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Der Nahostkonflikt – Versuch einer Visualisierung


knowledge // Der Nahostkonflikt from Axel Rudolph on Vimeo.

knowledge ist ein fiktives TV-Format, erdacht von von Axel Rudolph im Rahmen seiner Diplomarbeit. Dieses Format soll Wissen für junge Menschen aufbereiten und transportieren. Im vorliegenden Film ist das (vielleicht sehr undankbar gewählte) Thema der Nahostkonflikt. Also Terrain, welches mit allerlei gefährlichen Minen und Fallstricken übersät ist. Was soll man wie darstellen? Welche Ereignisse waren wichtig? Wer sollte zu Wort kommen? Welche Akteure sollen vorgestellt werden? So fehlten mir wichtige konkrete Hinweise zur Bevölkerungsentwicklung oder auch nur das Stichwort Sechs-Tage-Krieg. Die visuelle Darstellung dagegen ist – für das Internet – sehr ansprechend und rund.

Gefunden über das Design Tagebuch.

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Töten für ein höheres Ziel?

Zur Paraschah Mattot
Gleich zu Beginn der Paraschah Mattot, noch bevor die Torah mit Vorschriften des sozialen Miteinanders beginnt, begegnet uns eine Begebenheit, die bei uns und zahllosen Kommentatoren und Auslegern des Textes regelrechtes Kopfzerbrechen auslöst oder ausgelöst hat:
Der Krieg gegen Midian und die Auslöschung der gesamten männlichen Bevölkerung Midians durch 12000 israelitische Kämpfer und die anschließende Tötung der midianitischen Frauen im geschlechtsreifen Alter und die Aufteilung der Besitztümer der Midianiter unter den Kindern Israels. Die Torah schildert dies in recht klaren Worten: Räche die Kinder Israels an den Midianitern, anschließend wirst Du zu deinem Volk eingehen. Da sprach Moses zum Volk: Rüstet Männer zum Kriegsheer aus, sie sollen gegen Midian ausziehen, um für den Ewigen Rache an ihnen zu üben.. Die Formulierung anschließend wirst Du zu deinem Volk eingehen bedeutet nicht, dass Moses anschließen (siegreich) zurückkehren wird zum wartenden Volk, sondern bedeutet, dass Moses anschließend sterben wird. Es sollte also der letzte Kampf werden, dem Moses beiwohnt. Weiterlesen

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Zunge hüten!

Jüdische Allgemeine Juli 2008
Was gestern gesagt wurde, ist heute nicht mehr interessant. Im politischen Alltag haben wir uns fast daran gewöhnt, dass Versprechen schon einmal nicht unbedingt eingehalten werden. Im Internet und besonders in der Bloggerei wird viel geschrieben, auch viel übereinander. Dabei sollten wir Worte zuweilen doch auf die Goldwage legen (um mal eine abgegriffene Metapher zu verwenden). Zum Wochenabschnitt Mattot habe ich für die Jüdische Allgemeine darüber geschrieben. Der Torahabschnitt erzählt nämlich einiges über Schwüre und Gelöbnisse und die zeigen, dass Sprache ein machtvolles Werkzeug ist. Hier gibt es das in dieser Woche anzuschauen (auf das volle Kästchen oben rechts klicken).

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Samir Kuntar – die Fakten

Zuweilen muss man kritikfähig sein und eingestehen können, wenn man einer falschen Annahme aufgesessen ist. In diesem Falle ist man auf verlässliche Informationen angewiesen. Im Falle von Samir Kuntar habe ich deshalb geradezu auf eine Meldung von Lisa Goldmann gewartet: Was hat es mit diesem Mann Samir Kuntar auf sich? Woher kommt die Geschichte, er sei unschuldig (OK. Das war eine rhetorische Frage). Sie kennt den Libanon ausgezeichnet, hat die richtigen Kontakte in der Region und hat auch kürzlich aus dem Libanon berichtet. Damit hat sie einigen Ärger eingehandelt, aber auch interessante Einblicke geliefert. So wurde in einem Kommentar zu meinem Beitrag Ein Kindermörder wird bejubelt Kuntars Selbstdarstellung wiedergegeben, er sei unschuldig am Tod des kleinen Mädchens. Nun legt Lisa die Fakten auf den Tisch:

Last week Yedioth Ahronoth published the transcripts of Kuntars trial, including the forensic evidence that showed Einats brain tissue was found on Kuntars rifle. The article was translated into English and can be read here. von hier

Zudem präsentiert sie ein Interview mit Samir Kuntar, welches in Ma’ariv erschien, es befindet sich ebenfalls in dem zitierten Blogartikel und wurde um Schilderungen derjenigen ergänzt, die bei der Tat am Ort waren:
Also contradicting Kuntars testimony is that of Smadar Haran, Danny Harans widow, who hid with the couples 2 year-old daughter Yael in a tiny crawlspace above the bedroom. She has no recollection of hearing Kuntar trying to convince Danny to leave little Einat behind. It was a terrible and chaotic night, but I find it very difficult to believe that any such conversation took place, said Smadar.

