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Israelis bloggen aus und über Deutschland

Am 12. September begann der der German-Israeli Young Leaders Exchange 2008 in Deutschland (unter Ägide der Bertelsmann Stiftung). 28 israelische und deutschen Teilnehmer sollen intensiv über die Themen deutsch-israelische Beziehungen, Außen- und Sicherheitspolitik und die Kooperation der Parlamente diskutieren, so der Plan.
Ein Journalist der Jerusalem Post, Amir Mizroch, berichtet bloggend von der ganzen Veranstaltung. Dafür wurde auch ein spezieller Blog eingerichtet, der hier zu lesen ist. Hier wird beispielsweise über einen Besuch in Berlin berichtet.

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Der Monat Elul

Der Monat Elul ist nun schon ziemlich genau in der Mitte angekommen. Zeit für einen Text, der in diese Zeit passt. Ich lasse also Franz Kafka zu Wort kommen. Genau die richtige Lektüre für die Zeit um die Hohen Feiertage:

Warum klagen wir wegen des Sündenfalls? Nicht seinetwegen sind wir aus dem Paradiese vertrieben worden, sondern wegen des Baumes des Lebens, damit wir nicht von ihm essen.
Wir sind von G-tt beiderseitig getrennt: Der Sündenfall trennt uns von ihm, der Baum des Lebens trennt ihn von uns.
Wir sind nicht nur deshalb sündig weil wir vom Baum der Erkenntnis gegessen haben, sondern auch deshalb weil wir vom Baum des Lebens noch nicht gegessen haben.
Sündig ist der Stand in dem wir uns befinden, unabhängig von Schuld.

Baum des Lebens Herr des Lebens.
Wir wurden aus dem Paradies vertrieben, aber zerstört wurde es nicht. Die Vertreibung aus dem Paradies war in einem Sinne ein Glück, denn wären wir nicht vertrieben worden, hätte das Paradies zerstört werden müssen.
Wir wurden geschaffen um im Paradies zu leben, das Paradies war bestimmt uns zu dienen. Unsere Bestimmung ist geändert worden, die des Paradieses nicht.
Nur die Menschen sind verflucht worden, der Garten Eden nicht.
Nach G-tt sollte die augenblickliche Folge des Essens vom Baume der Erkenntnis der Tod sein, nach der Schlange (wenigstens konnte man sie dahin verstehn) die göttliche Gleichwerdung. Beides war in ähnlicher Weise unrichtig. Die Menschen starben nicht, sondern wurden sterblich, sie wurden nicht G-tt gleich, aber erhielten eine unentbehrliche Fähigkeit, um es zu werden. Beides war auch in ähnlicher Weise richtig. Nicht der Mensch starb, aber der paradiesische Mensch, sie wurden nicht G-tt, aber das göttliche Erkennen. Aus den Oktavheften, Dezember 1917

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Synagoge in Krefeld eröffnet

Am heutigen Sonntag wurde in Krefeld (1065 Mitglieder) eine neue Synagoge eröffnet. Einen bebilderten Bericht findet man in der Rheinischen-Post, einen Hintergrundbericht hier. Die Eröffnung war im Juli hier bereits schon kurz Thema, aber das ist nicht das interessante. Interessanter ist, dass der neue (junge) Gemeinderabbiner hier schon einmal Thema war. Er ist einer der Skype-Rabbiner aus dem Jahr 2007.
Tatsächlich heißt es auch in dem Artikel der Westdeutschen Zeitung: Weiterlesen

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Der Tanach ins Hebräische übersetzt

Ha’aretz berichtet vorgestern von dem, nicht ganz unumstrittenen, Projekt eines Privatmannes, den Tanach ins Hebräische zu übersetzen bzw. ins moderne Hebräisch. Freundlicherweise hat die Botschaft des Staates Israel den Bericht über dieses Projekt ins Deutsche übersetzt (hier)

Im Staat Israel, der vor 60 Jahren als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes gegründet wurde, das der ganzen Welt das ewige Buch der Bücher vermacht hat (so die Unabhängigkeitserklärung); dessen Amtssprache neben dem Arabischen Hebräisch ist, in dem eben jenes Buch der Bücher geschrieben wurde, ist die Herausgabe der Bibel im Hebräisch unserer Tage initiiert worden – mit anderen Worten: ihre Übersetzung ins Hebräische. Ihre Neufassung in derselben Sprache, mit anderen Wörtern.
Es handelt sich hier um eine private kommerzielle Initiative eines alten Bibellehrers, Avraham Ahuvia, und des Verlegers Rafi Moses vom Reches-Verlag. Der Text ist gänzlich punktiert, die Originalverse stehen neben den übersetzten. Im Erziehungsministerium ertönten bereits Wehklagen, und geschwind ist eine Anweisung erlassen worden, die die Benutzung der neuen Übersetzung in den Schulen verbietet. Die Gefahr ist somit abgewendet. Selbst wenn sie wollten, werden Israels Schüler und Lehrer nicht von der neuen Schriftrolle zehren können.

