Schulchan Aruch Ausgabe

ArtScroll Schulchan
Der aufmerksame und langjährige Leser dieses Blogs weiß mittlerweile, dass mich die Ausstattung und Sorgfalt, mit der ArtScroll seine Bücher (eigentlich besser Seforim) veröffentlicht, richtig begeistern. Vergleichbare Projekte gibt es wenige, lasse aber auch nicht unerwähnt, dass ArtScroll natürlich seine Perspektive auf das Judentum mit verkauft. Natürlich lässt sich schlecht messen, welchen Anteil an Kiruv die Herstellung smarter Siddurim hat. Der ArtScroll-Siddur jedenfalls ist einigen Menschen die ich kenne, eine echte Hilfe gewesen. Könnte man übrigens nicht aus dem Sefat Emet (der ja alles enthält) nicht ein ähnlich annotiertes Werk zusammenstellen und entsprechend gut layouten?
Jedenfalls hat ArtScroll für Mitte September die Veröffentlichung eines wesentlichen Werks angekündigt: Der (Kitzur) Schulchan Aruch wird am 15. September diesen Jahres in der gewohnten Form erscheinen: Hebräischer Originaltext, Übersetzung mit Verständnishilfen und einem ausführlichen Kommentar in (sehr ausführlichen) Fußnoten.

ArtScroll Schulchan - Innen
Der Schulchan Aruch (gedeckter Tisch) ist eine, im 16. Jahrhundert von Rabbiner Josef Karo verfasste Zusammenfassung halachischer Vorschriften die sich auf das Alltagsleben beziehen; aber auch auf Feiertage, Tfillot etc. Kurzum, der Schulchan Aruch ist eine Art Leitfaden durch das jüdische Leben. Gerade in Deutschland beliebt ist auch de Kurzfassung Schlomoh Ganzfrieds, der Kitzur Schulchan Aruch, der zweibändig bei Victor Goldschmidt mit deutscher Übersetzung erhältlich ist.
Um eines vorweg zu nehmen: Natürlich können diejenigen, welche die Ausgabe bearbeitet haben, durch Ein- oder Ausblendung verschiedenster Kommentare oder Meinungen, der Auslegung der Halachah eine bestimmte Richtung geben. Dies müsste aber dem aufmerksamen Leser bewusst sein.
Die Kleiman Edition wird in mehreren Bänden erscheinen, hier kann man sich ein Preview-Dokument herunterladen. In diesem geht es um die Gesetze zum Schoneh Essre. Dort kann man sich schon einmal ein eigenes Bild machen und tatsächlich hineinlesen. Wer den Schulchan Aruch noch nicht kennt, kann sich anhand des Dokuments ein kleines Bild verschaffen. Bei WikiSource läuft übrigens gerade auch eine Übersetzung des (gesamten) Schulchan Aruch mit Originaltext. Diese ist hier zu finden.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

18 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sieht edel aus.
    Aber ganz bescheiden, jenseits aller Satiren im Ernst gebfragt:
    Gibt es vom Schulchan Aruch auch eine kostengünstige Ausgabe mit deutscher Übersetzung und eventuell Kommentaren ?
    Wenn ja, wo ?
    Schöne Grüße
    Shabbes-Goi

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  2. Freunde, das steht alles schon im Artikel oben. Da steht, dass es eine deutsche Übersetzung gibt, wo man sie kaufen kann. Auf der Homepage des Verlags steht dann auch der Preis, nämlich 79 Schweizer Franken. Das dürften um die 40 Euro sein.
    Es ist also durchaus hilfreich, den gesamten Beitrag zu lesen…

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  3. Den Schulchan Aruch gibt es nicht in Deutsch. Das sind auch sehr viele Bände und für den Hausgebrauch auch wenig nutzbar, weil es dort um Mitzwes geht, mit denen der “normale” Jude nichts anfangen kann, da es die Kohanim, die Mitzwes für den Tempel etc. betrifft.

