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Umweltschutz und der Erhalt der Artenvielfalt

Sind Umweltschutz und der Erhalt der Artenvielfalt Themen in Tora und Talmud? Anlässlich der Artenschutzkonferenz kann man auch eine jüdische Meinung dazu in Betracht ziehen. Torah und Talmud haben da schon einge sehr elaborierte Richtlinien zu bieten. Richte meine Welt nicht zugrunde heißt mein Text dazu in der aktuellen Jüdischen Allgemeinen. In dieser Woche hier zu lesen.

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Diesen Schabbat – die Tochechah

Jeder unter uns, dem schon einmal Unrecht widerfahren ist, kennt das Gefühl, dass man sich in seiner Hilflosigkeit wünscht, das geschehene Unrecht werde unmittelbar und sofort ge- oder bestraft. Auf der anderen Seite wäre es schön, so könnten wir dann meinen, wenn diejenigen, die sich an die Regeln halten, auch einen Gewinn davon haben und belohnt werden würden.

Das ist heute vielleicht noch weniger zu glauben als früher, in einer Welt in der wir die Möglichkeit haben, mehr über das zu erfahren, was draußen in der Welt passiert und welche Unglücke, durch Menschenhand oder die Natur, geschehen können. Die Welt, die uns in der Tochechah der Züchtigung die Bestandteil unserer Paraschah Bechukotaj ist (26,14 bis 41), begegnet, ist eine vollkommen andere. In diesem Abschnitt werden Gerechte belohnt und können die Früchte ihrer Arbeit genießen, schlechte Menschen dagegen werden bestraft und für ihre Missetaten von G-tt selber zur Verantwortung gezogen. Die Flüche dabei sind so eindrücklich und bewegend, dass dieser Abschnitt in vielen Synagogen etwas leiser gesagt wird, als der Rest der Paraschah. Da heißt es unter anderem: Ihr werdet vergeblich eure Saat ausbringen, denn eure Feinde werden den Genuss haben oder ihr werdet Brot essen und nicht satt werden und ich werde euch unter die Völker zerstreuen und das Schwert hinter euch ausziehen.. Den verbleibenden Menschen im Lande wird gedroht, dass sie selbst Furcht vor einem rauschenden Blatt haben würden und in ständiger Angst leben müssten.
Der gesamte Text auf talmud.de

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Vergesst das „Oremus et pro Iudaeis“

Vergesst das Oremus et pro Iudaeis! Viel zu indirekt, weil da ja nicht direkt zur Judenmission aufgerufen wird. Die evangelische Kirche in Sachsen, gemeinsam mit freikirchlichen Organisationen und den Sächsischen Israelfreunden sind da viel direkter:

Außerdem baten sie Gott, dass immer mehr Juden erkennen, dass Jesus der im Alten Testament angekündigte Messias ist. Die messianische Bewegung innerhalb des deutschen Judentums hat etwa 1.000 Anhänger. von hier

Beteiligt waren also nicht nur Evangelikale:

Bei einem Gedenkgottesdienst, den die Superintendentin von Pirna, Uta Krusche-Räder, und der Vorsitzende der (charismatischen) Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in Deutschland, Pfarrer Dieter Keucher, leiteten, legten die Konferenzbesucher stellvertretend für die deutsche Nation ein Schuldbekenntnis ab. auch von hier

Damit sind also auch Teile der evangelischen Kirche an etwas beteiligt, was etwas heftiger ist, als das kompliziert formulierte Oremus et pro Iudaeis.

