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Die jüdische Antwort

Auf Youtube und zahlreichen Foren in denen es irgendwie um Religion geht, tummeln sich Fleißige, die für die Konversion zum Islam werben. Sie stellen Videos eines jungen Mannes mit Bart ins Internet der über seine Religion erzählt. Nicht immer sauber argumentiert, aber sicher erfolgreich bei Menschen die leicht zu beeinflussen sind. Um den Erfolg zu zeigen, werden auch die Übertritte selber ins Internet gebracht.
Jetzt gibts aber eine jüdische Antwort darauf. Zwar in englischer Sprache, aber der Macher hatte offenbar ein Vorbild… Heute stolperte ich darüber und sah zunächst das Video:

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und dadurch erfahren, dass es eine Website dazu gibt: bejewish.org:

BeJewish.orgs main purpose on the internet is to reach out to the world with the message that was delivered to Israel at Mount Sinai. The later being a message of Hope, Peace and Love for our creator and for each other.
We believe that this message being the Torah itself does not nor has ever discriminated due to ones past or present, but rather has had the power to lighten ones future through the conversion into the faith of Abraham, Isaac and Jacob.
Repenting from ones past and setting sail into ones future through the connection one receives through Belief in G-d and the observances of his Holy Commandments (Mitzvot). von hier

Wohin dann mit all denjenigen, die sich melden? Die Lösung dieser Frage habe ich da noch nicht gefunden. Das ist ja immer noch eine heiß diskutierte Frage… Wer soll das machen? wer erkennt das an? Wo sollen die Leute mit dem Gijur hingehen? Dürfen die überhaupt zum Gijur aufrufen??? Fragen, die eventuell die Website beantwortet und ich habe die Antworten nur noch nicht entdeckt…

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Noch eine Kirche wird Synagoge

Jörg Lau hat es (dankenswerterweise) bemerkt: Eine Kirche wird Synagoge – aber für Deutschland müsste es heißen, Noch eine Kirche wird Synagoge, denn derzeit wird ja die ehemalige Paul-Gerhard-Kirche in Bielefeld zu einer Synagoge mit Gemeindezentrum umgebaut (wie es hier zu lesen war, nicht ganz ohne Protest der Anwohner, früheren Nutzer und anderer Bedenkenträger).Nun kommt Speyer hinzu. Die ehemalige St. Guido Kirche im Stadtkern wird für rund 2,5 Millionen Euro zu einer Synagoge umgebaut.

In seinem Blogeintrag darüber fragt Jörg Lau aber auch:

Wäre es denkbar, eine Synagoge als Kirche umzunutzen? Schwer, und zwar nicht nur in Deutschland. Das hat etwas mit dem Anspruch des Christentums zu tun, das Judentum gleichsam aufzuheben – wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis.

Ja – kann man da antworten – das ist denkbar und ist ja früher auch massiv forciert worden. In Spanien gibt es einige Kirchen, die früher einmal Synagoge waren. Hier war die Nutzungsänderung jedoch wenig freiwillig. Auch nach der Schoah gab es in Deutschland einige Nutzungsänderungen. So etwa in Coesfeld und dieser Wechsel ist schmerzhaft. Zwar erinnert dort eine Tafel an die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes, aber allein die Tatsache, dass niemand mehr nach 1945 am Ort war, der die Synagoge hätten nutzen können und sie deshalb einfach einer neuen Bestimmung zugeführt wurde, stimmt mehr als nachdenklich. Zudem wird sie heute von einer Freikirche genutzt und gerade die Freikirchen unterstützen die Judenmission in erheblichem Maße.

