Gegen Eisbären und für Kreationismus

Nur mal kurz angemerkt, wer da für wen ins Rennen geht: Für Obama geht Joe Biden ins Rennen, der über sich selber sagt, er sei Zionist und für McCain geht Sarah Palin ins Rennen. Sie mag offenbar keine Eisbären, ist aber ganz offenkundig für den Kreationismus (siehe hier). Das Furchtbare daran ist vielleicht, dass es genau dafür eine Klientel gibt…

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Kreationismus-Sache ist zwar an sich ne schlimme, gar räudige Angelegenheit, und ich selbst hege auch einen unterschwelligen Hass gegen fundamentalistische Protestanten (s.u.), aber im politischen Tagesgeschäft muss sich das nicht unbedingt niederschlagen. In Deutschland haben wir mit Dieter Althaus auch einen Kreationisten in der hohen Exekutive. Ich denke jedoch nicht, dass Palin aufgrund ihres Glaubens z.B. gegen jeden Rat der wissenschaftlichen Berater Maßnahmen in Bezug auf die globale Erwärmung ablehnen wird. Das wäre natürlich ein Horrorszenario, aber so wird es sicherlich nicht kommen.

    Viel schlimmer finde ich die für fundamentalistische Christen so typische Doppelmoral: zum einen ist da natürlich Troopergate, was gar nicht so zu Palins Kampf gegen Korruption und Machtmißbrauch passen will.

    Dann folgendes: auf der einen Seite ist sie als fundamentalistische Protestantin gegen vorehelichen Geschlechtsverkehr, aber ihre 17-jährige Tochter wird schwanger. (Das ist an sich nichts schlimmes, aber hier geht’s mir um die Doppelmoral.)

    Noch viel schlimmer: Die Palins haben auf dem Kongress verlauten lassen, dass die Schwangerschaft allein die Entscheidung ihrer Tochter und ihrer Familie war, und die Amerikaner und die Medien das bitte gefälligst respektieren sollten. Doch als kreationistische Radikalfreikirchlerin ist sie eine Anti-Pro-Choice-Kämpferin. Auf der einen Seite verlangt sie also Respekt vor der alleinigen Entscheidung ihrer eigenen Tochter (und ihrer Familie), will aber auf der anderen Seite mit ihrer Politik den Amerikanerinnen genau dies versagen das Recht auf eine eigene Entscheidung.

    Die typische Doppelmoral der Konservativen und fundamentalen Christen. Widerwärtig. Ich habe nur Verachtung.

    Antworten

  2. Viele von denen, insbes. die radikalen (und Palin ist recht fundamental), lehnen den wissenschaftlich belegten anthropogenen Einfluss auf die Erwärmung ab. Für die kommt alles von Gott und hat demnach seinen göttlichen Sinn. Wenn Gott will, dass es heiß wird und die Meeresspiegel steigen, dann muss man das hinnehmen, und darf nicht versuchen, Gottes Einfluss wegzureden oder gar Gottes Werk zu beeinflussen, ergo: Maßnahmen zur Minderung oder Umkehrung der Erderwärmung sind abzulehnen. Viele von denen vermuten dahinter ja auch die Endzeit und das Ende der Welt. Und da sie alle auf ihre bescheuerte Rapture warten, ist es ihnen vielleicht sogar willkommen.

    Antworten

  3. Das verstehe ich noch weniger.
    Natürlich kommt (aus Sicht eines religiösen Menschen) alles von G-tt.
    Aber man geht doch trotzdem zum Arzt, wenn man krank ist.

    Als nächstes gehen wir auch nicht mehr in den Supermarkt,
    wenn der Kühlschrank leer ist, weil wir den leeren Kühlschrank
    als Zeichen dafür auffassen, dass wir verhungern sollen?

    Ergo: Selbst wenn (oder eher gerade weil) alles von G-tt kommt,
    haben wir doch die Pflicht, uns anzustrengen.
    Noach musste auch erst eine Arche bauen,
    um vor der Sintflut gerettet zu werden.
    Jeschua musste ein Heer aufstellen, um Angreifer abzuwehren
    und um das Land zu erobern.
    Seit wann predigen Religionen das Däumchendrehen?