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Grinsemarketing

Die Bürger und buddhistischen Mönche Myanmars haben ausgesprochenes Pech: Sie haben kein grinsendes Oberhaupt, das sich und seine Weltanschauung so famos vermarktet und den Westlern ein verzücktes und entrücktes Lächeln ins Gesicht zaubert. Also bleibt man ruhig und sieht ruhigen Gewissens darüber hinweg, dass im vergangenen Jahr das Regime in Myanmar zahlreiche Menschen getötet hat, die an Demonstrationen beteiligt waren. Heute kümmert es nur wenige, dass in Myanmar unvorstellbar viele Menschen durch einen Tropensturm ums Leben kamen. Mit ziemlicher Sicherheit hätte der Meister des Marketing; der 14. Dalai Lama das schnell ändern können. Wo immer er auftritt, spricht er von Mitgefühl, Güte, Liebe, Gewaltlosigkeit und Menschenrechte. Das gilt natürlich nicht überall. Die Anhänger des Dalai Lama wissen natürlich, dass man Chinesen gegenüber etwas zurückhaltender sein sollte. In Bochum beispielsweise hatten die Anhänger des Dalai Lama ihren Menschenrechtsfokus gerade woanders:

Zeit für zwei Chinesen mit einer Pappkiste weiter an den Wartenden entlang zu gehen. Wenig erfolgreich sammeln sie Spenden für die Erdbebenopfer in der chinesischen Provinz Sichuan. Enttäuscht sagt Sen Gao, der als Chinese in Deutschland lebt, die Deutschen seien doch Spendenweltmeister, aber jetzt würden sie kaum spenden: „Wer bei den Spenden unterscheidet, wie kann der sich für Menschenrechte stark machen?“ von hier

Auch die Schilder mit der Aufschrift

„Dalai Lama, give us religious freedom!“

weisen darauf hin, dass es einfacher ist, bestimmte Forderungen immer zunächst an andere zu richten. Die Demonstranten sind Shugden, Buddhisten, die eine buddhistische G-ttheit verehren. Weil der Dalai Lama der derjenige ist, der überall für freie Religionsausübung eintritt, Menschenrechte und Nächstenliebe, hat er die Verehrung des Dorje Shugden untersagt.

Für den Dalai Lama ist Shugden eine Sekte, die in Klöstern nichts verloren hat. Und genau das ist für die Shugden Unterdrückung, sagt Barbara Pietzcker von der Western Shugden Society: „Warum dürfen wir nicht unsere Traditionen verfolgen?“ auch von hier

Einen weiteren Beweis für die moderne und demokratische tibetische Exilregierung lieferte die Fernsehsendung Panorama bereits 1997:

Als Führer der tibetischen Demokratie-Bewegung gilt dieser Mann, auch er Anhänger des Dalai Lama. Die Zeitung, die er herausgab, hieß Demokratie. Auf Druck der Exilregierung des Dalai Lama erscheint das Blatt nicht mehr. Begründung: Die Zeitung habe die Exilregierung öffentlich dafür kritisiert, zu kompromißbereit gegenüber den Chinesen zu sein. von hier

So langsam sickert die Einsicht aber auch bis in die großen Blätter durch. So berichtet Nils Minkmar für die FAZ von der Deutschland Tournee des Grinsemanns

Die Chinesen, nein, wie die ihn manchmal darstellen, freut er sich, wie einen Teufel, bloß ohne Hörner, und verfällt in sein weltweit bekanntes Lachen. Ein Korrespondent einer chinesischen Tageszeitung hat auch den Weg nach Bochum gefunden und befragt ihn kritisch nach Querverbindungen zwischen seinen Beratern und den gewaltbereiten Kräften im tibetischen Jugendverband. Bevor er antwortet, tuschelt der Dalai Lama mit seinem immer hinter ihm sitzenden Chefberater, dem stets im Diplomatenanzug auftretenden Kelsang Gyaltsen: Jedes Wort, jede Formulierung finden weltweit Beachtung. von hier

Vielleicht wären wir besser damit beraten, nicht alles mögliche in eine Persönlichkeit hinein zu projizieren, sondern auch mal in der Lage zu sein, Dinge kritisch zu hinterfragen.