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    • Tempel-Gesetze kommen so gut wie gar nicht vor. Eher: verbotene Ehen. Mord. Schächten. Zehnte. Größtenteils heute noch wichtig, aber niemand braucht es auf Deutsch, denn wer’s braucht, kommt mit dem Original zurecht. Das ist nicht hochmütig daher gesagt, sondern einfach so. Die Sprachbarriere ist in diesem Fall die kleinste Hürde.

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  4. Die Torah lebt in ihrer Sprache.
    Der bessere Weg ist also, hebräisch zu lernen.

    Der “Kitzur” ist übrigens nicht der einzige Versuch,
    ein halachisches Werk mit den Regeln für den Hausgebrauch
    zusammenzusellen.
    Ein in der litwisch-jeschiwischen Welt sehr populäres ist
    vom
    “Chofetz Chajm”
    und heisst “Mischnah Brurah”. Eine englische Übersetzung davon gibt es hier
    (also bei der Konkurrenz von Artscroll ;-))

    Es ist organisiert als Kommentar auf “Orach Chajm”, den ersten Teil des Schulchan Aruch.

    YM

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  5. Ergänzend für die litvisch-jewischivische Welt läßt sich auch noch der Chaje Adam (http://en.wikipedia.org/wiki/Chayei_Adam) erwähnen.
    Im Grunde ähnlich wie der Kizzur Schulchan Aruch, sprachlich allerdings bisweilen etwas schwerer. Verwendet auch mehr “Kizzurim”, also Kürzel, ein Raschei Tivot (Wörterbuch der Abkürzungen) wäre hier neben einem Milon empfehlenswert.

    Um das hebräischlernen kommt man hier allerdings auch nicht vorbei, denn es gibt keine Übersetzungen.
    Aber jeden Tag ein Satz übersetzt und man ist nach einem Jahr schon erheblich schlauer, inhaltlich wie sprachlich ;).

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  6. @Matronit:
    Aus familiären Gründen wäre es wohl gut gewesen, wenn ich den Chajei Adam vor Dir erwähnt hätte…

    Ganzfried war Ungar.
    Insofern ist es nicht überraschend, dass sein Werk
    ungarische Bräuche ausführt. Siehe auch
    http://en.wikipedia.org/wiki/Shlomo_Ganzfried
    (wo übrigens auch steht, dass der Chajei Adam eine der drei Quellen
    für den Kitzur war).

    @Chajm: Mir scheint, der von Dir gewählte Titel des Threads
    ist leicht irreführend,
    denn der Kitzur keine Ausgabe des Schulchan Aruch.

    Inspirierendes Schofar-Hören und gut Chodesch.

    YM

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  7. Da Schlomo Ganzfried Ungar war, neigt der Kizzur zu ungarischen Minhagim der Zeit (19. Jhd.)

    Es gibt eine gewisse historische Verwandtschaft zwischen jeckischem und ungarischem Judentum (z. B. Hirsch/Breuer, Chatam Sofer, Ktav Sofer) der Zeit, insofern machte es vielleicht fuers 19. Jhd Sinn, wenn das deutsche Judentum eine deutsche Uebersetzung des Kitzur hat. Die heute in Deutschland lebenden Juden (meist aus der ehemaligen Sowjet-Union) haben doch eher chassidische oder litwische Wurzeln. Insofern scheint die Beliebtheit des Kitzur in D doch eher pragmatisch-sprachliche als logische Wurzeln zu haben.

    @Chajm: Mir scheint Dein Thread-Titel etwas irrefuehrend.
    Der Kitzur ist ein eigenstaendiges Werk, nicht bloss eine zusammengestricherene Fassung des Schulchan Aruch, auch wenn er natuerlich eng an ihn angelehnt ist.

    @Matronit: Ich muss mich ja schaemen, dass ich den Chajei Adam nicht zuerst erwaehnt habe…

    YM

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