Verbeugen und knien

Im Tempel war das Knien offenbar Teil des Gebets (in ähnlicher Form, wie es heute bei den Muslimen ist).
Zu den Hohen Feiertagen (Rosch haSchanah und Jom Kippur) treffen wir es aber wieder.
Besonders im Mussaf von Jom Kippur. In einigen Gemeinden knien viele Gemeindemitglieder und berühren mit dem Kopf den Boden, in einigen knien die Gemeindemitglieder und verbeugen sich, in anderen wird nur gekniet und es gibt welche, da kniet nur der Chazan (Vorbeter). Ein faszinierender Teil.
Die Verbeugung und das Knien soll uns an den Dienst im Tempel erinnern. Sogar wenige observante Juden sind fasziniert von diesem Relikt (und jedes Jahr nehme ich mir vor, zu schauen, ob das mal Bestandteil des Gebet war) und siehe da! Es gibt ein paar Menschen, die diese Art zu beten wieder einführen möchten. Ein junger Mann demonstriert mit einem Teil aus dem täglichen Gebet, wie dies ablaufen könnte.

Der Nussach hört sich fast jemenitisch an. Bei den Berachot aus der Amidah verbeugt sich der Mann auf der Video-Demonstration vollständig. Auf der dazugehörigen Website kann man sich eingehend mit der Theorie dahinter befassen.

Update In den Kommentaren wies ich schon darauf hin: Saifuddin hat das Thema ähnliches Beten aus islamischer Sicht beleuchtet und auch Bilder des Jom Kippur Rituals aus To Pray as a Jew von Rabbiner Hayim Halevy Donin dazu eingefügt. Es kommentiert zu diesem Beitrag auch Rachel Berenblat von Velveteen Rabbi. Sie hat übrigens die Sure Al-Fatiha ins Hebräische übersetzt und einen Text erhalten, der durchaus ein jüdischer sein könnte (hier).

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon. Sein Buch »Tzipporim: Judentum und Social Media« behandelt den jüdischen Umgang mit den sozialen Medien. || Um per Mail über neue Beiträge informiert zu werden, bitte hier klicken

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke! Ich hab mir jetzt das ganze Video angesehen und bin fasziniert von der Ähnlichkeit zum muslimischen Ritus. Beim Ansehen ist mir auch nochmal klar geworden wie schön dieser Ablauf ist.

    Weiß man, wann man innerhalb des Judentums mit dem Knien und Niederwerfen aufgehört hat?

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  2. @Kathrin
    Es gibt in der frühislamischen Literatur einen Hinweis auf das Vorhandensein eines ähnlichen Gebetstypus bei Juden. Anscheinend wurde das damals registriert. Es könnte natürlich sein, das die heutige Gebetsform Ergebnis dieses Einflusses ist. Schließlich ist der Ursprung bei allem der Gleiche!

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  3. Das hat etwas mit dem Christentum zu tun, da Christen knien, hat das Judentum es so gut wie abgeschafft. Es wird an Jom Kippur auch nur einmal gekniet, wobei man den Boden meistens gar nicht berührt.

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  4. @Yael: für das Reformjudentum mag Deine Einschätzung zutreffen, für die anderen Strömungen würde ich Deine Quantifizierung zurückweisen. Ich kenne nicht wenige Leute, die sich vollständig auf den Boden knien und mit der Stirn den Boden berühren.

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