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Der Münchner Kantor auf YouTube

Selten genug findet man jüdische Beiträge aus Deutschland auf YouTube. Nun bin ich auf eine Aufnahme von Kantor Avischai Schmuel Levin gestoßen. Dieser stellt fleißigst Mitschnitte ins Internet und das durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.
Hier seine Wiederholung der Minchah-Amidah in der Synagoge Ohel Jakob am Jakobsplatz:

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Also: Mehr jüdische YouTube Beiträge aus Deutschland! 😉

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Mehdornbeleidigung bleibt ohne Rechtsfolgen

Erinnert sich noch jemand daran, dass der Geschäftsführer der Gemeinde Düsseldorf den Bahnchef unter anderem als Führer der neuen Reichsbahn bezeichnet hat (Hintergrund hier)?
Nun wurde das Verfahren eingestellt:
Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Äußerungen als äußerst drastisch, aber das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gestatte auch Kritik in polemischer Form. Zudem habe Szentei-Heise in einer Unterlassungserklärung zugesichert, keine vergleichbaren Äußerungen mehr abzugeben.

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Last Lecture

Einige mögen es schon kennen, ich sah die Vorlesung von Randy Pausch heute zum ersten Mal. Randy Pausch ist Dozent für Informatik und Mensch-Computer-Interaktion an der Carnegie Mellon University. Weil er unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, gab er eine Last Lecture an seiner Universität.
Titel der Vorlesung war „Really Achieving Your Childhood Dreams“. Seht selber:

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Israel ist

eine Folge der Schoah? Israel ist keine Folge der Schoah? Israel ist selber schuld an seiner Misere?

So könnte man drei Zeitungsartikel zusammenbringen, die sich mit Israels Jubiläum beschäftigen. Serdar wies hier freundlicherweise auf einen Artikel von Micha Brumlik hin. Brumlik geht darin der Frage nach, ob die Gründung des Staates Israel eine Folge des Kalten Krieges war, oder eine Folge der Schoah:

Ein Blick auf die in sich widersprüchliche Geschichte des Zionismus und seiner vielen Strömungen von ganz links bis nach ganz rechts zeigt, dass nicht wenige Zionisten dort gar keinen klassischen Nationalstaat, sondern ein kulturelles Zentrum für die Juden in aller Welt anstrebten. Auf jeden Fall wäre es ein Missverständnis, den Zionismus lediglich als Reaktion auf den Antisemitismus anzusehen. Jüdische Intellektuelle wurden ebenso zu Nationalisten wie Intellektuelle anderer ethnischer Minoritäten und Majoritäten. Dennoch: Als die zionistischen Vereinigungen jedoch unter dem Eindruck des Holocaust im Mai 1942 in New York eindeutig für die Gründung eines ethnischen Nationalstaats optierten, waren die Würfel gefallen. von hier

Marek Halter dagegen widerspricht der Legende (oder Unterstellung), Israel sei eine Folge der Schoah. In seinem Artikel für die Welt schreibt er darüber, wie der Zionismus auch in der arabischen Welt die Idee einer Staatsgründung populär gemacht hat.

Die „Jewish Agency for Palestine“, die Regierung eines Staates im Werden, deren Führung David Ben Gurion 1935 übernahm, geht auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück, als die Region von den besiegten Ottomanen verlassen und von den Briten besetzt wurde. Das Parlament der Juden Palästinas wurde zwischen 1920 und 1944 viermal demokratisch gewählt. Die allmächtige Gewerkschaft, die Histadrut, trat 1920 ins Leben, ebenso wie die Sozialversicherung Kupat Holim und die Verteidigungsorganisation Haganah, Israels Armee. Die wichtigsten israelischen Tageszeitungen entstammen dem Jahr 1919, vor allem „Haaretz“, das führende Blatt des Landes. Die Hebräische Universität zu Jerusalem wurde 1925 auf dem Skopusberg eröffnet und das Weizmann-Institut für Wissenschaften 1934 in Rehovoth. Das Technion, die Technische Hochschule von Haifa, wurde sogar schon 1914 ins Leben gerufen, also Jahre vor der Deklaration jenes englischen Lords, der den Juden 1917 eine nationale Heimstätte in Palästina in Aussicht stellte. von hier

