
Zeitung der Torahtreuen in Brandenburg
und der Text auf talmud.de:
Sukkot-Artikel auf talmud.de
Der Rest der Texte ist dann sogar ohne Umarbeitung übernommen worden, siehe hier und hier die Texte von talmud.de zu Jom Kippur.
Von jemandem, der sich selber torahtreu nennt, hätte man das nicht angenommen.

Werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Gemeinde. Diese ist im April 1998 entstanden, allerdings hieß die Gruppe damals noch Arbeitsgruppe der Jüdischen Emigranten im Land Brandenburg (Jüdische Allgemeine Nr.20 vom 19. Mai 2005). Es waren allesamt Personen, die aus Protest gegen den damaligen Potsdamer Vorsitzenden einen eigenen Vorstand wählten und sich fortan als Arbeitsgruppe organisierten.
Mitte Mai folgte dann der Etikettenwechsel durch die Gründung des Bundes Gesetzestreuer Jüdischer Gemeinden in Deutschland. Vorsitzender des Verbandes wurde damals ein Europaabgeordneter von Jörg Haiders FPÖ, Peter Sichrovsky, der sich selber als nicht besonders observant bezeichnete und dies auch gegenüber Rabbiner Isaak Hakohen Halberstadt äußerte, wie damals DER SPIEGEL berichtete.

Als er Halberstadt gestanden habe, erzählt Sichrovsky, gar kein frommer Jude zu sein, habe der nur geantwortet: Der Geschäftsführer des Deutschen Fußball-Bundes ist auch nicht der beste Torschütze. (Der Spiegel, Nr. 14, 1999, Seite 60 – hier online)

Anschließend machte der Verband, der sich als Funktionsnachfolgerin des Halberstädter Verbandes sieht, nur noch dann Schlagzeilen, wenn es um die Verteilung von Geldern ging und weniger um inhaltliche Arbeit.

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Korensiddur – Standardsiddur

Koren-Siddur

Für die aktuelle Jüdische Allgemeine rezensierte ich den neuen englisch-hebräischen Siddur von Koren (erster Hinweis aus dem Mai hier) und das war ein wahres Vergnügen. Den Artikel gibt es hier.
Exzellente Übersetzung, großartige Typographie, großartiges Layout und sehr vollständiger Umfang für den Einsatz außerhalb und innerhalb Israels. Hier wird also der unbedingte Kaufbefehl ausgesprochen! Eine kurze Liste der zusätzlichen Eigenschaften gibt es natürlich auch im Artikel (hier).
ArtScroll wollte keinen Kommentar abgeben und macht eine überraschend schlechte Pressearbeit, zeigte aber mit einem Angebot eine gewisse Besorgnis um die Marktanteile, so bot man schon im Januar an, kurz nachdem klar war, dass im Mai der Korensiddur verfügbar sein würde, alte Siddurim durch neue auszutauschen – für die Hälfte des Preises. Harte Bandagen im Kampf um Marktanteile.
Bei amazon.de kann man die Siddurim schon bestellen:
The Koren Sacks Siddur: Hebrew/English Prayerbook for Shabbat & Holidays with Translation & Commentary by Rabbi Sir Jonathan Sacks, Standard S

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Torah im unendlichen Format

Torah als Ringbuch - Ringblock
In einer Twitternachricht dachte ich darüber nach, ob man die Torah eigentlich nicht konsequenterweise als Ringbuch oder Ringblock drucken müsste. Da nicht alle Blogleser dieses Wekrzeug benutzen, wiederhole ich hier einfach die Nachricht.
Die Torah als Ringbuch: ohne Vorwort, ohne Nachwort, ohne Titelblatt. Die letzte Zeile von Dewarim steht auf der Rückseite der ersten Zeile von Bereschit – einfach als unendliches Buch, was die Torah ja auch ist. Sie wird immer wieder neu gelesen und ist nicht notwendigerweise linear zu betrachten. Nun muss nur ein Verlag den Mut haben, ein solches Experiment für eine kleine Auflage zu wagen… nicht unbedingt für die tägliche Nutzung, aber als Symbol für die endende Torah.

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Die Iran-Lösung

Wider erwarten, hat Hamandinedschad die Wahl im Iran gewonnen, worüber man in Israel nicht ganz unglücklich ist (siehe Bericht von Haaretz und Der Standard). Das riecht nach massivem Wahlbetrug, könnte aber auch darauf hinweisen, dass die Menschen von einem Mann regiert werden wollen, der in puncto Eloquenz nicht besonders viel zu bieten hat.
Aber keine Sorge! Eine Lösung ist gefunden: Wir verbreiten die Nachricht, der Mossad hätte den Wahlbetrug forciert, so dass Hamandinedschad auf jeden Fall gewinnt. Damit wäre der Weg frei, das iranische Atomprogramm wegzubomben (mit einem freundlicheren, reformorientierteren Präsidenten vielleicht eher schwieriger zu rechtfertigen). Also hätte Israel Hamandinedschad an die Macht gebracht. Der Israelhasser kann sich nun als zionistische Konspiration selber aus dem Weg räumen, oder seine Anhänger tun das. Hat er seinen Anhängern doch jahrelang versucht solche Geschichten für bare Münze zu verkaufen… Jetzt wäre ein geeigneter Zeitpunkt, um Taten folgen zu lassen…