    YM

    Antworten

  4. Es gibt genügend Religionen, die genau das propagieren. Letztens ist erst wieder irgendein Fundi gestorben (oder wird bald sterben), weil er aus religiösen Gründen eine Blutwäsche abgelehnt hat. Gottes Wille soll da geschehen, und selbst wenn Du Dich selbst durch eine ungesunde Lebensweise ruiniert hast, darst Du nicht zum Arzt. Das ist die gleiche Denke wie bei denen, die aus religiösen Gründen nichts gegen den Klimawandel unternehmen wollen.

    Aber wie gesagt: obwohl sie dazugehört, ist das von Palin nicht zu erwarten. Ihre ultraradikale Kirche hat sie ja verlassen, aus politischen Gründen, als ihre Karriere so langsam losging. Das bedeutet nicht, dass ihr Glaube ein anderer ist, aber sie wird sicherlich nicht gegen die (noch immer bestehende) gemäßigte Mehrheit im Land radikal-evangelikale Politik machen.

    Antworten

  5. Es mag ja sein, dass es solche Leute gibt.
    Nur sie als „Fundamenalisten“ zu bezeichnen, leuchtet mir nicht ein.
    Auf welches Fundament stützen sie sich?
    Die Bibel jedenfalls scheint mir doch eher was anderes zu lehren,
    siehe meine Beispiele von oben.

    Könnte es vielleicht sein, dass jemand der nichts gegen den
    Klimawandel unternehmen will, eher unter dem Einfluss
    gewisser ökonomischer Interessengruppen steht?

    YM

    Antworten

  6. „Jeschua musste ein Heer aufstellen, um Angreifer abzuwehren“

    Äh,
    kleine zickige Randbemerkung:

    entweder „Joschua“ oder „Jehoschua“ (Jud-He-Waw-He-Jud, und wegen des Waw mit Cholam auch die Betonung auf „o“), aber „Jeschua ist mißverständlich und führt in eine ziemlich andere Richtung… 😉

    Antworten

  7. @Matronit: Danke fuer den Hinweis!
    War mir gar nicht bewusst, dass dieser Schreibfehler
    (das kommt davon, wenn man erst die eine Version hat,
    dann um der Klarheit willen wechselt
    und nicht gut genug Korrektur liest)
    eine derart sinnentstellende Wirkung hat.
    Werde in Zukunft b“n besser aufpassen…

    YM

    Antworten

  8. Nun, ich verstehe nicht so ganz den Zusammenhang zwischen Jehoschua und dem Kreationismus, aber seis drum, denn Kreationismus ist im Zusammenhang mit Frau Palin ja nur ein Stichwort. Denn als Kreationistin outet sie sich indirekt als Evangelikale,
    und gegen die sind freie Radikale gar nix.
    Von wegen Däumchendrehen gegen das Ozonloch, da wird weiter lustig weiter kohlenmonooxidiert,
    denn schließlich gilt die Maxime:“ Mach Dir die Erde untertan“
    http://en.wikipedia.org/wiki/Sarah_Palin#Energy_and_environment

    Antworten

  9. US-Sender greifen jetzt verstärkt das Thema auf, und auch Spiegel-Online hat heute darüber einen Artikel. Es geht jedoch hüben wie drüben um mehr als nur Umweltdinge, z.B. um einen Prediger in ihrer Kirche. Der Spiegel schreibt:

    ZITAT: „Einer der Prediger auf der Versammlung war David Brickner, Gründer der Bewegung „Juden für Jesus“. Er versuchte den Brüdern und Schwestern klar zu machen, dass man in den Terroranschlägen in Israel Gottes Gericht über die Juden zu sehen habe, die sich noch nicht zum Christentum bekehrt haben. „Wenn ein Palästinenser aus Ostjerusalem mit einem Bulldozer eine Reihe Autos platt macht und etliche Menschen tötet“, dann sei er untrüglich Instrument des göttlichen Gerichts, sagte Brickner.“

    Wegen dieser und anderer Dinge fällt es mir echt schwer, diese Gruppierungen noch „christlich“ zu nennen.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.