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Die Klezmatics in Deutschland

Der Shabbes-Goi wies in seinem Kommentar zum Mikweh-Thema darauf hin, dass die Klezmatics in Bochum auftreten werden. Sie treten sogar noch in anderen Städten Deutschlands auf, wie man hier lesen kann. Die Klezmatics sind aber nicht irgendeine Klezmergruppe, sondern (für mich die einzig gültige) moderne Interpretation traditioneller Klezmermelodien. So wird man Einflüsse moderner Musik heraushören, wie etwa Punk oder aber auch Anleihen an die Balkanmusik (sowieso großartig, so etwa ein Stück Goran Bregovićs oder hier).

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Live sind sie ebenfalls zu empfehlen.

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Schulchan Aruch Ausgabe

ArtScroll Schulchan
Der aufmerksame und langjährige Leser dieses Blogs weiß mittlerweile, dass mich die Ausstattung und Sorgfalt, mit der ArtScroll seine Bücher (eigentlich besser Seforim) veröffentlicht, richtig begeistern. Vergleichbare Projekte gibt es wenige, lasse aber auch nicht unerwähnt, dass ArtScroll natürlich seine Perspektive auf das Judentum mit verkauft. Natürlich lässt sich schlecht messen, welchen Anteil an Kiruv die Herstellung smarter Siddurim hat. Der ArtScroll-Siddur jedenfalls ist einigen Menschen die ich kenne, eine echte Hilfe gewesen. Könnte man übrigens nicht aus dem Sefat Emet (der ja alles enthält) nicht ein ähnlich annotiertes Werk zusammenstellen und entsprechend gut layouten?
Jedenfalls hat ArtScroll für Mitte September die Veröffentlichung eines wesentlichen Werks angekündigt: Der (Kitzur) Schulchan Aruch wird am 15. September diesen Jahres in der gewohnten Form erscheinen: Hebräischer Originaltext, Übersetzung mit Verständnishilfen und einem ausführlichen Kommentar in (sehr ausführlichen) Fußnoten. Weiterlesen

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Der jüdische Boom? Eine Mikweh kommt dazu

Für diese Geschichte müssen wir etwas ausholen – kürzlich sagte man mir am Telefon, es sei unjüdisch über Gemeindeangelegenheiten zu sprechen oder zu schreiben. Das entzieht mir natürlich hier den Stoff und die Blogeinträge würden dramatischst zurückgehen. Interessanterweise und andererseits waren gerade die Diskussionen über den Aufbau der Gemeinden diejenigen mit den meisten Teilnehmern und die große Suchmaschine liefert für die Begriffe jüdische Gemeinde streit 95.400 Treffer (Zahlen können schwanken, je nachdem welchen Server man erwischt). Geschichten wie diese und diese würden plötzlich wegfallen. Plötzlich müsste ich von einer perfekten Welt berichten. Zusätzlich muss man natürlich aufpassen, dass man nicht die falsche Klientel mit Futter versorgt und nicht jemanden vorschnell verurteilt und wir uns an der Schwelle zu Laschon HaRa bewegen. Zusätzlich wird man, von Zeit zu Zeit, durch Kontaktaufnahmen dazu aufgefordert, hier über diesen und jenen Prozess innerhalb einer Gemeinde zu berichten. Das geht aber gar nicht! Schon gar nicht, wenn das nur auf Aussagen von einem Mailautoren beruht. Kurzum: Ist die Beschäftigung mit diesen Themen eigentlich goj naches?

Kommen wir aber nun zu einer Erfolgsgeschichte aus dem Süden Deutschlands. Am Wochenende berichteten die Lokalzeitungen im Bodenseeraum über die Eröffnung einer Mikweh in Konstanz. Das ist erstaunlich, weil die Gemeinde nur 327 Mitglieder hat und seit einiger Zeit ein Streit darüber lodert, ob nun eine Synagoge in Konstanz gebaut werden soll, oder nicht (siehe hier oder hier). Gemeinsam mit zwei Rabbinern der chassidischen Belz Bewegung, Schlomo Schiff und Simche Krakowski, wurde die Mikweh am Sonntag eröffnet. Was ist nur passiert, dass ich solche Mitteilungen nie lesen kann, ohne mich zu wundern, warum wer etwas wie macht… ?

Juden in Konstanz haben seit gestern ein weiteres wichtiges Element ihrer Religion: Unter der Anwesenheit hoher jüdischer Vertreter ist bei der Israelitischen Kultusgemeinde ein Ritualtauchbad eingeweiht worden. Ein solches hatte es in Konstanz seit dem Mittelalter nicht mehr gegeben. von hier

Im Zuge der Berichterstattung erfahren wir übrigens unter anderem, dass der Bodensee koscher ist

Gläubige Konstanzer Juden waren bisher auf den Bodensee angewiesen, der als koscheres Gewässer gilt. von hier

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Obama schickt Zionisten ins Rennen

Mit der Nominierung von Joe Biden zum Vizepräsidentskandidaten komplettiert Barack Obama die Spektrum seiner Wählerschaft, denn Joe Biden wird man schwerlich vorwerfen können, er würde in der Nahostpolitik Israel nachteilig behandeln:
He came away from that meeting understanding that there is this inextricable tie between culture, religion, ethnicity that most people dont fully understandthat is unique and so strong with Jews worldwide, Biden said in an interview with Shalom TV last year, when he launched his own presidential bid. When I was a young senator, I used to say, If I were a Jew Id be a Zionist. I am a Zionist. You dont have to be a Jew to be a Zionist. Aus dem Jewish Journal

Bereits als Senator, verrät der Artikel weiter, hat Biden Golda Meir getroffen…
Interessant, wie diejenigen hierzulande reagieren, die in Obama eine Art amerikanischen Antiamerikaner sehen (anders kann man es kaum formulieren) -mit seiner Auswahl, die nicht in dieses Schema passt. Nun warten wir doch einfach auf die Reaktionen.