Beispiele kann auf der Website des Projekts Mikrah-Ahuviah lesen.
Ganz unnötig scheint das nicht zu sein, ich habe auch schon Israelis getroffen, denen ich auf Deutsch hebräische Wörter aus dem Tanach erklären musste – die Frage ist, ob man die Hürde senken muss, damit jemand sie überwinden kann – oder ob man die nötigen Hilfsmittel an die Hand gibt, um sie aus eigener Kraft überwinden zu können. Was das betrifft, habe ich auch ein zwei gespaltenes Verhältnis zur Verteilung von Transliterationen für die Gebete: Wäre es nicht besser, die Energie in das Erstellen einfachen Materials zu stecken, um das Alef-Bejt zu vermitteln?

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Pech für Aachen

Zur Amtseinführung von Rabbiner Jaron Engelmayer in Köln reiste der israelische Oberrabbiner Jonah Metzger an. Ein interessantes Signal, weil es so ausschaut, als sei das israelische Oberrabbinat irgendeine Art oberer Instanz. Während Köln sich glücklich schätzen kann, einen jungen und dynamischen Rabbiner gewonnen zu haben, äußerte Rabbiner Metzger sich nicht besonders fein über die Gemeinde Aachen:

Schließlich brachte Metzger den ganzen Saal zum Lachen, weil er Engelmayers Wechsel von Aachen nach Köln als Aufstieg bezeichnete, der einem Wechsel von der Economy Class in die Business Class gleichkommt. von hier: Ksta.de

Ein recht schaler Scherz, wenn man bedenkt, dass auch die Gemeinde Aachen engagierte Mitglieder hat und sich wahrscheinlich nach Kräften bemüht das beste aus der Situation zu machen. So gibt es offensichtlich Deluxegemeinden und diejenigen, die am Ende Pech haben und die Holzklasse unter den Gemeinden darstellen…

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Hebräische Texte setzen

Für den Satz kleiner oder größerer hebräischer Texte habe ich eine Minianleitung geschrieben die ab sofort hier bereitsteht.

Beispiel für drei Zeichensätze

Nach verschiedenen Tests habe ich beschlossen, der vorgestellten Lösung weiter nachzugehen und ein paar Dokumente zu erstellen. Feedback ist durchaus willkommen und kann hier, in diesem Beitrag, abgefeuert werden.
Das Zitat aus dem Bild sollte ja in den Monat Elul passen…

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Unappetitliches Hamburg

Der Rabbiner Hamburgs Dov Levy Barsilay, vormals Dortmund, wurde fristlos gekündigt. Eine sehr unappetitliche Geschichte erreicht uns da aus der Jüdischen Gemeinde Hamburg. Selbst eine Pressemitteilung musste die Gemeinde veröffentlichen hier. Jetzt geistert die Geschichte durch die Presse: Der Rabbiner ist kein Rabbiner, irgendjemand aus dem (ehemaligen) Vorstand kein Jude – die Vorwürfe überschlagen sich. Die Schleswig-Holsteinischen Zeitungen berichten, das Hamburger Abendblatt, selbst die Bild-Zeitung, eine Onlinegazette, die Welt und der NDR besprachen das kurz und mit allen Vorwürfen. Laut Pressemitteilung hat den Streit der Rabbiner selber an die Öffentlichkeit gebracht. Irgendwie traue ich dem Braten nicht, immerhin ist der Mann ja auch Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz und die nehmen doch sicherlich nicht jeden auf?

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Ach was – sowieso alles eine Suppe

Ach, das ist doch sowieso alles die gleiche Suppe ist ein beliebter Kommentar des weniger interessierten Synagogen oder Moscheenbesucher, wenn da irgendwie alles durcheinander geworfen wird. Besonders amüsant wird es natürlich, wenn das auf höherer Ebene passiert. So wünschte das Land Tirol der jüdischen Gemeinde Innsbruck in der vergangenen Woche einen schönen Ramadan. Das vermeldete in der vergangenen Woche das örtliche Internetportal tt.com:

In der Kultusgemeinde staunte man vor einigen Tagen nicht schlecht, als man den Brief aus dem Landhaus öffnete:
Darin überbrachte das Land auch im Namen von Sozial-Landesrat Gerhard Reheis beste Glückwünsche für den diese Woche begonnenen islamischen Fastenmonat Ramadan. von hier

Ein freudscher Faux Pas etwa?

Als in der vergangenen Woche nach Bildern der Synagoge Konstanz suchte (für diese Geschichte hier) fand ich auf Flickr das hier:
Moschee in Konstanz auf flickr

Unter dem Bild der örtlichen Moschee (unverkennbar für meine Verhältnisse) steht also: Konstanz – Synagoge. Synagoge mit Minarett, das ist auch mal eine interessante Variante, aber in erster Linie ein Beweis für meine These, dass man in Teilen der Bevölkerung die zwei monotheistischen Religionen für eine Suppe hält.
Auf flickr gibt es bereits einen Kommentar von mir, nur damit das nicht unwidersprochen da stehen bleibt. Reagiert hat der Einsteller des Bildes aber offenbar nicht – jedenfalls nicht bisher, wie man am Screenshot erkennen kann.

Ach ja: Allen mitlesenden Muslimen wünsche ich von dieser Stelle aus Ramadan Mubarak!