In London zeugt ein Gebäude von einer Nutzungsänderung der besonderen Art. Die Spitalfields Great Synagogue wurde 1743 als Hugenottenkirche errichtet, 1819 wurde sie in eine methodistische Kapelle umgewidmet und gar zu einem methodistischen Zentrum für die Judenmission. 1896 kaufte die jüdische Gemeinde Machsike Hadass das Gebäude und machte daraus eine Synagoge. Sie überstand die Bombenangriffe auf London und wurde nach dem Krieg im großen Stil restauriert. 1951 galt sie als eine der größten orthodoxen Synagogen Londons. Aber auch hier machten sich die Änderungen in der Bevölkerungsstruktur des East Ends bemerkbar und so gab es 1972 nicht einmal einen Minjan mehr. Die Synagoge wurde verkauft. 1976 wurde aus dem Gebäude dann eine Moschee für pakistanische Muslime.
Die Weiter- und Andersverwendung von Synagogen, Kirchen und neuerdings auch Moscheen ist also kein ganz neues Thema. Wenn wir aber über die Nutzung von Kirchen als Synagoge reden, vergessen wir nicht, wie viele Kirchen früher anstelle einer Synagoge errichtet wurden und hier liegt der feine Unterschied: Nicht anstelle von, sollte ein Sakralbau verwendet werden. Bei vielen Synagogen war dies der Fall und aufgrund der historischen Konstellation würde ich dies auch für das Beispiel Coesfeld gelten lassen.

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Gar nicht zimperlich

ist die Journalistin Sibylle Hamann, die für die Presse die Kritik an der Medienpräsenz von Natascha Kampusch und Arigona Zogaj. Den Namen Kampusch kennt man auch hierzulande ganz gut, zum Teil hat man auch gehört, dass sie eine Talkshow eher schlecht als recht moderierte. Arigona Zogaj ist dagegen nahezu unbekannt. Die Familie Zogaj kam 2001 aus dem Kosovo und beantragte Asyl. Dieses wurde in der Folge in mehreren Instanzen abgelehnt und schließlich sollte die Familie Zogaj wurde von der Polizei abgeholt, um abgeschoben zu werden. Die junge Arigona war ab diesem Tag verschwunden. Ihr Vater und die Kinder wurden dennoch abgeschoben und Arigonas Mutter Nurie durfte in Österreich bleiben, um nach ihrer Tochter zu suchen. Der zuständige Innenminister Günther Platter fand offensichtlich nichts dabei. Zwei Wochen wohnte sie beim Pfarrer von Ungenach. Im Oktober 2007 wurde eine Pressekonferenz in der Gemeinde abgehalten und seitdem ist das Medieninteresse an dem Fall, zumindest in Österreich ungebrochen.

Dem Text von Sibylle Hamann ist zu entnehmen, dass nun Medienmenschen bestimmen, wie die Opfer sich in der Öffentlichkeit zu verhalten haben und da bringt Hamann auch die Wahrnehmung der Juden in der Öffentlichkeit – in den Medien – ins Spiel:

Die Taktiken ähneln einander: Dem Opfer wird unterstellt, sein Schicksal selbst gewählt oder daran zumindest Gefallen gefunden zu haben. War es, zum Beispiel, im Londoner Exil nicht eh ganz lustig? Und war Natascha mit ihrem Entführer nicht sogar Schi fahren? Man weist darauf hin, dass sich das Leiden ausgezahlt hat finanziell zumindest. Wie viel hat Kampusch denn verdient? Und kassieren die Juden nicht tolle Entschädigungen? Stets folgt auch der Hinweis, dass es anderen Opfern noch viel, viel schlechter gehe. Den Palästinensern. Den Kosovaren im Kosovo. Den Nigerianern. Den Kellerkindern von Amstetten. Das Opfer möge sich auf sein bisserl Leid also nichts einbilden, gefälligst.

Wie Opfer zu sein haben, darüber haben manche Menschen klare Vorstellungen: arm, hilflos, schwach, sprachlos. Brave Opfer nennt man unschuldig so als täte ihre Schuld oder Unschuld irgendetwas zur Sache. Brave Opfer kauern still zitternd in der Ecke. Wehe dir, sagen die Jäger. Wag es ja nicht, anderes zu wollen, als wir dir erlauben. Denn wir können auch anders. Und dann gibts kein Pardon. von hier

Die Kommentare zu diesem Artikel sind auch erstaunlich, die Leute dort schreiben das Wort Jude nicht einmal aus. Fühlen dabei offenbar einen gewissen Makel…