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Juden Jena – Na und?

In der neuen dritten Liga war fast schon abzusehen, dass bestimmte Vereine von sehr unsmarten Fans begleitet werden. Im Thüringer Derby zwischen Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena wurde (schon wieder) durch die Erfurter Fans Juden Jena skandiert. Soll das etwa eine Beleidigung sein? Vielleicht sollte man nicht schon bei dem Wort Jude zusammenzucken, sondern einfach mal kreativ damit umgehen und das ironisch nehmen? Was weitere, eindeutig antisemitische, Parolen angeht: Da sollte dann doch mit aller Härte des Gesetzes zugeschlagen werden. Wenn man auch noch unterstützt, dass Jude ein Schimpfwort sein soll, dann ist Hopfen und Malz vermutlich schon verloren…

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Es gibt keine deutsche Friedensbewegung

Es gibt keine deutsche Friedensbewegung, das stellt auch Gideon Böss fest -sie ist nur eine Bewegung die sich so nennt. Diese Bewegung scheint sich nur für ausgewählte Opfer zu interessieren. Darfur? Vergiss es! George Bush und Israel! Daran kann man sich abarbeiten. Während die AG für Friedensforschung sich an diesen Themen regelrecht abarbeitet findet man zum Thema Darfur recht wenig (genau zwei Einträge, ansonsten alles Mögliche zu Israel, zum Irak etc.).
Jetzt herrscht Krieg in Georgien; vermutlich von langer Hand geplant, denn der Einmarsch Russlands fand im Windschatten der olympischen Spiele statt. Die russische Armee überquert die Grenzen eines souveränen Staats, lässt Bomben auf Georgiens Städte fallen und besetzt die Stadt Gori mal eben. Wie berichtet wird, plündern russische Truppen die Stadt derzeit. Anshel Pfeffer, Journalist von Ha’aretz wurde ebenfalls von russischen Truppen bestohlen. Rein zufällig kümmerte man sich auch gleich um die Infrastruktur die Öl in den Westen transportiert. Der Aufschrei, die Demonstrationen und die öffentliche Parteinahme bleiben aus. Im Oktober 2006 thematisierte ich bereits die Verfolgung von Georgiern durch den russischen Staat und frug nach dem öffentlichen Aufschrei. Den gab es natürlich nicht. Den gibt es erst, wenn ein israelischer Soldat über eine Milchkanne im Westjordanland stolpert und dabei die Milch verschüttet.
Übrigens sprach kürzlich Rabbi Aharon Leib Shteinman ein Gebet für den Staat Georgien.
Wenn es eine Friedensbewegung gäbe, würde sie dagegen mobil machen. Würde für einen öffentlichen Aufschrei sorgen und alle möglichen Vergleiche heranziehen. Das hat sie aber auch für Tschetschenien schon nicht gemacht, dem übrigens Russland die Anerkennung verweigert, während es das bei den Südosseten und Abchasen einfordert.

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Tischa beAw

Die Tempelzerstörung - von Francesco Hayez

Heute ist Tischa beAw, einer der Tage, an denen sich besonders viele Unglücke ereignet haben.
Ein deutsches Gebet aus dem Gebetbuch für das ganze Jahr (herausgegeben von Elbogen und Seligmann im Auftrag des Liberalen Kultus-Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden) aus dem Jahr 1929 fasst diesen Tag zusammen:

Himmlischer Vater! Tief bewegt wendet Jisrael heute seinen Blick rückwärts in eine Vergangenheit voll Elend und Bedrängnis. Trauer erfüllt unsere Seele, da all das Leid vorüberzieht, das du, o G-tt, über unsere Vorfahren verhängt hast. Aber niemals traf uns deine Hand so schwer als am neunten Aw, jenem Schreckenstag, an welchem dreimal Jisraels Herrlichkeit in Staub und Trümmer sank.
Am neunten Aw hat Babylons Kriegsfürst Jerusalem zerstört, den Tempel in Asche gelegt und Jisrael aus seiner Heimat vertrieben.
Am neunten Aw schleuderte der Römer ein halbes Jahrtausend später seine Brandfackel in das neuerstandene Heiligtum, und Jisrael wurde hinausgestoßen unter alle Völker der Erde.
Am neunten Aw ging der Unglückstag auf über das einst so gesegnete Spanien, wo unsere Vorfahren eine neue, glückliche Heimat gefunden hatten. Sie wurden vertrieben und nirgendwo hat seitdem der Jude den Glanz wieder gewonnen, der ihn dort Jahrhunderte hindurch umstrahlt hat.
In der Erinnerung an all dies Unglück ist unsere Seele voll tiefer Trauer. Aber diese Vergangenheit voll Trauer und Weh birgt auch den Trost, dessen unser Herz in all den mannigfachen Prüfungen der Gegenwart so sehr bedarf. Babylon und das alte Rom sind dahin, die Sonne Spaniens ist untergegangen, aber Jisrael und Jisraels heiliger Glaube lebt. Denn du, Allmächtiger, warst unser Licht in der Nacht, unser Schild in der Not. Darum konnten sie uns quälen, aber nicht vernichten. O, gedenke deines Volkes, dass überall, wo deine Sonne leuchtet, auch die Sonne des Friedens und der Menschenverbrüderung die Herzen erwärme, auf dass Jisrael geholfen werde und der Erinnerungstag des neunten Aw in einen Tag der Wonne und der Freude sich wandle durch deine Gnade. Amen!

Das Bild, welches die Zerstörung des Tempels zeigt, stammt von Francesco Hayez.