Brigadier General (reserve army) Yossi Schur, a resident of Nahariya whose home was near the site of the attack, heard the shots and was one of the first to find the police officer, 24 year-old Eliyahu Shachar. After checking his pulse to confirm he was dead, Schur radioed for help and continued in the direction of the beach, where the firefight was ongoing. suddenly I heard the blood-chilling scream of a young girl. Just as I yelled, Halt! Samir Kuntar stood up and began shooting at me from a distance of 5 meters. Three bullets hit me in the chest, and I fell. During his interrogation by the Shin Bet, Kuntar said that he twisted the little girls leg in order to make her scream, so that we would stop the assault. And we did, indeed, cease firing after she screamed. After I fell, the firefight continued. von hier

Der lange Artikel ist also im Bezug auf das Thema ein unbedingtes Muss.

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Kollektives Stockholmsyndrom

In den Kommentaren zu Ein Kindermörder wird bejubelt antworte ich Serdar mit der Vermutung, die Bevölkerung des Libanon leider womöglich unter einem kollektiven Stockholmsyndrom; was von den Freunden der offenen Gesellschaft zitiert wurde und ein Hinweis darauf war, wie wahr diese Aussage womöglich ein könnte. Einige Bilder der Präsident des Libanon Michel Suliman Samir Kuntar die Hand schüttelt. Daneben stehen Nabi Beri und der Premierminister Fuad Siniora. Eine interessante Konstellation. Da stehen diejenigen, die an der Zersetzung des Libanon arbeiten, neben denen, die eigentlich etwas dagegen unternehmen müssten. Statt dessen wird zugesehen, wie die Hisbollah den gesamten Libanon in einen Krieg mit Israel zieht.
So legte man den Abzug der israelischen Truppen aus dem libanesischen Grenzgebiet 2000 nicht als Friedensbeitrag aus, sondern als Sieg der Hisbollah und Zeichen der Schwäche Israels. Seitdem gab es immer wieder – ja eigentlich ständig, Angriffe der Hisbollah aus dem Grenzgebiet heraus. Raketenangriffe auf Israel wurden zur Regel.
Am 12. Juli schaffte es die Hisbollah dann, dass Israel ihre Stellungen im Libanon im großen Stil angriff und nun einen richtigen Krieg führte. Natürlich war die Antwort dieses Mal massiv und verursachte empfindliche Zerstörungen im südlichen Libanon. Dies der israelischen Armee anzukreiden und nicht den Kämpfern der Hisbollah, die von dort aus operierten, gehört zu den Kunstgriffen der Islamisten und ist ein Indiz für das Stockholmsyndrom. 2005 gab es im Libanon breite Demonstrationen gegen die Syrer, gegen die Hisbollah hat es das offenbar nicht gegeben und wird es auch nicht geben. Die Hisbollah hält die vernünftigen Libanesen in Geiselhaft und wird sie wohl ebenso opfern, wie die Zivilisten aus deren Dörfern sie Raketen auf Israel abgeschossen hat.

Jediot Acharonot veröffentlichte am 17.07. einen Brief an das libanesische Volk (die Übersetzung besorgte die Botschaft Israels)

Uri Orbach
Israel hat keinen Streit über Grenzen mit euch, dem libanesischen Volk, aber wir haben sicherlich einen großen Streit, wenn es um unsere moralischen Grenzen geht. Wir haben die Leichen von Udi und Eldad innerhalb weniger Stunden identifiziert. Und ihr? Ihr habt es in 30 Jahren nicht geschafft, festzustellen, wer euer Samir Kuntar ist.
30 Jahre sind vergangen, und ihr könnt noch immer nicht zwischen einem Nationalhelden und einem Kindermörder unterscheiden. Euch reicht es schon, dass jemand einen Juden getötet hat – selbst wenn es ein kleines Mädchen aus Nahariya ist -, um ihn mit höchsten Ehren zu empfangen.
Ihr feiert euren Sieg und zeigt Verachtung für unseren Schmerz. Noch solch ein Triumph, und ihr werdet verloren sein. Während ihr von einem Sieg zum nächsten schreitet, bleibt ihr in Elend und Fanatismus stecken.
Mit jeder stolzen Vorführung und Kundgebung für eure Helden werdet ihr mehr von der Hisbollah übernommen, mit ihrem Leichenfresser Scheich Nasrallah an der Spitze. Das Feuer, das aus seinem Gestrüpp hervorlodert, zehrt seit Jahren die Zedern des Libanon auf.
Nasrallah ist ein Mann, der sein wahres Gesicht im Versteck offenbart; er ist der Mann, der auch euer wahres Gesicht zeigt.
Dies ist ein trauriger Tag in Israel, er trägt Schmerz und Zurückhaltung und Stolz auf das, was wir sind: eine standhafte jüdische Mauer gegen die Speerspitze des iranischen Wahnsinns, welche dort ist wegen eures Schweigens und eurer Förderung. Die Söhne sind zu unseren Grenzen zurückgekehrt, während der Kindermörder zu euren Grenzen zurückgekehrt ist.
Wir haben die Leichen mit großer Trauer empfangen, während ihr fidel einen Verbrecher empfangen habt. Seht nur den Unterschied zwischen uns.

Er warnt, wenngleich polemischer, vor der Übernahme des Libanon durch die Hisbollah und damit de facto, durch den Iran. Darunter wird die gesamte Region zu leiden haben.