Zur Misere in der Israel gesehen wird: Laut Tagesspiegel beachteten türkische Tageszeitungen in Deutschland den Geburtstag Israel überhaupt nicht und wenn, dann gleich in heftigerer Form:

Auch der 60. Gründungstag Israels spielte in den gängigen türkischen Blättern wie Hürriyet, Türkiye und Milliyet keine Rolle. Ganz anders hingegen in der islamistischen Milli Gazete, die in Deutschland eine gedruckte Auflage von 3000 Exemplaren hat. Das vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtete Blatt schrieb am Sonntag: Auch im 60. Gründungsjahr ist Israel, das Blut, Brutalität und Terror alltäglich gemacht hat, ein Ungemach für die Welt. von hier

Verhöhnend heiße es weiter in der Zeitung:

Der zionistische Staat Israel, der es nicht schafft, auf dem von ihm besetzten palästinensischen Boden die Juden, die er in der ganzen Welt einsammelt, zufrieden zu stellen, und der auch bei den Muslimen und Christen Staatsterror anwendet, feiert mit der Angst vor Kassam-Raketen sein 60-jähriges Bestehen. von hier

Auf der Internetseite der betreffenden Organisation wird keine eigene Stellung bezogen, sondern eine Pressemeldung über den Protest einer dritten Partei berichtet:

Wir feiern Israels Geburtstag nicht
Mit dieser Überschrift veröffentlichten 100 prominente Juden aus Großbritannien in der Zeitung The Guardian eine Erklärung zum 60. Jahrestag der Gründung Israels. Sie werfen Israel ethnische Säuberung und Missachtung der Menschenrechte vor. von hier

Und siehe da! Der Kreis schließt sich, denn die 100 prominenten Juden beten das Märchen nach:

Es sei nun an der Zeit, die Erzählung der anderen anzuerkennen, den Preis, den ein anderes Volk für den europäischen Antisemitismus und Hitlers völkermörderische Politik gezahlt hat. auch von hier

Vor diesem Hintergrund kann es also nicht schaden, die Texte von Brumlik und Halter zu kennen.

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Der Superdonnerstag

Hier ist ja seit einer Woche nicht passiert. Deshalb hier eine kleine Statusmeldung:
Heute ist nicht nur JomHaAtzmaut, was ja an sich ein riesiger Grund zu feiern ist (wie verhält sich der Trubel von Jom HaAtzmaut eigentlich zu den Vorschriften der Omer-Tage?), sondern auch Donnerstag. Am Donnerstag wird der Haushalt mit Offlinelesestoff versorgt:

Der Donnerstag

Vieles davon bleibt bis zum Schabbat liegen und wird dann verarbeitet. Die Jüdische Allgemeine bringt übrigens ein 60-seitiges Special zu Israels rundem Geburtstag. Die ZEIT glänzte heute mit einem Artikel über die Jewish Agency. ZEIT Autorin Gisela Dachs (die regelmäßig aus Israel berichtet) untersucht die Frage, ob die Jewish Agency überhaupt noch zeitgemäß ist:

Umgekehrt wird von liberaler Seite am Sinn der ganzen Einwanderungspolitik gezweifelt. Jüngst forderte ein Journalist in der Zeitung Haaretz die Abschaffung der Jewish Agency, weil Israel keine Neubürger mehr brauche, um sein Bestehen zu garantieren: Die Tore sollten weiter offenbleiben für alle Juden, doch mit den Bemühungen, Menschen zur Einwanderung zu überreden, sollte man aufhören. Außerdem gebe es auf der ganzen Welt kaum noch Juden, die in echter Gefahr lebten. Es sei ironischerweise vielmehr die nationale Heimstätte Israel zur schwierigsten Kampfzone des jüdischen Volkes geworden. von hier

Der Artikel (und die anderen aus der ZEIT vergangener Woche) ergänzen ganz gut die Berichterstattung der übrigen Medien.