Den Militärschlag herbeigesehnt

Der Mord des Axtmörders scheint weniger schlimm zu sein, als der Mord desjenigen, der eine Automatikwaffe verwendet. Das transportieren derzeit einige Medien unterschwellig, die über die jüngsten Ereignisse in Gaza berichten. Immer wieder wird erwähnt, wie primitiv die Raketen seien und wie hochtechnisiert die Luftwaffe der Tzahal (kein neuer Reflex).
Nachdem aus dem Gaza-Streifen über lange Zeit Raketen auf den Süden Israels und insbesondere Sderot Rakete um Rakete abgefeuert wurde, warnte Ministerpräsident Olmert vor den möglichen Konsequenzen. Zugleich wurden Hilfslieferungen zugelassen und die Botschaft sollte klar sein: Die Hamas hat vor allem die Bevölkerung Gazas in Haft. Von Damaskus aus kann der Chef der Hamas auch weiter zur Gewalt aufstacheln, er lebt ja nicht in Gaza und muss den Preis nicht bezahlen, den seine Sicherheitskräfte nun bezahlen mussten. Der Coup der Hamas ging auf, die Hamasleute wurden aus den Trümmern von Wohnhäusern gezogen. Die Presse und die Welt reagierten, wie gewünscht, empört. Interessanterweise findet ausgerechnet jemand auf Spiegel-Online die richtigen Worte. Pierre Heumann beschreibt die Eskalations-Strategie der Hamas:

Eine perfide Strategie. Die international isolierte Hamas hofft, mit Hilfe der jetzigen Gewalteskalation als Gesprächspartner im Westen ernst genommen zu werden. Sie setzt darauf, dass sich die internationale Gemeinschaft in das blutige Geschehen einmischt – und mit der Hamas verhandelt. von hier

und

Dabei war die Eskalation spätestens seit dem 19. Dezember absehbar gewesen. An diesem Tag ließen die Hamas und ein Dutzend weiterer Palästinensergruppen die sechs Monate alte Waffenruhe mit Israel auslaufen – die allerdings stets brüchig gewesen war. Fast 200 Raketen und mehrere Mörsergranaten sind seither in Israel eingeschlagen. Zivilisten, nicht militärische Einrichtungen wollte die Hamas treffen. Die Raketen verfehlten ihre Bestimmung in der Regel nur wegen ihrer mangelhaften Zielgenauigkeit. Aber die ständige Angst vor den Kassam-Raketen machte das Leben im Süden Israels zur Qual. Viele Einwohner flüchteten gen Norden. Auch von hier

und

Das hielt ihre Führung nicht davon ab, die Raketenangriffe zu billigen und zu unterstützen. Sie nahm in Kauf, dass beim israelischen Gegenangriff palästinensische Zivilisten zu Schaden kommen würden. Denn die Hamas-Anlagen sind absichtlich in Stadtteilen untergebracht, in denen Zivilisten wohnen.
Das Wohlergehen der palästinensischen Bevölkerung ist nicht das primäre Ziel der Hamas. Sie trägt zwar Regierungsverantwortung für die 1,5 Millionen Einwohner des Gaza-Streifens. Doch die staatsmännische Pflicht, die damit verbunden ist, haben die Islamisten nicht verinnerlicht. Sie bleiben der Widerstandsideologie verpflichtet. Weshalb sie nicht nur von Israel, sondern auch in Europa und in den USA als Terroristen eingestuft werden. von hier

Die Situation sollte also deutlich sein: Die Hamas hat wohl den Militärschlag sehnlichst herbeigesehnt um ihre eigene Position zu festigen und das Volk auf ihre Linie zu bringen. Das scheint solange zu funktionieren, bis jemand das Ursache-Wirkung-Prinzip entdeckt und erklärt, wer tatsächlich Schuld ist.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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